Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 29.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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tlc Feier einer s, eminenten v^erllntischen Perstnlichkeit «it s» hinmt-ender ethisch-hervis-cr Ttzatkraft m» s» bew»o»er»»tzüwfirßiger Macht der Rede eine her»«rr«tzmde Dar geschichtlicher Pietät. Die Ltznt goninnt «»er noch an «edenrnug. well di« Magyaren, welche.himmelhoch jauchend* Len etzemallge« Eonverneur Ungarn» begrüßt hatten, über d» Mont Leni» -nr Feier der französischen Revolution in der Ansstellnng nach Pari» gezogen waren. Diese» Momente» »ar in seiner schwungvollen Rede der geseierte .verbannt« seiner Ration", der greise Patriot Loffnth auch eingedenk. Und fürwahr, nicht di« blutigen Schatten jener Zeit verdienen nud finden Erinnerung, wohl aber jene weltbeglückenden, «enschheiterldsenden Ideen, welche di« geistige Revolntton in Frankreich vor eine« Jahrhundert hervorgerufen hatte. -Dieser dankt jede« freie Volk, jeder freie Staat die Bedingungen seiner Existenz, ihnen danken die Juden ans der ganzen Erdenrunde ihre Menschenrechte. Wie immer die polltischen verhiltniffr sich gestalt« haben mochten: die Verherrlichung der Ideen der Gleichhett aller Menschen vor dem Besetz, de» Ziele» aller Besetze, der Freiheit, der Ans» aade der Freiheit, der Bereinigung aller Menschen zu eine» vruderbnnde. klingt in die jüdische Seele hinein mit bezaubernder Bewalt. Denn ErlSsnng ist ja di« Losung mnd Auflösung der nationalen Tragödie der Juden aus der Bühne der Weltgeschichte. Insoweit haben die Reden und Thaten au» '< Lnrio für die Juden Ungarn« insbesondere eine nnau»lvsch> j Licht Bedeutung. Doch auch di« Worte de» größten lebenden! Dichter» der ungarischen Ration, Moritz Jok ai, m t dem -mir auch in politischer Hinficht ganz übereinstimmen, finden in jede« jüdischen Herzen vollen Nachhall. >m Brabe de» Dichter» Joseph v. Weilen, de» Redakteur» de» vom hoch» seligen Kronprinzen Rudolf begründeten Werke» .Oesterreich in Wort und BÜß" sprach Jäkai tu Wien: .Er (der Ber» -emigte) wollte alle Völker der Monarchie einander in Liebe näher bringen. E» gehörte Math tzazn, e» heute auszusprrchen: Wer ein Patriot ist,! Her ist nein Bruder, mag er die Sprache reden, welche -er will. Heutzutage gehört dazu mehr Muth, al» jemal» znvor. Wer deuRacenhaß predigt, der wird vergöttert, »er die Nächstenliebe oerkündigt, der »ird gekreuziget." Jäkai nennt Weilen .einen Haupt- -Pfeiler de» gemeinsamen Baue«". Doch noch ein anderer getfttger Pfeiler der deutschen Natton Oesterreich» brach in diesen lagen in der Stadt Wien zusammen, der de« genannten Dichter geistig verbundene Eduard Mautner. Beide Dichter waren Freund« de» sel. Dr. Kompert. An der Vahr« Mautner'» sprach ein Jude mtt edle« jüdischen Herzen, der vicepräfideut der .Lonrordia", Regirrung»r«th Winternitz. Männer wie Weilen und Mantner Hallen einen mächtigeu »ntheil an der Sultur der Besammtmonarchie. Ihr Ableben hat daher die gleiche Theilnahme im Oftstaate gefunden, wie im Weststaate Oesterreich-Ungarn», schon vermöge der hervorragenden geistigen Stellung der Deutschen, ihrer Dichter nnd Denker nnd der Bemetnschaft der Deutschen «it der ungarischen Nation im Streben nach Bildung, Freihell und Aufklärung. Vermischte und «euestr Nachrichten. «erltu. 