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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 20. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 20.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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umbauen wollen, die Judenhetze noch häßlich zu finde»? Und trifft die Parole, »kaust bei keinem Jude»«, nur Frrihrrrn von Bleichrädrr und feinet Gleichen? Et ist die Folge dieser .häßlichen- Bewegung, daßJuden jetzt uur unter einer bestimmten Bedingung, Profifforen, Regierung« - beamte, ReservrlieutenantS, u. A. werden können. Lautet die Bedingung etwa, daß diese sonst für da« Amt Geeigneten keine Börsengeschäfte macken sollen, oder geht sie nickt vielmehr dahin, daß sie die Synagoge verlassen sollen? Die Inden der Börse werden ausgezeichnet, werden Gcheimrälhe, erholten Orden und Adel; im Kampfe gegen die Auischreiturgen der Börse würde Herr Stöcker viele Genossen auch unter den Juden finden; Löwe, Lrsker, Etraßmann, um nur einige Todre zu nennev, waren keine Börsen judrn. Der liberale Pastor wählt den ollermildesten Ausdruck, der sich für den Berlin«r Antifimitismu« nur finden läßt und legitimirt ihn dadurch in vulen Kreisen de« Protrstantenvereint; daneben findet er d'e Juden Hetze natürlich — häßlich. Schwalb sagt: »Millionen Andere sind auch gestorben am Galgen und aus dem Rad. unter dem Beil de» Scharfrichter» und auf trm Scheiterhaufen; auch sie haben ihrm Glauben bekannt bis zum litzten Athemzuge. Wo ist da der Unterschied zwischen diesen Millionen Märtyrern und Jesu»? Ich seh: ihn nicht.- Diese Bemerkung scheint un» unter der Borouvsetzung. daß Jesu» kem Schwärmer gewesen ist, sehr mffend; da» ist ein Segen und ein Ad«l»brief für die Menschheit, daß die Fälle nicht vereinzelt sind, in deum «in Mensch für fein« lieberzeugung sein Lebeu hingiebt; der sittliche Werth de» Opfer» ist ganz derselbe. ob der Sterbende «>n schlicht r Mann ober e n Prophet ist; wie weit r» noch «in Opfer ist. wenn der Slerbenbe in Wahrheit ei» Gott ist, wollen wir h cr au» naheliegenden Gründen nicht erwägen. Aber Herr Richter fragt emphatisch: »wollen Sie dcu Tod der großen Armee glriLstellen dem Tode de» Feld- Herrn wenn der letztere durch seinen Tod d,e Armee erst geiommelt bat?" An sich ist, die Freiheü de» Opfer» vorausgesetzt, der Ted jedes einzelnen Soldaten so ehrenvoll wie der Tod de» Fetdherrn; und Christus hat erst durch ,rmr» Tod die Armee gesammelt? Wäre in den Augen de» freisinnigen Pastor» nicht d,e Lehre Christi Wahrheit gewesen auch ohne dessen Kreuzestod? und haben nicht schon vor ChnstuS und gegen Christus Unzählige den Opfertod erlitten, für die also Christus kein Muster sein konnte? Herr Rlchier jucht Schwalb auch dadurch in Widersprüch« zu verwickeln, daß er diesen ofr auf die Bekenntnißschristrn der reformuren Kirche verweist. Sollte e» für Herrn Richrer ein Geheimniß fein, daß Schwalb über de» Hndelberg.r Kaiechismu» hinaus ist! Ofr wird bcr KrUiker zu einem Sophisten. Schwalb sagt: Jesus war ein Mensch, folglich war er kein Gott. Da fragt Heir Richter: Giebt «» keine Verbindung von Mensch und Gott? u. s. w. u. s. w. Gewiß giebt r» eine solche uud Schwalb selbst citicc »Wir fine göttlichen Grschlechl«.- Schwald hätte vielleichr ebeuso gut logen können: Jesu» war ein Mensch, olso war er ein Gott, aber worauf e» Schwalb ankom, war doch nur zu loiistatiren, daß der Stifter de» Chllslenthums ouS dem Rahmen der Menschennatur nicht hcraustrar. Dagegen müssen wir Herrn Richter in einem Punkte beislimmen; Schwalb sagt, Christus lönne unmöglich Allen «in Vorbild sein, weil er jung gestorben sei, nicht Frau und Kinder gehabt habe, kein Handwerk betrieben hat«. Wir haben jchon in unserer früheren Besprechung, obgleich ja uns Chnsius ltin Vorbild ist. die Beweirführuug Schwalb» al» unzulänglich vezeichnet; Richter nützt natürlich diese« schwachen Punkt »ach Kräften au». Roch heftiger wurher ein andere Kritiker, Dr. T re bl in. gegen Schwalb in derselben Rümmer. Auch in diesem Artikel detommen wir Juden ewige Hede. Es ist Schwalb» schöne Gewoyiih.it, das Kind beim rechten Rameu zu nennen, sein« Gedanken