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Jüdisches Familienblatt · 1888-01-01 · 40 (1888) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1888
Issue
40 (1888)
Date
1888-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisch«. 1888. Her-u«ykgebr» Mn Dr. M. >»b«rr ix Magdeburg. •* *¥**• Zu SKtrrlittxxg i -elehnmfir die isruMsche Fmilir. Inhalt Di« Snnbnrxbd— -I» Opfer de» Faxatllmn». Ein« biographisch« Ktizze Mn G. >obm. — Labbath»Plant«rrl . * Wochrnabschaili B«rMctiith. — «Herlei fni' den Aamilenrisch. — Wlihsel-Lnfaabni xnb blbihsel-Lbsunaen. (nsktUtn »achdruck jnm Die «Attderrabhi'S.*) D«r Gründer de» Bukowina» Wuuderrabbithum« war der Groß»ater de« jetzt regierende» Wanderrabbi ta Sada- «om. Gr kam vor etwa SO olwr üü Jahre» «l» russischer Flüchtli»g »ach Oeflerreich un!> fiedelte sich tu Sadagora «». Damal« hatte «a» »bch Patrtmonialgertchtt, uud da hielt es, mm mm Geld is der Tasche hatte, nicht schwer, Schatz »ad llutersiützuug ,u stade». Der Oberbmmtt «ußte nur gewonnen. der Vits Herr riugeschläfert werde», .' da»» koante «a» viele« erreiche». 1 ■' Dt« Art, wie der Flüchtling de« russische» Späher» ertkoameu. seicht einem Märchen, von jüdischer Gemeinde zu jüdischer Gemeinde wurde er tu nächttichet^EUfahrtm heute tu riacst Sarge, morgen ta et»r Strohgarbe, daun wieder zwischen Thierfelleu »erst eckt, «etter befördert, und wen» Gefahr tm verzage war, strömte jener goldene Rege« nieder, dessen Fmchibarkeit dr» Vater Zeu«, lustigen Angedenken«, schon bekaunt war. Di« Jude» boten alle» Seharsfiau, alle Zähigkeit auf, »« da« vorgestecktr Ziel zu erliche», denn der Flüchtling war — ttt« dem Königshaus« David« entsprofie» I Diese« Losnngsuirt ward ihuen gegrbeii, uud der russisch«, wie der polnische Jude hätte selbst zu Pistol« uud Messer gegriffen, w««u di« Rettung de« .Königslohnesdurch List und Gold aicht »»glich geweseu wäre. R»sfische Spion« erkundschafteten dm Aufenthalt de« Mauue« und di« Regier»«« bei: Lzar« verlangte von Oesterreich die AaMteferuag der Flüchtlings. Da geschah etwa« ganz Wunderbares: die Gemeint« Sadagora, Jude wir Christ, ze»gt« vor Gericht, daß der als rassischer Flüchtling bezeichnet« Man» tm Orte Sadagora gehöre», als» österreichischer Uutertha» seil Natürlich konnte von Auslieferung nicht weiter dir Red« sei»; der Sohn David« blieb »»gestört in seine« Hanse wohn« and bald sah ma», besonder« zur Zeit der heiligen Herbstfrste, ganze «Schaarm »on alänbigm Jaden »ach dm, klemm Bnkowinaer Gtädtchm wallfahrtm, um dm' Hriliam von Angesicht z» Angesicht zu schaue», um eineu Rockzipstl zu küssen, sei»«« Gebet sich zu empfrhleu. Bekanntlich »der »erfolgt selbst l»rr rechtgläubige Jade nicht dlo« ideal« Ziel«; di« tremseMdmMle Straß« zu» siebenten Himmel hat recht« und link» Heine, virlbeschrittenr. holprig Wege' und Steig«, die allesammt au« de« irdisch» Jammerthale etmoüud» und^ir der arme Mmsch, so tag« er athmet, aus Gewiutchecht »der au« »deiiu praktisch« Motiven, lässig »d« «tlLz. je uachde«, deschreidit. So versteht e« sich, daß der heilig« Manu um sä» Gutachten angegangen ward«, wen» e« sich »m rein geschäftlich»« Dinge hmwelt«, uud r« hieß» der Söge» Gotte« mH« ersichtlich aus der