Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 26.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/5369809-5935050-5938337--6711-5372604- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Di« Zahl der g«bf4«M in Abessinien betrat 60000, m4 Vfoigen 260 000 Seelen. Ja Kn »int ta »»hat«« vor 50 Jahr«,. »nr «0—80 000 Jade«, welche sich allgemeftwr Dalda», erfreuten. Nachdem die Eiuwauderung au« den benachbarte« Lebiete» aestattet war. betrug die Zahl bcr jüdischen Einwohner bald 300—350 000. Die überlegnen Fähigkeiten der Jaden hatten den Neid der RnmSnea grien fie wachgerUfe» «ad diese Flamme wurde von der Rrgteruug künstlich geschürt. Uater de« Schein eine« übertrieb«««« Patriotisma« warben die Juden ,l« Fremde erklärt und die «aeistea von de» Rechte der Nationalifiruug ausgeschloffea. Diese« Gesetz wurde sogar gegen diejemg-n in Auweuduug gebracht, bereu Vorfahren schon mehrere Gene'atioura im Lande gewohnt hatte». Unter dem Vorwände, das, e« an Raum für fremde Kinder fehle, wurde» die Juden von dem Rechte de« Besuche« öffentlicher Schule» auögeschloffen. Wenn di« rumänische Bevölkerung auch au stch nicht iuloleraat ist, dürften doch noch viel« Jahre dahiugehen, bevor eia gesunder Zustand in der Gesetzgebung zu Gunsten der Juden Wandel ge» schafft haben wird. Die Zahl der Juden in Rußland beträgt über drei Millionen. Sie.find über da« ganze Land verbreitet, von der westlichen Grenze bi« zur Wolga und von Peter«burg bi« zum Schwarzeu Meere. Einige lebe« auch in Finland und rive nicht unbeträchtlich« Anzahl in der Krim; die meisten dieser letzteren sind Kar alten, von dieser Sekt« giebt c« ungefähr 18,000, welche in Osteuropa und Ast«, zerstreut leben; wehr al« '/. der Gesammtzahl leben jedoch unter russischem Scepter. Sie halten sich von den übrige» Juden strenge geschieden und «erden auch von der Regierung in keiner Weise belästigt, diese begünstigt fie vielmehr, «vag gegen die Behandlung »er übrigen Juden merkwürdig absticht. Di« Lag« der russische» Juden ist eine sehr t, ostlos«. Wen» auch die Erfüllung aller Bürgerpflichten in strengster Eonsequenz von ihnen gefordert wird, werden fie doch auf jedem Schritt und Tritt daran erinnert, daß fie einer frommen Raffe angehöre» und an de« Rechten der Unterthanen nicht Thril habe». Besender« i» Bezug auf dt« Heere«pflicht macht sich diese ungerechte Behaudluug«kv«ise bemerkbar. Alle Jude» sind der Eouscriptton unterworfen doch kann e« keiner zu einer höheren Ehargr bringen; wo diese« ober in den seltensten Au«uahmesälleo geschieht, kau» e« nur auf Kosten de« Religio,«,rsetze« ermöglicht »erd«». In den ländlichen Departement« find di« Judeu vollständig den Launen der Localbehörd« aahetmgegrde. I« einem Gouvernement ist ihnen nur der Aufenthalt i» Städte», in einem andern nur der in Dörfern gestattet. Sie können keine Ländereien erwerben und stad vou dem Recht«, öffentltche Beiträge adMsÄließeu, auögeschloffru. Schlimmer uoch al« diese« find die Wirkungen de« Anfiedeiuugögesetze«, wonach der Jude jeden Augenblick au« seine« G«bort«»rte au?ge- «vieseu «erden kan»; und diese« Gesetz wird in Rußland, «vo die Erkäuslichkeit der Beamte« an der Tagr««rdau»g ist, durch die damit verbundene Bestechlichkeit zu einer wahre» Lorruptiou und ist deffeu AuZsühruug vo» den traurigsten Folg« begleitet. Rach mehrjährige» Aufenthalte an einem Orte Nuuen Familien aufgesordert »erd«», denselben sofort zu v«l.affen, «venu ihnen «ich jede AvSficht fehlt, irgendwo ander« die Mittel zur Subststruz wiederfinden z» können. Augenblicklich find ca. 2000 Juden, fast alle in Odeffa lebend, unter den erschwerendste« Unistäuden anogrwiesen worden. In Rußland ßirbt e« wenige Provinzen, in welchen nicht Juden wahneu. I« Sankasu« lebt ein Volk jüdischen Ursprung«, welche« sich der tartarische» Sprach« bedient fich in seine» Sitte» und G,v»hnh«tten uur wentg von de» halbbarbarische» Böller» unterscheidet. I» Rußland gehört di« barbarische Behandlung der Indes zu