Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 3 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Qcroirtfitgcftni »oo vr. »I «Uitzmer in fXagbeburR. M litntiUni«. Kriktriitz fit Mt isreEsk |milir. Inhalt _ l«. V»T J..N. ( . XVll. Jnhehunder,. Stach Mb «nsfilch-a der .KranksurNr- Loge'. — Allerlei Näthse»-Au gaben und N .) — Ter Rabbi unb die Pan'». Kulturhistorische Erzählung au» de« von C. Levin »Sagau. (Fortsetzung.) — lu» tau Tischliede zur Installation für den Fa«illentisch: Ein polnischer Edelmann. Au» der Schul«. — Hin ideaUr Con J. K. 3. m PUBLIC LIBRARY 392284 Li den JOTS«. LMOK *xe TUU KUNOATOM*. uuurn(/flffiu6 auf wahrhaft heimisch Unter den Verhältnissen allo. wie Universitäten liegen, wirst Du Dich unter Deine» jüdischen Commiliton» fühlen und diese suche auf. — Dabei jedoch wirst Du bald die Entdeckung machen, daß diese fast outnahmtilo« strebsame Menschen find, ja. sie alle haben «eist fest ihr Ziel im Auge — aber damit iff# auch gewöhnlich zu End«, leider wirst Du bei der Mehrzahl derselben nur zu ball' ertenyen. daß sie eben für nicht» andere» empfänglich sind; schwer oder gar nicht find sie für ideal« Zwecke und Ziele zu begeistern, und bei ihren Bestrebungen und Handlungen lasten sie gor zu scharf durch« blicken, daß dieselben manchmal vom Egoitmu« begleitet stad. — Und weiter, f«, die offenbar unter dem Druck der j«de«feindlichen Strömung zu leiden haben, »ersuche» trotzdem nicht selten, ihren Glaube» fas» zu verleugnen, mindesten» aber zu verbergen; sie scheue» sich, offen hervorzutreten und zu sagen: »Wrr stad Inden k" — Eharakter habm solche Menschen 'nicht, und wenn sie Mcht dabet «uthlo» wären, so lvürdeu sie viel häufiger ihren Glaube», dem sie doch nur dem Namen nach angehöreu, verloste»; aber in ihrer Feigheit scheuen sie da« Urtheil der Welt; nicht« andere» hält sie von diesem letzten Schritte zurück! — Aber Du wirst Au»eahmem finden, e» werden Dir auch Eommllitou» begegne», die edle Begeisterung hegen, und die «kennen. wa» sie de» Judenthnm schulden, und wa» sie ihm leisten können; denn wisse, gerade unsere akademische Jugend besonder» könnte dazu berufen fein, schon auf der Universität, »och mehr aber in ihrem spätem Leben die jüdische Sache zu verfechte», gerade sie a« meist» könnten und sollten durch energische« Borgehen, durch ihre Thätigkeit. durch ihr ganze« Leben zeigen: »Seht, da» jüdische Volk hat auch tüchtige, brave, hochherzige, ideale Be,Weier, r» sind nicht nur „Trödler und Handelöjuden", wie ihnen so oft vorgeworfr» wird, e» Ei auch viel«, viele Männer darunter, die an Opferwillig. an Uneigennützigkett, an idealen Bestrebungen sich nicht übertreff» lasten!" — Diese Gedanken könnte und sollte besonder» die akademische jüdische Jugend haben, und w ehrlich, wen» sie mit solch» Gedanken, mit diesem lllewußtsetn in da» öffentliche Lebe» treten würden, daun würden sie nicht, wie r« so häufig der ifall ist. ihre jüdische Eoafession zu verbergm suchen, sondern off» und frei vor den Andersgläubigen erklären: »Wir find Jude» und find bestrebt, die Rechte unserer Eoufrssioaä-Augehörig» zu wahren und zu