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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 34. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 34.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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— 260 — Unterschick« »kennt. Die GabeUde» Herrn von Stern wird — »ie da-'.Jr». Chronicle" schreibt — auch einen typischen Tharokter haben. Gleich dem Glockenthur« verbreitet da« Judenthmn höhere Erkrnntniß überall hin. wo man seine Blicke auf dasselbe richtet und gleich der Fontaine erfrischt und stärkt e« Jeden, der sein lebenspendende» Wasser kosten will. .Alle Durstigen wögen kommen und trinken von seinem Wasser ohne Geld und Geldwerth." Herr Herbert von Stern hilft, wie alle für da« Wohl der Menschheit wirkenden Juden, die Zeit herbeiführen, in welcher jene Wahrheiten sich einer allgemeinen Anerkennung erfreuen werden. Vermischte und neueste Nachrichten. Berit», I. Aug. Bei der heut» vorgenommenen Wahl de« Rector« und der Decane der Universität wurde zum Deca» der juristischen Faculiät Herr Geheimrath Prof. Dr. Goldschmidt gewählt. Der gerade In dieser Fakultät stark vorherrschende» antisemitischen Strömung »Mer den Studenten dürft» durch di« wah! «ine» al« Jurist so hervorragenden Jtraeiiten et« wohlthuender Dämpser augelegt sein. Berlin. Die hiefige jüdische Gemeinde hat zu den hohe» Festtage» auher de» Saal in der Philharmonie noch drei graste Säle, und zwar in Arnim'« Hotel (Uiter den Linden), den Gaal de» Verein« junger Sausleute (Veutbstraste) und den der »Gesellschaft der Freunde" (früher Sommer'» Salon), PolSdawerprast«, gemiethet. E« »erdeu serner drei neue GesangSchöre vom König!. Musikdirektor Rosenfeld «instudirt. Man will der Privatsprcu'alion «ntgegeutrete«, welch« oft in nicht-zweckentsprechenden Lokalen de» Gottesdienst abhalte» liest. Bernburg. Da« in vor. Nr. erwähnte Glückwunsch-Schreiben, «eiche« ler hiesige Magistrat dem Herrn Isidor Ahlseld zum 8V. Gebt rt«tag übersandt hat lautete: »In erfreulicher Rüstigkeit an Geist und Körper vollenden Sie, hochgeeqrtcr Herr, heute Ihr 80. Lebensjahr. E» drängt un«. Ihnen al» einem der würdigsten Senioren nnter unserer Bürgerschaft im Namen der von un» vertretenen Stadt, der sie stet« al« cchtcr Bürger in treuer Gesinnung und Anhängltchkeir angehöit und in mannigfacher, heroorragender Weise opferwillige Dienste § leistet haben, herzlich« Glück- und Segenswünsche darzubringea. »dem wir uni heute Alle« in dankbarer Erinnerung zurückrufen. Wale, hochwürdiger Jubilar, im öffentlichen Leben de» früheren Herzogthum» Anhal,-Bernburg für unsere Stadt und Ihre CultuSgemeind« in immer loyalrr Gesinnung erstrebt und gewirtt haben, »ersichrr» wir unsere inaiaste Theilnahme an Ihrem heutigen schönen Ehrentage und wünschen von ganzem Herzen, daß Ihnen der so verdiente sonnige Lebensabend für lange »och befchiede» sein möge." Der Magistrat. (Wir schliesten un» dem in diesem de» Jubilar hoch ehrenden Schreiben autgcsprrchenen Glückwünsche von Herzen an. Solche Männer gereichen dem gesamten Iudenthum zur Ehrei "Q*V IDIOS R.) Lifsa (Posen). Unser Rabbiner Hr. Dr. vaeck begeht nächsten» M 22jährige» «misiubiläum, zu deffe, Feier in der «eweinde bereit» Vortereitunaen getroffen «erden. LtUtrmbnrg, IS. August. Folgender »et der Pietät »«rdtent in die Oeffentlichkeit zu gelangen: Bor circa 11 Jahren mustt« der in« zwischen verstorbene Herr Hipoltzt« Sahen sein« Zahlungen «iaftellen und kam da,«als «In gerichtliche« «oncordat von 20 Pitt, zu Stand«. Dieser Lage ,»» hat Herr Emile «ahen an« «nlwerpea, der «oha de« verstorbenen Herr, H. Sahen, um den Name» seine« Vater« zu