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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 31. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 31.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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deu Besten auch Dinge, »er denen wir gewarnt werden, die in abschreckender Gestalt die vrrsuchuug, di« Sünde selbst und ihre Folgen darstellen; nicht eigentlich nur au Sündern, deren ganze« Leben eine Reihe verwerflicher Handlungen bildet, sonder» est an Menschen, die in andere» Dingen als edle, fromme, gute Menschen erscheinen. Da« ist menschlich! Da« ist unsere Bibel — für Menschen! Und die erhabenen Worte eines Jesata« und Jrremia», diehimmelanstrebendeuPsalmen,die Weisheit«fprücheSalo« won«, — sollten sie vergeffen werden von den Nachkomme» derjenigen, die sich daran begeisterten seit Jahrtausenden? Wer will erneessen, welche Fülle de» Leben« und de« Lichte« mit einem einzigen Bibelworte in die empfängliche Seele de» Kindes zu dringen vermag? Wer es empfunden hat, was ein solchrS Gottes- und Prophetenwort, solch ein jauchzende» Hallelujah, so eia ernstmahnender Spruch au« »Mischtedem Menschenkir.de sein und werden kann im Leben, wie er wie eine Mahnung and Erleuchtung wirkt, der wird nicht zugeben, daß Alle« die« verloren, sein soll für die Zukunft unserer Rrligronsgemeirschaft. Er wird die Bedeutung dieser Schriften für die Geistes» undHerzrnSbildurg unserer Kinder wohl erkennen. Soll ich sprechen von der Pflicht, unsere Kinder bekannt zu wachen wi: der späteren Geschichte unserer Religion», gesellschast? Ich glaube, unsere Zeit könnte un« belehren, daß ein solche« Derg flen eia „Ohillol huohem", eine Entweihung de« göttlichen Namen« wäre! Unsere Kinder sollen und dürfen wissen, wa« unsere Ahnen gethan und »a« ihnen geschehen, welche Opfer -sie gebracht haben für ihr Heiligchum, und wenn vpfersrendigstit. Begeisterung uud Hingebung für eine heilige Sache adelt, dann werden sie bald fühlen, daß e« keinen Adel giebt, der sich mit dem der »jüdischen Semiten" meflen könnte, so lange sie sich selbst und ihrer Aufgabe treu bleiben. Sollten oergesftn werden von unseren Kindern die Makkabäer, Hillel uud die andern hervorragenden Grüßen bi« auf Maiironide« uud — Mendelssohn? Und die Männer au» unserer Zeit, die in diesem Jahrhundert gewirkt und heimgegangen, nachdem sie gekämpft haben für unser gute« Recht? Die eiagetreten sind in den Kampf unserer Tage für Toleranz und Humanität? Gäbe e« eine größere Selbst» ernirdriguag, Selbstbeschimpfung, al« dieser Edlen nicht mehr eingedenk sein zu wollen? Wird diese Geschich1«kenntniß nicht tiefer und veredelnder wiiken im Geist und Herz unserer gebildeteren Söhne und Töchter, al« «auch andere Geschichten, die sie lernen, um sie zu vergessen? Dies« Ge» schichte werdex sie nicht vergessen! Sie wird sich eingraben in die Tafeln ihre« Herzen«, den» sie ist mit .Herzblut" geschrieben. Und so au-gerüstrt, werden sie mit um so größerem Muth« und mit Opferbereiter Hingebung eintreten für die höchsten Güter der Menschheit, für den Bruderbund durch den einig.einzigen Gott, für Humanität und Toleranz, für da» Reich Gotte« auf Erden. Wir können hier nicht ausführlich sprechen von der Bedeutung d.