Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 12-13.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Herr Dr. Rothschild an« Wzey wird mir ja nicht zürnen, »am ich so unbescheiden bin, zu behaupte», daß auch der Lchrerftand hinter deu geistige» Lufgabeu der Jetztzeit nicht «rückbleibt und ftch mitberufen fühlt, der jüdische« Wissenphaft unter seinen Glaubeu«geuosseu Eingang zu verschaffru. (Da« Saue» wir au« eigener Erfahrung vollauf bestätigen; in vielen, besonder« kleinern Gemeinden, ist der jüd. >!- Sichrer fast der einzige Träger der jüd. Siffenschaft und tu mittlere» uud größere« Gemeind« wird e« wohl keinen M.-litterarischeu Verein geben, an dessen Bestrebungen die jüdische« Lehrer nicht deu regste» Lutheil nähmen. Red.) £>. 8aubheim. Märdünge«, 28. Febr (Or.-Tor.) HeutrBormittag wurde die Leiche de« Distrikt«»Rabbiner« unsere«, die israelitisch« K»ltu«gnaeinden zu Orttiugm, Hain«fabrt, Wassertrüdingen, Mönchörot-Lleinerdling«, Steinhard, Wallerstrin und Harburg »wfoflrnden Robbinat«bezirk Wollerstein. Herr Marx Michael Cohn zu Lleinerdlingrn., von dort auf den israelitischen Vegräbmßplatz zu Walleistein überführt und in diesem zu Grobe gebracht. — Der Heimgegangene war einer der letzten Vertreter der alt« Schule, dabei toleravt und versöhnlich, wodmch er sich großer Beliebtheit und allgemeiner Achtung erfreute, die sich auch beim Leichenbegängniß manifrstirte Er »ar Schüler de« in «eiteren Kreisen bekannten Eharif Rabbi Abr. W e ch «l e r in Schw'boch (letzterer war Zeitgenosse de« R. Wolf Hamburger in Fürth de« R. Mose« Hoch, heiwrr in Autbach und R. Abr. B>ng in Würzburg). und obgleich ursprünglich nicht für den Rabbinerstand erzogen, übernahm er noch dem Tod» seine« Schwiegervater« R. Duvid Wei»kops da« Distrikt« Rabdmat Wa llerstein mit dem Sitze in kleiveidlingen. Leider war e« ihm nur 6 Jahre vergönnt, seinem Amte vorzustehen. Sein leidender Zustand hinderte ihn i» den letzten Jahren vielfach, in den Filial» gemeinden öfter« zu fungtren. — Da« Leichenbegängnis war sehr feierlich und dauerte vou 7,10 Uhr Bo» mittag« bi« 2 Uhr Nachmittag«. De« ergrei endsten Emdruck machten die am Sarge gesprochenen Worte de« Sohne« David Cohn. terz. cand. phiL an der Wiener Universität (wahrscheinlich der einstige Ämt«nachfolger siine» Bater«); ferner K hielten Reden: Robb. D. Cohn au» Jcheuhausen vor dem i* Friedhofe in Wollerstein, ebenso der intime Freund de« Berewigten, Herr S. Ettenheimer von Lleinerdling«. der selbst doch an Jahren mit sein« grauen Haaren in zu Herzen dring««den Worten einen sehr ergreifenden Endruck »achte. In Lleinerdling« selbst wurde der Sarg nach dem GottrShauseerbracht, wo selbstRabb. Wißmann von Schwabach eine angemessene kurz« T'onerrede hielt. Darauf bewegte sich der sehr lange Zug gm Rördlingen. Hier entrollte Lehrer Weiler» Reffe de« Verstorbenen, ein treffende« Lebenöbild, und auf dem Friedhofe in Rördlingen, welcher alle Theilnehmer nicht fassm konnte, schloß Rabb. I. Bambrrger von Aschaffenburg — früher in Fischach — die Reih« der Rrdm. Nachmittag 4 Uhr hielt jedoch noch Rabb. Dr. Cohn, der vor 2 Jahrm auch die neue prachtvolle Synagoge io Rördlingm einwrihte, einen *®Dn, der Alle zu Thränen rührte. — Wir stimmen au» vollem Herzen in die Schlußworte de« Redner« ein: Möge da« Andenken diese« feltmm Manne« für ihn und seine Angehörigen, für die Gemeind« und Gemeinschaft Israel« zum Segen gereichen! (Der Lerstorbme erreichte ein Alter vou 64 Jahrm und yintrrläßt eine Wittw« mit 4 zu versorgmdm Lindem, deren sich dir Gemeinde Rördlingm mit seltmrr Munificenz an» nimmt.) G P*Tt«nt*». ftm unabsehbarer Leichenzug bewegte sich gestern Mittag 12 Uhr vom »önigtwall au» nach dem Ostmthorfriedtzofe, wo aut dem donigm i«rael,lisch« Kirchhofe die sierbiichm Ueverreste de« am 8. d. Ml«, vmstorbenm Ottlfmaun« und Studtverordutteu Her:» M. Hevmaa n zur letzt« Ruhe bestattet werdm sollt«. Der Verstorbene war «t» schlichter