Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 5.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Deutschland sowie i»Nraukreich auf de« Wege der Gesetzgrbuug gemacht wurden, trage« zu sehr de» Charakter de» künstlich Geuiachtro au sich und unsere vergaugeuheit bietet uu» kaum eine« »uhaltSpuickt. Mau hat ganz merstoürdtger Seife i» der große» religiow-gesetzlich» Litteratur die Frage der Gemeindeverfaffuug gänzlich iguorirt. höchste»», daß die civilrechtlicheu Fragen über Besteueruug der Gemetndemit- . glieder und über die Dienstverhältuiffe der Semeiudebemute» in der rabbinische« Littteratur eine Bearbeitung finden» di« sich nur ans dem Boden de» rabbiuischeu Ctsilrechte» bewegt, oder von de» Gefichtöpunkte auögeht, daß e» i» diese» Frage» einzig und allein auf die ort-übliche Praxi» aukomme, wie e» einmal von Israel Iffrrlein in seinem Recht-gut. achte» (Teruuioch hadescheu Nr. S42) mit HiuweiS auf die Auficht R. D!ord«hai'» in seinem. Lommentar zu Llfafi (Baba Bathr» La-. 1) au»gesprocheu wird. Mit Recht klagt auch de, Motiveubericht zu dem Gesetz« über die Regelung der äußer» Rechtsoerhältuiffe der Juden iu Oesterreich, daß da- Judeuchom aufich heraus keiu Kirchrarecht erzeugt hat. Allerdings giebt e» Leute, die meine». eine solch« Frage lasse fich uuter Loustatirung de» Bedürsuisse» ohne weitere« durch eioeu Machtspruch lösen. Bleibend« Lvrichtnug« aber «mdeu nur da geschaffen, wo mau auf eiuer bisher gegebenen Bai» weiter arbeitete. So ist e» nicht wahrscheinlich. das» der fromme Wunsch, der iu tz 33 de» vom österreichische» Herreuhause angenommen» Entwürfe» au»- gesprochen wurde, daß iu alleu Lindern LaodeSrabbinate »«schaffe» weiden sollten, jemal» hätte verwirllicht werden könueu. Senn wir tdatsächlich «ine Organisation schaffen könnten, welch« die zerstreuten Gemeind» zu einem SKrper vereinigt, so müßt« die» nur, wie die» heute allgemein geschieht. auf dem Wege parlamentarischer Vertretung erfolgen. Hmt ja selbst die protestantische Kirche in «euerer Zeit eine derartige Repräseutativ-Berfafsuug eiugeführt, obwohl i» ihr durch mehrere Jahrhuudert« da» Patronat-recht und die bischöfliche Sewalt de» Laude-Herru bestaube» haben. Inch wäre e» gerat« für da» Judenthu« unmöglich, da» rabbtuische Amt »st geistlicher Herrschaft zu verwechseln. Uusere Bergangeuheit giebt uu» auch kein Beispiel dieser Art. Der Lite! eine» ,Rosch-Medi»ahkam jedem Rabbiner eiuer größere« Gemeinde zu und wird so al» stehend« Formel uebeu *D"M (Ab-Beth-Diu) tu den AustelluugSderreten und iu de» Empfehlung» von Büchern gebraucht. Fa Oesterreich scheint zu Zeit« Maria Theresia'« der Gedanke aufgetaucht zu sei», in «I» Stabern SandeSrabbinate zu schaffen, wie betreff» Galizeu» der gelehrte Forscher G. Wolf an» Archive» uachgewiesen hat, wa» bannt stimmt, daß Ezechiel Lauda» i» etrr» Brief« erzählt, er sei zum Lande-rabbtner von Galizien und Lodomerie» erwählt worden. Trotzdem hat mau ui« gehört, daß diese» Amt tu'» Lebe» getreteu sei. I» Mähren «xiftirt wohl ein Gesetz, worin Maria Theresia von einem von Alter» her besteheude» Lande»rabbiuate spricht, doch scheint auch hier «ehr die Phantasie de» pattiariftilisch» Bureoukratenthrö»» maßgebeud gewese» zu sei», welche» »einte, alle religiös» verhältniffe »ach de» a»ei:zogm» Begriffe der bischöflich» Gewalt bei d» Katholik» reget» zu können - SEHe «ari daraugetzt, da» Lande»rabbiuat oerfaffuug»- mäßtg i» Judeuchum einzndürgern, muß di« Etrlluüg de» Rabbstwr» in der Gemeind« «ach Pflicht» uu» Recht» uarmtrt sei» Dirft Laubelnckbiwste werd» ja «tt»rgei»äß tu d« größer» Etädteo errichtet werden, weil dort dt« aröbt» Gemeind» destedeu. weil der Radbiuer dort relativ am nuabhtagigß» ist. weil er da« »ft d» staatlich» Be» hör»» am