Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 33 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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schärfere Züge nicht minder durchdringende» Verstand »errietbea, besonder« wenn er mit seinen kleine» grauen, mit Gläsern bewaffnete« «ngen dem gerade »ar tbm Stehende» bi« in« Innere z» blicken schien. Unser Frennd kennte sich übrigen« einer sehr freundlichen Aufnnhmr rühmen «nd hatte sich in kürzester Zeit s» ein» gearbeitet. daer seine eigentliche Thätigkett, den vesnch der autwSrtigru Kundschaft resp. die ««Werbung solcher auf. nehmen konnte. Da« Glück begünstigte ihn nnd unterstützte seinen Eifer; da« Han« durfte wohl mit seiner «equisttiou zufrieden sein. Rach Beendigung der.Tour" tu sei«« nunmehrigen Domicil wieder eingetroffen. blieb er redlich bemüht, dt« günftiae Meinung, welch« sei« Thätigkett bei feinen Chef» erweckt hatte, weiter zu befestige». Gleichzeitig aber »ahm er Gelegenheit, die oben erwähnten Beobachtungen wieder aufzunehmea und führten dieselben ihn zu seinem höchsten Erstaunen bald zu der Erkenntni-, daß seine Principal« selbst dem angehörte», da» er vor ihnen zu verle*g«u sich g«. uöthigt gesehen, dem — Judenthnm. «u« gelegentlichen, mit seinen Gcschäft-colleqea angekuüpfte» Gespräche« entnahm er die Bestätigung deffen und beschloß bei nächster Gelegenheit ans da« Factum fußend, sei«, weniger durch de» Druck und Zwang der Verhältnisse, al« d«ch seinen leichten Siou, worin ihn seine Freunde noch bestärft batten, augenommrne Marke falle« ,u lasten, und sich den Herren al« Glauben», genoffrn zu erkennen z» gebe«. Diese Gelegenheit stand in Gestalt der höchste« Feiertage, de« Neujahr«, und Ber> svhnung«feste«, vor der Thür. .Hören Sie mol. Herr Roth", sagte eine« Tage« Herr Bergmann zu de« jungen Mann, .Sie können nächsten Donnerstag nnt Freitag eiuen (geschäftlichen) Abstecher machen oder — wenn Sie wollen — auch einen kleine» Urlaub erhalte». Wir werden au diese» Tagen «usrre Geschäftöräume geschloffen halten." Ja, nun war er da, der erwartete und doch gefürchtete Augenblick, jetzt hieß r«, der Wahrheit dt« Ehr« geben. Noch, der sonst so flotte Junge, der so keck i» die Welt hinein, blickte, ward doch etwa» »erlegen und seine Geficht«farbe Öe eine merkwürdige Ueberetustimmung nnt sei«« Namen, h hatte rr fich jedoch wieder gefaßt und emgrgaere: „Geehrter Herr Bergmann, wenn Sie gestatte«, mach« ich von Ihrer gütigen Erlaubniß am so lieber Sebrauch, al« Sie damit meinen Wünschen entgrgenkommen. Ich werde mich, de« Beispiele des Hause« anschließend, ebenfall« an den beiden Tagen nicht nur der geschäftlichen Thätigkeit enthalten, sonderu auch, gleich Ihnen, die Synagoge be'ucheu." .Ah. mein Lieber, wie ich au« Ihren Worten entnehme, find Sie davon unterrichtet, daß wir Feiertage halber unser« geschäftliche Thätigkeit fiftiren", erwiderte Bergmann, „und ich find« e« nur billig, daß Sie. Ihrem Wunsch« entsprechen», ebeufall« an diesen Tagen frei find; ganz eigen aber berührt e« mich, offen gestanden", und hierbei blickte der Redner den vor ihm Stehende» forschend an, „daß Sie auch an unser« Gottesdienst theilzunehme« beabsichtigen. Ist die« an« Jntereff« au fremdartigen Bräuchen oder eine weitgehende Rücksicht» nähme, wenn ich ftagen darf?" ..Keine« von Beiden", antwortete der Gefragte, „uud nun muß ich eine iu keiner tadeln«»ürdige» Absicht begaugen« Täuschung bekennen, tu welcher ich dt« Herren bi«her ge» laffen, und mich, so gut e« eben augehea wird, bet Ihnen zu entschuldigen versuche». Ich bin nicht, wie St« auuahmen, und worin Sie meine äußere Erscheiuang bestärtt habe» mag, Christ, sonderu Ihr Glaubenägeuoffe." .Ei. ei! Da« find ja schöne Sachen, die wir da hören", fuhr e« nun bei Bergmau« heran«. „Da hören St« mal, Wernm", wandt« er fich zur Thür, die an« de« Privat» comtvtr in einen Waarenraum führt« „da dieser junge Man» hier der Roth hat uu« ja arg gettnscht, schon «M er fich auf unser Inserat hin meldete, er ist ja ein 8ar-^iarväl."