Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 38-39.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 301 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 83% known words query
- IRI
…/5369809-5935050-5938352--6826-5372707- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
NeitagezuAr.38 39 der„Israet.Wochenschrift". M«-« tze» ZUOfcht«- Ut I«öe« Vs« Pffi-irrkorp» schreibt di, „Freisinnige Zeitung* tu chm» Leitartikel vom 7. Sptember, »ie folgt: »Seit dm» Durchdriuaea btt «utisewitische» Brveguug ist t« gaty* Deuttthr» Reich (Bayau ausgenommen) Kt« g»d« mehr z»m Offizier befördert worden.* Eo lese» wir kl der (auch in Rr. 38 der „J»r. Socheuschr.* besprochene») Broschüre-Der jüdische Eivjäbrig-Freiwillige im deutsche» Aon". Sit st»d nicht in der Lage, da» Gegeutheil zu brknnden uud würde» es mir Interesse veruchmen, »e»n au» «ferm Leserkreis« Fälle der Beförderung von Juden zu Offizieren berichtet werde» könnt«».*) Unsere» Wissen« hat sich solch« Beförderung schon seit längerer Zeit beschränkt tmf die Verleihung von Titeln an Milnärärzte. mit denen der Rang «tue» Sanitätsoffizier« verbunden ist. Warum ober schließ man die Jude» von Offizierstellen au« 7 Gewiß giebt e» Persönlichkeiten unter den Juden, die fich eben so loenig zum Offizier eignen, wie e» solche auch unter den Christen giebt. Aber etwa» andere» ist es» ob die Jude» grundsätzlich, d. h. weil sie Jude» stad, von dem Offizierkorp» ferngehalte» werden. I« Kriege haben die Jude» doch chre Schuldigkeit gethau, ebenso wie die Augehörtgeu aller anderen Religiousparteüu. Die große Anzahl von >u»zeichnungen an Juden im letzten Kriege legt davon Zengniß ab. Noch Kaiser Friedrich hat in seinem Erlaß an den Fürsten Bismarck bei der Thronbesteigung e» aaer» Kumt, daß alle Uaterthanrn, welcher Religionögemeinschast und welche» Bekenniniß sie auch angchöre», gleichmäßig in de» Tagen der Befahr chre volle Hingebung bewährt haben. I« letzte» Kriege sollen ja auch, abgesehen von den Sanität». »sfizieren, «in« Anzahl Juden zu Oifiziere» befördert woroe» sem. Senn aber in Kri« g szeiten, also unter Verhältnissen, wo der Oi fizier erst voll und ganz seine Bedeutung gewinnt, »tue Befvrderuug der Juden zum Offizier gerechtfertigt sein kau», so erscheint e» erst recht uuzulässig, die Juden von dieser Beförderung in Friedeuözeitm grundsätzlich au»zu. schließ«,. Freilich haben wir dieselbe Erfahrung schon einmal in Preuße» gehabt. Während der Besr«iuog»kriege der Jahre 1818—15 wurde» eine Anzahl Juden zu Offizieren befördert Und habe» Eiuzrlue darunter auch noch in den folgenden Anedeusiahren der aktiven Armee al» Offiziere angehvrt. Leber e» iutenfsautr« Beispiel, dessen wir vor Kurzem «wählte», ist jetzt die »Bost. Zig.* in der Lag«, nähere Mtttheiluugen zu machen: Em jüdischer Feldmesser Burg trat am 8. Februar 1813 al» Fretwültger in die Armee bei der Artrll-rir etu »ad wurde wegen seiner Tüchtigkeit »ud Pfl chttrrue bald zum Unteroffizier befördert und wegen Mac» hervorragende» Wissen» in der Machematik al» Lehrer verwandt. Ein« Kabinettordrr vom 18. August 181V besörderte ihn sodau» zum Sekondelieuteaant. Burg wurde Lehrer an der neun Artillerie, und Ingenieurschule zu Berit», u»d demnächst auch Premierlieute-iaut. Al» er seinem Dienstalter nach »atze daran war, Hauptmann zu werden, regt« Prinz August, der damalige Be»rral>Jaspekt ur der Artillerie, ferne Weiterbeförderung an, König Friedrich *) S«| Nütheim»«» an» kan Leserkreise ist vShrrad de» Kriege» 1KTO/71 ««k N»»üttrld»r »ach keafcOai ei"t Unzahl jüdischer Soldaten weg« Lahsateit dar de» Feind« zu Offiziere» oesörderl Werke»- »nch habe» in ke» a«f ken Krieg solgeake» Jahre» »ach einzelne IwsDchen««» vaa Jade, za Offiziere, des veniaabtr,sta»ko« staNgeinake». I» »rr Lhet HM,« Mich« vrstrknnoge» aber seit der ntt km Beat»» kn «ottsrnitifchen Ugün»» z^a»m«,s»llend», Zeit »a>st»»k«, auwehkrt. Dn leki» jüdisch« Offizier mar et» «rchw- «amalt »ad hat bei km 8L. SookmörroaimaU de Kessel gestonkai. 