Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 52 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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M 52* Jüdisches 1888. Herauage^den Mn Dr. M. Aahmer in Magdeburg. ZN |«trr|ilii«| *. Kelthnms fir He irrnüvsche FmiUt. Inhalt: Kaftan. . bTigtauI>S*M8( Ma 6. Harvwitz in Krakau. (Schluß) — Der Trost ta Trau». — Llelchrdder in lluisann — «Lchstlaafgadeu und «LiMlösnngrn. (llubefu^rr Nachdruck «ttfffcgt.) »tftali. Vriglnal-Nnvelle Mn 6. Horowttz in Krakau. l«chlu») Var de« breite» Lhore de« einzig« Gasthauses de« Städtchen« hielt eine« trübe», fruchten Herbstabend» ein Wage», auf welchr« et» Reisender, ganz erbrochen, auf Kiffe» ruhte, 9» gelang ihm »ur mit grotzer Mühe fich «ufr»richte» »,d jede seiner Anstrengung« wurde ec» ei«m Hnste» de,leitet. Mil Hilf« de» Lutscher« und de» Hausknecht» verließ er de» wage», »ad »anleudeu Schritte», auf di« Männer ,(stützt, wurde er in» Gastztauaer gelettet. Sein Gesicht war riugrfalleu, vou blaßgelber Farbe, nud die hervorstehende» Backenkuocheu waren vou rachen, hektische» Flecke» bedeckt. Bartoud Haupchaar war spärlich, wie gelichtet und »»» graue» Filde» «nttraiengt. Dt« ga»z geknickte Gestalt «achte «ine» traurigen Etodruck «ud mußt« bei gebe« Mitleid Hervorrufe». Rur die kluge» leuchtete» wie io phosphorischem Glanz«, dabei aber war der Blick nnstät uud verrieth Seelarpet». Da« Alter de» Fronde» war schwer za destimm«. dir Warte kaute» »ur abgebroche» über seine Lippe» und dr fuhr fich »ft «U seiner Rechte» »ach dem Herze», als »ollt« er deffe» galoppireude Schlüge dü»pf«u. Ans de« Zimmer augelaugt schaute er »ehmüthlg um .fich und ließ de, «trth zu fich bitte». Der Besitzer der . Herberge, ein bereit» ältlicher Manu, t« Stüdtchru gebäre», kr saznsaae, jede» Stet» kauute. lastete natürlich dem Wnnsch« seine» kranke» Gaste» Folg« nud frag »ach seinem Begehren. Der Fronde richtete fich auf setrwm Lager auf. winkte ihm näher zu trete» und begann fich über die verhält»isie . der Bevölkernug zu lrkuudi-e», »elche Familteu die reichste« sei«», »er Einfluß habe, «»setze» genieße n. s. w. Der Wirttz neunte aufänglich Ra««», welche u»sereu Fronde» nicht z» ioterrsstrra schienen, da machte er ei»« hastige vewchuug. sei» klthau keuchte, da» Geficht glühie «td »fit »acgrdcugte« OberSrper lauschte er seine» «arte». Der «mH fuhr t» seiner Eqlhlmg fart: > .Freilich all« diese »feine Berj»»' — Hoaoratiare» —, Welch« ich Ihnen da »owe, fi»d »icht wett her. Ander» .war e» bet »u« »ar Jahre». In eorserer Mitte wohnte ei» .wahrhaft Gerechter, et» «ahlchäter der Arme» und tta» glücklichen. Der Red Wieder — Fried« frans Andenken I . — tt«d »ach z»r recht«» Zeit, n» nicht die Schwach seine» Ubanse» z» erlebe». Gleich »ach sei»» «dledae ist nämlich sei» einziger, entarteter Sah» »fit einer Safte — christliche 'Wetdspersau — dnrchge^nge», und seine Mutter sank nar .Sra« frühzeitig in» Grad. A»ch