*) ») Ui» Soh» Israel». i . „Nun sagen Sie mal. Mensch, wie konnten St« am dt, kühne Idee, sich un« al« Christ zu griften". platzte nun auch noch Werner lo« »nd fuchtelte mtfgcregt mit de» Hände«. .Da« ist doch offen —" Aber eh« rr noch weiter spiecheu kannte. hatte auch unser Freund seine« vollen Gleichmuth wieder gewonnen uud, Jenem di« Red« »bschneidend. degaun er: „Ja, «et« Herren, „ “*j war auch »eine Ha»dsuug«»etse feine ganz cornete, so wolle»' * Sie da« zuvörderst de« leichten, jngendlicheu Sinn zu Gut« i rechnen, uud bau». — wem hat die Täuschung Schade» ge» . j bracht, Ihre« Hau«, seinem Ruf, der Kundschaft? Gewiß« 1 ftriscn. Wohl aber haben ««tue Ersolre, die ich vielleicht «ehr de« Glück uud dem Reuomwsi der Firm», al« meiuer Tüchtigkeit verdauke", fügt« «och ebeu so bessiutde» al« be» \ stimmt hinzu, ,«ir Ihr« Anerkenn«», uud Ihr schätzbare« i Bert raue» erworbe», wie ich zu meiuer größte» Genugthuuug ./ bemerkt habe. Nun jedoch, möge» Sie darüber deuke» wie Sie »olle», müsteu Sie mir auch die Freiheit , ^währen. Sie, meiu« Herren, zu ftagen, wa« Sie beweg«» kimute, für de« offene« Reiseposten einen Christen al» begeheen»wer1tzer zu macheu. den» einen Glaubeuögenoffeu. vir körnen »ft als», daun eine gleiche Haudlungoweise bei unserer christlich«,' Concurreuz »och tadeln; ich diu überzeugt, hätte ich mich Ihnen al« Glaubemögeuoffe zu erkennen gegeb,», Sir hätte» mich uicht acceptirt. uud «eine Log« gebot mir. so bald «l» möglich eiae paffende Stellung auzaüehme», da ich e» i» , mrmrr frühere» so «uglückrich geftoffru hatte uud, »ft Sft wohl wiffeu» heute genug tüchtige Leute a«' jede unr au» uehmbarr freie Stellung warten, vom rechtliche« Stand» Punkt au» mag ich gefehlt habe», vom reiu menschliche« dagegen i ch wohl uicht. verzeihen Sft meinen Freimnth mtt welchem ich gewiffermaßeu auch Ihr Handel» bemäkle/ aber uehmeu Sft ü» dftsem Moment an, daß ich uicht al» Ihr Untergebener, nicht al» wett Jüngerer, sonder« nur als Glaubcn«verwaudter so zu Ihne« spreche." lKchluh folgt.) j i a 1 Tie A»r«eltte» vom NhOlwst. (storts»>a»g.) Die Gemeinde von Rhodu« hat weder eine richtige Verwaltung noch Oraauisatton. A» ihrer Spitze befindet fich der Oberrabbiuer Rah am im Juda J»rael, Cmimaudenr de» Medjidiö-Orden»; derselbe ist 7V Jahre »tt and genießt dft allgemeine Hochachtung; doch geuügt dft» nicht, um sein« materiell« Existenz zu stche-u. Er übt dft Gericht«darkrft au». Hier wie tu Adrtanopel ist da» Raebiuat erblich seit undenkbaren Zeiten. Dft einzige bestimmte Einnahme der Gmetude ist dft Fleischftrner. Dieselbe beträgt «ngesähr 200') Irr» jährlich, wir» aber fast ganz zur Bezahl«^ von 4 Schochetim »er- Wendel, von denen der riue in Jerusalem parsioutrt lebt: Bet Gelegenhett der Feste wird eine Collecte veranstaltet. dft sehr wenig eindringt, der Ertrag derselbe« wird unter dft Bedürftigen vertheilt. Bor kurze« haben einige gutwillige j«ug« Leute zwei Wihlthätigkeitsgesellschafteo gegründet. Eue jede zählt 70 Mitglftdrr mft einem jährliche» Betftag von 25 Piaster ' (6,25 Frc».) E« bleibt zu wünschen, daß sie gedeihen, denn e» gftbt nicht» Traurigere» al» eine Gemeind«, ohm dteft schuhbringe»»«» Entrichtungen. E» gftbt drei Synagoge«. Dft beiden älteste» und bo» 7? I S -2 deuteudsteu heißen: „Gadol" «nd „Schalom". Dft dritte ist vor kurzem ppftatet worden, uud ihr« Rem««» werbe» zu Gunsten der Schaft verwendet. «» gftbt außerdem »och drtt' «etftnbe». Dies« Tempel bftte» kei» bculiche» Interest«/ Der Traditionen zufolge wäre dft Synagoge „Gadol" bald «ach der «rodernng der Insel durch SuftWM» ^^üudet word«». I» einer Rische bemerkt mau chm Flasch« Oel, von der «an dft verschiedensten ««»der «rijllhl^wft. über-