9* Wh «der «»» kn wonglist« m» 1887 ersehe», hat derselbe i« Mr 188» setnea Abschied erhalte», »»kernfest» Werk« a»t mive christlich« OWem vo» jäkischee >ksta»m»»> kti kn i nk Kolerie naieihesl giiaachi, denn Gunst »ech g«g«»»»1lg »klsglou. dmmä». Wilhelm aber erklärte, drß er sich nickt bewöge» gefuude» Hab«, ia der Sach« eine besondere Entscheidung zu ertbeile», und zwar in der Bornutsetzung, wie Prinz August a» Herr» Burg schrirb, „drs, Sie durch Jh« Bilduua, Stellung und religiöse Uebrrzengun» wohl bereit« diejenige Annäherung an da» Chrtstenchu« gcfimde« habe«, »elche Sie dazu br» wegen würde, durch förnäichm Uebertritt zur christliche» Religion zugleich jeden Anstoß z« Ihrer fernere« Beförderung au» de« Wege zu räumen*. — Burg lehut« offen und entschieden e» ab, wegen seiner Beförderung eine» Glauben». Wechsel vorzunrhmen. Auch auf die wiedecholte Befürwortuug der Ernennung zum Hanptmanu im Jihr« 1830 ertheilte der König wieder einen ablehnenden Bescheid, wenngleich er die nützlichen Verdienste Burg'» aunkaunte und demselben eine Braufikaiton von k 0 Thlrn. zu Theil werden ließ. Der König schrieb: „Ich verspreche mir von seiner geistige« Ansbilonng, er werde loch zur Erkmutniß der Wahrheit und de» Heil» de» christliche« Blanben» gelangen.* Schließ» lich im Dezember 1832 über wurde Burg'doch zum Haupt, mau» ernannt, obwohl er seinem jüdischen Glauben treu blieb. Rach 2v jähriger Dienstzeit erhielt Burg da» goldene Dirnstau«zeichnung»tr«uz, und bald «ach dem Regierung», ontritt Friedrich Wilhelm» IV., im Jahre 1841, den roch«» Lvlerorde». Im März 1847 zum Major befördert, hat er dann noch bi» zum Ja''»« 1853 erfolgreich i« seinem Beruf gewirkt. Er starb den 23. August 1853 al» «tue» der erste» Opfer der eben au»br«ch«adrn Cholera tu Berlin. Im Jahre 1847 kam im »Bereinigten Landtage* zu Berlin die Frage der Beförderung der Juden zum Oifizi« zur Erörterung bet den Lrerhandluugen über die sagen. Juden» emanz'pattoasgesetze. Ir. der Sitzung der Kurie der drei Stände am 16. Juni fragte Abg. von Puttkamer-Stettta: »Ich »olll« nür vor allem erlaube», eia« Frag«, vorüber ich noch eicht klar grvorbea lii«, an de» Herr, vnträer des Krieg», »iaifter« z* richten. Düre, dl, Jude, Offizier« Werk«?* General oo» ktehh er: Nein, r» Ist »ich« erlaebt, Jaden zur 8f förkerung zmn Oifizier tu Vorschlag zu bringe». Akg. vo» Wurrmmn: Seou also die Jude, tu km Freiheitgkrieg«, den st« «it u»g kurchgmacht Hobe», hoben Offiziere merken können »ob jetzt nicht »ehr. so »frek* M et» tztückschrüt sei». Nenn dn Jude Ueteroffiztn vade» koea, so steht er zem gar iioe« Lol. batee tu tzmselben Diözlplinorvnhilltoib wie dn Offizin za« Unteroffizier, de» der I»lbat ist diese« Lobordtaarioa jchelkig. Wenn kn Jak« olso llutecoffizter Verde» kann, so versteh« ich nicht, vorn« hin dt« Grenz« gizoge» »erde» soll, daß er nicht Oifizier vnde» k»»». Kö»»te n oder Ladalter»offizier tanken, so könnte er auch noch höhn steige»; I« «atz ich söge», ka»a ich «ir gar keine recht« Idee machen, va« da» Gonvnaement »ill.^ «. s. v. Wir bemerken hie.zu, daß eiue besondere königliche Kabinetlordre damal» die Zuläsfigkeit der Beförderung von Inden zu Uaterofgzirren ausgesprochen hatte. Auch in der Herren ku.-ie kam die Frage zur Erörterung. Graf Dyhrn befürwortet« am 15. Juni die Zulaffuug der Jndr» zum Civtldieust damit, daß sie ja Unteraffizime werke» köonteu. Mau köaue die Juden nicht »o» solchen Aemteru auöschließeu, »elche exeüuttvrsche Gewalt hätten. Dem» et» Uuterofzter Hab« oft auch exrkutivische Gewalt, z. B. «am er eiue Wach« kommaud rt, wobei er ketue kleine exekutive Gewalt habe gegen allahaud Christen. „Ls wäre aber eiue sehr große Uudilltgkett, loeun fie zum Militärdieust zugezagm würde» uud ihnen dadei alle Ausficht auf Avaucemeut geuomme» verdeu fallt«, nawentttch da sie jetzt schau i« Be» fitz wett höherer Mtlitä -stellru find. Ich selbst käme einen Stabsasfizier tu Berltu, der heute noch Jude ist*. Darauf erwiderte «»euerallieuleuaut »au Lasel: „Ich Hab« wir die gehorsame Bemerkung erlaube» walle«, daß de» in der Armee dienende» Juden schau gegenwärtig da» Recht gegeben worden ist, zu Unterafstziere» ernannt werde» zn kduueu. Zu vsfiziereu dürfe» sie nicht bef»rb«rt werden, da thum du» siecht z, SiaalOSuw»» i« «ioildirnst bi» jetzt auch »icht zu steht. Save diese Schranke falle», bau» börste