Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 2.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/5369809-5935066-5956561--6961-5373031- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
unermeßlicher Bortheil. Di« spreche« oftzwei Sprache», »st auch drei -der mehr. Ihre Zerstreuung über de« ganz« Erdboden hat zu dieser Befähi^rug »eseutttch brigetrageu. Ihre Beherrschung verschiedener Sprache» kam ihn« bei allen ihren Bestrebungen auf dem Gebiet« de« Ha»d«l» sehr zu Statte». Such vorzügliche Reiseude find die Jude« und auf ihren Vielsachen Reisen «rwerbm st« eine Senntniß von den beste» Handelsartikeln und den uothweudigstea Bedürfniffen der verschiedene» Linder und Böller. Habe» sie fich dies« Kranlniß einmal zu eigen gemacht, so ist e« für fie verhältuißmäßig leicht, ihr« Eia- und Berkäuf« ans die vortheilhafteste Weise ab,»schließen. Die« hat fie uuu oft hi den Staad gesetzt, ihre Loucurreuteu durch niedrigere BerkaufSpreise au« dem Felde zu schlagen uud durch Manopol bedeutende Saareuvarrälhe in ihren Besitz zu bringe». «lle« diese« faßt B l a « q u i in seiner »Geschichte der BolkSwirthschast" in folgende Worte zusammeu: .Nicht« ist iutereffanter, als die HandelSverhälMiffe diese« Bolle« zu studiren, welche« weder Grund noch Boden, weder Häfen noch Armeen besaß, immer auf heftig bewegter See mit widrigen Wiudeu umherlreuzte und doch endlich den ficheru Hasen mit reicher Ladung und ungeheuer» Schätzen glücklich erreichte. Die Juden triebeu Handel, weil e« ihnen nur selten gestattet war. sich audereu Beschäftigungen ungestört widmen zu köuuea. Während die große Meuge der Zollhäuser und die Tyrannei der Lehnsherren allen Hmd.l unmöglich machte, auSgenowmes den der unbedeutende» Händler tu den Marstplätzrn uud Städten, waren die Jaden kühn uud lebhaft, dachteu über auSgedehutere Operationen nach uud arbeiteten im Stille» daran, die Coutiaeute zu verbinden uud di« Staaten einander näher zu bringe». Sie miede» die Laudftraßeu uud die Ritterburgen und verbargen ihre» wirklichen Reichthum uud ihre geheim gehaltenen Geschäfte unter dem Schein der Srmuth. Sie machten »eite Reisen, um seltene Produkte an« den entlegendsten Gegenden heimznbriugeu und trugen fie dann in den Bereich einer rührigen und sicheren Kundschaft. Auf ihren Wauderuugeu und Reise» von Land zu Laqd lernten fie bald die vedürfuiffe aller Plätze kennen, welche fie berührten; fie erfuhren, wo man kaufen nud wo man verkaufen müsse. Einige Waarenmufter uud ein Notizbuch genügten ihnen al« Apparat für ihre wichtigsten Operationen. Sie beachteten hierbei sorgfältig uud genau die im gegenseitigen Jutereffe übernommenen Berpflichtongeu, »elche fie fich im Hinblick auf allerlei Art fie umgebender Feinde auferlegten. *) Oft*!<uttt der jüdische Lehrer z«r Be« Umpftmdeth««? 8*1 H. v. i, 6. Ju dem üblichen gemeinsamen Mittag« ssen nach Schluß der Versammlung lernt« ich wieder die Wahrheit de« Worte» kennen: ..Da» Leben uud der Tod ist in der Gewalt der Sprache." — ES wurde selbstverständlich bei dem Mahle daerste »auf Gr. Majestät au-gebracht und der Kreisschuliuspestor bei der Gelegrnhest über den Hohenzolleruscheu Wahlspruch „8traia ooiqoe“ in sinniger und inniger Weise. Mit leiser Hindrnt«vg ans de» in der Versammlung vorangegangenen religiöse» Streit führt« er au«, daß diese» Wort - nicht blo« sogen will: Wir solle« jede« da« Stiue gebe», sondern auch: E« soll fich Niemand da» Siuige, d h. sei« ee» Recht, leine lebendigelleberzeugung »«ehmeri lasse». ch verschied«»«» andere» Loch« ergriff ich zm» Schluffe da« Wort uud sagte ungefähr Folgache«: , Mi