best» verkehr» kau» «ud — hat bat not iaaat — awck matt riest günstiger svuirt ist. Ru» Hab» wir r» erlebt, daß aüie aeöüeen Oesterretck». ick vertue: W», tut *ta*cT| uud Brüu». sich **«» crtUrt **». taft im vhUibimv die v->»npg der Eultuöaugelogruheit» znerk-nnt werde, wo doch vicht von «ine: ausschließlichen Leitung der LultaSaugelegeuheiten durch ihn die Red« war, konderu wohl nur au sei» Recht, mit blratheuder und beschließender Stimme all» verhaudluugeu de» Borstaube» iu CultuSftageu beizuwohueu, gedacht wurde. De« LaudeSrabbtuer steht aber uach der «uffafung de« therefia- Nischen Gesetze« eine ganz bischöfliche Gewalt zu er kann Rabbiner, Lehrer und Schächter nach freie« Ermessen ein- und absetz», er kann sogar eine Gemeiude. die ein» Rabbiuerpoft» drei Monate unbesetzt läßt, dazu zwing», ein» von ihm vorgeschlagen» Tandidat» «ufzuuehme». Ich will uu« gern zugeb», daß alle diese Ordnung» mehr auf dem Papiere stand», althwsächlich geübt wnrdea, und daß sie nur de-wegm unangefocht» blieb», weil damals die Gemeind« noch nicht eifersüchtig darüber ivachte, daß dem Rabbiner keiu gesetzliche» Recht zukomme, und ferner de»« weg», weil man zu j»«r Zeit gewohnt war. da« Gesetzt, welche die Judm betraf» nie so heiß gegessen wurden, wie sie gekocht warm. Heute aber müßt» wir bei der Reactiviruug de» SandeSrabbinate» daran deukeu, daß man de« Gesetze auch wirklich Achtung verschaff» wollt«. Die mögliche Folge wäre die komische Erscheinung, laß di« Gemeinde ihr» Rabbiner in seiner Eigenschaft al» OrtSrabbiner in LaltuSaugelegeaheitm iguortrm würde, »ährend sie ihm in seiner Sigmschaft al» SandeSrabbiner unbedingten Gehorsam schuld» müßte. Auf der eia» Teste würde fie iqu aus Gruad seine» Dieastvertrage» al» Socalrabbtuer entlass», auf der aude» Seite würde er al« LaudeSrabbtuer fich ihr aufoctroyren. Senn einmal ,wischen der vorwiegmd dem BerwaltuugSgebiet aagehürigen Thätigkeit de» Vorstände» und der culturelle», oder sag» wir »ach Ezechiel (3,18) seelsorgerischrn, Thätigkest de» Rabbiner» eine feste Grenze gezogen sein wird, daun kann auch an «iw», mehrere Gemeiud» umfass»»» Or,ani««u» gedacht werd», dm ich mir jedoch durchaus nicht al» ein dem L eiste de» Jud». tham» femftehrude» Duodez-Papstthum, soade» al» eine Körperschaft, bestrhrud au» vertrete» der Gemeind»» rständ« »ud der Rabbiner vorftell» kann. Jazwischm wird »ohl noch mancher Tropf» Wasser iu» Meer laufen, e« wstd wohl noch iiaucher Rabbiner mein», sei» Amt statt mit dem vertrank» seiner Gemeinde mtt Hilft von tobt» Paragraph» verwüst» zu köau», e» wird vielleicht auch »och manchesmal ein Vorstand dar«» vergeff«, dm Radbiuer »ach außen hi» al» Vertreter religiöser Interess» erschet»» zu lass», wie e» timm Gerüchte zufolge vor »tcht gar zu langer Zttt t» einer der größt» Gemeind» Europa» im Gegensatz: z« ei»er afrstouijch», wst ei» geistvoller jüdischer Gelehrt,» treffend bemerkt hat, vorgekommm sei» ftll. W«» wir «der diese Mö^tchkeit schon heute erörtern, geschieht da» i» de« Bewnßäsetu, daß wir vorerst »»» von Phantom» ft ei», uh» ftll». Wir müssen erste»» anerkennen, daß di« Gemeiid« ein Recht hat, ihr rttigiöse» Leb» gegm willkürüche Estigrtff« et»e» Einzelnen, »nd sei e» mich de^ Rabbiner, icherznstest», da wir nur ft vermeid», daß «» t» de« tztaddiner statt de« Führer» «» da» Werkzen» der Gemeind« erblicke, »»d wir müßm ferner an» bewußt »erd», daß »r an» dem Geiste unsere» Gemetudelebm» Hera»», aber nicht vom grüne» Tische her »»sere Znknuft-wünsch« sich anftreb» »»»' verwirklsth» lassen. Dta wichtigste Mittel aber, wie dahiv zu gel,»»». ist i» gegmseftiger verständig»»» z» stich», und wa» »»fetal Gemeindeleb» Gedeih» brstG» tant, ist »Wh de» schäum >»»spr»che de» Talmud» (Megilla l8a):!wr Friede.