Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 14.
- Article
- Beilage zu Nᵒ 14.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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V / 7. - Neikage zu Nr. 14 öer „Igraekitifrkien Wock»eaf«1»rift". A«Naaerede b«» Gta«t»«»w«ltschaft t» Luxe« Kurst« holte» t» »r, Ektzm^de« ^»»tpoliz^eericht« te («kt« de» »ff-»tttche« Mt«tstert«m» «e««» die NedueH»» de» ,Uö»r««b»r-er Wert" d»ege» Vele1dtg««g der jüdische» Neli-1»a u»d Ihrer Beike»»er.') t»»» de« Franzäflschm üdersetzt.» Wir habm i» Nr. 12 unfern Leser« versprochen, die großartige Anklagerede des Luxemburger Staatsanwalts in «ferm Blatt nach stenographischer «ufzeichnung zu bringen, »t» sind schon heute — Dank den Bemühungen unsere» «schützt,« Tollegm und Mitarbeiter«, de« Herrn Rabbiner» Dr. Blumen st ein in Luxemburg— in der Lage, mit dem Abdruck derselbe« beginnen zu können, und werden sie in den nächsten Nummern fortsetze«. Die Rede umfaßt 40 ge» schriebene Folioseiten und verdient dir wettest« Verbreitung.*) Met»« Herr»! Dt« Sertheidignug hat Jhee» soeben dt« Irlikel verlese», dt« Gegenstand der »»klage fi»d, Sie kennen deren Inhal». Wen, »>, dies« Artikel liest, ftägt «a» sich, ist e« «I» Brendmal. da» der Sersaffer et»«r Klaff« unserer Mitbürger u»d «teer vom G»aa;e «erkauttte» Religio« »asdruckr» will? Dt« Angriffe stad von «t»«r «mhdrt«, tzeftitzteit und dt« Zeitung, di« st« verbreitet, erfreut sich einer allgemeinen Serbrrftnug. Da« ist ei» Alarmrnf, der sich an nnser« Witdürg« tveede». Dt« Aeligto» JIrael«, sagt «an, mmächtia» ß aste» »erbreche», st« entschuld iat all« Schandthate»; der Ehebruch, r Diebstahl, der «estieid. der M«d soll,, »ech ihr erlaubt sei», weu» st, Kt» Ehristm btttuun «erde», «tr sind bestimmt, ihr« Sklave, »»sei»; Dt, Falschheit, der «et», all, Jnstiarie der Uater» »rstckuug, d««Mi»»»d find ihre Devise! Ne Juden fiud dt« schlimmste» AMcke d«r soetälrn O»d»»»a »,b de» Staate». Sie allet» »Lhrea di« EWsstzrurg, die Umtriebe.de» Soetaliäm»«. Dia» siägt sich, meine Herr«» «i der j»»g« M«», »elcher stt»i«m Echo dieser Schmähung«, gemacht, a»ch wohl dt, Mat« stderlegt hat. welch« sei»« Handlung herdetfithk,» k»»,. La« jüdisch« Volk hat i« Laus« der Jahrhundert« viel« Unterdrückung«» »»ichge»acht. Di« Mchtcht« erzählt ua». «elchea Glonsame» Bersolg»»»»» de« Jsmetue» im Mtttelatter »»»gesetzt wäre». Die u»d»lds»»ket1 im S»»d« «st de« Aberglauben hast« sich gegen dteschbe» verschworen n»d sich ihre« Smmägeu» u»d ihre» Leben» hmväckstigt. Dt« groß«» Städte Deutschlaud« sahen Scheiterhausea anfrichte», tu welche» t»»s«»b« lieber ihr« Unterga», sa»de», al« thre» Glaube» abzuschwäre». Dank der Gaad» Gone« h»t dies« ntchtsuutz'g« Acht dm EchiUsatto» wetcheu mbffe», der Horzoet »er »»»schliche» Jistelltgei« hat sich erweitert. Jideß scheint r» unserer ZeU Vorbehalten z» sei», die alten Irr. ttstmer »eu aupebe» zu laffe» u»b dl« Erstmernua an diele Schrecken «uspchisd«». So, jener vnhäugnißvollm verftcßuua, welch« da» jüdisch« Bell «m Leus« »er Jahihaaberte ertrage» mußte, scheint bei u,lerer .Swäilerimg «ine Art stillschweigende Feindseiigkeit, ein« gewtff» »nimostä» üdrm oebliebe, zu sein, »üch« sich gelegentlich sowohl durch Gewalt al« tur»! Srletdiaun« geltend mach». Habe» wir »Ich» gesehnt, wie Gräber ,«i