Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 5.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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dem illtare der Menschlichkeit geopfert, »echt auch «I» »Triumph de» menschlichen Zcheals"? Dr. I. Golds chmidt-Birkeufech. ' «Wir Verden in nächster Nr. ein« längere Torrespondenz an» ler Feder eine» für seine Landes« und Glaubensgenossen tiefbelorgten intelligenten russischen Juden bringen, der sich des Nähern über die Verwendung der Millioneuspende ausläst. Red.) Briefe a«S Ratzlaad I. Petersburg, im Januar 1888. Tür letzten Monate de- Jahre» waren für unsere Anti« semttcr von jeher in gewiffem Sinne .Saison", den» während z. v. in Deutschland die Rekruteuausdeduug im Frühling flattfindet, wird fi« hier im Spätherbst „llzogen, und diese LushelZungen waren für unsere Judäophodeu sozusagen Wasser auf di>: Mühle, denn mit math«natischer Genauigkeit wiederholte pch da immer wieder dieselbe Tirade: .Die Juden entziehen sich der Militairpflicht I" Wie es hier mit der Be« rechtigr ng zur Anwendung der Pluralform bestellt ist — dabrauch« ich Ihnen, der Sie in Deutschland, an der Geburtsstätte d:« «ntisemiti-mu», leben, nicht erst zu sagen; unsere Feind« bleiben sich eben gleich, ob sie moagolischer oder teutonischer Abstammung find. Daß Jude» der Militärpflicht sich entzogen habe» — wer wollte es leugnen; aber wen wollte es Wunder nehmen! Wer wollt es leugnen angrficht» de. unerbittlichen Daten fcer Statistik; aber wen wollte e» Wnnder uehmeu, wenn er die Ursachen in Betracht zieht, auf die jene Wirkung zurückzuführen ist! Mm bedeuk«, unter welchen Auspicien der russisch« Jude bis zu« Jahre 1874, wo die allgemeine Wehrpflicht ringeführt »erde, in den Militärdienst getreten rrsp. ausgenommen worden ist und frage sich daun, wo die Neigung, die Luft für diese» Dienst bei dem russische« Jude» Herkommen sollte? Die traurig« Epoche den .Kantonisten", wo S—12 jährige Knaben ihr« Eltern entriffen und in abgelegene Suberuien geschafft wnrden,*) vou wo sie selten nnd l>aun iu den «eisten Fälle» als Getaufte zurückkehrte», diese Epoche erzeugte bei de» Gr»« der russische« Inden jene Ansicht, daß Mtlitairdienst mit .Sch'mad" (Laufe) synonym sei. — Und al» jpätrr di: Regierung zu der Einficht gelangt war, daß mit de» Kantouisteagesetz der Willkür und der Gewalt Thür »nd Thor ge! ffuet, wurde dieses Gesetz aunnlln-t und den jüdischen Gemeind« anfgegeben. jedes Jahr «ine bestimmte Anzahl von .Sellen" z» stellen. Die Zahl war gewöhnlich eine geringe, ullein auch diese aufzubringen war) vielen Gemeindeu schwer, d» alle für de» Dienst »Reisen" fit, znr Bestellung»' zeit sorgsam verharzen. Die» führte dahia» daß jene Szenen fr? bet xc gewaltsame» Ergreifung un) Entführung der —nderjäh eigen Kantonisten sich abspielte», stärhier wiederholte», den» Äst. Schlauheit und in allen Fälle» Gewalt wurde» auch hier ange, «endet, um de» Gestellung-pflichtiger: habhaft zu werde». Die Sshve reicher, achtbarer Familie» wnrden selbstverständlich verschont, den» entweder «achten sie von de» Gesetze, dajedem Gestellung -pflichtigen gestattete, sich durch eine»Stellvertreter ab» oder durch eine bestimmte Summe (wenn ich nicht irr« 400 Rbl.) «i-zulsser, Gebranch, oder sie streuten de» Häsch», (Gold-) Sand io sie Angen, so daß chre Schlnpfwinkel nicht aufzusisdro wa Es blieben daher nur die arme» Arme» übrig. Doch ist ,» ebenso selbstverständlich, daß achlbar« junge Leute, besonderaber Bfa4 Thora des Studiums der hell. Lehre Besliffene, die selbst die Mittel zur Ablösu»; »der znr Herbeischaffüng «ine- «ertrrter» nicht besaß« >>n Gemeiodemit- *) Sie(».Aus dr» Pepicrr» eines «ntlaffeaen mff. GoldMen" von Mtit.—Sevii i» de. Skr». 16-26 M .Faunlien-tZlatt«»" pro 1887. f®. «ev.