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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 28 (1884) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1888
Issue
28 (1884)
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ASVij««- 1888. 41tRVlifH'l/^// ff/ tyranlgcgcbai »cn Dr. M. (UfeRer In Magdeburg. Inhalt Z« gxtfttfftaf i fridfrog fXr Mt israelivsche Fnülie. «, «bet «» der «Hille, «ue wchhichn Mi Wala»««. («cklub.) - Zur «eschtchtr de« v. O. S. S. - Joseph Hofmann. ' der deine Plonlst. — »Hetbnvche«' z«n 44. M-sstoiwseft in Nilr, b-rg. — «letue jüdisch« Lharakterzüg«. — Röthsel «ufgabeu u»d Räihsel^ersongni. — (Uutesugtrr Nachdruck mttrHagt.) »i« Lhet i» der Khtlle.*) «iue Geschichte au« Galizte«. («chluh.) Jouas Kariuelt» hatte «tuen schweren Abend und eine uuruhtg« Nacht. Was sollte er vor dem Gericht, und nie sollte er sich -egen eine Anklage vertheidige». auf di« er gar »icht gefaßt war. Josabeth. setu« Frau, hatte iudeß keine andere Gorge al« dir, »ie sie sich zu dem großen Akt anziehe« sollte. L« gelang ihr aber offenbar schließlich doch, dieses wichtige Problem auf da« Beste zu lösen, denn als der Gchammrs Nasenschön ste und ihre» Mau» am nächsten Bormtttag um zehn Uh» in de« kleinen Taal führte, in de« bi« Rabbiner bereits versammelt »aren. starrten di« ernsten, griesgrämigrn Männer sie alle zugleich sprachlos an. und es hätte wohl lauge noch keiner von ihnen das Wort genommen, wenn nicht Josabeth selbst vor den Tisch hinaetreten »äre, an de« ste saßen, und lächelnd gefragt hätte,, zu »rlchem Zweck man sie vorgeladen habe. Uvd »ie fie jetzt tu de« Ueberrock von hellgrauer Seid« und dem laugen grün» sammtenrn Marderpelz, die edle Stirn mir der königlichen, von Juwelen sunkelnden hebräischen Binde geschmückt, die schöne »vriße Hand leicht auf de« Ti'ch stützt«, schien sie vielmehr hierher gekommen, um Gericht zu halte«, als vor ihre» Richtern zu stehen. Fünf Männer saßen um den Lisch der toeis« Rabbi Matmou Weithes, da»« Red Opeuhei«, Reb Seltgmann, Red Lotriugrr «ub Red Herkele, um drffeu klug« Auge» und »all« Appen stets «in gutiaüthig spöttisches Lächeln schwebte und dessen feiue», gleichsam von Innen erhelltem Geficht «an es dewtlich geung ansah, daß er uicht alleia in den heilige» und profane« Schrfften der Hebräer Bescheid wußte. Aach jetzt lächelte er. und murmelte daun vor fich hin: »Muer uasterdliche» Göttin, füruahr, ja, gleicht fie von Ausehe» k" .Was haben Sie gesagt?' fragte Rabbi Maimon verwüudert. .Das >»ar uicht aus der Thora, «och aus dem Talmud, soviel ich weiß." Es war aus Homer.' .Aus Homer? Homer? Was ist das?" .Aus cüun griechisch«« Epos, dir Ilias von Homer', erwiderte Reb Herkele mit eine« trockenen Lächeln. »Red He-kele! Reb Hertel«!' uuchut« der greise Rabbi. .Wann »erde» Ste ei«mal laffru Ihre Späße? Immer habe» Ste solch« weitlich«. heidnisch« Sachen im Muude. Was lese« Sie aber auch für Bücher, di« nicht jüdisch find? Paßt das für einen Rabbtner?' Hierauf fuhr er. zu Iowas Kanueiin «ud seiner Krau gewendet, fort: .Sie swd Beide hier, als Angeklagte und könuen fich eineu Aawalt erwählen.' .Was brauche ich riuen Anwalt:', mvtderte Josaberh, ^tu ich doch keine Heuur, und was meinen Manu betrifft, so will ich th» auch vertheidigeu. wen» es uöthig sein sollte." .Mau hat Sie «ugeklagt, Krau Karmelt«', begann nun feierlich Rabbi Maimon, .daß Sie uicht haben Ihr Haar geschnttte», wie doch einer Fra« ziemt. Was haben Ste darauf zu erwidern?' .Das ich zu erwidern habe?" sagte Josabeth. .Daß ich allerdings «et» Haar nicht abgeschuitten habe und es auch niemals abschnetdeu werde.' »Sind Sie von Sinnen?' .I« Gegentheil l' fuhr Josabeth fort. .Weshalb soll eine Fra« ihr Haar abschaeiden? Damit sie keinem Anderen gefällt, als ihrem Mann. Wenn ste aber dann auch ihre« Mann uicht mehr gefallen sollt«, so wäre gerade da« Gegen» theil von de« erreicht, was das Gesetz beabstchtigt, und fie soll also ihr Haar wachsen laffen. .Freue Dich des Weibes Deiner Jugend!" sagt König Salomo. Die aber soll eiu Man» fich eines Weibes freuea, das man seine« schönsten Schmuckes beraubt hat?" Rabbi Maimon wußte nichts zu erwidern und deshalb (og er es vor, fich an Jonas Karmelin zu wenden. .Was ageu Ste dazu. Herr Karmeltu, und wie konnten Sie so laug« Zeit «in« so schwer« Berletzung des heiligen Gesetzes dulden?' .Ich dacht« ... ich wollte . . .'. stammelte dieser. .Set still, wenn ich red«!' unterbrach ihn seine Frau. .Reo' ich nicht für Dich? Ich war es, ich allein, die es so haveu wollte, meinen Mann habe ich uicht um Lrleubniß gebeten.' ,Bou dreien Dingen kommt am meisten Uebel her, Wie, fragst Du. heißen ste? Es find Weib, Feuer, Meer.' .Ich glaube gar, da« »aren Reime, Reb Herkele?' .Das war ein Sinngedicht. Rabbi Maimon.' »Was mach« ich mit einem Sinngedicht, Reb Herkele?' .Ich habe auch gor nicht verlangt, Radbt Maimon. daß Sie etwas damit machen." »Also alles Uedel kommt vom Weib« her?' fragte Josabeth. Ihre Wangen hatten fich aeröthet. uad ihre Auzen funkelten so schön und so böse. »Wenn das Weib wirklich so schlecht ist und ist doch nur aas einer Rippe des Mannes erschaffen, »nie schlecht »uuß erst der ganze Mann sein?' .Sie bekennen fich also schuldig. Jona« Sarmelin?' fragt« wieder der »eis« Rabbi. .Wie kann er schuldig sei»?' rief Josabeth. .Dieser Mann, den ich, sobald ich will, an einem Sridenfaden führe, wie ein Lämmchen? Und hätte er mir wirklich gestattet, was in Kure« Augen eine so große Sünde ist so müßt Ihr ihn dennoch fretiprechea denn wenn Sir mein Mann wären, Rabbi Maimon, Sie hätieu es mir auch gestattet.' »Eine Frau entschuldigt sogar Schlechtigkeiten', sprach Red Herkele lächelnd, »wenn ste durch ihre Schönheit ver» aulaßt werden.' .Steht das im Talmud?" fragte Rabbi Maimon erbittert. .Wo es steht, weiß ich nicht", gab Reb Herkele ruhig zur Antwort, .aber im Talmud steht es nicht.' .Nicht? Und St« »tffe» auch uicht. wo es steht, Reb

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