de» süotstbeu Friedhose «»tioeiht und Grobstet»« zerpän «erde». Sind »uht äffeuilit, jüdisch« Lultottzanblnugeu gestört oder lächnllch gemech» worden. Dt« Fälle Pud nicht Jetten, wo wir di« ästemltch! Macht einsetzreite» laffe» mußte», »« die Ordnung herzust«i.eo. Roch reitltch ist bei Gel^mhnt einer veerdtauug in »asner Stadt mit Gwtrw» »ns di« Lraoerversawwlai, gewoise» worde» Lars «an, «et», Hirre», bet solch« Serhälwtffe», ein« Apell an di, schlechte» Seidttchtzeste» «ritzen laffe». E« ist ja ^»»z »«stimmt, daß diese Letz, arttkel Ai«« Eint ruck mach» auf den gebildeten Man», »der kan» «an dasselbe auch »o» d» minder Gebildete» vo» de» Laadmanne, »ms de« Bauer sage». Ist e» mägltch, d» moralische, Eindruck der» artiger IlnartKe »s d« »wätznltche» «a,» zu bemessen, der »»« allg»gniritzt ist, sied ch« Prüf»», ohne Diskussion sür wal.r zu halt«» »tiß »er gewätzalich« Mau» au« de« Volk« sich »ich» sage», daß, wenn dt,! jüdisch, Mel«gl« »« Inden erlaub», all« Schändlichkeit«» und Verbrecht» arg« th» zu begeh.-», er »nch tesugt ist z» Aepriffalteul Darin, »r. H, liegt di« Gesahrl v«» deranig« vorstell uze, tu »». serer SetäUeruag Wurzel schlage», wer üdirnimmt »lädruu die Slcher» heit de» Jtraelst«, di« ntetnzelt t» »nsrrm Land« wohne»! Nun ich »ehme »ich» «, daß der Sersoffer der »itikcl wiffmschastlichr Studie«, rnr theoretisch, bade unteruehme» «olle, über di« im Talmud z«, strenre, »or^vrtaeipi«. J«Ge,«lhe,l: Der Zweck ist ,»r allzutlar »Nb pralliich: A, di« Klaff« de, Aal»«» und llnwlffendea richtet er sch», »»reff« und will st« |t.« fti», jüdisch« Mitbürger ausretzea. 1 Emmplar, dieser »»d der jolaend«, 2— 8 Kanawi» i k lilPs. dmrch Mt stütze». » Sl. zu begiche». Mir wisse» all«, m. H.. daß in uurihlgei Zeit« di« EinbtldnieMrast de« Solle« da« Sedstrsuiß fühlt, soeial« Mtßßüud« <»der» «ukzudmde». Lieh« el«da»a de»eu, umlche der Soll«»»»- «ulgesegt p»d; st« wert«» dt« «avermeidltcheu Opfer de« Hrffe« und der geg« fl« augesach«» Leidenschaft«. Al« der Thphu« t« Mittelster «»»gebroch«, Hai wa» dt« Juden der Srunumverglsiung beschuldtgt und denützl« diese«, um sie au«zurott»n. Heutzutage sucht »ra» I» Nußland, t» Ungar», i» Bulgarien »atioual-äkoaomilch« Mißfttnd» d« J»de« zur Last zu lege» und «au richtet dt« deftigste» Angriff« «ege» di« Juden und ihr verwäxe». E» ist demnach unabweiädar, «. H., »aß «»«ficht» oltser Sttahr« der Staat ei»schrillen »ruß. Da» war die Anficht de« Hei» Staat«,nwalte« Thor», der zur Zest der Seräfs«tlich»ng der nrtikel da« Parket leitet« »ad der de» gegenwärtig«» Prozeß etu^uleite» sür gebot« «rachiete. Diese Pflicht de» Staate« ist im Juteress« der äsfentliche» Ordauag. Und i» der Thal, der Angriff ist gegen Lozemburger Sürger gerichln, welch« srst undenkliche» Zeit,« >,» mute» unter un« leben, in Miuen unser« »lateriell«, intellertuelb»», »ffentliche» und soeial«» Leben:. Nachdem wir denselben all« stertzte »uerkanut, dürfe» wir nicht dulden, daß «an fle al« Paria» urd »l« außerhalb der Gesellschaft stehend behandelt. Sie hadea da« »olle Recht »er Sürger »ad habe» nicht» begauoen, welch« st« diese« Rechte» «ürdla «acht; solgltch muß unser Sch»tz ihn« »oll zu »heil werdm. Da» ist doch wohl dt« Lonsehnenz de» Grundsätze« der >»«rkei»«ng ihrer Rrllgio» durch de» Staat. Di« Bersaffuag g« währ leistet itzeu» di« freie