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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 37. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 37.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Daart gra Einflüfsnr können sich die christl. Linder, die da» zuhör» müssen, doch nicht eiftziehm. Entschieden bedauerliche, ab« all auf die christl. Schüler ist die Wirkung «ms da« Mische Lind selbst. Nicht »nr, daß dem Lind« in so verletzender Weise die Ntthe eine» de» Grinde» entbehrenden, und also falschen Schamgefühl» in die Wangen getrieben wird, sondan de» braflidxr ist, daß da» Lmd. immnfort solchen Angriffen gegen seinen Glauben auSgescht, bald zur Ansicht kommen muß, da» Volk» dem seine Eltern angehören, w'rd wohl da Schimpf m't Recht treffen. Muß nicht jemand, unter solchen Eindrücken aufgrmachseu, nachdenklich werden üba diese Verunglimpfungen gegen seine Religion, die a niemal« zurückgewiesen fand? Ja dar Eingang» aufgrführten Falle war Gelegenheit geboten. da»;8inb ander» zu belehren und e» von da Grundlosigkeit zu übaziugw. Die glanzvollen RuhmeSthatcn da Makkabäer thateu de» ihrige, diese schlechte Meinung gegen sich selbst wieder auSzugleich». E» muß wirksam sein, zu hören, wrvon der Geschichtsunkundige sich keine Verstellung machen kann, wie Juden, den man mit dem Boiwu^ der Feigheit nicht rasch genug bei da Hand sein kann, sich zu heldrnmüth'gsta Tapferkeit und aufopfernder BatalondSliebe ahebea könnt'«. Bei nie vielen wird oba der falsche Begriff, den man mit dem Worte.Jude" vnbindet, nicht corrigiat? Bei den alla meisten. Diese müffen da» Schrecklichste von ihren Bor» fahr» ahnen, wähnen, daß sie nur schwarze Seiten in ihrer Geschichte zu verzeichnen haben. Wird da» nicht in da Jugend auSgewazt, späta geschieht r» nicht mehr. Man vatrest sich in die allgemeine Litteratur und TageSlittaatur, die nicht« für Juden und Judeachum, genug ab» gegen beide» enthalten und in unzähligen Romanen und andern Schriften dieselben zum Angriffsobjekt machen. Daraus kann man keineswegs Liebe oda auch nur Neigung zu s in« Religion schöpfen. Und daß die Eltern eine Auswahl in da Lektüre ihr« Lind« treffen, wenigsten» in dieser Hinsicht, kann mau auch nicht sagen. So vud durch den Mangel an Religiontuntaricht wird da» Bonntheil -egen da» Judenchum gestärkt und da soll man staunen, wenu Gleichmuth und JndifferentiSmu» in religiös» Dingen bei «n» rinkehren. Im Gesellschaftsleben erfährt wen oft genug, daß Juden auch gegm Glauben»« genoffen Versteck mit ihrer Herkunft spielen. Mancha entwickelt einen §olch rührenden Eifa in diesbezüglichen Berläugnuogea, al« ob sie Ehre und unstnblichea Ruhm eia« tragen würden. Ein balina Zeitungsredaeteur, Jude, erzählte mir, wie manche ihm. auf einem Balle da.Balina Presse" becheuate, sie seien keine Juden, obwohl die Gesichta sie Lügen straften. Und wenn man schon oft nicht» mchr ander» kenn und eia Ableugnen wegen de» ausgeprägt jüdischen Typu» nicht mehr angängig >st, so find« man doch seinen Trost, die Versicherung abzugeben, daß man durchaus nicht mehr jüdisch lebt. Daß da» nicht übertrieben ist, bin ich nicht nur durch die äußaste GlaubenSwürdigkeit jene» Harn, foirdan auch durch eigene Erfahrung übazeugt. Freilich vndnrken kann man'» ihnen nicht, daß sie ihre Abkunft zu verbagen sich abmühen, denn fie hob« da« Judenthum zu sehr auf dem Gewissen, al» daß r» nicht beunruhigt waden und pochen sollte, wenn man fie daran erinnert. L« scheint jetzt doch ein wenig besser waden zu wollen u. r» ist nicht» Gamgnr» al» da Autisemrtitmu», va sich hia al» wunder wirkend erweist. Seinem Wiederansflacknu, wie betrübe, d a für die äußae Gestaltung da Juden und da» Verhältnis zwischen ihnen und den Christen waden sollte, ist e« doch zu danke», daß die Juden fich mehr al» solche fühlen, al» e» kurz vorha da Fall war. Während «an vorlaute» Bordräugeu in die christliche Gesellschaft