vertreten." Dm letzt«» ab« würdm sie sagen: »Jüdisch« Bott, gern und ftrudig voll» wir Dein« «epkäseutaut» snn, mache Dich, ab« dch» «Ach; et» jed« sw Euch suche au» tn unsere» «>d m#- »uchtttahmen t" Solche Männer würdm ganz gewiß bei ihren ander»- gläubig» Mitmmschen in größtem Ansehen steh» und dem gesammtm Judenthnm nicht unerheblich förderlich sein. E» hat solche Männ« gegeben — und sie habm die schönsten Erfolge «zielt — aber ihre Zahl ist leid« nur sehr gering gewesen; sie muß größer weiden, und dazu könnt« die akademische jüdische Juzend am meisten beitragen! Solche Juden, wein Siegmund, suche auf, die» sind Jünglinge, mit den» zu leb«n eine Freude sein wird, da» sind Eharaktere, w:e Du sie aber leider nur selten unter Deinen akademischen Glaubensgenossen find» wirst. — Ab« c» giebt solche! Suche sie auf, strebe mit ihnm, die Hoffnung. dir Stütze Deiner Glaubensgenossen zu werden! Und schließlich ist noch eia» zn erwähn»: Da» Mensnrwesm auf dm Uuio«sttät»; auch hier besteht ein protz« Unterichied zwischen den „Berbindung»ftudenren" und der sogmanuten .Wildenschaft"; denn während die .Wilden", w»n fie überhaupt eine Mensur ««»fechten, nur in Folge von Beleidigungen dazu schreiten, lo bestehen unter d» meist» Korporationen die sogen. .Bestimmung»meusur»", wo ohne jede Veranlassung zwei verschiedenen Verbindung» angehvrige Studenten „bestimmt" werden, mit einander zu fechten. Doch da» sei nebenbei gesagt, damit Du überhaupt ein« Vorstellung von dem Mens «wesen hast. — Ich »«werfe jede Mensur an und für ftd), und dennoch will ich fie mit Rücksicht auf unsere Uaiverfität-verhältaiffe nicht verdammen. — Ab« suche k:ine Händel, und wenn Du Jemandem zu nahe getreten bist, ihn vielleicht geg» Deine Absicht beleidigt hast, so scheue Dich nicht Dein Unrecht wieder gut zu «ach», und reiche stet» die Hand zur v«söhnuag; und wenn Du beleidigt bist, so sei auch Du versöhnlich, wenn man Dir »tgegrnkouimt, — abr: dennoch laß Dir nie zu nahe treten k Doch übereile Dich nicht, sondern üb«lege in Ruhe, und Du wirst immer den rechten Weg finden, und Dein« Devise sei: Freiheit, Recht, Frieden! Beherzige diese Wort« und Du wirst Dich wohl dabei befind». Morgen beginnt fiir Dich dn neue 8eb»»abschuitt, Du trittst unter anderen Bnhältaiffen in dmseldt» ein, al» ich «» gethan. denn ich war älter, al» ich die Unio«sttät bezog, und mich leitete ein doppelte» Ideal bei meinem Thun : mein Ziel zu erreichen, um für die Welt wirken zu könu», und t« Geliebten meiner Jugend möglich bald ein glückliche» Hei« an meiner Seite zu verschaffen. Da» bestimmte mein Streb» in jeder Beziehung! — Du kommst ganz frei von äußeren vrrhältniffeu auf di« Universität, Dein ganze» Leb» dort ist deshalb ungebunden. So. genieß« denn Deine academisch« Freiheit, aber mißbrauche st« nicht!"- Die letzten Erklärungen hatte die Mutter mit augehürt, welche leise in da» Zimm« geltet» war, um de« Grund der laugen Unterredung zu erfahre». Al» der. Vater sein» Worte beendigt Patte, umsch ang fie ihn innig und sagte Svhue: »Werbe wie t<r Vater!" — Der Eioh« ab« ihre« war keine» Warte» iähig er schweigend