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Jüdisches Familienblatt · 1888-01-01 · 4 (1888) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1888
Issue
4 (1888)
Date
1888-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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tz.-rausgegrden oon Dr. M. W«|wnr in Magdeburg. Z« Kckrtz«w«- l -etehnmfir die isrEschk jtiilir. Au idealer Arzt. Von I. N. (Fvrtsetzvn-.) — Der Stadbi und die Pan'», tkulrr rhistorische lkrztlhluag au» dem t XVQ. Iabrtzuuderl. tzka» de» Russtsche» van ». Lrvta-Saaan. (Fortsetzung.) — An vesucki bei den Indiichen Juden. — u tO*lil>****Ultiut jüdisch« Shararterzti»«: Der sparsam« «atte. — Au» vr» Sprachschatz de» Talmud. Poetisch übertragen von j Rat Weinberg. — Xilthsrr-Ausgade» und R»thsel»Lüsungen. k Kt« ive«ler Arzt Bon J. R. - In Glück und Frieden ging der Familie die Zeit dahin. Lir sehen sie zwei Jahre später den zweite» Sohn in die r -, Welt schicken. Richard war ein sehr begabter und fleißiger i. Schüler gewesen und hatte mit Auszeichnung sein Schul» 1 examen bestanden. Der Vater hatte ihn für die Jnristrnlanfbahn bestimmt und begegnete damit dem Wunsch« de» Sohne», fich dem Studium der JnriSprndruz widmen zu dürfen. — Ban seinem Vater hatte Richard die Gabe der j Leredtsamkeit, von seimr Mutter die ruhige Ueberleguag ge- 2 erbt, und zu de« schönsten Hoffnungen berechtigt« er die j) Eltern, als sie ihn unter vielen Segenswünschen an seiu " ersehnte» Ziel, auf die Universitär schickten. [■ Die freudige Aufregung hatte in den ersten Tagen »ach £ feiner Abreise alle andere» Gedanken übertilnbt. al» aber die ' Ruh« in da» Hau» znrückgekrhrt war. ul» der erste Brief I der auf der Unioerfitilt jetzt zusauimenlebeuden Brüder aus kam. da kannte die gute Mutter ihren TrennnngSschmerz l nicht mehr zurückoräogen, und heiße Thränen der Wehmuth - mischen fich mit denen der Freude; und mit schwerem Herzen s dachte sie an di« b«1di>e Sbitferrrnng ihre» drttten Sind«», denn auch Jt« mußte einmal da» Elternhaus »erlaffen, um L fich einen Begriff van de« machen zu können, wa» man die ^,-Welt" zu nenne» pflegt; auch fie mußte und sollte e» . lernen, wie man ahne die liebende Sorgfalt und Obhut der ^Eltern lebt. I ,E» ist kein Tag i« Jahre, er kommt", sagt rin alte» . Wort, und mit ihm alle», wa» für den Tag erwünscht, er- T hofft auch — wa» gefürchtet ist. — Und so mußte auch der .. Tag erscheinen, an den, di« anmuthige Jte ihr Elternhaus g »erlassen sollte. Au etie« wonnigen Maitag« bracht« sie di« Mutter in die Pension und kehrte einige Tage daraus ohne l ihren Liebling zurück.-Da gab e» schwere Sümpfe in ^bem treuen Mutterherzen, e« drohte zu zerspringen. Früher, in der ersten Zeit ihre» Zusammensein», hatten p die Gatten fich «Sei« genügt, e» erschien ihnen in ihrem 7freundlichen Hei« alle» so sonnig daß fie glaubten, e» könne k Irin größere» Glück ihnen bescheert ft in; und jetzt — jetzt waren fie auch noch dieselben; sie waren allerdings älter :' geworden, aber ihre gegenseitige» Gefühle waren doch di« h gleichen geblieben — und trvtzdim erschien der gute» Mutter da» Han» jetzt so einsa», so leer, ja fast freudlos Liebte fie ihren Gatten jetzt oirlleicht iveuiger al» früher? O» n«i», «rin, mit der vermnthnug hätte man ihr unrecht ge» thaa. und würde e» ihr abgebeteu haben, wenn man gesehen hätte, wie st« fich krampfhaft schluchzend am Abend ihrer Rückkehr au de» Gatte« Brust wmf. Da kamen dt« hellsamt», lindernde» Thrünen. di« allein