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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 28. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 28.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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bürgerliche» Leben inehr al» einmal die Welt i» Blut gebavrt bat, überleben. Merk», 2. Juli. H>er wurde vor einiger Zeit die Frau eine- Jude», di« Ehristiu geblieben war, uachde« ihre Leich« (in ihrer Wohnung) von einem Geistlichen ihrer Religion christlich eingesegnet war. auf dem jüdisch« Friedhof beerdigt. Darob große Aufregung in d« orthodox« und conservativm jüdisch« -reis« und ganz besonder« in der jüd. Beerdigung«- Commission, die davon nicht vorher vom Borstande verständigt worden war. In ihrer vorgestrigen Sitzung beschäftigte sich die Repräsentanten-Bersammlung mft dieser Angeleg«heit. Da» Organ der hiesig« jüd. Orthodoxie (der Hilde»- heimer'sch« Au«trit1«gemeinde „Ada« Ji-roöl") berichtet darüber wie folgt: .Herr Gustav Lömenbera hat de« Vorstand und den Reprüientant« seiae« Austritt au» derBäkrdianngt-Eononisfivnaigezeigt u»d beanttagt, daß die Riprüftntanten-Bersammttmg in nawentlicher Abstimmung ihre Mißbillig»«- über dt« Anordnung des Vorstand«« anrft reche und so der Wiederholung eine« derartigen VortommutsseS vorb«gc. Nachdem der Prlfidea», Herr Justizrath Makower, da» Echrr ben de» Her« Lömenderg verlesen, ertheilt er de« Vorsitzende» de« Vorstandes, Her« Iuftizrat Metzer, da« Wort, »elcher erVSrt, daß er selbst jene Anordnung getroffen habe und vorto»«e«d«a Frlle» wieder treffe» werde. DI« Angelegenheit scheine zu Zweck« der Wahlagitation a isgcbauicht zu «erde», aber hoffentlich «erde da« Manoeuvre nicht verfang«. Er bedaurr die AmtSaiedertegung de« Her« Awenberg und hoff«, daß diese bewührte Kraft der Beroalinng erhall« bleibe« werde. — Reprüs. LSwenberg verwahrt sich arg« die Insinuation, daß er Wahlagitation Neid«: da» jüdisch« Gemiff« verbiete derartiae u,e,hörte Lorkommniff», und er habe e« m» so »ehr für sein« Pflicht gehauen, >inc Wiederholung zu »erhinde«, da er de« jüdisch« Friedhof den Charatter de« Kawer Isrogl erhalt« wisse» »olle. Er »iss« di« Ehre, Mitglied der Gemeinde-Verwaltung zu sei», zu schützen, könne sie aber n'chl mit einer Handlung gegen sei» Gewissen und seine religiös« Uebcrzeugung eikaastn und halt« »«»halb stin« Amtsniederlegung wie sein« Antrag auf nawentliche Abstnuwung ausrech». Uaterdesi» war «m Antrag der tziepräsmt. Frün kel, Isaak und Mannhei»«r eingegang«. dah bei der Beerd'gnng von »ichtjSdiich« Personen di« Leich« ohne Eondncl »ach der Leichenhalle gebracht werdm und dann eist dt« Funktion der jüdisch« Beamte» beginn« soll. — Reprls. Lieber« an» erklürt sein volle» Einverstündntß mit de« Vorgeh« de» Vorstände«. Die Debatte sei unerhört, der Rücktritt «nd der Antrag de« Her« Löwmderg bezwecke nur Bahlaqttarion, derselbe habe gar kein «echt, sein Amt niederzuleg«, bi» sei» Rachsolger da ist. — Reprüs. Sach» sieht dr der heutig« Debatte nur die zwingmd« Lonseqaenz de» Beschlüsse» der Sieprüftntamen-Bers««»- lung, «driften auf de« jüdischen Friedhose zu beerdig«. Die» sei seine erste Folge, aber «• würv« noch ganz ander» ko«««. Die Reprüs.. Versammlung ist in der Toleranz sehr weit gegana«, weiter, al» irgend «ine Kircheugeweinschaft za geh« vor ihr« Bitumen wagen würde. Wenn man »eg« BorgLnge, wie der zur Debatte stehende, protestitt, tr.ibe »an keine Wahlpolttik, smde« vertheidige dm Glaub«. Der Unwille in der Gemeiud« wäre so bedeutend gewesen, daß nicht nur Jud«, sonde« auch Lhrisi« ihn theilte». Redner befürwortet, zum Schluß den Am rag Frünkel und Genoff«, dah der Vorstand «Mer all« llmstündm derartige Vorkommnisse in Zukunft vermeid«. — RepiSs. Isaak pwteftin gleichfalls gegen die Behauptung, dah der Aettag LSwenberg Wahlagitation bezwecke; die Angelegenheit brauch« nicht erst ausgebanschl zu werdm, da ihr einfache« Vekanntwrrdm genügte, um tiefgehend« Unwtllm zu erreg«. Mau möge doch nicht immer mit der .Toleranz" komm«; diejenige» Mitglieder »er Gemeind«, welch« sich durch ein« derartige Beerdigung verletzt fühl«, hü>tt» doch auch «in Anrecht auf Toleranz. — Reprüs. Löwenberg: Kein Mitglied der Versammlung werde glauben, daß er jemal» ander« Gründm folg«, al« d«m, welche sei» Gewiffm ihm vorschrelbt. Er bleib« dabei, daß «» durchaus unjüdisch sei"), daß t* überhaupt nicht« Unjüdischere« gebe, al» w«n ein christlicher Prediger im Ram« der Drei ein igkrtt ein« Leich« einseg::ct und dieselbe dann »an Jud« auf dem jüdisch« Friedhof« beerdigt werde. Derartige« dürft »uht wieder Vorkommen, und da der Antrag Frünkel die« verhindere, zieh« er zu «anstm diese» «»trage« d« seinig« zurück. — Ans eine Anftaoe de« Vorsitze nd« erklürt sich Herr Löweuberg zur Annahme einer Wiederwahl in die BeerdigungS-Eouttnissio» bereit, welch« fodaan einstimmig erfolgt. Ferner wird gleichfalls einstimmig beschloss«, ein« gemischt« Commission, besteh«!) au» vier Rrprüsmtlmtm und zwei Vorstant»- *) Tarin, daß «an utchtjMsche Leiche, auf dem jüdisch« Friedhoft beerdige, liegt — wie wir bereit» früher in einer ganz« Serie von Artikeln nachgewiesm — nicht» UnjUdische«; im Segeotheil, solch« Toleranz ist echt jüdisch; möge» ander« Religionen von der unsrigen, ja vom Talmud, wahr, Humanttüt an» Toleranz Inn«. Der Talmud lehrt ausdrücklich: .Man bepübt (sogar) heidnische Leich« neb« de» jüdischem" Möge doch unsere Orthodoxie nicht talm bischer sei», al» der Talmud, und dies« nicht verleugn«, wo er ihr nicht paßt. (Red.) «Glieder» z» wöhl«, welchdt. Modalitü'eu sesistell« soll, die fernerhin bei der Veert, igu», mm nichtjüdis»« Person« tzattzusind« haben. I» dies« Eommtsfi« »erd« die Herr« Löwenberg, SanttiitSrath Dr. Boa», Gehetmr. Dr. Marenfe und Ruß gewühlt, worauf der Vorsitzende die Versammlung schließt") Merkt«, 2. Juli. (Or.-Corr.) Der Skadtbohnhof zu Lharlotteuburg bot a« Dienstag. Mittwoch mb Donnerstag der vergangenen Woche ein bunt bewegte» Bild. Zunächst am Dtensttag langten 600 jüdische Answanderer an» Rußland an; neue Züge folgten an den nächst« Tagen. Hi sind leine Heimatmüden, die die Hoffnung auf «eichthümer über» Meer treibt, keine Abenteuerlustige«: de« harte» Zwang der Answeisnng verfallen, war es ihnen nicht »ec* gSmtt, im Lande zn bleiben und sich redlich zu nähren. Sie waren in ihrer Heimath, Kamenz-PodolSk, so unglücklich, vielleicht