Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 51. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 51.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/5369809-5935045-5938019--2955-5372382
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

„Der arme, brav« Herr!'' raunte just Tiner de« Andern zu, men« der Stadthanptmann vorübergeschrttten „Sr will sich seinen Gram nicht merken lassen, obwohl er ihm da» Herz abdrückt. Da» ist ein Man» wie Sold nnd Eise»! Allen Respekt!" „'S ist ein Jammer," gab der Andere zurück, „er findet sein Hau» leer, wen« er heimkommt. Fra», zwei Söhn« und «in« Tochter, Alle«, Alle» zu verlieren, in wenigen Tagen, Schlag auf Schlag! E» ist zum Weinen!" „Glaubst Du «icht, daß er geweint hat, heimlich, in stiller Nacht, wenn kein Auge seine blutigen Thränen sah? O, er stellt sich nur so felserchart und gefaßt, um dem Bolle ein gute» Beispiel zu geben. Mein« Fra« weiß tt von ihrer Nichte, der Hau»magd, die da» Schrecklich« in seinem Hause mtt durchlebt hat und iu tödtlicher Augst davongelaufen ist. Ja, ja, lieber Sevatter, in solcher Zeit ist Icker fich selber der Rächst«. Behüt' Such Sott, ich muß heim, um nach den Mein« zu sehen. Lebt wohl!" „Auf Wiedersehen, will'» Sott!" ruft ihm der Andere «ach und durckckreuzt di« Gaffe in entgegengesetzter Richtung hastig und von peinlicher Unruhe gequäU, da da« eben geführt« Sespräch sei« eigemn Besorgnisse nicht gerade verscheucht hat. Laste» wir die ehrenfesten Bürger ihre« Wege» gehen und folge« wir unverd rossen dem Hauptmann. Wir können et, oh« un» zu beeilen, denn er beschleunigt sei« Schrttte nicht. Wa« hätte er auch für Grund, zu eilen? Di« Zwiefp.ach der Men Gevattern, die wir eben belauscht, hat uu» bereit» einen Blick in den Abgrund thun lasten, der alle» LebenSglück de» dickeren Ritter» unwiederbringlich verschlungen. Bon Zeü zu Zett hebt er da« Haupt tu di« Höhe, uv» e» allmählich wieder auf die Brust finken zu lassen. Sr dachte an den Empfang, der ihm sonst zu Theil geworden, wenn er die heimisch« Schwell« betrat. Wie ihn da» treue Weib bewillkomumer« und Beata, da» hold« Töchterlein voll jungfräulicher Neugier mit hundert Fragen bestürmte. Wie ganz ander» war «» jetzt! Er wagte nicht daran zu denken, der starke, im Echlachtgetümmel ergraute Mann. Ganz verstohlen zerdrückte er eine ungehorsame Thrä« und schritt sch«ller die Straße hinab, an den Hohen Raufhäusern entlang. Bor einem düsteren Haus«, an deffen Borderseite über de« Thorwege ein tu Stein gehauene» Hündchen befindlich war, machte er Halt. Dreimal pochte er mit dem schweren Klöppel gegen die Thür und weckte am helle« Tage da» Echo. Sonst war die Thür nur de» Nacht» verschlossen gewesen. Ein alter Diener öffnete und begrüßte mit halb vertrauliche«. halb respektvollem Kopfnicken den Hausherrn. Der alte Mann war gleichsam ei« Erbstück der Familie. Er hatte schon dreien Generationen gckient und auch der vierten noch nützlich zu werden gehofft. Doch da« war vorbei. Während Johcmn da» vereinsamte Hau» wicker schloß, schritt Han» von Echierstckt über den Flur hi» und trat rähter Hand in'» Wohngemach. E» kam ihm Niemand entgegen, «icht Weib, nicht Kind. Icker seiner Tritte hallt« unheimlich durch di« Zimmer, deren Thüren und nach dem Hofe hiuauSliegende Fenster offen standen. Ein eigenthümlich gewürzter Dust von Weihrauch und Myrrhe» erfüllte die Luft. Erschöpft warf er sich in den Lehnstuhl. E« schob ihn Keiner zurecht. E« entledigte ihn auch Niemand de« Haudegen». Sr ließ die raffelnde Wehr an der Hüfte hängen und sticht« den Ellenbogen auf den Dsch, um da» schwere Haupt in die Hand stemmen zu können. So überließ er fich dem Zuge feiner Gedanken oder vielmehr seiner Gefühl«. Den« Gedanken hatte der Mann jetzt nicht. Da knarrte die Schwelle. Sr sah nicht hi«, sonder« sästoß absichtlich die Augen. Al» er ste wicker öffnete, war e» Johann, der mit Händen, die vor Altersschwäche