al» besondan Characterzug von den Jahren ,1871 bi» zum Begrnu da genannten Bewegung de» Jude» Nachweisen kann, und damit Abschüttelnug alle» specifisch Eigenchämlichen, läßt sich nicht verkennen, daß «an i« allgemeinen sich zurüchjieht uud jetzt, nüchtern geworden, umkehrt. Die schreckliche Selbstvergeffenhnt macht wird« «ina bewußter» Selbstschätzung Platz. E« weiß jetzt jeda, da «» früh« nicht wußte, daß alle» Liebäugeln «ft d» christlich» Mitbürgau, die ua» doch nicht wollen, ganz nutzlo» ist. Denn da AntisemWmu» «acht keinen Untaschied zwischen rechtgläubige» uud freisinnig», reichen und arm», nicht einmal gutcn uud schlechten Juden. Alle» wa» Jude heißt, ist et» ihm verdammenSwerth. Bon dem Standpunkt da Uavaäußalichkeft drffen, wa« «n» zu Judm «acht, von dem Standpunkt der Wahrung unsa« Eigenart, ist die Wiedakehr äußerlich ein wmig einschränk»da Verhältnisse un» nur zuträglich. Wa» nützt «n« Freihat, wenn mau damit auch religiöse Gesetzlosigkeit verficht, wenn wir astaa nicht würdig leben. — Jnsosnn sollten wir den äußrm Umschwung vastehen, weit« nutzbar zu mach» für die ionne Erstarkung, al« dieselbe ja tatsächlich, w»n auch gaing durch ihn konstatiert waden kann. Gewinnen wir doch die Auffaffung darüber, daß eine. glückliche Vorsehung unsne äußae Stellung zu unsren Ungunst» ein w»ig geändert, um, ehe «» zu spät würde, un» al» Juden wieda zum Bewußtsein zu bringe», und in da größten Frrihett ua» al» solche nicht wird« zu vergeffen. Diesen Funk» der Regung, der sich jetzt kund giebt, zur Gloch der Begeisterung anzufache», um unsa Herz mit da Liebe früherer Zeit» zu unser« Religion zu erfüll», da» scheint mir in diesem Augenblick die schönste Ausgabe, die sich die Männa, die an da Spitze de» jüd. Bolle» steh», zu stell» haben. Daun wird man sich diese scheußlichste, unsaem Jahrhundert zur Schmach gerrich»de Bewegung selbst nutzbar gemacht haben, um Gute» zu stiften, und wenn sie vorübagegangm, ihr» Zweck erfüllt, wird man von ihr sag» könnm jene» Wo«: Ihr habt un« Böse» zugedacht, ab« Gott hat e» zum Guten gelenkt. — (Forts, folgt.) Die Jude« in Rußland. (Schlnß.) E» fehlt durchau» nicht an LibaaliSmu» hintn va« schloff»» Thür»; dagegen wirst man mtt Stein» nach demjcuig», welch« rrvoltirt. und ein Libaala, da sein« Gesinnung Au»d»ck giebt, wird wie ein Au«sätziga gemied». Diejmigm Männer, welche sich zu »«schied»» Zeit» de« Gemeinwohl geopfert haben, läßt man gleichgüftig bei Seite lieg», fie Hab» mehr Haß genntet al» Shmpathie. Uebadie» wagt in Rußland Niemand eine Meinung zu äußern, die von da de» Laiser» vaschiedea ist, sogar nicht iu d» gleichgültigsten Dingen, al« z. v. in Frag» da Kunst uud Litterotur. Wo da Laisa seine Meinung ausgesprochen hat. da bleibt nicht» übrig al«zuzusttmm» oda zu — schweige». Die» ist ein düstere» und traurige» Srmäld«; jedoch dürfen wir die Hoffnung nicht aufgrbm, daß fich die Berhältnisir früh« oda spät« beffa gestalt» waden, obschou da Zeitpunkt hinfür tu Rußland «och i» writa Faar zu liegen scheint. Die Ruff» wollen «» einmal nicht beareisen, daß e» eine» rechtschaffen» Manne» heilige Pflicht ist, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln die Verbreitung der Livilisatiou anzustreben und Alle» zu beschlmnigen, wa» die Menschheit ihre» Seg»S theilhastig mach» kann. Wen» eine liberale Reginung die Wirkung da Civllisation ist, so ist fie in gleicha Weise auch eine Ursache daselbm und wir halt» dafür, daß sie mft demsrlbm Rechte «U da ein» wie mit da andan beginnen dürfte. Unglücklicherweise sind aber die meist» Liberalen Rußland» laut« lluzufrirdme. Rußland ist ein Basallen- und vramteustaat; die Wohlthat», welche freie Zustände begleite» oda au» d»selbm resultir», kmnt man daselbst nicht. Die Regierung «acht den Ruff» Sbem, wa» a ist; deshalb muß auch sie die verantworthkett für ihre Mißgriffe tragen. Die Leid« da Judm

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