Au«übuag ihrer Rellaio» uud wir haben Sesetz«, welch,: diese führe» und welch« diejenige» dem Strasrichter überantworte», welch« «» wage», dies« »»zitgreis«». Dt« Anklage beruht aus de» Artikel Ist und 14 de» Preßges-tzeit (bereit» i» dieser .vochcnschrisl' Nr. Ist unter »Luzemdurg" wltgethrtll). Judeß, «. H., find noch Ander« nicht «inder wichtig« Gesicht«» punkte sür ua« maßgebend gewesen. Welche« ist den« di« Kla se »er Mitbürger, gegen welch« diese Angriff« gerichtet werden? Mü Hls« der Erimiuakstatistik lft e« sehr leicht »achwetäbar, daß di« J«riullt«a verhält,lßmäßig weit «eniger bestraft werden, al« di« Ehrifteit und wen» die« di« Folg« de« Moraleodeze« de« Talmud« ist, dann st die talmudisch« Gttteulehre wahrhastig kein« schlechtel Sam Standpunkt« der Natwaaläkoaomle ist die Tendenz der iuerimintr-«« Arttkel eicht minder verwerflich. Slr besitzen in unscrm Lante bedeutrnb« durch Joraelirea «leite«« tadustrirll« Unternehmungen. Diese Fabriken trage» ihre» großen Theil zum nationalen Retchcha»; u»d Wohlüandc bei. lleberdie« beschäftige» dieft Hunderte von kachollsche» Farrilim, denen fle de» Ledensuurrrholl gewähren. Hat der Angeklagte sich vielleicht um di« Ezstenzmütel dieser FamUien bekünunert? Ich i laete wohl »tcht, den» sonst hätte er ihnen »icht H»ß gepredigt geg« ihr« Brodhnren und sie zur Zuchilofigkeü und zu Uagchorsam ausgesuroert. Ueberdie« muß allseit» zugegeben werden, daß Angeklagter aggressiv »»stritt, den» die gäraeltteu hadea in Nicht« di« Beranlassung dazu gegebt«, den» bei un» habe» fie fich aiemal« in irgend «ine Polemik gegen dt« Einrichtungen «er andern Eult« eingelassen; e« kann also hier »o» Repressalien oder von Abwehr überhaupt kein« Rede sei». Da» E treten de« Aageklagte» kann demnach nur den Eharakter einer Herau»sort«ruug habeu, «a» dezweckt einzig u. allein die Polemik, den» eia« derattige Srr» vffentlichung ist eine Seltenheit bet un«. ll»d doch hat «an au der tat» richtigen Glocke geläutet. Unser Land war »iemal« der Schauplatz der» »Niger leidenschasilicher Kämpfe; Käatpse, welch« di« Bevistkerrng in zvei Reihe» getbeilt Hab», wo jeder Gesellschafiärang sein« Kt mpftr stellte, und welch« blutig«, unserer Zest unwürdig«Episoden, herbeistchrr«. Unser Ländcheu hat innrer für dm Vasfisi^n Soden der rel gtbsm Duldsiunkett gegolten, deshalb ist e« unser« Pflicht, zu verhüt«!, laß man di« Saat der Zwietracht in uns« Land trägt, um die alten Tradition«» zu brechen. Dt« Sttaslofigkeit wäre ei» Prei« für d-e Er- «u-higung zu solch ftraswürdige« Gebahren. Du«, meine Herrer, find dt« Erwäguugm, dt« «ich in dem gegmwärtiam Prozeffe teitea. Ich werde die religiöse Frage nur insoweit berühre», als es unbedingt »ä:hig ist, ich Hab« »ur da» gesellschaftliche J»trr«ff« i« Auge, den» dazu di» Ich)« de.uft». Mein Sliedm ist »Ich» di« Apologie eine« Sülm», wohl aber der Schutz etner Llaffe unsrer Mitbürger geg!» un» gerechi« «ad unverdient« Angriffe.- (Fortsetzung folgt.) Trkgrapyische Aepesche der,^sr. MocheAschrift-'. L»remb«rg, de» 2. «prtl, 9tenM7 Utzr. Herte Nachmttt«, erfolgte die Verkü»ütg»«g UrtheUS gegeu de» »ege» Beleidig»»- der jüdische» Religio» »»d ihrer veke««er vom öffeuttiche« Miuistcrt«« a»rgeklagtev Redakte»r des ,L«re«h»rger Won"; derfelße ist z» 400 Mark u»d Lra»»»g simmlticher -oste» der»rtheiit