-s Hebräischen für die Grsammtbildung, obgleich siche, die Beschäftiguug mit dieser Sprache und mit den «igenchümlichen Idiomen, in welchen die späteren Religion«, fchristen, die die geistige Beschäftigung der Juden vieler Jahchunderte bildete«, sicherlich in chnen Geiste«, und Eharalterrigenschasle« ausbildeten die jene Alten auSzeichae«. Hebräisch, wenn c« sich tn würdiger Weise eiureihet in de» Unterricht, i st für u n « nicht wie eine andere tobte Sprach«, denn e« lebt in un» und webt uud wirket fort al« Ausdruck unsere« tiefsten Seelenlebens, — in einem mächtigen Theile unserer Gebete. Aber auch für die Gegenwart ist der Umstand, daß jede« jüdische Kind, um seine religiösen Wichten erfüllen zu können, ttwa« Hebräisch lernen muß, sicherlich für die Grsammtbildung von deiselben Bedeutung wie etwa die Er» lernung einer oder andern fremden Sprache. Daß da« Theilnehmen am Gotte-dienste von einiger Kenntniß de« Hebräischen abhängig ist, wisien Alle. Aber auch in de» Geisteekämpsen, die die Gegenwart um der Religion Willen zu bestthen hat, gewinnen wir dadurch, daß wir keinen Unterschied zwischen Geistlichen und Laien kennen und jede« Juden allzeit die Quellen zum Selbststudium offen stehen. DaS ist das Wisien, da« un« al» Juten den Weg de« Leben» bahnen soll. Religion an sich ist allerding« nicht Wissen, sondern Leben, Wollen und Thun. Auch handelt r« sich nicht um da» mehr oder wenizrr in d'esem Unterrichte. Nur muß da« religiöse Wissen der Grsammtbildung entsprechen, sie ergänzen und vergeistigen. ES soll un» empfänglich machen für da» Ideale, damit unser Lebe» und Streben, Wollen und Handeln überall Zeuguiß gebe von dem tnfen geistigen und stttlichrn Gehalte de« Judenchum« und die Lehre nicht weiche von unserem Munde, von dem Munde unserer Kinder und Kindeskinder ewiglich. — (Fortsetzung folgt.) Monatsplauderei. voll M. S. Der Monat Tamm»« bracht« un« in seiner zweite« älfte jnre unglücklich« Zeit in Erinnerung, welche de« usammensturz de« jüdischen Staate« voraugegangeu ist. a« kleine Juda stand dem «ächttgeu, weltdrzwingeude» Rom gegenüber — konnte der Auügaug diese« ungleiche« Kampfe« zweifelhaft sein? Wie schwer wir tndeß heute noch jene Lrideu»zeit uachrmpfindeu; — da« müsse» wir bekennen, daß der Kampf Rom« gegen da« jüdische voll ei» offener, ehrlicher gewesen, tu dem leine Spur jmer giftige» ver» leamduo,«sucht uud feiger, tückischer Hinterlist vorhanden war, mit welcher man später de» Berutchtun-Skriegegen die Juden geführt, und unserer Zell war e« Vorbehalten, den Judenhaß ll» den sonderbarsten Variationen hervortrrtea zu lassen.—Da giebt e« dort in Dorstfeld eine» Verein, der sich den schöne» Name» .Loucordta" gegeben, uichtSdesto. weniger aber da« allerfchltmmste Separationsgelüste tu fich trägt, weuu e« gitt einen Angehörigen de« Bollsstauune« in sich aufzuoehmeu, ohne welchen e« heute kein Lhrtstenthum und keinen Eoncordia-Bereia in Dorstfeld gegeben hätte. Wie gern hätten wir un« in den Geist de« Arttkel« versenkt, den der .«rstphälische Mekur" über diesen Vorgang gebracht, um darau« zu lerne», wie mau elegant schreiben uud human fühlen muß; — wie gern hätten wir un« an birstm Erguß edler Loyalität gestärkt uud erquickt, — wen» wir nicht bestrchtet hätten, al» Jude zurückgrftoßeu zu werde» au« der Gemeinde — der vollblutSnationalen I Uud Bochum! — Die Antisemiteu-Versammlnug, die tu ihren Mauern getagt, hat dieser Stadt ohne Zweiftl de« Weltruh« eine« Athen, eine« Rom gebracht. Uuvergeßlich wlld die neue Form bleiben, die »an dort für die Wahrung der Gewissen»- uud Glaubensfreiheit — auSgeheckt hat. E« giebt eine Uuverschämthell, die dm Eifetthnr« tu Pari«; übersteigt. — Bochum, sei stolz auf di« Männer, dll dn in dir gesehen, auf die Männer, dll dm Weg gesund«, ans

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