12. Juli. Die .*«». «llg. Ztg." «hellt mh, da» vor der vermöhluug des Erbprinz«, von «»halt »it der Prinzessin Marie von Laden der Birllich« Geheime Rath Baron v. Cohn (J»r.) von dem Herzog von Anhalt al« Bevollmächitgter nach Karltruh« gesandt worden war, v» über dl» atzuschließenden Ehepattrn zu verhandeln. Gleichzelrig »ar derselbe von dem Herzog von Sachsen-Küburg nnd Gotha beauftragt, denselben bei den VermählnugHseierltchkeitru zu verdaten und ein offiziell«« Glückwunschschreiben an den «roßhrrzog Griedrich von Bad» zu überreichen. .D«r Baron ». Cohn", so schreibt die .Nordd. Allg. Ztg.", »vnrrb« neben anberen besonderen Au»z«ich- «moen auch noch dir Ehr« ,n Dheil, da» «e. «öaiglich, Haheit der Mkobherzog von Laden ih» dir sehr seilen« Dekorat'on. da« Großkrenz, sowie den Stern de» Zähttnger Läweu-Orten« in Lrilantrn «it der -goltenen Serie verlieh." «erltu. Dir .Antisemitisch, Smresp." giedt sör dm nächste» Srirg, der nn» be»ersteht, «ine hübsche Parole an». Sir sagt: .Man lass« ftin« Juden »ei den Ersatz-Lateiüonm, »an gebe thäeen »«der Pasten all Schreiber, nach bei »er Bagage, »an »ernende st«, natürlich in Begleit«- deutscher Soldaten, viel zu» Patronillen-Dienst vor de« Feinde, und »an oehNtr st« bet Gefecht« »S-ligst V der Rühr, n« st« bei Au»z«tchuuug» - Lorschläaen mit gute« Gewi ff« berücksichtigen zu lönnen." — Bir haben ähnliche« i« Alien Destement bei de« «npitel vom Uria» gelesen. Uebrtgen» Hab« wii niemal« Klagen darüber gehört, drh di« Juden sich zum Lagagrdienst gedrängt, oder sich dem Patrauillmdienst «nttoaeu hätten. Berlin. Der an« der Berliner Amisemitenbeweiuna au» srüherer Zeit her bekannte Dr. Lern Herd Förster hat ftch a« S. Juni in Paraguay, »» er feit mehreren Jahren unglücklich« Koloatsation»»«rsnch« »achte, .... entleibt: nachdem hart viele Familien, dl« ihn nachsolgien, unglücklich geworden. Ar« einem Schreiben Förster» an de» Vertreter der Koloatalaeiellschrtt i» Chemnitz geht hervor, diß «It ihm auch gleichzeitig sein kolonisatorisch«» llnteruehmen ia Praguoh znsammeagebrochen ist. Hnnnaver. Di« Latisemiten, welch« sich bele aatlich ans ihre« startettage t» Bochum den Namen .Deutschsozial« Partei" beigelegt haben, hielten Donnerbtng Abend hier «lue vom Hierein .Christlicher Seschüftbschntz" «lnberusene Versammlung ab. Di« Hanptred« hielt H-rr L tebermann v. Sonnenberg, der za einem internationalen Bor» gehen gegen bi« Uedermncht und di« Ueberariffe de» jüdischen Kapital» »nfforderte. Er kündigt« gleichzeitig an. bah di« AMisemiten in Hannover bei den Neich»t«r»wahl«» eiern rigeaeu Sandibaten ausftelle» würden. Zn« Zweck« de» Stimmenfang» lkebäugett« er mit allen Parteien. Stnttgnrt. s. Juli. (Or.-C»rr.) Der ä». Bericht über da« i»rael. «aiftnhaa» ,»ilhettu«pflra«" tu Eßlingen pro 1. 'KptU 1888/89 verzeichne« wieder ein sehr günstige» Resultat. Di« Anstatt zählt 3» Zöglinge: je 7 traten on» und ein. 8»v erstereu wandten sich 2 Su>ben dem Schrämte zu. S andere dem La«f«aun»ftande. 