Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 52.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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— It) — ' '’v. . ' ■ U>‘. glaub« ihrer Zeit erhob« «arm. Obwohl Linder ihrer Zeit, halt» sie sich kraft ihrer geistig» Klarheit von «auch» Schwächen ihrer Matter emanzipitt and schaut« «ft mitleidig« Blick« auf di« unwiffendm irregeleitet» Mafsm, derm Stück und Wohlfahrt iha« gleich sehr am Herz» lagen. Wer jemal» fcha« «ine Epidemie oder auch eine epidemische Lraukheü in einer vvlkr-tch» Stadt beobachtete, der hat ein« schwach» Begriff mm der verwirr«»- and Berherrung, welche durch solche Ereignisse in damalig» Zeit» heroorgerus« wurd«. Wo war vor fünfdi» sechshundert Jahr« da» Licht der Wissenschaft? In «eich» Händen befand sich di« Pflege der erhaben» Hellkunst, jener erbarmnng»' reich» Göttin, die dm Zwiespalt der feindlich« and freundlich» Ratnrkräste znm Hell« der M»sch» wieder zu versöhn» strebt? Die edle „Erztney" war da« Monopol fanatischer, oft sehr ungebildeter Mönch«, in der» Interesse et zuweil« lag, d» panisch» Schreck», dm dft Seuch» verbreitet», nicht zu milder». Trieb doch die Verzweiflung da» Volk in di« offen» Arme der Kirche, und scheut» sich doch dft Beängstigt» niLr. der Alleinseligmachend» dft gröHm Opfer zu bring»! Mangel an Ruth und Leuntniffm ließ dft Prftster der Heilkunde über da» Des» der Pest, zumal der orftntaüschen, di« ans da» achtzehnte Jahrhundert i« Unklaren. Wa» Wunder, oaß «an im elsim Jahrhundert, wo dft schreckliche Krankheit sechsmal in Verbindung «ft Hungertnolh in Deutschland anstrS, auf d» Bedank» gekowmrn, dft erzürnt« Gottheit wolle da» Menschengeschlecht gän^ich verftlg»! Später schrieb mau dft Ursache ander« übernatürlichen Einflüsse» », wie Zauberern, dem Erschein« von Komet» und ähnlich« Phänomenen. Der unsinnigste und d» Mmsch» entwürdigendste Grund, dm dft damalig« Thorheit aber auffiud» tonnt«, war der, dft Juden sei» an dem Unglück schuld. Dft Judm! knirschte der bigotte Pöbel, wenn er dm Würgengel durch dft Straß» schreit» und an dft Thür» der friedlichsten, glücklichstm Familftn pochen sah. Dft Judm! murmelte der Later, wenn er auch da» letzte theure Familienalftd sich »triff» sah und allein ans der «eit» Gotte»w«lt da stand. Die Judm! E» war Acht da» erst« Mal, daß dft Mauern der alt» Eldfeste in so schümmer Weise heimgesucht wurden. Noch waren e» kau« acht Jahre*) her, daß der Tod über der unglücklichen Stadt sein« Hundertsache Bethel schwang. Ueber diese und ähnlich« Dinge sprach» dft beid» Biedermänner i-n still« Wohnaemach. Han» Rohde hatte seinem hartgeprüftem Freunde gar bedenkliche Mttthellung» zu mach». Theil» that er e« au» alter Bewohnhett, denn er pflegte jede Handlung von Wichtigkeit zuvor in Gemeinschaft mit sein» verständig» Gesinnung»- und Waffengmoff» zu überleg«, theil« hofft« er durch dft dadurch angeregte Besprechung öffentlicher Angelegenheit» dft Bedmck» de« Ritter» von seinem eigen» UnMcke abzulenken. Sft besprach» dft dumpfe, »»heilschwangere Stimmung, dft sich der Bevölkerung bemetstert hatte, und fürchtet«, da» dräuend« Ungewitter werde sich über dem Haupte der Unschuldig» entladen. Wft dem neu» Unglück« vorzubeuge« sei, de» war e», wa» d« Männe» am Herz« lag. Man kannte damal» noch kein Mittel, der blind» Lolkswuth zu «ehren. Roch war Johann von Buttmberg's Erfindung, der mächtigste Hebel, der Eivilisation späterer Jahrhunderte, ein ungeahnte«, ein ungeborne» Kind, da» erst im Beginn