riofacher Bürger, off« uud biGerm Charakter», sich so sehr de« Verträum« seiner Mitbürger «rftmte, lir daß diese ihn zu verschitt»enm Prrtodm zum Stadtverordneten erwählten, welche« Ehrenamt er länger al« 26 Jahre, bi« zu seinem Lebenöende. treu und gewiffmhaft verttat. Ja dem groß« Leichmaesolge b.mrrkten wir Hcrm La idrath v. Rhnscly die Herren Oberbürgermeister Amecke, sämmtliche übrigen Maqistrattmitglirber, die Mitglieder de« Stadiver» ordnttm-Kolleginm« u. sowie rin überau« zahlreiche« Ge» folge au« allm Lreis'u der Bürgerschaft. Am offmen Grabe «idmtte der Prediger der töraelitischen Gemeinde dem Ber» storbenm einm tief empfuvdeirm Rachmf, durch dessen Heim» gang der Gemeind: ein großer Verlust entstanden sei. Air». (Rheiuproviuz). (Or.-Corr.) Am 24. uud 25. 9. M fund dir Einweihung unserer nmen Synagoge statt. Lira ist noch eine sehr jung« Gemeind«; e« find kaum drei Jahrzehnte» seit die erst« Jsden stch hier anfiedelu durften. 1872 wurde die erste Shaagogr eiagerichtet. Dieselbe diente früher al« Turnhalle, war aber durch würdige Au«stattung sehr zweckentsprechend. Doch war ste nicht Eigenthum der Gemeinde, und bei dem letzten Versuch de« Eigeuthümer«, eine Mieth-steigemng zu erlangen, faßte die Gemeinde einstimmig dm Beschluß, eine eigene Synagoge zu erbaum. Uud G. s. D., dieser Beschluß ist in überraschend befriedigender Weise »««geführt. Wir habm eine Synagoge, wie sie in so kleinem Maßüabe und mit so geringen Losten wohl nicht schöner zu errichten ist. Die Einweihuog vollzog der Herr Landrabbiner Dr. G o l d s ch m i d t von Birken» keld. Sie begann um 3 Uhr mit dem Miucha-Gotte«dienste in der altm Synagoge. Gegen olle Erwartung gestaltete sich dieser Abschied«gotte«bienst zu einem höchst ergreifenden. Lein Auge blieb thränmleer, so mächtig wirkt« die durch die Predigt wiedererweckten Erinnerungen au« unserem bi«» hertgeu Grmeindelebm. In langem Zuge bewegten sich sodann die Feste«schaarm^ in der Milte die von unfern Greisen gettagmm Thorarr-llm. nur welche Guirlandm tragmde Mädchen einen Halbkrei« bildeten, von der alten zur neuen Synagoge. Unter den Llängen de« meisterhaft dirigirteu Obersteiner Thor« betrat« die Thora-Trägrr die bi« auf den letzten Platz gefüllte, mit ihren im maurischen Styl gehaltenen Malerei« an Decke und Fenstern einen ebenso a«. gmehmm, al« feierlichen Eindmck machende Synagoge. Nach mehreren entsprechenden Lhoräleo und den üblich« Umzüge» hielt Herr Dr. Goldschmidt die Eimveihuug«predigt. Anknüpfend an den dem Wochenabschuitte entnommeneneu Texte ,Kod«oolr la-Adonai S »Heilig dem Ewigen" mtwickelte der Redner in einer alle Herzen begeisternden Rede die Bedmtung unserer Synagogen für da« Judmthum und die Menschheit. Ebenso hinreißmd wirkte da« Dankgebet vor und da» Weihegebrt nach der Predigt. Der größte Theil der Gäste bestand au« Mitgliedern kleinerer Gemeind«, die noch nie einem modernen GcttMdimste beigewohnt hatten, und diese waren geradezu überwältigt, ste fingen an auf ihr Judenthum stolz zu sein, al« ihn« da« Judmthum stch in so edlen Formen präsmtirte. Da« ist die höhere Bedmtung, da« bleibmde Berdimst, welche« stch die Sinter Synagogm- Einweihuag um die Tultur der umliegmdm Laudgemeindm erwarb«. — Um 6 Uhr mdete der Abmdgotte«dimst, aber die Feier war damit uoch lange nicht zu End«. Abmd« versammelte mau sich, Mttglieder der verschiedenen Bekmut» uifle, im ,Gesrllschaft«hause", im mächttgm Saal, deu die weltberühmte Firma Tommrrztearath Simon (Thristea) für ihre Arbeiter, die nach 1000 zähl«, erbaut hat und für da« Fest bereitwilligst (f >r Tonzett und Ball) znr Verfügung stellte. — Ist eine Synagogen-Einweihung in Lira »etth, so an«führlich besprochen zu werden? Der dabet gewesen, wird diese Frage entschied« bejahen. Da« Jndeuthu« zeigt« sich da entschied« von seiner herrlichsteu Sette, und der ttindruck auf die Festtheiluehmer wird wohl ein uuau«» llschlicher bleiben. (jtzmttsetznng te »er v:Uage.)