so unvorsichtig gewesen, die Grenze de» Landgebiete», bi» zu welcher den jüdischen Ackerbauern die »unäherung an die Städte durch die grausamen Ausnahmegesetze gestatt« ist, mit ihren Pflügen zu überschreite«. In solcher Lage er« griffen sie, vielleicht ohne viel Befinnen, den «ettnng«anker, da« Anerbieten eine» Pariser Agenten, Bertreter« der argentinischen Regierung, einen Niederlaffung«vertrag mit Argentinien abznschließen. Dieser Vertrag sichert den Answandererfamilien freie Uebcrfahrt, freie Verpflegung für 2 Jahre und zinsfreie Bebauung eine« ziemlich großen urbar zu machende« Landkomplexe» in Argentinien. Dagegen haben ste binnen 10 Jahren allmälig die erwachsenen Kosten zurück» -«zahlen. Genauere» über die Art und den Umfang dieser Rückzahlungen, ans welchen der Schwerpunkt bei der Benrtheilnng der Chancen der Auswanderer liegt, war den Berichten hiesiger Blätter nicht zu entnehmen; einen Akt, wie den „de» liebthätigen Gera gegen die Salzburgischen Emigranten" haben wir in de» immerhin dankeuswerchen Borgehen der Argentinischen Republik und ihre« Vertreter» ja wohl kaum zu erblicken. Durch Vermittlung eine» der hiesigen Herren Rabbiner, an welchen sie sich durch ein« Abgesandten gewandt hatten, wurde den »«»Wanderern dir «rlaubniß zu ttzeil. sich kurze Zett bi» zur Wetterfahrt nach Hamburg, von wo die Einschiffung erfolgen soll, hier aufznhatten. Sowohl Berliner Glauben»genoffen al» auch die Charlottenburger Stattonsbeamten gaben ihre Theilnahme mtt dem „Elend guter fliehender Menschen" in Wort and Thal An»drnck. Verschiedene Zeitungen, wie der „Bärfmkourier", die „vre»laner Zeitung" brachten beredte und theilnehmende Schilderungen de» eigenartigen Bilde», welche» reich war an rührenden Zügen von Stam«e»anhänglichkett und Selbstlofigkett. Mägen diese Berichte in weitesten Kreisen nicht nur da» Mitgefühl für die unglücklichen Opfer rigoroser Gesetzgebung wecken, sondern auch die Erkemttniß verbreiten, daß derartige »««weisnngeu ganze Bev»lkerung»klaffen, geschweige dem,, daß fie sich vom «oralisch^eligiäsem Stand* pmüt an» entschuldigen ließen, polttisch und uattonal-äkonomisch eine dnrchau» unkluge und verderbliche Handlung eine» Staate» sind. An» de« Kunnäverschen, Ende Juni. (O.*Corr.) Ans die Erwiederung zu «einem Artikel in Nr. 2V Ihre» gesch. Blatte» (wie sie d« Correspondenz „Lu» dem Boigt* lande" bringt) will ich nicht weiter eingehm. al» nur den Pilntt 1 näher beleuchten, da ich auf vir übrigen Punkte weniger Gewühl lege und auch juftieb« bin, wenn Verfasser in letzteren Punkten Recht behält. In Bezug auf Punkt 1 aber habe ich Folgende» vorzubringen: Berfaffer, dessen klare und treffende Schilderung« der jüdisch« Schul- und LehrrrverhLttniffe ich voll und ganz anrrkenne, giebt mir eine schlechte Note; wÄ ich die U«er» zeugung ausgesprochen: „Wir wiff« nicht, wo» zn chuu i" Berfaffer hebt hervor, er habe ja Mittel genug bezeichnet, wie dm Uebelständm zu begegum sei. — Nun, da» ist -) Wir mürben der llommissi«, di« di«»b«HÜglich» Bestimmung« in der Leipziger Gemeind« — die »ft z. Z. veröffentlicht haben — zur Berücksichtigung empfthleu. . (Red.)

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