Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 12-13.
- Article
- Beilage zu Nᵒ 12-13.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 12-13 (Vetla-e.) Magdeburg, 23. März 1888. Jahrg. XL Rede (eint TranergotteAdienst für de« hochselige« Aoiser Vilhel« I. Gehalst» am 1«. «sr, 1888. Gott battt ihn mit »ötNiche» •Hftr, mit <k» fickt »mH 9rta*tnt| M HSchhea. EL ®. «. 3» B. 81. TO. A.l Acht Tage sind in» Land «-eganoen, seitdem jene erschütternde Todesbotschaft zu un« gedrungen ist, dir olle deutsch« Herzen tief verwundet hat, seitdem die Lund« zu nn« gekommen.ist, daß Kaller Wilhelm au«,erungen habe. Zuerst waren wir wie vetäubt von dem furchtbaren Schlage; allmählich ist un« die Größe de« Perlust-s aonz offenbar geworden; konnten wir e« Aniaua« ahnen, daß die Trauer so wette Krell« ziehen, daß fie saaar über den Orenn drtneen werde, daß selbst di» Feind« Deutschland«, die der Kaiser so tief gedemüthigt hatte, überwältigt von dieser großen geschichtliche« Erscheinnna. sich ehrfurchtsvoll vor ihm bengea und ihm Anerkennung und Bewunderung entgegentrogen »erden? Da« llt kein« nationale Trauer mehr, die jetzt die Herzen durchzittert; an der Bahre diese« Fürsten trauert die ganze etvilisirst Welt, und di« Zeugniste der Tdetlnahme. die au« de« Auslände, oder au« den fernsten Welttheile» unserm Schmerze aewordeu sind, stad um so bedeutsamer, al« ja hier volle Freiwilligkeit waltete und zumellt der Grundtoa der Gemücher zum Ausdruck kam. Allgemein galt dieser Fürst, der doch den grvßtm Krieg«- rühr» erworben, der durch Blut und Eisen die groß« »oeltgeschchiliche Thal der Ein« n g Deutschland« herbeigelührbat, al« dw Hort de« Frieden«; «an wußte, die friedliche Eutfaltuig der Nationen hat auf dem ganzen Erdrund keinen wärarern «ud keinen mich tigern Anwalt al« den deutschen Kaiser, Nuhrlich, die« Vertrauen, da« eil e ganze Welt dem Kaistr zollte, stt rin glänzende« Zeugoiß dafür, daß dieser Wist nie de« Kneg geführt um Glanz und Ruhm und Estäße zu gewinnen, sondern daß er ih» stet« al« die harte Rothwendigkrit betrachtet hat, der sich die Nationen »«weile», nicht entzieheu können, um ihre Ehre, um ihr «echtzu schützen. Unvergessen ist da« Wort mit de« vor drei Jahrzehnt« Kaisrr Wilhelm di« Negierung Preußen« übernommen hat; damal« sprach er: In Deutschland muß Preuße« moralische Eroberungen machen. Dieser Satz zeigt die ganz« Milde diese« fr»mme» Gemüthe«. da« am liebsten mit den Waffen der Lebe kämpft, da« trotz mancher ernsten Erfahrung. die ihre liest» Furche» g^ogeo, von dem Glauben nicht lasst« kann, Preußen« gute« Recht werde siege« durch ei»m inner« Werth, veutschstnd »erde da« natürlichste echt einer Ration, da«: zu lebe», ohne Kmnpf erringen. Keiner hat de» Krieg tiefer beklagt al« er, der ihn doch so wohl und »cif« vorbereitet hat, er, der nie vor eine» Feinde znrüekgewichen ist, »nd der ihu stet« so ruhmreich beendigt hat. Und dies« Ariedensfürst ist heimgegnngen: »ohl' wisst« wir, daßderSohn,der jetzt da« Szepter führt, »st der Maser geliebt wird von sein«« Volke, da« de» Muten »nd — *»^»tw -a. --- --»« l. VMI aVC» vuRtOIfVf N| Off (TjV VCVIfC^C NUI|H OM IfMvaKi iWi «Mont« uv nnis nnivBiMnnx ‘M *•*» »nMstt Mit - jeher mit an den Erfolgen de« Frieden« Wohlgefallen gefunden hat; wohl wllstri «ir, daß die wellen Männer leb«, die der Heimgegangene Fürst mit erstaunliche« Scharfsinn berausgefunden, auf den rechten Platz in der Wallung de« Lande« gestellt, und. rndem er Treue gegen Treue leistete, fest >n sein Hau» gefesselt hat... und Gott hat ihm gegeben, wa« er nur seinen größten Li-blinqen gewährt, ein so hohe« und rüstige« Alicr. daß sein.