de» gewöhnlich-» Erschein«,«,, und nicht selten wird ein fremder Jude, twlcher in Geschäfte» Rnßland besmht, e hwe Weitere« über die Srenge ^wiesen. Mau darf jedoch nicht «eine«, das, »er russisch« Bauer (Mvujik) de» Jude» antipathlsch geftuut sei; j«,rr ist im Gegenthetl oft der beste Freund de« Jude», da die Jutereff«» de« Haudel« ih» sehr oft mit deaseldim in Berührung bringe». Die harte» Maßregelungen der Juden gehe» allein vou de« Beamte» au»; die Regierung mißbilligt ihre So» lidarilät, während der Haodel«stand auf ihr« durch Fleiß und Mäßigkett erzielte» geschäftlichen Erfolge neidisch ist. Ja Rußland wir in Rumänien beschuldigt mau die Jude» de« Wucher« und der Demoralifiruug der ländlichen vevölk rnng; ebenso sagt mau, daß dt« jüdischen Schenkwirthe dir Trunksucht und die Jmmoralität unter de, Bevölkeruag verbreitete». E« hat fich jedoch gezeigt, dag au de« Orte», wo man dir jüdische» Schenken schloß, diese Laster nicht im mindesten reducirt wurden. Alle« in All«« ist «4 eine bedauerlich« Thatsach«, daß die rusfische» Gesetz« für da« vergehen Einzelner ein« ganze Bevvlkeru»g«kl<iffe verantwortlich machen. Die so lange vernachlässigte beffer« Erziehung der russischeu Jude» wird fich endlich al« da« einzig« Mi tel zur vefferuug ihrer gegenwärtige» traurige» Loge erweisen. Nach Rußland hat vo« den enropäische» Staate» Oesterreich-Ungar» die größte jüdische ve»vlkem«p«zahl und zwar zwischen 1'/, bi« 2 Millionen und hiervon Galizien 500,000» Ungar» 600,000 und Böhmen 300,000. Ja Oesterreich war dt« »or nicht langer Feit die Lag, der Juden von der ihrer Brüder ft, Rußland nur wenig verschftden; heute genießen sie jedoch alle politischen Rechte und ist ihnen vollauf Gelegenheit geboten, ihr,: Fähigkeiten und Kräfte allseitig heilbringend verwerthe« zu könnc». In Galizim wird e« noch eine Zeit lang dueru, die Folge» der mittelalterliche» Bedrückungen ganz ai,t>z»tilgeu; de«halb findit mau dort i« jüdische» volk«leden iiech Eigenthümlichfeiten, welche vou denen der westliche« Nachbarn sehr verschiede» find. Die Serie der »Ehaistdi«' mit der exaltirte» Bnehiung ihre» geistlichen Oberhmepte», welche« fie die Kraft, Wunder thu» zu könne» zuschreibea, wir di>« bei dem .Rabbi von Sadagora" der Fall sei» loll, ist hier noch «eit verbreitet. Lnaben von 12—14 Jahre», in welch« der jugendlich« Seist schon erstirb« ist, ft eleu al« gelehrte Talmudistra auf. Aber auch die Ideen der moderne« Leben«, art haben hier schon Eingang gefunden, und Männer in Frack und Staubmantel mit glaftrafinäu Kinn findet «an nicht s'ltener, al« solche mit herabhäagende« ,P»o« und langwallendem Barft. Der Aartsemltftimus hat ftu eigentlichen Oesterreich nicht Wurzel schlage» k»,«en; in ri igen Gegenden Ungarn« dagegen hat der Geschtiftäneid auch ihn schon heraufbeschworen. Ja Deutschland lebe» ungeftchr 600,000 Jude», davon ’/« im Königreich Preußen; i» Berlin allein ca. 80,000. Im Mittelalter waren dt« Jude» Deutschland« allerlei Plackereien ausgesetzt; Befolgung vrbannnng, Folter und Mord waren gewöhnlich« lkrscheinunge» und erst die Waffe» de« französischen Heere« haben ihnen »».Anfänge diese« Jahrhundert« ei» etwa« erträglichere« Loo« gebracht. Boa 1815—1848 wollt« »au fie >» die alte» Zustände zurückoerdränge» und erst nach der Revolution vou 1848 erhielten fie völlige Glauben«- und Eewiffengfreiheit. Unter de» deutschen Jude« haben sich viel« auf aIÄt Gebieten der W ffenschast, Kunst und Litteratnr Ixrvorgothan und ihr« Name» ftrhr» in de» Jahrbücher» der Besibichte mit Ehre» verzeichnet. Ihr gegrnwärltgtr Zusiaud läßt zwar «och «auch«« zu wünsche» übrig; e« darf aber auch nicht verschwiegen «erde», daß die reichere« Inden sich zu sehr her- . vorzndräugen suchte», wa« ihnen den Haß der Bevölkerung znzog. Die «uttsemitisch« Bewepmg hewte aber ihre» Grund , hauptsächlich in de« Umstand«, daß dt>: »nsG»ati»e» Gleumtte .* durch diese» Mittel dem vorwärtädrängaG»» AberoliämnH >> der Jnbn, entgegenzuwirke» suchte«, and dchj der E-<arnU. . -_-v