Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 11.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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9 — 8G — »iffmschastliche Arbeiten prSmiirtea Jaden eia ziemlich bedeateadeck. ES habe» am 20. d. M. erballe»: Die goldene Medaille: Der Jurist Jakob JndelewSki aad der Physiker Alex. Gerschmi; die silberne Medaille: die Juristen Nbr. Salschupin and Bari« Hurwitz, ferner der Gtnlxut der orientalischen Sprachen EphroS; eine ehrenoolle Er» wähn nag: der Phylologe Lhoue«. — Im verflossenen Jabre wurde di: größte Spende zum Zwecke von Stipendien von unserem Heimgegangenen Glauben-genoffen Duma schew-ki in der Höhe von 36000 Rubel gemacht. Und trotzdem nur drei Procent Juden! — Der „Nowor. Telegr." stellt fest, daß die A«S» wanderung der Juden mit jedem Jahre zuaimmt. Bor kaum zehn Jahren wanderten jährlich zwei bi« drei Taufend an«, i» den Jahren der „Unruhen" aber wuchs diese Zahl auf zehn bi« fünfzehn Tausend. Nach den „Unruhen" läßt die Auswanderung etwa« nach um sich dann bedeutend zu vergrößern. Im Jahre 1886 landeten in New-Iork 18000, im Jahre 1887 über 25000 und im verfloffenen Jahre gegen 33000 Russen, unter ihnen worrn höchsten« 10'/, Christen, die übrigen waren lauter Joden, zumeist au« Lltthauen und Polen. Diese statistische Notiz druckte auch die antisemitische „Nowoje Wrrmja" nach. Sann sie un« vielleicht die sonderbare Erscheinung erklären, wie da« kommt, daß die Juden, welche ja nach ihrer Behauptung in Rußland so .glücklich" leben und über alle .herrschen", trotzdem da« Baterland in einer jährlich steigenden Anzahl verlaffen? Ignaar», Gouv. Minsk. Unweit unserer Stadt hat ein dreifacher Mord stattgrfunden. Die Opfer wareu: ein deuachiarter Rabbiner, der durch seine .Wunderlhaten", Gelehrsamkeit und Wohlhabenheit bekonute Rabbi David Afterblum, sein Sekrctair Lewinson und sein Sutscher Cheifetz Der Rabbiner führte bei sich eine große Summe Geldes, die ihm von verschiedenen Seite» auvertraut worden war, um sie hier in der Kreisstadt abzugebeu. Die Nachforschungen nach den Mörder» hatten bisher keinen Erfolg. Wie polnische Blätter berichten, fino aut Initiative reicher Juden 3000 Rubel gesammelt worden, um die Untersuchuug zu fördern und zu beschleunigen. Gr»ßbrtt«n»ai«n. London. Bor der parlamentarischen Eommisston zur Untersuchung de« Schwitsyftems" (Benachtheiligung der Arbnter durch Zwischenoerträge der ArbeitSunterarhmer) wurde der Fabrrkinspector Lakeman von Lord Duuraven gefugt, ob da« Schwitsyftem die Unfittlichkeit steigere. Der Jnsprctor antwortete, daß e« bei den Ehriftevmädchen aller« ding« der Fall sei, nicht aber bei den Jüdinnen, die, wa« Senschheit anginge, berghoch über den Engläuderinae» stehen. Rumänien. sSntarest. Ter durch siine Wohlthätigkert weit bekannte Herr Emanuel Rosenthal, Eiscnbahubauuaternrhmer und Banqaier ist vor Kurzem gestorben. Die einflußreiche Stellung, welche der Verstorbene iane hatte, konnte man an der außergewöhnlich großartigen Betheiligung bei seinem Leichenbcgangniffe erkennen. Die größte» Männer de« Landes waren bei demselben anwesmd. Wenn man bedenkt, daß Rumänien der klassische Boden de» Antisemitismus ist, so fft e« von nicht geringer Bedeutung, daß in dem Lricheogefolge die höchsten Mitglieder drS Cabinet«, al» die Herren Ma» jorekcu, Benescu und Marghiloman, der Senat«» Präsident, der Vicepräsidrnt der Deputirtenkammer nebst vielen andrrn Mttgliedern beider Häuser, der Bürgermeister von Bularest und die Häupter der Civil- und Militärbehörden zu sehen waren. Die hierduich dem Bcrstotbencn erwiesene Ehre ist um so bedeutsamer, als derselbe ein Jude im besten Sinne de« Wortes war, der die Bertheidigung seiner unterdrückten Glaubensgcr offen sich zur Lrbrnsaufgabe gesollt batte. An der Spitze der unabsehbaren Menge, welch« dem Sarge folgte, befand sich rin Zug berftteuer GenSdarmm. In dem Nachrufe, welchea der Bürgermeister dem Hingeschiedenen am offenen Grabe widmete, äußerte derselbe u. a.: „Herr Rosenthahl war eia seltener Mensch." Vermischte und neueste Arichrichtru. Maadebueg 8. März. Am vorgestrigin Abend hielt i« oberen Börsensaale Hr Prof. Laprru» «inen Bortrag ,üb r da» Gemüth", der insofern eine Erwähnung in dies. Bl. verdieni, al» der Redner zu dem Resultate kam, daß die Sache ida» Gemüth) die Juden hatten, die Bezeichnung dafür di« De ui scheu qelchaffen haben. Die Beispiele au» dem jüdischen Familienleben, die Schilderung de» Freitagabend (.der den Juden allwö-ventlich