« Volke wie seiner Familie e« ziemt, der Borsehung zu danken dst ihn und dadurch un« so hoch begnadet hat. Dennoch i.i dieser Stunde, wo die sterblichen Reste unseres Fürst m zur ewigen Ruhe eingesenkt werde«, können alle diele Tröstungen ui« nicht beruhigen und der Verlust steht vor uns riesengroß und wirft stine tiefen, düster« Schatten in jede deutsche Seele und «ir Alle fühlen un« nerarmt und vereinsamt, da der von un« ging, der seit drei Jahrzehnten Preußen«. Deutschland« starker Hort gewesen ist. Richten wir uns auf, indem wir vor unserm Geiste da« Bild oufrichten diese« weisen und guren Fürste», der die glänzenden Ueberlieferuagen der Hohenzollern in sein Leben übertragen hat. Jüngst am Sabbarb lasen wir au« de« Gotte«buch« von dem Erbauer de« Sttftszelte«. de« jüdischen Rational» Heiiigthumk, und die Schrift sagt-von ihm: »Gatt habe ihn erfüllt mit göttlichem Gellt, mst Weisheit. Einsicht und Erkenntniß." Diese Wune scheinen einer Beziehung fähig auf unfern großen Kaffer. Hat er nicht auch un« Deutschen ein Rationalheiligthum errichtet, indem er die getrennten Stämme zu einem mächtigen Verbände zusammeng. ägt hat? Welcher Deutsche hat nicht die nationale Zerrissenheit schmerztch empfunden; wir Deutschen waren der Spott de« Auslandes, wenn »ir von unserm Vaterlande redeten. Eine Litteratur, die un« zu Lehrern der Menschheit erhoben, machte un« nur empfindlicher dafür, daß dst geistig Greraten politisch gestennt, daß dst geisttg Mächtigen politisch ohnmächtig »aren. Einmal für eine kmze Z-it, al» Deuffchland im Aufaug diese« Jahrhundert« sich aufgerafft hatte, um da« Joch der Fremden von sich zu werfen, war Deutschland einig gewesen. Aber al« der Frieden tarn, erhielt Preußen, da« Alle« getha«, erhielt Deutschland nicht den wohlverdienten Lohn und dst Feder der Diplomaten verdarb, wa« da« Schwert s» gut »ad herrlich geleisstL Dümal« senkst sich in da« Herz de« jungen Fürsten, der ans Frankreich« Bodm al« siebzehnjähriger Jüngling »st ein Held gekämpft Hatte, da« Bild eine» geeinten deutschen Staate«, der preußische Prinz wurde ein deutscher Patriot; kannst der Sohn der Feldherr» vstgessen, daß die Mutter — jung on Jahren, diese« hohe Bild der reinsten Frauentugend, au gebrochenem Herzen gestorben war, well sie die «niedrignag Preußen« »nd Deuffchland«, dir Folge der unselige« Spaltung, nicht «tragen kannst. Aber r« enffprach nicht diesem schlichst» ernster« Charakter dst Sehnsucht seiner Seele in laust» ohnmächtigen Worten hinansznmfim in die Marge; er «rwarstst seine «tanlK, und ob fie auch spät erschien, fie kam, dst er lang erwmtett. und er hat sich der Gunst de« Schicksal« »Erdig erwiesen, indem er «st seltener Kraft den günstigen Moment erfaßt», um u« Deutsche« et» Bnstrland u itefne Wckch eine kstandlung von der Zell kurz bevor Koner Wklhil» oo«M>«tstr ergriff. »o der Staat Friedrich« jch»r» .Kotz nnstr de» «nißmEcht» iÜ^LsAM. rO