Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 1.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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st tin natürlicher Lörper. der sich nach physikaUsch» und chemischen Gesetzen verhält. Jndeff», wenn auch jetzt Utloi, so war er doch ror kurzem beseelt, eine ethische Berson: Darum betrachten wir ihn mtt andern Gefühl'«, alS foaft Erde. Stein, Fleisch; und wenn in diesem Leibe eine uns liebe Person geleit hatte, so ist er und eine theure Reliquie, die wir mtt lebha ten Gefühlen der Erde (wenn nicht der Flamme) verttauer. Der abgemessene Raum Erd«, an sich ganz glrichgiltig. vttd uns dadurch geweiht, daß wir jene Reste in denselben legen und wir werden jenen kleinen Hügel vor allem schützen, was unser Gefühl verletzen kann. Die Leicbe heiligt das Grab; aber keineswegs kann zuvor ein Stück Erde Ü irch Formeln und Zeremonien geweiht, und dann die Leiche dadurch geheiligt werden, daß wir sie in ge- ' weihtcr Erde berg.'n... erst dadurch, daß dieser Platz zum! Grabe geworden, wird er geweiht. Und nun nag er liegen, wo er will, in irgend einem Winkel, — für den, dem er heilige Reste birgi, ist und bleibt er heilig; und wer ihn entweiht, begeht en Sacrileg, das denkbar größte Unrecht. Solches Unrecht legeht ... auch in Gedanken, der sich heilig! Dünkcnde, der jenes Grab für unheilig hält. Wir werden! freilich unter der Gräbern je nach den darin Gebetteten j unterscheiden, wie unter den lebenden Menschen, nach dem j Maße ihrer Sittlichkeit, aber wie auch der Perbrecher uns noch als Mensch gilt, so auch sein Grab noch als Grab" a. a. O. S. 392). — j Diese Argumentation ist nun allerdings zunächst gegen | die unjüdische Anschauung von .geweihter Erke" und deren { Coujequenzen, Bcrwewerung eines .ehrlichen Grabes" rc. gerichitt. Allein ie trifft ebe.'v dir Berechtigung confcssionellr: Friedhöfe überhaupt. Wenn durch .Eegenssprüche, sjormelu uud Zeremonien irgent-wo und wann! irgend etwas in se ner Natur nicht gründen" werten kann; wenn .die Leiche da» tzittab heiligt' — mag e» »liegen, wo rS will" — nun b:.-..' ad.-, die confessionelle Beerdigung da« Urtheil gesprochen, und dies Unheil ist um so absprechender, wenn mau bedenkt, daß diese confessionelle Begrenzung zugleich eine Beeinträchtigung. eine Trübung des reinen Humanitäts-Bewußtseins zur Folge haben kann. — Wle steht es nun um die weitgehende Riickfichi, welche die gebildetsten u td freisinnigsten jüd. Gemeinden selbst unseres deutschen Bc Inlandes gerade betteffs des jüd. Charakters der Beerdigung gewähren, vor dem Richterstuhle der Moral? In allen diesen s fragen, wo die Humanttät so nahe berührt wird, ist meiner Ueberzeugung nach Vertuschung und Trübung der Probleme der schlimmste Dienst, den man der Religion erweisen lunn. Jetzt, wo die Sonne der Wahrhett den Himmel der. Geschichte siegreich betreten hat, muß die Religion den Much und das Selbstbewußtsem haben, daß sie das Sonnenlicht der Wahrhett nicht zu scheuer, habe. — Nun, in bnc vorliegenden Frage kann der religiöse Standpunkt durck> die reinste Klarheit nur gewinnen. — Wir sind vollständig mtt Steint hat einverstanden, daß der sich heilig Dunkeode, der jenes (uogeweihte) Grab für uuhetttg Alt" in .Gedanke»", wenn auch kein .Sacrileg" — das können .Gedanken" überhaupt nicht — aber doch ein Unrecht begcht, oder im Jrtthum sich befindet. Wtt unterschreiben vollständig das Urtheil Steinthals auf S. 306: .wie widerwärtig muß es zumal sein, wenn die göttliche Macht dazu gemißbraucht wird, (weil der Lebende etua auf.religiöse Zeremonie nicht» gegeben hat) sei» Müthchru au der Leiche zu kühlen." Doch bestreite» wd, was Steinthal sagt: .die philosophische Ethik kau» nicht zugrsteheu, daß irgend wo »ud wa»n durch Eegenssprüche, Formel» uud Zeremonien irgend etwa» i» seiner Natur geändert werde», ««der ein Ding, uoch ei» Wille oder eine Beziehung zwischen Persoueu", und behaupten: die Ethik muß zugrsteheu, denn e» ist Thal» sache, daß durch Eegenssprüche, Formeln und Zeremonien allerdings etwas in feiner Natur, »ud zwar ein Ding rei» gnantitati», »erä«- dert «erden kann, nämlich — — der Inhalt des Bewußtsein» derer, »elche den Segens-' sprüchen. Formel» und Zeremonien" bei»»hue», uud diese Beräudrrung findet statt nach de« streuge» psychologischen Gesetzen der söge». Ideeu-Assoziatiou. ^Kortse--»., folgt.)