auf di, Schwester» de« Ilbtrst»«»» kmtztg deffe» frevelhaft« Dhat Unglück, den» ' kr »ndeschalte», «mne »er Familie litt «»ter diese« Makel «st »ach eisige» Jahre» wäre» m» kr grast« Hinterktffssüfcheft kmnn eofig« Lrünuser varhand», den» dt« FanfiÜ« must für Rastalt'» — da» ofiarkrt« «chne» — Sünde büßen. Jetzt leben Wigdor« Nachkam«« beinah« ta Armuth und —*. Der redselige Wirth hielt in seine« Redefluffe jäh tune» deu» der Kehle de» Kraute» mttaug sich et» «arkerschütte«d,r Aufschrei, er sank in die Kiff» zurück, ein Hnftmanfall drohte ihn zu erstick« »ud vlutstropf« drang« über die Llppa». Der Wirth wollte Hilfe herbethol«, aber der Kranke faßte krampfhaft sein« Ar«, et» Aechzeu uud Stöhnen mtra»g fich seiner gequält« Brust «ud dumpf und H«hl, wie eine Grabesstimme, lispelte er kau« hörbar: »Ich dt» — bin Raf — Naft-li." Entsetzt wollte der Wirth zurückweich«, aber der Kranke hielt »och immer seinen Arm wie mit der Macht der Berzweifluug, uud fuhr mit gebrochener Stimme fort: »Erweisen Sie einen reuig sterbenden Sünder ein« DI«st uud rufen Sie «eine Schwestern an «ei» Sterbelager. Meine Stund« sind gezählt, bald »ctk ich von «ei«« irdische» Leid« geheilt sein, uud ich Hab« u»r »ach ei»« Wunsch auf Erd«, noch eiumal «eiue Schwester» z» seh« u»d ihre Verzeihung zu erlaoge». Geh« Sie, überbringen Sie ihnen den Gruß »ud die Bitte ihre» sterbend« Bruder«.' Erschdpft sank Naftali in die Kiffen, und der Wirth» von Rührung übermaant, eilte, di« letzt« Wünsche eine» Sterbend« zu erfüllen. I« Krankrnztmmer herrschte jetzt eine unheimlich« Still«, nur «uterbroch« »ou Naftal,'» Röcheln, uud die letzt« schwachen Strahl« /tn notrrgeh«d«a Samte fiel« in» Gemach. — Langsam dffnete fich die Thüre, drei weiblich« Gestalte», fich sch« und ängstlich »«blickend, kam« zu« Vorschein und nähert« fich verstört« Blicke» dem Krankenlager. Naftali richtete fich etwa« empar, sei« Gesichtsmnskeln zockt«, die Aug« schiene» an» d« Höhl« treten zu «oll«, er streckte de» Eintret«beu die Arme entgeg« und .meine Schwrster»' kam e» «ie gurgelod au» seine« Mond«. Der B«st der Fra»« «trau, fich ein Schluchz«, fie schieneu ein« inner« Kampf «nsznftchte», di» der Anblick der Jammergestalt jede» Bedenk« verdrängt« nud mit de« Schrei .Rastatt* beugten fie fich über ihre» B«der. Die herzerschütterooe Erkennung«sceue «t,letzt fich jeder Beschreibung. Alle» war m Thräuen aufgelöst nud da» krampfhafte Schluchz« drang di» tu kn Hausfiur, dt« fest; herbolackeud. Juzroisch« Mtn Wigdor'» Schwiegersdhn« ebenfalls «gelangt and auch die abgehärtet« Männer frant« der Rührung ni»t «ttersteh«. — Di« Kuuk »an Naftali'» Rückkehr hatte fich mit Blitzesschnelle verbreitet. Alle» strömte in hell« Hanft» herbei, dt« Räumlichkeit« de» Gasthause» füllend, van der fnrchdare» Inftchnng wie ohnmächtig, lchnte Naftatt mit geschloffen« Aich« ta kn Kiff», »nd krampfhaft hielt« seine adgrmogert« Hävtr die seiner «chwestn» «mschluuge».