2 de« Handwerl zu. An der Schul«, in brr 80 Kinder unterrichte! werden, sind die Herren Oberlchrer Stern und Lehrer Abt thätta. Ja der Anstalt er» halten auch di« i«raelüischen SchulamttzSglinv Bekösiiaun«. Die «nstalt erhielt Im genannten Verwaltung»>ahr aa Legaten «318 M, jährlichen Beiträge« 168» R., Spenden au» de» Gemeindm 9888 M. Da» Berrdwvermöge, beträgt 268 8lN M und hat um 76 -2 M. zugeuommen. »teu. 11. Juli. Di« Statthalter«! hat da» Gesuch de» Verein» „Bet hn Midrnaoh um Bewilligung zur Errichtung einer Lehranstalt zur Heranbildung »o» Rabbinern und Rrligiou»lcht«rn in Bien dem Magistrate zrr Begutachtung «gemittelt. Dt« Sirdtbehärde äußerte sich dahin, daß von ihre« «taudpunlie au» gegen bii Gesuch«^Währung kein Anstand obwalie, sobald brr Verein eine sür bl« Leitung geeignete Persönlichkeit namhaft mach« und de« Staate im Sinne der Staat»- zrnndgrsetz« die oberst« Leitung und Aussicht über rte Anstatt «wahr» bleibt. Di« in Rebe sich ende Anstalt soll et» höinre» Fachbildung!» Jnfttmt, analog de» Prlester-Semtnarien »der cheoi »gische» Fakultäten, und zu« Eintritte da« absalotrte Obee-Gymuafiun ertordertt'' sein. Nachdem die Errichtung un» «eiterführuug da »«statt vom «ereine au»g«ht und btt Eulm»ge«einbe keinerlei Jngerenz darauf nimmt, so «ird die ganz» Angelegenheit nicht al» Eultu»-. simdern lediglich al» dem Unterritzt»- und v ldung»wesen berührend« Frage behandelt. «e». Am 7. Jnlt verschied hier Herr Elia« »arpele, i» 68. L«deu»j«hre. Er war 27 Jahr« «abbiner tu Loscht», 10 Jahr» in Eiwanowttz in Mähren, fiedelt« dann nutz Bien ü>>er. wo er im lV. und V. Bezirke oll Beretntz-Nabbiner snngirte und später in da» Rabbi»nt»eollegin« «intrat. Dt« Lasaal reden de» verewigten haben ihm «tarn ehrenvoll« Namen tn der jüd. Litterrtnr erworben. Er war ein tüchtiger Lalmudift nnd ein sehr guter Reimer und in Bleuer «reisen fthr bei ebr «egen seiner Biederkeit nnd Bescheidenheit. I» Dranrrhause sprach sein Sohn, Dr. »nftav «arpele». lies «griffen Borte de» Schmerze» und der Lrnuer; »ns dem Friedhase (am 9. Juli) «»selbst die Vorsteher Bnumgarten und v iach.PcrdigerDr. JelUn et, di« Rabd. Dr. »üdemnnn uu, Fleißig, sowie «ehra« Depntativuen und Notabilitäten erschienen waren, hrett H ur Rabd. De. Gäbe» mann eine ergreifend« Grabrede, i» der er dt« Duzenden und Dnlente de» Dichtugeschiedeaen gebührend würdigte. Herr «üdereantor Singer tru, dt« üblUden Dodtengesäng« kraft- und wtrkung«»»ll vor. (Zu der nächste» Nummer «erd«» wir «inen aurfühilichen Nekrolog bringe».) — Noch eine andere traurige Nachricht «ade ih Ihne» zu melden, daß die einzige Doch,» de» Lhes« de» »eltbankwuise« «phruss t zu» »atholizttmu» übergegangen ist. Die vielen hier vurkommenden Dausen Cincinnati. Bo» den 9 Bradukien der Klaff« 1888/89 de» .Hedre» Union Sollege" waren schon 8 vor I.rr Graduation al« Rabbiner an verschiedenen Gemeinden gewählt worl en. Der neunte bat dl« «ahl unter verschiedenen ihm angcttngenen üemeinden »ach nicht getroffen. E» dürste wohl »och »le an einer ähnlihen Lehranstalt vorgekommen sein, daß all« ihre Zögling« vor der «»-laffung zu so ehrenvolle« und cinffnßrettm Stellung«» beruf:» wuiden, und ist diese« ein Zeichen de» nnbediugie» Brr tränen», welch :< die amerikanischen Grmeiudm dieser un'er der aeschlcklen Direetion de» stobbtner« Dr. Bise stehenden jüd. theologischen Austalt estaraeubringen Chrsftchurch. Dem längst gesühlten Mnngel eim» Mischen Äeistlicheu Hierselbst «st durch dl« Ernennung de» Re». «. <!chodow»kt, bi«h»r t» der lüd'.sche» Grmeiud« zu Leiceft« (England), abgeholsen worden.