de» nächst» Säculum» an da» Acht der Welt komme» sollte. Et fehlten dft Grundbedingung» der Aufklärung. Die beid» Hänse war» lange Zeit rathlot. Sie sah» dft grauschwarz» Wollen von all» Seilen Heraufziehen und ») z« Jahr« 187» ,rafft»« in msabAutg etnc «pldemifch« UraM« litt, »Nch» fta unk «ta tzettift Iahe und »M» Stag« Mmfch« k-hwraff«. hört» schon da» dumpfe Roll» de« Donner«, da» b«, fern«» Blitzstrahl» nachsolgt. Der kämpft geg» d» Blitz, wer g» dft zerschmetternde Gewalt de» Wetterstrahl«»? „Wir müfsm dft Jnd» zu schütz» such»,*, sagte nach längerem Gespräch da» städtisch« Oberhaupt. „Dn hast ' »». Stadthauptman» d» unbeschränkt» Befehl Über dft erzbischH?^ liche» und städtische» Rotten. Triff Deine Meßragel» ftttd W decke da» Ittendorf geg» jeden Angriff. Für dft wenig» Jsraeltten, dft innerhalb der Stadtmauern sich anshall», für. dft Bud» am Kleiderhof will ich mein Beste» thun. Unsere jlrast ist schwach, aber vereinte» Handeln und richtige» Wo« am recht» Ort lenkt auch dm ärgst» Unvertziuch. Wir wollen'» versuch»!* Sprach'» und wischte sich dft hell» Schweißtropfen m* , der Stirn. Da» eifrige Red» hatte ihn erhitzt. G» war ett, dicker, wohlbeleibter Herr, der gestreng« Bürgermeister, der auch lftber dreinschlug, al» «st lange mtt der Znnge hi» her drosch. Wft er so dastaud neb» der hoch um Bestalt de» Schierstedter», während er in' Haltung dft rechte Hand auf d°r Lehne de» Schnör stützte und dft Linke mit dem kostbar» Soldknause de» Schwerte» spftftn ließ, «ft er so dastand, bot seine kuqe, kräftta gedrungene Figur ein» angenehm» Begensutz zu der de» Stadthauptmanu». »Ich will'« versuche», ja, Han»,* verflcherft der LMter, trenherKg. .Aber «ft Du weißt, kan» ich in dftsem Fall« für «eine Leute nicht tinstehen. Sft Haffe» und fürchtm dft Bewohner de» Judeudorf«. Ich würde d» Bock »um «trtner setz», wen« ich ihn» dft Bewachung deffelbm anvertrau» wollt«. Ich muß selber am Platze sein, vielleicht gelingt es dem Einfluss« meiner Person da, wo mein« Besehft nicht» fruchtm würden." „Gut Hau», Du bist ein braver Kerl. Wollft Bott, wir hätt» noch «ehr Männer Deine« Schlage» unter un» -*-'» Ift eine böse, böse Zeit. Der Himmel schütze Dich «nd unsere liebe Stadt. Grüß Sott, ich muß fort!" „Behob' Dich wohl, mein Bruder," »tgegneft der Ritter. „Gott schirme Dein Ha«»!" Beide Hänse schüttelt» sich derb dft Fäuste. Der Schftesiebter geleitete d» Rohde bi» zur Flutthür. Der Riegel kreischte, da« Schloß knackft, noch ein letzter Händedrnck nutz dft Thür schloß sich wieder hinter dem hurtig auf der Straße dahtnelleud» Bürgermeister. Langsam ging der Andere in'» Wohngemach' zurück. Rohde'» Mttthellung» halt» ihm reichlich» Stoff znm Rachdenk» geg^e«. Der wacker« Bürgermeister hatte settnn Zwttk erreicht. Sein Freund vergaß de» eigen» Kummer» auf «in» Augendlick und warf sich mtt Leib und Seeft auf dft öffentlich» Angelegenheiten. „Ich will'« versuch»!" murmelft er vor sich hi», «ährend er mtt groß» Schritt« da» Zimmer durchmaß. vielleicht gftdt der Allmächtig« meine« Herz« Trost,, wenn e» mir gelingt. Gute» zu stiften «der schreiende» Unrecht zu verhindern." Ende de» erst,, Buches. Ws4—- Dtebr. 1876. Ttwtt. 888» Aalende*. 30 1 Ohirakab . . . » ffrettng .... 31 3 *)CMMkrafc . StR. 1 4 fnrnttg . .. 9 6 ÜMtag .... 8 6 Lienstag ... 4 7 »ItNeach ... 6 8 -> Sakkatheuegeng (nach Berlin): » tt. II R. Hierin bi* un» da» ttrrteg der «rpekitw» der ^kraettüshm «ochenschrlft» t» Wvgkttnih. Jnsevntem-Beilnn« X)i*i »ox ß. Vihernk« jn^ter^y. ii