rehablliltre», de» Rest aller Schulde, deffelbeu, ca. 100.000 Fr. durch da» Hau» Werlng, Lambert ch Somp. an die Gläubiger auszahlen laffen. Ehr« eine« solchen Sohne und einer solche» Ddat! sL. Z.) Prag, 12. August. Am 12. d. Mt», hielt der „tlt. Lehrervrrei» tu Böhmen" hier sein« 17. Generalversammlung ab, welcher jedoch nur 88 «rdeutlich« Mitglieder beiwohnten. Herr Rabbiner Dr. Deutsch- Brüz hielt »ach Erledigung de» geschäftlich«» Theil» und der Borftand»- wohlen einen Vortrag »über den jüd. Geschicht»unterricht al« rntegrirend«» Bestcndtheil der Religio»«lehre", der sehr beisällig ausgenommen »ui de. — — Da» hiesige rituell« Frauenbad entspricht schon sei« geraumer Zeit de» sanitäre» Anfordeiung«, in keiner Weis«; di« Gemeind«- retzräseatanz hat deshalb den Bau eine« neuen Tempel», sowie auch dle Errichtung einer Koscher-Fleisch-Vank, beschlossen. Kallt» (Böhmen). Wie ich von kompetenter Seite erfahre, gedenft unser Radb'ner Dr. Gugenheimer dt« ihm angetraa«»«,, durch den Tod seine» Schwiegervater» S. R. Hiisch vaeaut gewordene Rabbinerstelle in Frankfurt a. M. nicht aazunehmea, da er sein« hiefige G«- «etnd« nicht verlaff«» will. Pest. Der gröstte Maler Ungarn», der berühmte Munkacsy, ist Israelit. Set» wirklicher Name ist Michael Lieb und führt er de» Namen Muakacsy »och der» Namen de» Torfe», in welche« er geboren wurd«. Er war früher gewöhnlicher Dekorationsmaler und schwang sich durch eigene« Genie und unverdroffea«, Fl«,st zu seiner jetzigen Höhe «mpor, welch« ib« «ine» Ruf unter den berühmteste» Maler» Wkk gCglülDCt {Mit* Bnknr.st. Al» der Unterricht-minister vor Kurzem eine der höheren Schule» tnspirtrte, fordert er den Direktor auf, ihm die 10 beste» Schüler in'einer der Klaffen zu nenne». E» ergab sich »un hierbei^ dast diese sämmüich jüdisch« Knaben waren. Dies« Wahrnehmung verfehlte nicht, einm tieft» Eindruck auf den Minister zu «»che», denn er gab den Schülern da» versprechen, es würde nicht lange mehr dauern und die Juden würden al» Rumänen anerkannt und da» Gesetz, nach welchem sie heute noch al» Fremde behandelt werde», wür^e aufgehoben »erden. (Möchte da» Wort de» Minister» bald zur Wahrheit «erde» I) London. Folgenden schöne» Zug erzähle» englische Blätter von der varoneff« Alphonse de Rothschild in Pari«: Ei» Kind, deffe» Efter» in der gröstte» Armnth lebten, litt an einer schwere» Hüst» krankhett. Al» die« der Baroneffe zu Ohre» kam, begab sie sich selbst »ach dem Dachstübchen, wo di« arme Familie wohnte, liest ihren eigene» Wundarzt kommen und hielt da» Kind während der vorzunehmenden Operation aus chre« Schoste; dann bveb sie trotz der Ungewöhnlichkeft der Lokalität die ganze Nacht bei dem Kind« und bezahlte später nicht nur Arzt und Apotheker, sondern »ah» sich auch de» Kinde», nachdem es geheilt war, in liebevollster Weise an. Odessa« In ein« Lorrespondenz de» .Gralhdania" «»»^Odessa finden sich die dortigen namhaftesten Millionäre mit Angabe ihre» ungefähren vermögen» ausgezählt. Danach ist der reichste Mann in dieser russischen Hand«l»stabr der Grieche Ralli, der 28 Millionen Rubel besitzt. rjm folgen der Grieche Radokonaki und der Italiener Anatra mir je Millionen Rubel, dann der Grieche Marasli und der Jude Aschkinasi mit je 8 Millionen Rubel, ferner die Jude» Eph russi»Rasalowitsch und BrodSki, sowie der Baron Maast mit je 4 Mill. Rubel und endlich der Jude BrodSki»Schmu! mit 2 Millionen Rubel im vermögen. Das Jnterreffanteste an diesen Angaben ist unstreitig, dast sich unter den ersten Millionären Odeffa'S nicht ei» einziger wirwcher Ruff« fcjiubct* A«S LifliS wird gemeldet: Die Behörden gehen sehr streng gegen diejenigen