ine liebe» Beruf«ge»offen l Der Herr Krei«schnliuspektor hat uu« soeben in so schöner uud sinniger Weise da« Hobmzolleru» worl: Sunna oni^n« erläutert. Ja lebendiger Bethätiguug seiner Au«führuagen gestatten Sie mir einige Worte. — Wir haben in ernster Arbeit Botte« qeimcht, wir habe« soeben in jubelnder Begeffteruag unsere« A vuig« gedacht, wir wollen also auch jetzt, im Hinblick auf ei» andere« Fürst«» wort .Mit Bott für Kvaig «ad Baterlaud" tarn v-terlaudr da« Seinige gebe» uud unsere« theure» deutsche» Ziateriande« gedenken. — Meine Herren I Wenn ein Eiewitter vorübergezogen ist, so hören wir »och lang« nachher ci» gewisse« Grolle«, verarge» Sie e« also auch mit' nicht, wen» ich nach dem erfrischenden Gewitter in unserer heittigen Be» sammlung noch ei» kleine« Grollen empfinde. Allein meinem Grolle« gedenke ich kriueSweg« Lutzdrwk zu gebe», sondern Ihre« etwaig« kleine« Grollen über «ich die Spitze abzubrecheu. — Wir sind i» diesem Augenblicke Lehrer aller Bekeuntuiffe hier vereinigt («» war zufällig auch ei« evangelischrr Lehrer al« Bast zum Mahle erschiene«), allein wir haben Alle trotzdem einen Eiatgnrg«purckt, da« ist: Die Liebe za unserem gemeinsamen, theurea, deutschen Baterlande. Hoch über alle« Partei» über allen ReltgiouSuntersch ed«. über Rang «ad Stellung schwebt einigend und versöhnend über na«, da« schwarz-weißrothe deutsch« Banner. Unter diesem Vuanueic und fftr diese« Banner llwpste schon mauch Einer cn» unserer eigenen Mitte und wenn e» noch thnt, dm« «erden auch unsere Kinder für diese« schwar-weiß-rothe Banner kämpfe». — Meine lieben Genossen l Schaum Sie um steh und sehe» Sie, wie herrlich unser theure«, dentschet» Vaterland seine Schönheiten darbietet, wie gefürchtet e« vor ganz Europa dasteht, so daß unser Heldenkanzler mtt Recht sage» konnte: .Wir Deutsche fürchten Gott, sonst Niemand auf der Erbel" — Und Sie wollen durch Streitigkeiten, durch da« Hineiuziehea von elende« Tage«gezäuke ia unsere friedliche Schule ai: der Bröß, unsere« herrlichen, deutsche« Baterlande» ar. betten? — Nein, meine lieben Berttögmrff«! I« Sinn, unserer vielgeliebt« drei Kaiser, t>i« wir tu diese« kummervoll« Jahre 1888 auf Deutschland»« Throne sah«, ist da« keinesweg«! Der erste deutsche Kaiser Wilhelm L, der vielgeliebte Hcldrngrri», er gab in slhlichbw, frommer Demuth vor Allem Gott die Ehre. „Mit Gott," du« war sein fromm» Wahlspruch. Der zweite Kaiser, unser unvergeßlicher Kaffer Friedrich, er wird durch leine Leutseligkeit, echte Menschlichkeit und schlichte Herz««aüte ein ewige« Attdenkm im Herz« eine» jeden gut« Deutsch» Hali«. .Für den König", da» rnft un» beständig sein verklärte« Go> dächtuiß zu. Uud der dritte Koffer, unser allerguädigstee Herrscher, Wilhelm II., er hat durch süa« iSahlspruch: .Ich will der erste Diener «eine« Staute« sein", -«zeigt, daß ihn da« Wohl de« Baterlande« am höchst« steht. Darum woll« auch wir da» theure deutsche Vaterland mit unseren schwach« Kräft« dnrch Ewigkeit «nd gegenseitige Duldung, durch Gerechtigkeit »nd gegmsrüfige Achtung der religiös« lleberzmgung zw: Griff« «nd zu« Ruhme führ«. Und so wie die erst« birri deutsch« Kaffer eine lebendige Vethätiguug de« Preusenspruihe« bild«: »Mit Gott für König und Baterlaud", so lass« Sie auch na«, meine lieb« BerufSgeiiossm, in nuseüe» amtlich« uud außeramtlich« Leb« eine lebendige Bethättgmm - diese« Spruch« sein. Dann», meine lieben Berus-geoosscni Wer « « treu und redlich mit seine« Gott «eint, wer e« treu uutz redlich mit sei»«« «ö- % »tge «eiut, »er «« treu »uh redlich mtt »»so-^ ") Rach »rva blatt and Expim»“ übers, am £. Loh«.