Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 5 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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i> r j '4 ^nifbcn von Dr. W. Rlhmer In Mn-debnrg ZN zl»tntz«lti»s» Kelthnks fiir hie israMf-e klMlüe. - CK> t. t± Ein ibctfer *r«fc B»n I. ». (Schluß.) — Der Rabbi und die IPan'r. ^ruUnrhtktorische .VnüiUt! XVIL Zahrhnnbert. Rach dem Rusfischeu von L. Ledin-Hagan. (Fortsetzung.) — Ein Besuch ** (Lchlnß.) — RLthser-A^sgaben u»d Siäthsel-Lvsungen. ' Srzühiuna au» dem bei den indischen Juden. diu idealer Arzt. «on J. B. Schluß.) h€o etwa. Du geliebte» Weib, sprach ich damals zu Dir, und unter Thräne« und Küffen gabst Du mir recht und Jestandest mir, in solcher Weise habest Dü noch nie über die ilternpfiichten nachgedacht, aber gerecht und vernunftmäß g wären sie gewiß. Du stimmtest mir ganz und voll bei. — So sprachst Du i« einer Zeit, wo die Worte genügn mußten, wo eg aber noch nicht möglich war, die Ueberzeugung durch die That zu beweisen. — Heute aber hast Du so recht dir Gelegenheit dazu, denn Du warst im Begriff egoistisch zu werden, zu vergrffeu, daß Du nur für Deine Kinder, diese aber nicht nur für Dich geschaffen sind! — So will ich Dir dies ins Gedöchtniß zurückgerufen haben, und du wirst Dich jetzt freuen, daß unsere liebe Jte in ihrem Leben wieder um einen Schritt vorwärts gekommen ist; und obgleich Du die heiße Sehnsucht einer Mutter nach ihr hast, wirst Du dieselbe doch tapfer bekämpfen und mit Freut« an die Lervollkommuung Jte'» denken; da» wird Dir Ersatz geben!" So sprach der Doktor, und er hatte sich nicht in seinem Weib« getäuscht, er kannte c» zu gut. al» daß er nicht gewußt hätte, daß seine Worte liefen, nachhaltigen Eindruck auf sie machen würden. Sie schloß ihn innig in ihre Arm« und unter Dhränen lächelnd versprach sie ihm, stet» in der Zukunft, auch zu schwereren Zeiten, seiner Worte zu gedenken. So waren am späten Abend dir Wolke» am Himmel getheilt, und am andera Morgen ging die Sonne wieder heittr und hell am Doftorhausc auf, al» wäre e« nie ander» in demselben gewesen. v. Und wieder rollte die Zeit dahin. Jte'» Aufenthalt in der Pension sollte die Eltern gleichsam an da» E-etrenntsein von ihrem Liebling aewöhnen. denn kaum war sie in da» Glternhau« zurückgetthr t, al« sie sich mit einem jungen Arzt, den sie bei dem Besuch ihrer Brüder in Alt-Heidelberg kennen und lieben gelernt hatte, verlobte; und die gute Jte hatte noch nicht da« zwanzigste Lebensjahr vollendet, al» wir sie al» die junge Frau Doctor v. bei der Ankunft in ihrer neuen Heimath, einem Städtchen Rorddeutschland«, begrüßen konnten. Inzwischen Haitin ihre 'Brüder ihre Studien längst beendet, der ältere hatte sich al» Dozent der Chirurgie an der Universität B. habilitirt, der zweite, jüngere, war Assessor geworden und wollte sich dem Richterfache widmen. Aber auch der Later war mtt der Zeit älter geworden; er feierte i« Kreis« seiner Familie seinen siebenzigsten Geburtstag; verehrt von Alt und Jung, wurden ihm an diesem Tage zahlreich« Ovationen dargrbracht, aber seine größte Freude empfand er gemeinsam mit seiner Gattin >m Hinblick auf seine dankbaren Linder, die in inniger Verehrung e« zu würdigen -wußten, wa» ihre Ater» von jeher ihww gewesen »are». Auf die dringenden Wünsch« seiner Kinder beschränkte er »on jetzt an seine Thcitigkeit auf rin sehr geringe» Maß, und so war e» ihm noch einige Jahre vergönnt, de» Glücke» seiner Familie Zeuge zu sein, der herrlichsten „Früchte" sich zu erfreuen. — Seine Jahre, di« er nach de« siebenzigstm noch verlebte, sah er al» ein Geschenk der Allmacht, al» die Gabe einer gütigen Borschuag an» wa» Wunder also, biß er muthig und gefaßt ®r;r, al» er im Anfang de» Mri, i« Wonnemonat. >'» seinem s.-ch-undsiebenzigsten Lebensjahre, da» Erde seiner Tage herannahen fühlte. Eine heftige Lungenentzündung warf ihn auf da» Krankenia (er. und er fühlte bald, daß seine Tage gezählt seien. Deshalb ließ er seine Kinder zu sich kommen, um Abschied von ihnen zu nehmen, und e» war die höchst« Zeit, denn kaum einen Tag. noch konnte er mit ihnen zusammen sein; er fühlte den Tod näher kommen, doch ein Umstand machte ihm denselben schwer, und da» war die Trennung von seinem geliebten Weibe, der Genossin seine« ganzen Leben», die bi« jetzt alle» mit chur getheilt hatte. Doch auch die» mußte überwunden werden. Mit jedem Augenblick schwinden seine Kräfte «ehr dahin, und mit den Worten: „Seid gefaßt, mein Lebenszweck ist erreicht!" hauchte er sein Leben au«. Weiter wll ich nicht gehen, auch da» ferner« Geschick der Familie will ich nichi: weiter verfolgen, aber sagen will ich noch, daß die Gattin ihren Mann nicht lauge überlebte, noch in drmselbeu Monat macht« ein Schlagaufall ihre« segensreichen, dreiondstebrnzigjährigeu Lebe« ein Ende., Und so war denn auh einer ihrer sehnlichsten Wünsche, möglichst vereint zu sie, den, erfüllt. * * ♦> * So war da» Leben de» Doktor» und seine» treue« Weibe» fast gleichzeitig beschlossen; auf dem Strichebette hatte er erklärt, sein Lebenszweck sei erwichk; war die»' der Fall? Allerbing«! — sein Zweck war. seinen Mitmenschen in feinen» Berufe zu «ätzen und durch di« strengste Pflichterfüllung gegen sein« Kinder di« Vollendung, die Fortsetzung seiner selbst zu schaffe« und bmn Glück zu begründen. — Und er hatte in der That bei!«» erreicht, da« bewies stet» die dankbare Anerkennung der Menschen und anderersett» die Zufriedenheit, da» wirkleh« Glück seiner Kinder, welche sämmtlich de» kühnsten Erivartungeu ihre» Later» entsprachen: Siegmund, der älteste, Hütte eine Profeffnr in der Chirurgie an der medizinischen Faüultät der Universität B. erhalle», er galt al» Autorität in seinem Fache, und wir «ollen nicht uuerwähnt losten, daß er stet» eia trener Verfechter der jüdischen Sache grwesen ist; Richard, der zweite Sohn, war eia augesehenrr Richter geworden, und die amnuthige Jte schließlich war glücklich a n der Seite ihre» Gatten, der den chr so lleb gewordenen Beruf ihre» Later« theilte, und unter der munteren Schaar ihrer geliebten Kinder. So hatte unser Dokwr leben und wirken wollen, dahin jungen alle sein« Borsätze, damit harmonierten alle seine Pläne, die er al» Etudeut mit dtr Geliebten ersonnen, erträumt, di« sei» Leben zur Wirklichkeit gestaltet hatte.