Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 9 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
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9le fttfUmctWiift z« Ser«sale«. Lus bon Jahresbericht, welche« ber Direktor der Schule z» Jrrusaftm am das Lentral-Lomilä pt Vart» gerichtet hat, Mil» wir hier eiuzekn« charavertsttsche Ziige mit: Schulbevölkernng. Iw Jahre 1887 habea ISO -is 180 Zögling« die Schule besucht; darnnter habe» 6V de» ganze» Unterricht g» offen, die andern nur 2 oder 8 Stunde» täglich, da sie die übrig« Zeit in der Werkstatt — 4. gltDtftGjtQI. Wir hatten 15 Mohamedaner und 2 Ehrisftn, di« all« de» besten Familie» der Stadt angehüren. Der Gouverneur Neons Pascha wird' nicht müde, »ns sein Wohlwollen »eg» des guten Fortgang» unserer Schule und der ReutrautSt unseres Unterrichts zu beweise». Lr ist es gewesen, der den Kadi von Jerusalem, als er jüngst au« Eonstanti» uopel hier aulam, veranlaßte, seinen Sohn bei uns unter, zubriut^n. Unter de» israelischeu Zöglinge» befinden sich 68 Sefardi», 41 Aschstoast», 10 Marokkaner und 9 Jemeniten. In allen Schulanstalte» ist da» Alter der aufzunehmend«« Linder begrenzt. Hier ist es anders. Unter den zahlreichen russischen Auswanderern, unter denen aus Bulgarien und vom Jemen, welche sich in Jerusalem utederlaffen, befinden sich eine Wenge junger Leute jeden Alters und sogar verheirathete Männer, die trotz ihrer Unw'flenheit die Bortheile der Bildung erkennen. Sie komwen mit der dringende» Bitte, iu der Schule als Zögling ausgenommen zu werden, genau so wie die Knaben von 12 und 15 Jahren. Ange« ficht« de» Zustandes der Uawiffenheit, in welchem sich unsere Glanbensgenosien in Jerusalem befinden, können wir nicht nmhiu, solche Bestrebung» zu unterstützen, und so hatten wir 1887 sechs russische und zwei jemenitisch« Auswanderer ziemlich bejahrte) in unserer Klaffe, die dem Lrhrcursus im Arabischen und in den Elemeutargegenständm mit vielem Nutzen folgte». Auch eia Tukelsohu des Ober«Rabbiner« Panigel. der bereits 18 Jahre alt, und seit zwei Jahren verheirathet ist, lernt gleichfalls da» Arabische und Hebräische bei uns in Gemeinschaft mit zwei anderen ebenfalls verheirathrten jungen Leuten, die auch Svhue von Rabbinern sind. E« ist von größter Wichtigkeit, daß künftige Rabbiuen die Landessprache zu schreiben verstehen und sich in der Schule erweiterte Anschauungen aneigne». Die Sesardim waren die Ersten, die bei uns auklopsten. Die Aschken asi m standen der Schule länger feindlich entgegen; die erstern sprechen das in der Türkei gebräuchliche Jüdisch-Spanische; die letzter» da« Jüdisch. Deutsche, welches in Polen üblich ist. Die Maroeeaner oder Mograbrim (D'3*TPÖ) (unter diesem Rame» versteht man alle Israeliten von Rord-rlftika, Tripolis. Tunesien, Algier, Marocco), sprrchrn da« maurische Arabisch; die Israeliten Syriens und Mesopotauien« ft>rech» ein ziemlich reines Arabisch; die au» Griechenland und Albanien das Reu- G irchisch; die au« Georgien und Eircasstsche, die ans Persien, Afghanistan und Bakhorien das Persische der niederen Klaffen. Diese Menge von Sprachen, welche in einer und derselben Stadt gesprochen werde«, erinnert ein wenig au den Thurm von Babel, aber wir habe» das Hebräische, welch,s sozusagen den Bindestrich bildet, zwischen allen diesen Israelit» von so verschiedener Abstammung. Jeder Jude, der sich einige Zeit in Palästina ansgehaltrn, versteht das Hebräische; und »tr sehen junge Frau», unter «ruderen eine Georgien», di« au ein» Polen verheirat hei ist, die der» schiedenst» Gesprächsstoffe in wundervolle« Hebräisch behandeln. Eine andere junge Familie kenne ich. wo Fra» und Kiuder keine andere Sprach« als da» Hebräische sprach». Es aiedt nichts Piquantrres als d» Anblick rar 8454s, hie fich i» her Sprache «che »ad Irrrnfin» kabbeln. Die Jemeniten sdch «sere