zittertm, M» Frühstück auftrug. Dem Ritter schaffen die Zäh»«» tu die Augen. Er konnte fich ihrer nicht erwehre«, trotz aller Willenskraft und Selbstbeherrschung. Jetzt pochte e» wicker draußen am Thorflügel. Johann teilt« fich nachzusehen, wa» e» gäbe'und fand den Busenfreund seine» Herrn, Han» Rohde, vor der Thür. „Seid Ihr e», Herr Bürgermeister? Tretet ein, mein Herr ist allein." „Weiß wohl, daß er allein ist," erwiderte dieser «tt treuherzig mitleidiger Miene. „Wo wellt er?" „Wtt sonst im Lchnstuhle!" war de» treu«« Alten kurz« Antwort. Aber da» „wie sonst" klang nicht so unbefangen und beruhigend, al» der Sprechend« bezweckt haben mochte. Rach kurzer Welle lagen dtt „beiden Häufe" einander in den Armen. E» war ein« ergreifend« Scene, um so rührender, well sie kein« Zeuge« hatte. Denn ei« Umarmung vor Zeugen hat immer etwa» Verlegenes, Gezwungene», da» die Wethe de» Augenblick» stört. Die herzlich« Freundschaft beider Männer war sprüchwörtlich geworden, nicht nur im ganzen Stadtbann, sonder» wett darüber htnau» viel« Meilen in der Runde. Allein nicht nur ihr zarte» Berhättuiß, auch dtt Kraft und Tüchtigkeit ihre» Wesen» war wett und breit bekannt. Wir habe» schon auf der Burg zu Weruigewd« von ihnen erfahren. Wegelagerer, Dieb«, Räuber und Mörder, Raubrüter und Schnapphähn« aller Arten hatten vor den b.iden Hänfen heilige» Respekt. Dtt ehrlichen Bürger aber (lebten da» Paar «ad waren chm mtt Leib und Seele ergeben. (Fortsetzung folgt.) Unter aOnt Blätter» eer Berti«« Presse egistirt keine einzige Zeitung, welch« fich ttlhmen dürste, in der kurze« Zett weniger Jahr« sich zu einem so »eit verbreiteten, geachteten, ja einflußreichen Organ «mvorgeschwunge» zu haben, al« da« berliner XuMattf1. ttmm vier Jahre alt, überragt heute schon sein« »uflagezahl dt« aller «»deren Berliner Zeitungen. Ein solcher Erfolg kann nur aaf di« geschützte und »'«sichtige Leitung und di« Lortrefflichkett der politisch-literarischen Kräfte zurütkgesührt werden, vor Allem HM die Man« ntchsaltiakeit de« Inhalt« e« dauernd in der Sunst de« Putiitu»« befestigt. DieseBielseitigkeit wird jedoch von einer solchen Uebersichtltchkeit begleitet, daß e« für de« großen, mtt seiner Zett hauet haltenden Leserkreis «in« außerordendlich begueme Lektüre bildet. Als absolut unabhängiges Organ vertritt es «in« eben so «chrhafltberal«, als nationale Politik; daß es auf di« kommunalen Jntereffen einen Hauptaceent legt, »ersteht fich von selbst, und «»«fl» ist der ausgedehnt« lokal« Thril de« Blattes ein tteuer Spiegel des bunten, hauptstädtischen Leben«. Dem Erziehung«- und Unterrichtswese« widmet es in einer besondere» Rubrik ein« der Ltchtiakett des Segenstand«« angemessen« Anfmerks« mkett; nicht minder allen Vorgängen auf de« Sebiet« der Literatur, Kunst und des Theater«, in welchen es fich durch gerecht« Kr tik auszeichnet. Der Unterhaltung bietet es durch ein reichhaltige« F eutlleto«, darunter neu« Original-Roman« undRovellen berühmter Autoren, «in belletristischbelehnende« „Sonatagsblatt" und da« bekannte »itzblatt „ULK" als Gratisbeilagen, eine Füll« de« Stoffe«, wie wenig« and«« Blätter. Der Handelstheil ist durch sachkundig« Kräfte vertrete», und der Brief- und Fragelasten zeigt, »aß es in all-« 'fällen seine« Lesern kenntnisreiche Auskunft «rcheilt. Der Preis von ä Mark Sä Pf. pro Quartal ist «in überaus mäßiger_ „»pkosSoEo» Mt Ha»." Sperrt», Wien un» verlad Raummangel« wegen in nächster Rr. I« vor. Blatt« S. «St unter Eäln — die von Litt»« Elzbacher hat dem Asyl IS,(XX) (nicht 1600» Mark zukommen lassen. Moche»- Deebr 1876 Kiwlew. 6636. jUfeatoc. Donnerstag . . 33 36 Chuukah .... 1 Freitag .... 34 36 3 "Xttnnatzrn» . 3- 37 Sftbb. Chan, ppo 3 CfcSBtiQ . 2« 38 4 Msntn» .... 37 39 5 DttoSkog . . . 38 301 BoMliSCttodMeh t 39 1/ Tew« 7 *) iauswm« (m4 Berlin): « O. U K. 7 gtoy» Pie anfetgteillciU# itai »0« L Scha nk» t» Hchßgt'i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.