Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 10 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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$.tau<gtgebcn von Dr. M. Nahraer in Magdeburg. Jxt DrtrrtzMm-1 Ketehnmfiir die israetitische i'emlik. Der Rabbi und die Pan'». Kulturhistorische Lqühlung au» dem Xl'ü. Jahrhundert, di ach dem Russischen von A. Levia» Sagan (Fortsetzung.) — Di« «llianice-Vchule in Jerusalem. (Schiuh.) — Allerlei für den Familientisch: «u» der .Schutzjugei'd'.Zeit. — Festgrv» «um 7. «ttftung»feste de« „Vrüdcrverrin»" in Dre»den um LS. Februar. — Kleine jüdische Shar»et«r»üge. Die FrSmmlerin. Au« de» Spruchschotz de» Dalumd. Poetisch übertragen von Maxtbeinberg. — Silltbset»Ausgaben u. Rüthsel-Lösungen. Der tto*H «üb die Pa »'s. Kulturhistorische »rtthlung an» de» X7H. Johrhnnbrrt. Nach dem Russischen von A. Levin-Gag an. «»«»rilirt» u«e«ri»»»»,.> »ert.teni. »1 - In der Vorhalle und um die Kirche standen dichtgedrängte Masse» beiderlei Geschlecht». An der Seite stand, wie abgesondert, eine lleiue Gruppe. Au« der Feirrtagskleidung dieser Grupp«, wie au« den farbiar» Bändern, die in den dicken Zöpfen der sonnengebräunte« Mädchen hingen und an die Aermel der Bursch»?« geheftet waren, konnte man leicht erkenne», daß <» eine Hortzeitsgesrllschast war. Der rüstige, tugendliche Bräutigam und die stattliche Braut mit dem Äeu Ukraine-Gesicht verbeugte» sich tief nach allen vier . Alle« wartete auf die Ankunft de« Geistlichen und de« Diakon u». .Sir kommen, sie kommen! Der Batjuschka kommt und der Later Diakon auch!" .Und die Kirche ist noch geschliffen I* .Wo ist der Jud?" — .Warum bring!'er die Schlüffe! nicht?" Ja diese« Augenblick trat der un« wohlbekaaule Jankel, B, durch die Menge drängend, in die Borhalle. Di« affe» mit einem ungemein frechen Blick musternd, und ohne feine mit Federn bedeckte Plüschmütze vom. Kopfe zu neharen, rief er mit kreischender Somme: »He da. ihr Bauern, seid MI Wer will in die Kirche?" .Wir Alle!" - .Wir sind all« rechwläubige Ahristen!" .Und keine Uuchrtstrn, keine Ungläubigen, keine Inden!" 8gte «in betrunkener, stämmiger Bursche hinzu, mit wilde« licke Jankel austarrrud. / ,Nu, au, nicht mit Dir red« ich. Du Saukerl!" sagt« Jankel, indem er de« Burschen seine respektable Faust unter die Nase hielt und »ach LinÜ schielte. — Und dort, uater der Menge znsammeugepreßt, stand Zodrh al« sei er, seine« Verspreche» gemäß, einzig und allein zu dem. Zwecke grkommen, um den Helden müthigen Jankel bet feiner .Arbeit" zu sehen. In Wahrheit aber war der gemeine Zodek hergekom- «eu, um zu schaue», wie di« von seinen lügenhaften Erzählungen geradezu eleftrfftrte» Bauern sich verheilten würden. Mit Affrngeschwindigkett richtete er seine Blicke nach allen Seiten, da da« Mienenspiel der Bauern musternd, da durch hänsigr« Kopfnicken «ud ermunternd« Blieke Jankel «»feuernd, »ad dessen sichere Haltung gegen die Lauer» sichtlich lobend. .H«, ihr da!" »irdechohltr Jankel mit de» Kirchenschläffeln raffelnd, .Wer will in' dir Kirihe? Wer