da» bedrückt« Herz zu » erleichtern vermögen. Schweigend hielt der Doktor sei« treue» h Weid ««fange«, da»« «brr, al» fie «in wenig rnhiger ge» worbe« war, zog er fie mit sich a«f da» Sopha, «vf dem fie ^fo mmechr traulich« Stund« verptmden Hattos nn» begann: .Ich kenne Dein verhältniß und Deine Lieb« zu unseren Lindern und verstehe fie; aber Du gehst zu weit darin denn Du vermagst kaum di« Grenze zu unterscheide» von Deiner Mutterfreude und dem Wohl Deiner Sinder, und so bist Du im Begriff egoistisch zu werden, gewiß ohne Dein Wiffeu, gegen Driuen Willen. — <5» ist hier so traulich, liebe» Weib, sv laß un» denn jetzt, nachdem wir so viele Jahre mit einander verlebt habe», eine Erinnerung wieder auffrffchen an etwa», da» wir vor Zeiten theoretisch feststellte», wa» un» begeisterte erkannt zu haben. Gerade in diesem Augenblick ist die Erinnerung daran so recht am Platze, denn jetzt am beste« ist die Gelegenheit gegeben, die frühere Theorie in der Praxi« al» richtig zu beweisen: S» war in dem zweiten Monate unserer glücklichen Ehe, al» wir eine» Abend», wie geraohnt, von der Zukunft plauderten nnd Luftscklvffer bauten, die immer am prächtigsten dadurch verziert wurden, -daß wir von kommende« Mern» frrudrn träumten. Plötzlich fragte ich Dich: Dn redest so viel von Fieudeu an Sinder», hast Du auch wohl schon einmal darüber nachgedacht, wie da» verhältniß der Eltern zu ihren Sinder« ist, welche Pflichten fie gegenseitig habe»? Da lächeltest Du verschämt uud gestandest mir, allerdings s» ernst noch nie an jene Pflichte» gedacht zu haben. Abei Du batest mich gleichzeitig. Dir de! der Erkenntniß derselbim behilflich zu sein, mit Dir zusammen darüber zu sprechen; und eine Wiederholung und Erklärung meiner damal» gesprmhenen Worte wird Dir, wie ich glaub-:, gerade jetzt sehr nützlich sei«. Da» Leben de» Mensche« ist gewissermaßen lang, und e» erscheint un» oft ein Zeitraum deffelben, wie eine ganze Ewigkeit; aber in Wirklichkeit ist e» doch nur recht kurz, selbst wenn e» die äußerst« Grenze erreicht; und mit Bezug darauf könnte man die Ltbrnkzeit al» «nznrrichend und deshalb kaum!eben»werth ansehen, weuu nicht die Natur selbst wieder dafür gesorgt hält-, daß der Mensch fich auch nach seinem Tode, wenn auch gewiflermaßrn in veräuderter Gestalt writerleben kann! denn die Natur hat dem Meisihen die Möglichkeit und Fähigkeit gegeben, fich fonzupflanzen und so sich gleichsam selbst zu erhalten. In diesem Sinne «ollen wir die .Sinder" auffassen. — Alle Pflichten als», die wir Menschen, speziell also die Eltern, gegen fich selbst haben, müssen sie offenbar in höchstem Maße gegen ihre Sinder erfülle»; jo, sie wüster: suchen, jene lörperlich und geistig vollkommener werden zu lasse», al» fie selbst e» «erden kenn en, fie wüsten ihre eigenen Interessen hintansetzeri und die ihrer Linder wahrnehmen. Und wenn die Saat gut war, so wird auch die Ernte zum Segen au»fallen- Und wenn nun die Zeit der Ernte arkomme« ist, wenn die Früchte reif geworden, wa» ist dann ihre Bestimmung? — Eine falsche Auffassung von dieser haben die Wrenschen, welche gtau'e«. daß jene nur dem Slmann zugute k mme» lollr»; den« »:ffe, jene Früchte sind dazu bestimmt, weiter zu treiben mit oeredelt fich weiter zu pflanze«. — E» bleibt den» Mensche» unbenommen, fich dieser reife» Früchte zu erfreue«, al>«r dabet ebr» muß er tarn: im An»., behalten, dnß fie nicht für ihn da find; ihre Brstinunnng ist ja die gleich

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