* Die Z«k»nft des demtsche« J,UÜ«th«mS. ui.*) ' J Besonder» sch. mm sieht eS in viele» kleinen deutsche» Gemeinden aus, die es nicht erschwingst» können, sich eine» besier vorgebttdetea Snltusbramt» zu halten; in Preuße» haben diese kleinen Gemeinden eine unerwünschte Selbstständigkeit, sie gehören zu keinem größern Verbände, Jahr ans Jahr ein redet kein Prediger zu ihnen von dev Lehren de« Jude», thums; das, was besonders durch die Bemühungen BambergerS in der Provinz Preußen geleistet wird, um da» religiöse Leben auch in diesen verlorenen Winkeln zu erwecke», durch Inspektion des UuterrichtS. durch G rstpredigien. durch Zusammenkünfte der Vorstände, ist um so aaerkennenswerth-.e, weil neben einem großen organisatorisch:n Geschick auch Unermüdlichkeit, Selbstlosigkeit uud ein lieb« nSwürdiges Wese» dazu gehört, daS sich di« Mühe und Andern di« Ehre göunt, wenn nur die gute Sache gefördert wird. Die Schwierigkeit ei»er solchen freien Organisation beweist am besten der Umstand, daß sie tu lindern preußische» Provinzen auf meist günstigerem Boden noch, nicht »achgeahmt worden ist. Wie schlecht es in diesen kleinen Gemeinden mit dem Judenthum bestellt ist, daven dringt selten eine Sonde in die Oeffeutlichkeit. Dir Freizügigkeit, eine groire polttische Wohl» - that, hat viele Israeliten nach Orten gefüllt, wo früher »ie; ei» Jude gewohnt hat; die Alten bewahrt«« die Traditio«»! der große» Gemeinden, von denen sie ausg,:zogen waren; das ' Heranwachsende Geschlecht erhält von der Religion, zu der es durch die Geburt gehört, nur ein verkümwerte« Bild: dari» liegt ein verstärtter Reiz zum Abfall, dmz. B. in einige» schlesischen Orten eine ganz bedrohliche Ausdehnung gewonnen hat. Schon eine staatliche Organisatto« wie in Ncupre»ße» und im it'.rigen Deutschland könnte hier ßdie größte» Nebelstände bannen, aber den Rabbinern, die eine drrarttge Neuerung bei den Behörde» anregen wollten, find di,: Händ>: gebunden, wett sie vielleicht mehr als billig de» Boiwurf scheuen, als suchte» sie dabei die Hebung des eigenen Staude« und dM eigene» Stellung, und der Deutsch-israelitische G« merndebun* — von dem wollen wir nicht reden, obglestW er allerdings >ehr wesentlich in eine Bcsprechimg hi»ei«S° gehört, die de« Verfall des deutschen Judmthmns fitt.1 Bester noch die Hände in den Schoß legen, als so thun, als ob «au etwas chäte, denn dadurch werden nur die ehrlich» Mensch« verwirrt und glauben, es sei Alles in der bestes Ordnung. : 4 Selbst in den Gemeinde», die scheinbar ausgezeichnet^ verwaltet werden, die für ihre Rabbimw und Borstidwe^ schwärme», zeigt sich dem scharf-Glickeutm, der sich durch ] schönen Schein nicht blenden läßt, eine nipid« Abnahme der, Religiosität »ud des religiöse» Wiffeus. Mit Fackel» könnte? «an »ater tcrnseud jüdisch» Jüngli»gcn in Deutschland Eine» suchen, der einmal wirklich die Qnellmsthrtft» des Jndw» thnms stuoirt und versteht; man würde nuter Tcmsend »NW immer auch »nr Ein» finden. Die Religionsschul», der Religion» Unterricht an dW Gymnasien bis in die höchst» Klaffe«, selbst da«, heiße MI müh» vo» bei ihr» Schüler» beliebt» Lehre» Hab» »HM dm Essest, der de» vielgeschmäht» Eheder nicht adzusprckHW war, nämlich «in wirstiches jüdisch«» llöisim dm Ktzstsi^ 1 «e tbumu* 51, SS, ix fcxtx L wtlLM “*"•'***‘€8 s. jtx, weedex «xf Mxxsch nochgcNeftrl. (MW.)