Juden vor, welche» der Aufenthalt in Kaukafien untersagt ist. Ei» Ttzeil derselben wird an die türkisch«, eia anderer an die perfisch« Grenze befördert. Ja den letzten zwei Monaten sind 41 Israeliten zur orthodoxen Kirche übergetretea, nur »m der Ausweisung zu entgehen. «ew-Pork. Di« Zeitungcn berichten üb.i de» Tod eine» jüdischen Mädchen» durch Selbstmord. Sie war verllebt. Au» einem gewisse» Grunde — ohne Zweifel einem triftige» — hatte die Mutter ihr« Einwilliguug zur Berbüidung mit dem Geliebten nicht geben wollen. Zu folgsam, um nicht gehorchen zu wollen, und in dem Sahne, ohne ihren .Harry" nicht leben zu können, nahm sie sich da» Leben, vorher aber hatte sie dem Geliebten folgende Zeilen übersendet: ^fch hatte gehofft, meine Mntttr für unser Vorhaben zu gewinnen, weist aber jetzt ganz bestimm», dast ich ihr« Einwilligung nicht erlangen «erd«. Ich halt« daher diesen Weg-«ine Mutter sieht in dt« Zukunft, wa« wir nicht thun und ganz gewist würde eine Heirath ohne der Mutter Einwilligung eine unglückliche sein." Dein« Bertha." Fürwahr, die Worte .eine Mutter sieht in dir Zukunft, M» wir nicht thun x." sollten alle Jungfrauen sich tief in» Herz schreiben. Ei» Brief wie dieser, verdient dle weitest« Verbreitung unter der heirath»« lustigen Jugend. ttnctnuatt. Bor einigen Monaten stierte der um da» amerikanisch« Iudenthum sehr verdient« Rabbiner Dr. Isaak Wis« hier seinen 70. Geburtsrag. ES wurden demselben von allen Seiten di« wohlver» dientest«» Ovationen dargebracht, an denen sich nicht blo» die Mitglieder seiner Gemeind«, sondern di« «eisten und gröstte» Gemeinde» Amerit«'», auch der Orden B'nai verith, durch Deputationen und kostbar« Geschenk betheiligten. Seine Verehrer beschenken ihn u. A. mit einem Hause i« Werth« von 80000 Mark, auch wurde ihm ein Ruhegehalt von 8000 Dollar» jährlich auägesetzt. Tnriua«. Der General-Gouverneur von Holländisch West-Indien, Herr Sa vorn in Lohman» hat au» de« Solonial-Vudget 6000 st. al» Znschust zu dr« Gehalte de» Oberratbin,r» in Surtnan angewiesen. Unter den früher» liberale« Gouverneuren war es den Jude» nicht möglich, «ine» Zuschuß zu erhalte» und blstb e» dem jetzige» Gouverneur, den mau in gewissen jüdische« Kreisen Holland» vor seiner im vorigen Jahr« ersolgten Ernennung antisemttischer Gesinnungen de» sinnungen bezichtigte, Vorbehalten, da» Gesuch der jüdlschen Gemeind« zu gewäbren. (J'w. Shr^ Melbourne. Der ungeheure Erfolg der berühmte, P>anifttn Mist Floren«« Menck-Meyer, welch« sich auf einer Kunstreis« in Europa befindet, bildet hier da« Tagesgespräch. Mist Meyer von hier hat vor einlgen Jahren «in Sonservatoriu« aus dem Sontineat besucht. Seitdem spstlt« sie tu Pari», Berlin, Wien, St. Petersburg und di« Ovationen, welch« ihr hier bereitet wurden, sowie da» Lob, welche» ihr dt« Kritik spendet, zeigen hinlänglich, dast Miß Meyer» Genie »ad Fertigkeit da» gewöhnliche Künstlertalent weit überragen. Sie hat mit Slara Schumann, von Bulow, Joachim und Rubtnstein gespiev und bei Allen die gröstte Anerkennung gefnudeu. Augenblicklich weilt sie in Petersburg und hat vor kurzer Zett in Gatschina vor dem Szareu gespielt. Da Mist Meyer l» keiner Weis« ihr« jüdisch« Abstammung verbehlt, so zeigt der warm« Empfang, der ihr bei der kaiferltchen Familie zutheil wird, dast der Alleiaherrschir di« unbeugsamen Staatsgesetze, wenn es dst Umstände erfordern, diesen anzu» schmiege» oersieyr. Mist Mcyer ist eine Schwester de» berühmten Geburtshelfer» Dr. Tobta» Meyer, der al» Ehrenwundarzt am Frauenhospttal und al« Ehrendoktor l« jüdischen Frauen- und Wohlthätig» ketröverein wirkt.

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