Unternehmung, die M» ihm, dm, Rabbi a»tgrl»eiß» wurde. Lein Wunder, daß mit dm Jahre» der Ruf. »fit de» Ruf« da« Seltstbewußtfri» »ad mit deidm der Rfichthum de« Mauue« wuchs I 'GH dovahut« jetzt sei» rtgeae« fxatt, da« er sich hart an ««MM »er Stzrmgoge buten ließ uud fuhr i» seinem eigrnm Wage» Da« Hau«, «tu schöner Bau, wurde höchst geschmackvoll ein» gerichtet uud Kostbarkeiten aller Art (ein filbemrr Tisch, goldme« Service, herrliche Tschibuke mit Juwelen geschmückt) wordm darin aufgehäust. Er starb, ti war da« vor etwa einem Mmschmalter, uud die Bestatt»»« erfolgte zwar i» patriarchalischer Einfachheit de« Judmthum«, aber in Anwesenheit von Tausenden gläubiger Verehrer, und unter so lebhaftem Zeichen allgemeiner Trauer, daß der vernünftig« Zuschauer, der zufällig oder au« Neugierde der Feier beiwohnte, traurig erschrocken in diese «etnmdc, jammernde Menschenmaffe hineinblickte. .War der Mann, der hier in die Smbe gelegt wird, ein Wohlthäter dieser Mmschm?* frag Jemand. .Nein", ward ihm zur Antwort, .da« braucht« er auch nicht zu sein, er galt ihnen blo« für dm Enkel David«-. Die jüdisch« Gemeinde Sadagora'« war trotz der fünfundzwauzigjährizm Wirksamkeit de« Wunderrabbi »icht wohlhabruder geworden. Ja klein», »ft elenden Räumm eingepfercht, unzuläagiich genährt, blieb» die Leute arm, wie sie es vordem gewesru. Der »Altgläubige- (Chaßid), kann auch in der Regel auf keinen grünen Zweig komm». Die Fest, uud Fasttage find zu zahlreich, die Synagoge, so wie die häuslichen Gebete uehmm allzuviel Zeit in Anspruch uud mdlich muß die allzuhäufige persönliche Beziehung de« Chaßid zu Adonai (Gott), al« schädlich für dm stetigen bürgerlichen Erwerb betrachtet werdm. Rach de« Tod« de« Wunderrabbi begann eigentlich erst recht seine Wirksamkeit. Au seinem Grabhügel stellten sie eine» sparbüchsenartig» Last» auf. Hatte ein frommer Jude etwa« auf dem Herzm, wo er sich aicht Rath« wußte, so schrieb er seine diesbezüglich« Frage auf ein Papier, da« er wohlgefaltet ta dm Mund de« Kasten« warf und im Traume ward ihm i» der nächsten oder zweituächstm Nacht die Antwort, die autoritative» Gewicht hatte. « G » Der Glanz der Heiligkeit, sowie de« Prophetmthum« in Jsmel sprang von der Stirn« de« todtm Vater« auf da« Haupt de« Sohne« über, uud dieser Nachfolger führte sei» Regiment von Gotte« Gnade» mit nicht minderer Hoheit, mit nicht geringere« Seibstdewubisei» und nicht schwächere» Erfolge, al« r« sein väterlicher Vorgänger gethaa. Zur Zeit der Herbftmoud« wallfahrtet«» aus Ungarn, Galizien und der Bukowina, aus Rußland und dm Douaufürsteuthümeru gläubige Judm »ach der Refidmz de« Wuuderrabbi II-, am tu deffm Nähe da« Neujahrs- und Bersöhu»ug«fest zu feiern. Uud der Rabbi speiste sie alle, reich and arm. Die Reichm speist« er in sein» Gemächem, einig« von ihnen sogar «t sei«, Tafel, er »ußte wohl, warum. Dt« Arme», dt« wloar» nca oontribaaua viado, wurden t» dm Anuexm setur« Hause« verpflegt, gewiß auch nicht ohne Gmad. GliMm aber mit vor Erwartung »uruhi, pochendem Herz» «gmu.fle gekommm; beglückt, leiblich uud geistig gesättigt, tzg« GeWÜth »d ruhige» Vertrauens, kehrten sie Helm. Dw» ■itt

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