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Jüdisches Familienblatt · 1888-01-01 · 6 (1888) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1888
Issue
6 (1888)
Date
1888-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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V Jüdisches 1888. HfUi \J H-'rau-gegebe» von Dr. M. Rahme« in Muftkeburg. Z»r llutnhkltivg». Kclehrvnffir die israelttischt Familie. Inhalt: 3«rocl cinjcinifl Volk aus *rbtn. von Moritz Scherbel, Gumbinnen. — Der Rudbi und die van'-. Sullurhistorische Erzählung au» dem XVII. Jahrhundert. Racd dem Russischen von A. Lev i n - Tagan. (Fortsetzung.) — Die zehn SM turnt. — Zwei. Unheil« über Juden. — Nleine jüdische Eharaclerzüge. Der Schadchen, vluiarmuih. — Räset»Ausgabsen und Räthsel»Lösu ngen. Israel ei« einig Bott auf Erde«. von Moritz Scherbel, Gumbinnen. 7NR2 NNR IS 'SRIV "P52 NS Ich kenn' ein Volk, da» sich im Smrm der Zeiten, Al« säst zum Wrack geworden war sein Schiff, Erbalteu hat doch auf dem Meer, dem weiten, — Al» e» getrieben ward von Riff zu Riff; — Al» schon da» Takelwerk an ihm Vernichter, Zersetzt die Segel, zersplittert auch der Siel: — Wer hat wohl je von solchem Schiff berichtet, Da» dennoch hält ganz unentiregt am Ziel! ft da« die An, sich weiter z» erhalten, l« Volk im Sturm sich kämpfen durch die Belt, Umge ‘tu von v rnichtenden Gewalten, Die alle nach dem Leben ihm gestellt'? — Und jeder Zeitraum forderte mit Strenge Ihm Opfer ab. e» gab sie hin und blieb Da« wa« e« war, gesonden von der Menge, Wohin e« auch so Zeit und Schicksal trieb. — Wohl, J«racl, e» ist da» Volk aus Erden, Da« .einzig" ward von jeder schon genannt, Wohl einzig >m Berus, da« Volk zu wnd«n. Da« sie, die Thora, wabr' al« göttlich Pfand; Doch einzig auch a» Prüfungen und Leiden, Die auserlegt ihm sein« Religion. — Und doch, e« könnt' die» Schicksal wohl vermeiden, Wenn e» verleugnet' sich al» Jakob» Sohn. E» that e« nie, und durch der Zetten Wogen, Trieb weiter so sein Schiff durch Smrm und Roth, Der e» di» jetzt dem Untergang entzöget , Tein Steuermann, ist mächtig al» Pilot. Las» toben nur die Brandung um die Planken, Loht krachen e« im schweren Weltendranq, So lang der Führer fest e« hält im Schwanken, vleidt ungeflhrdet auch sein weit'rer Gang. Zu« Steuermann »rhebet eure Blicke, Die ihr im Sturm erzittert und erbebt. Roch soll die Macht erstehen, die zerstückc, Wa» einig, al« von Gott gcheitzen lebt. Wenn, J»ra«l, nicht» weiter für Dich zeuge, Al« das» Du einig noch al» J»rael bist, So mutzt Du glauben, jeder Zweifel schweige, Dich bring« zum Fall Gewalt nicht und nicht List! Ja einig mutzt Du sein und einig bleibcn. . Dein Schiff, eia Fel«, der keinen Splitter gieb«, Rein Theil von Dir darf tteulo« abfeit# treiben, Dah nicht da« Ganze wachtlo» dann zerstiebt. »Ein Volk auf Erden" — hörst Du die Parole'? Aus Deiner Flaggt prang' die Einigkeit, Dann sei zerstrem auch hin b:« an die Pole, vor Tod und Untergang bist Du gefeit. Bvr «nb bic Ban s. »nltnrhi stört stk« tniUmi an« dem XVII. Jahrhundert. Rach dem Russischen von A. Levtn-Sagan. Otiztgr »»«»etltite Uetersetzu»».) INachdruct «erb«!»»