sanfteste», unser, irtoü« htzst» ffe 4>i>» meist» «str für dje. l »chanffche Arbeit. I» Jemen üb» alle Israelit» ei» Hmdwerk aas. selch! die Rabbio». Das Beitel» ist ich»» verhaßt. Ihrr vekürsniffe find übrigens äußerst gering. Sie sind »ach Palästina gekommen, weil eine Art. P»pcht ihn» die demnächstige Ankunft des Messt«» angeküadtgt chrtte. Da in Palästina di« Industrie nicht dieselbe ist wie in Jemen, sahen sich die arm» Leute um so bedürftiger, als sie de« Messias nicht mit »oll» Hände« eutgegeu. gegaug» war», ü» wäre ich»« ei. Leichte» gewesen, bei ihr« Ankunft in Palästina zachreiche Unterstütz ,«,» zn erhalt»; an Anerkfttea hat es ihn» nicht gefehlt; aber man forderte von ihn», daß sie dm Glaub» ihrer Bäter obschwör» sollt». Der Apostasie hält» sie den Tod vorgizogm. Ich «achte Her» Beneziaai mtt ihrer Lage bekannt. and Dank tnr Großaufih des Her» Baron v. Hirsch, d,-« Her» S. H. Ololdschmid» und der Baronin E^mnud v. Rothschild, konni» wir 52 Jemenft». zumeist Famlftavitter. in unserer Anstalt anfnehm» und sie da» Steinschneiden erst»«« lassen. Mehrere von chnm sind schon im Eilande, sich durch ihre Arbeit selcht zu erhalte«. 94 maß hrrvorgehobm werdm, daß sie von musterhafter Eatbaltsamlest sind: mtt 2 Frank» de« Tag» lebt eine aanzr Familie str Überfluß. Ihre Rachung besftht fast ausschließlich a«V vrgetabili»: Brod, Oliv», einige gekochle Kräuter und K 'ffee. Dagegen zngt der Jemenite ein unersätüichei Berftng» nach stamm n: Lektüre, besonders liech er bi» Psalmen und oen mistisch-ra!»binisch» Sohar. Ja Geschäft» ist jedoch dnc Jrmmtte nicht im mindest» mystisch; man staunt sogar über sein» Scharffinn und seine Klugheit. Wst Hab» hier wach einige Hunderte dieser braven Leute, denen wir bald nicht Unterstützungen wohl aber die Mittil, diese zu entbehren, zu beschaffen hoff» Trotz der Besihränftheit unserer Localftätea Hab» nx 18 Richijud», daaoa 16 Muselmänner und 2 Ehrister, unter unser» Schülern ausgenommen. Mehrere mohameda- »ische Schüler bleib» d» ganz» Tag in der Anstalt, einyre le»» sogar ein Handwerk, womft sie dm weis» Rwhschliigm Reouf»Paschae> folg» Bon dies» Schüft» werde» eilliche später Beamte werden;, einige unserer stüherm «ohroiedanischcn Zöglinge nehmen schon veamftupost n ein, und vrrrd» es zu hohen Stellen bringen. Eft wert»» es sicherlich nicht vergessen, daß fie ihr» erü« Unterricht in einer jüdischen Schuft gmoss» haben, und ihrr Gefühle könne» nur gewinn» durch da» Zusammensein mit israelitischen Zöglingen. Was gleichfalls sehr schmeichelhaft für uns, ist zu sehen, n>ie christliche Zöglinge .die vorzüglichsten Schul» der Stadt verlaff», wo ihn» alle» unentgeltlich gebot» wird, um gu uns zu komm», dir wst von chn« das Schulgeld fordern. In Syrien sang» Leute verschieden» Glaub»« selt» eine Unterhaltung an. ohne fich bis zu Schimpfwort» jju vnrstrig». Dft Religion ist der ersft G.'gmstand, »er beschimpft wird. Besonders in Je»sale« kanu mau so z, sagen dm Mund nicht aafthun. ohne von Religion zu reden, rin jeder rühmt die seinig« und spricht sein» Atsch» fitr dir Rivalinnen derjelbea aus. Kaum hatten wst Richt-Jstaelitm auig»ommen, als fich dft Frristund» in Religionsklmpfe umwaadeln. Diese G pläok.4 wurd» b»utzt. um « ine Unterweisung in der Duldsamkeit und T'leranz dan« zu knüpfte. Wir rie!h» unsem jung» und zu hitzig» Apostel«, tieft Polemik d» Häupft» der verschied»» Religion» p liberlaffm, als gute Kamerad» zu verkchv» und sich «äiwead c<r Erholuogsstuntm über weüiger heikft Gesprächsstoff« M rmterhalt». Diese Ratschläge und Ermahnung» machten d« llnfitre eia Eide. Seitdem herrscht dft ausrichtigfte Ikameradfthqst nun» all» Knab», und »au sichte ein» künftig» Prä stet» »ber Gonvernenr fich stmndschaftlich »fit live« arm« Jude-jung« unterhalt», an d» er, ohne ifie iv dm Anstalt hv^chmb« Gleichheit, uftmals dar» Wort INrichstthsttL