richt zu verschleiern; da» ,st den Proiesiantenvereinlern nicht recht, die nach dem alte« Wortwitz Rüge'» ja alle „Schleiermachersind. So sagt denn Schwalb in einer seiner Predigten „der dreieinige Gott steht für uu» neben dem altindische» Trimurti oder in der Nähe de« dem wahren Israeliten verhaßten Moloch-. Der letzte Vergleich rührt daher, weil viele Chrtstcu. die nicht an den dreieinigea Gott glauben konnten, desweaen hingerichtet worden sind. Der Kritiker meint nun, „Ebrnsoguk könne man im Hinblick auf den Kreuze»tod Jesu sagen, Jehova sei der Moloch- und hieran schließt sich folgende Anmeikung: .eS gehört zur judaiftischen Paneiouffafiung des Herrn Schwalb, daß er die Schuld de« Tode» Jesu von den Schultern de« jüdischen Volke» auf Pilatu« schiebt, während hier dasselbe a>lt. wie von der Inquisition, die vom weltlichen Arm ouSaekührt, von den aeistlichen Gerichten veranlaßt ist; ebenso weiß Herr Schwalb über Judenverfolgungen zu lamennren, von Christenverfolgungen scheint er nicht» zu wiffen-. Wir lasten da» heikle theologisch^dogmatische Thema, aber will denn Herr Treblin den qewaltigen Unterschied nickt sehen, daß zwischen der I« quisitioa und der weltlichen Reaierung da« innigste Einvernehmen bestand, daß dagegen PilaiuS der Todfeind der Juden war, der sich g«wiß nicht zum Schergen derselbe« hergegeben hat? Uud Schwalb .lament rt* über die Judeaderfrlgungen, d. h. doch wohl, er macht unn öthige« Aufheben» davon; und worum sollte er ferner über Christenverfolgungen klagen, die e« in der Gegenwart gar nicht giebt? Treblin beruft sich gegen Schwalb» Leugnung der Gottheit Zesu aus Schopenhauer »wie Paula« einen so kürzlich Verstorbenen ganz ernstlich al» iukrimirten Gott barstellen kann, indem doch sonst ernstlich gemeinte Apotheosen dieser Art und Größe vieler Jahrhuntette bedürfen, um allmählich heranzurrifrn.- Diese Ansicht Schopenhauer» gilt gerade für die Zeit Cyristi nicht, denn in ihr herrschte ein Heißhunger noch dem Göttlichen, nachdem die Götter der Heiden und alle anderen Ideale der alten Welt in Staub zerfalle» waren. Döllinger, der diese Frage bester versteht, al» Schoprnha«er, sagt in seinem „Heidenthum und Judenthum- S. 781. 108: „Mit welcher Begierde hatte dte römische Welt sich zur Anbetung de» vergötterten Augustu» gedrängt. In dem Wetteifer der Städte, der Einzelnen lag nicht fe-ge Schmeichelei allein, e» lag darin da» Verlangen, einen Mtttler und Schirmherr« de» Reiche», einen Gott, der selber Mensch gewesen, der vor kurzem «och sichtbar unter den Mensche» gewandelt, im Himmel zu haben; er war wie rhemal» Dionysos, der jüngste der gewordevea Göttec. noch einmal hatte di« alternde Welt einen Bott erzeugt, uud sein Dienst war im Grande der einzig«, im ganzen llieiche verbreitete, wirklich universale. Aber seitdem waren alle folgenden Kaiser d-usrlben Weg der Apotheose gegangen, und welch« verächtlichen Wes«», welche moralischen Ungeheuer fanden stch darunter. Auch diese« Mittel war verbraucht und der Gott AugustuS gleich sovirlen andern abgenutzt. - Also ein ganz konkrete« Beispiel besitzen wir au» der Zeit Jesu, wie leicht der Proceß der Bergülierunz eine» Menschen damals sich vollzog. Urbrigeo» besorgen die liberalen Pastoren mit derartiger Kritik nicht die Arbeit de« Protestantenveriin«. sondern der orthodoxen Kirche und erst in einer Anmerkung erinnert sich Herr Treblin, „daß die kirchliche Lehre über Christa» einer gründlichen Umbildung bedarf-; er deuret nicht an, wie er sich diese Umbildung denkt; dagegen denuncirt er, Schwalb stehe auf dem Strauffschen Standpunkte; da« ist nicht wahr, da« gilt höchsten» von der Klink über christliche Tradttioo, nicht von der positiven religiöse» Ueberzeuguag, denn Schwalb ist tief religiö« und glaubt an Galt wie der ftömmste Jude. Schwalb ist zwnfrllo» im praktischen Lebe» von der grüßten Duldsamkeit, aber theoretisch kann doch nicht einer seine Ansicht uud eine ganz raigegengesetzte in gleicher Weste für richtig halten; wir habe» jüngst in dem Artikel über Schwalb da» Wort Goethe'» cttirt, daß wer Zes»» zum Gotte tv Ti ~t *üü* \ 11«

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