da» bringe, dm« den Christen da» Beihnachlsseft einmal im Jahre-, da» Segnen der Sinder durch da» Familienoberhaupt, der Hiuivei« auf die Legenden, daß Romulu» und Remu» von einer Wölfin, Zeut von einer Ziege, Mose» dagegen von seiner Mutier genährt wurde — letztere» ist doch wohl mehr, al» eine bloß« Legend« — waren sehr geschickt ausgewählt und mit glänzender Beredtsamkeit auSgeführt. Hamburg; ll. März. (Or-Eorr.) In gestriger Sitzung ist r. Oberrabbiner Hirsch in Prag einstimmig für die durch de» od de» Oberrabbiner» Stern erledigte Stelle gewählt worden; derselbe hat di« Wahl angenommen. Breslau. Den Brozeß Bernstein versuche» nur noch Blätter niedrigsten Range» wie da» .Schlesische Morgenblatt' zur antisemitischen Agitation auSzubeuten. Nunmehr schreibt demselben .Echtes. Morgenblatt" der bekannte Missionar, Pastor Becker, folgende»: .Sie halten e» für möglich, daß bei den Juden «ine Herwendung von Ehristenblut zu rituellen Zwecken statt find«! Ist e» denn ganz ver» geblich gewesen, daß der hervorragendste christliche lkenner der jüdische» Litteratur, Bros. Franz Delitzsch, in seinen L-christen gegen Rohling in Prag und bei andere.« Anlässen, die au» dem Mittelalter stammend« Anklage einer gründlichen und umsaffenden Prüfung unter» zogen und aus»Neue den Beweis von ihrer Nichtigkeit geführt hat? Da» Gutachten, welche» dieser Sachverständige nach dem Verschwinden der Esther Solymossy abgab ging dahin, daß ritueVe Verwendung de» Blure» abgeschlnchteter Ehrifteu nach talmudischen Begriffen etwa» schlechthin Undenkbares fei." E» stimmt die» mit dem bekannte» Gutachten de» Fürstbischof» Dr Kapp und der «heolog. Fakultäten der bedeutendsten Universitäten vollkommen überein, so daß e» fast un» nöthig ist, darüber noch ein Wort zu verlieren. Wiesbaden. Der 18. Jahresbericht de» hies. i»r. Unterstützungs-Verein» giebt erfreuliche stunde von k«m Wachsthm i:i Bereit!» und seiner erhöhten L« stungSfähigkeit. Plährend der Rechen» schast»bericht vom Jahre 188.1 „och die Zahl von „2 Mitgliedern «t etwa 1400 Mark Jrchre»beiträg«n nachweist; hat sich die Zahl gegen" wärtig nahezu verdoppelt, auf 163 Mitglieder, deren Beiträge di« Summe von etwa 2460 Mark erreichen. Auch die Synagogenspende» und Schenkungen nahmen beträchtlich zu; besonder» erwähnenSweeth ist da» L«at von 2000 Mk, da» Herr Rentner Adolf Schwerin f. A. dem Verein letztwillig zugeweudet hat Die vom Herrn Rabbiner Dr. Silberftein zum Gedächtnis, der beiden hochsel. Kaiser Wilhelm 1 und Friedrich III. gedruckten Reden brachten in Summa 27 Mk. ein. Da» Gelammtvermögen de» Verein» beläuft sich aus Mk 13 410; Einnahmen und Ausgaben balanciren mit 6632 Mk. Schweiz. Am 15. März versammeln sich die Delegirten der schweizer. Thierschutzvereine in Aarau. Al« Hnuptgegenstand wird die Schächtfrage zur Behandlung kommen. Dem Beruehusn nach beabsichtigt ter Eentralvorftand, bei der Deleginenrrrsammluagzu dean» tragen, di« zur Abänderung iier Bundesverfassung nöthigen 50,000 Unterschriften zu sammeln, nachdem von den Bunde»behörün bislang auf die Beschwerde der Israelitin gegen die Schlußnahme de» Große» Rathe» vom Mai 1888 noch lein Entscheid getrnffen worden sei und allem Anscheine nach auch keiner getroffen werden solle, sondnn die Angelegenheit ad cmlendas gn«ca* verschoben werden soll. Aus der Versammlung sollen gleichzeitig amh di« Delegirten für den diese» Jahr am 10 bi» 13. Juni in Dresden ftattfindenden internationalen Thierschutzkongreß bezeichnet werden, auf welchem auch wieder über die angebliche Rothwendigkeit der Betäubung der Schlacht» thiere verhandelt «erden soll. DaS-lpakote (Ungarn). Frau Josevhin«Neuwelt, Mmterde» verstorbenen Armin-Neuwelt, de» lang)ährige» BorstaudSpräsidentea in Pesth starb hierselbft im Alter von 106 Jahren. Hotland. Der Maler, Herr Joseph Israel», erhielt beim Schluß der Jubiläum»-stunstau»stellung zu München von dem Prin» Regenten von Bayern die Insignien al« Offizier de« St. Michael» orden». Italien. Herr Profeffor Terraeina, Oberrabbiner z» Asti . und Aeltester der italienischen Rabbiner ist mit dem Orden der italienischen strone dekorirt worden. Au» 91»« schreibt un» Herr Profeffor di Loria: vet meiner Reise nach dem Orient habe ich auch Rom berülirr, um die dortige« Bibliotheken zu besuchen. In der weltberühmteil Bibliothek de« V* ticaii». der jetzigen Residenz de« Papste«, habe ich da» «erguüae» 8«habt. einen jungen jüb. Gelehrten kennen »u lernen, Herrn Isidor»? »oldblum, der von etuer Pariser Gelehrtengrsellschaft hierher ,-»