., %] - „Setze Dich, Benjamin, beruhige Dich» komm wieder zu Dir. Du hast ganz den ftopf verloren, hier heißt e» aber ruhig, reiflich überlegen." „3a, hast Recht, mein Weib Ich bin schon alt, schwachsinnig geworden, und init meinem Herzen kann ich nicht mehr fertig werden, ich kann mich nicht mehr beherrschen," seufzte der Greis, sich schwerfällig auf einem Stuhle niederlassend. „Und wie eS schlügt, dieses alte, wunde Herz! Und wofür, sage mir. habe ich jenen Menschen beleidigt? Ja der That, welche» Recht habe ich, ein so große» Opfer von ihm zu verlangen? Wa» kümmere ich ihn, wa» mein Kind, Du, die ganze Welt? Er ist selbst Familienvater und hat nicht ein», sondern einen gaitzen Haufen Kinder! Warum soll er si h in eine gefährliche Sache einlassen, seinen H^l» in di« Schlinge stecken? Rahel, bedauere mich . . . Ich bin ein alter Narr; ich habe umsonst einen Bruder gekränkt. Schwer ist meine Sünde, und da halte ich mich noch für einen Rabbiner! Ein netter Rabbiner, oh!" „Nein, lieber Benjamin! Du bist kein Narr, sondern ein ehrenwerther frommer Jude. Er aber . . . Nun, Gott möge sein Richter sein. Man soll seinen Nebenmenschen nicht verurtheilen. Allein, hast Du nicht Deine» alten Rücken hingehalten für ihn, für seine Kinder? Und drohet« seinen Kindern denn eine so große Gefahr wie jetzt dem unsrigen? Er wurde au» der Schenke gejagt, seinen Kindern drohte Armuth; aber wa» nt die schrecklichste Armuth gegen da» Unglück, da» unserer Esther harrt? Kinderspiel, Unsinn! Ich würde mit Freuden den Bettelsock auf die Schultern nehmen und in die Welt gehen, Pfennige sammeln für mein Kind ... Aber Schande... der letzte Sproß de» frommm Geschlechts der Hafpherdi die Concubine eine» Pan l ... O, ich könnte mir da» Leben nehmen!... E» ist nicht sein« Sache, Esther zu retten, sagtest Du? Wie? Wem verdankt er, wem verdanken seine Kinder da» unerhörte Glück, wenn nicht ihr?" „Genug, Rahel, von ihm zu reden. Du sagtest e» ja soeben selbst, daß e» eine Sünde sei, seinen Rebeamenschen zu verurtheilen, und thust e» dennoch. Laß un» lieber gemeinschaftlich überlegen, was in unserer entsetzlichen Lage zu beginnen ist? Wa» wacht Estherchen?" ' „Sie schläft wie ein Engelchen und träumt wahrscheinlich von der bevorstehenden Reise. Wie sie sich gefreut hat, spazieren fahren zu dürfen! Geh, Benjamin, sieh sie Dir an; da» wird Dich beruhigen. Wie schön ist sie im Schlafe, o, wie schön!" „Rede mir nicht» von der Schönheit. Sie ist keim: Gabe Gotte« in unserer Familie, sondern ei» Fluch, uns«: Verderben. Wa» wollen wir jetzt beginnen, Rahel?" „verzeih, Benjamin, eine dumme Frage. Ist die Annahme so ganz und gar au»geschlofsen, daß wir un» umsonst abängstrgm?" „Wa», Du zweifelst an dem Doktor? Er soll nach Deiner Ansicht ge... gelogen haben?" „O nein, nickt da» wollte ich sage«. Aber woher wißen wir e«, daß die Gefahr schon so nah ist? Hat den« der Dollar gesagt, daß sie in dieser Rächt schon .. Da» hat er nicht gesagt. Aber warum glaubst D«, daß der Pan e» anfschieven werde?"

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