hat «»der zu laufen?" »Ich!. .Ich auch!" — .Und ich!" Die so Autwortrudeu begänne», durch die Menge sich zu dränge» welche gern Platz «achte, u« di« Frauen, die auf ihren Armen Säugling« trugen, dnichzulaffeu. ,Vag kriectt ihr da!" ftchr sie Jankel an. .Bleibt, aus «ren^Mätzen, Weiber! Mägen dir Bauern erst die ,T«v»f- .Wo sollen wir Dir Geld hernehmm?" rief sich einer der Bauern an. .Dir haben nicht« zu fteffea, sind Alle hungrig, mrd dieser Hundesohn möchte Geld haben I" brüllte derselbe Bauer, welckjer kurz vorher den Arrendator so grob angefahren hatte. .Zu freffen hast Du nicht»?" brüllte »un auch Jankel. .Um sich aber wir ein Eber vollzrrsauft^ hast Du Geld!" .Bollzusaufen! llöer tränd un« denn, wenn nicht Du, Schiveinsohr, und Dein räudiger Herr?" Der Arrendator Gerschk» war gerade zur rechten Zeit gekoinmen, um die lehren Worte zu vernehmen und in dem Schreier jenen Bauern zu erkennen, der ihm vorhin mtschlüpfk war. .Greift ihn! Bindet ihn!" befahl Gerschko seine« Komwand«. Im Ru war der Muschck ergriffen und mit deu Händen auf den Rücke» gefesselt. Unter der Maffe ertönte ein leise» Murr«», da« mit jedem Augeublick lauter wurde. Da« Volk fügte sich fester zusammen »ud drängte immer «ehr an die Borhalle. Dort stand der Geistliche mit seinem Diakonu». D r Grri» zittert« am ganze» Lewe, et» schreckliche« Gewitter ahnend und drffr» Folgen überblickend. .Pan Jankel," sagte der Geistliche gemeffen. .Du sichst, da« Volk ist berauscht, binde nicht mit ihm an, erzürne nicht Gott und öffne den Tempel." .Ich gebe keine Schlüsseln. Mögen sie erst bezahlen oder die Bälger nach Hruse tragen. Ohne Steuer keine Taufel" .Und sollen sie »>jne Taufe bleiben?" frug der Dakonu« vortretend. »Wie Du deakst, Diakon. Uebrigen« mische Dich nicht in »Sachen, die dich nicht« angeheu — da hast Du ch!" .Wie? da« sollt« «ich nicht« aogchen? Wen denn sonst, wem, nicht einen Getfllichen? Etwa Dich?" Aber bevor Janlel dazu kam, dem Diakonu« eine grobe Antwort zu geben, sah er sich von der Hochzeitsgesellschaft umringt. Der Bräutigam, di« Braut und deren Benoanlrte, ja sogar die Hochzeitimarschäle wie die .Gespielinnen" mackäea vor dem all nächtigen Jankel die kriechendsten Btrbalg nagen. .Was wollt ifr!'" schnauzte sie Jankel an. durch die groben Antworten d«i> Bauern und de« Diakonu« wüthend gemrcht. Er, der grrvShnt war bei den Bauern unbedingten Gehorsam und bei de« Diakonu« Schmeichelei und Kriecherei zu!ug»gaen. konnte diesen neuen Ton gar nicht fasten. .Wo» wollt ibr?" .Pan Jankel, ich bitte Dich laß un« heirathea," bat der Bräutigam, ein breitschulteriger aber ruhig aussehender Mensch. .Du hältst un« ja sthon länger als ei« Jahr hin. Da heißt es: heut, dar morgen, da."nächste Woche. Und wie Du stehst hah» wir un« versammelt, um die Hochzeit adzuhalimr. Auch Branntwein ha!«u wir gekauft, soviel D» befohlen hast, was willst Du »och mehr?" .And die „tzochzeiwsteaer'? Hast Du sie schon beprhli?" JUa wie oft habe» wir Dir schon HochzeitSstener» gebracht?" mrschbe »er Vater de» Bräutigam» sich eia. .Da