> gliedern losgekanft »der von de» Häscher« verschont «neben. Und da blieben den» für de» Miutärdienst nur jene Proletarier «a Geist und Tugend wi,: an materiellen Mitteln Übrig — jene Proletarier, die Rußland bei der groß«» Masse Inden io großer Masse besitzt; war Eirer ein rmai TTlop verderbt an Herz und Sitte, oh« Främiuigkett und ohne Tugend, ohne Beruf und ohue Arbeit-lust, so wurde er .abgegeben". Dawar dir zweit« Periode, wo der Miiitatrdieüst orrtrr dr» Jude» die Bedeutung einer «torrecttou-austalt gewann und jeder jüdische Soldat so lauge für eiuen Spitzbube» »«halte« wurde, bi» er den Beweis vrm Gegen theil liefert«. Da- Wunder, daß der russische Jude, dessen einzige Leben-auf^lde e« ist — Jude zu sein, dessen stärkster uud schsnster und ausgeprägtester Sharakttrzug seine grenzenlose Främmigkett, was Wunder, sage ich. daß dieser Jude de« Mtlftairdirust scheute wie den Tod — was sage ich, wie den Tod! mehr als den Tod, der ihm nur da,» zeitlich« Leben nimmt, »ährend der Soldatendienst ihm »ach seiner Meinung sein Theuer ste» «nd Beste«, seiner Seele Seligkeft — seine Religion ranbtuud seine Ehre; was Wund« daß er alle Entbehrungen willig ertrug oder e» vorzog, unstät und flüchtig in der Fremde umher» zuirreu, heimathlo» umheczuwandern als in der Heimach z» bleiben und den Waffeurock zu tragen! Ich weiß es, der deutsche Jude findet dazuo, mindesten überspannt uud Mancher sieht »«gwerfend oder gar verächtlich auf den .lieber» läufer", weil er diesen mit den« deutschen Maßstab «ißt uud ihm da« Motiv diese» .Ueberliiuftr«" nicht »der "doch nicht in seiner ganzen idealen Tiefe bekannt ist. . . Ohue jede Bermittelun,«Phase wurde 1874 di« allgemein« Wehrpflicht «ingeführt. Jetzt wurde da- Individuum nicht mehr von dem Kahal (Gemeinderepräsentauz), dem mau doch noch eiu Schnippchen schlage« konnte, sondern von der kaiserliche» Regierung reklamirt. Und diese Regierung uimmt kein« Rück» ficht auf Vorurtheil und religikse Aafchauuugr«, di« fich im Lauf« der Jahre gebildet, bilden mußte« uud stellt »ur da- Factum fest, daß jede- Jahr s« und so »iel Juden sich der Militairpflicht entziehen uud deüretirt eine Gttafe von 300 -dtbel, die der nächste verwandte de« Trstelluug-pflichttge», im Falle daß dieser seiner Pflicht fich entzieht, zu erlqzen habe. Ist e« nun die Folge diese- Dekret- «der der immer. mehr um sich greifeudeu Einsicht, daß die Berhältuiffr jetzt doch ander» liegen, als vor 74 — genug, wir find in der Lage festznstrlleu, daß bei der im Herbst vrrflosseae, Jahre» »ollzvgeueu Rekrutenau-Hebuuei» außerordrutttcher Rückgang der Gestellnug-entziehung zu »otirru ist. Diesenicht! wegzulrugueude Factum wird aber von unserer Press« nichts mit dem Aplomb verbreitet, wie seinerzett der Borwurf der) Pflichteutziehuug . . . Uud die liberale« Blätter? Ja, nenne» Sie bei uns ei» liberale Blatt? Wir fällt hier^ eia »gut Dort" einein Breslau wohnenden Land-mauneet», s Alich ihu vor Jahren besuchte uud wir, in Reminiszenz» i über die atte Heimach verloreri, über eine» Exercier platz; gingen, bemerkte er ttrffend: Wenn ein Jude tu Rußland; über einen Exercierplatz geht unl der nächstbeste Soldat ihm nicht muchwillig btt Mütze vom Köpft wirft, so sagt er de»- wundernd uud daukbar zugleich: ,Ei, was ist dafür «in j .Ohew Israel" (Judenfreund)! Unsere liberalen Blätter?^ O, wir nenuen sie schon liberal, wenn sie un» nicht die; Mütze vom Kopfe werfen ... I«. S, ««» der Praxis für die Praxis. Ätt8 Westfalen. Bekanntlich fchtt es in Wests an narr rabbinisih«-. comprtenten Autorität, an die > sich iu über religiösen Frage» nnmde» kännte, darum » ich den Fall in Ihrem gesch. Bl vor: Mau hat »ä, hier und in einer andere» vwstfälischen Gemeind« rPWD rov den dreijährigen Dstlns im Thoravorlö eingeftchrt. Dir durch d«e -»zmig frei «erdeode Zett zu «ine« auf den verlesenen Thorrmbschuitt Squg