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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 50. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 50.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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schleppe» tonnten, schmählich in bet Gewalt der Ränder zurücklassend. Rur einige Wenige hatten sich unter den Wagen und guten versteckt und harrten pochenden Herzender Dinge, die da kommen sollten. Da trat die hohe, ehrfurchtgebietende Gestalt eine- Greise- «ii langwalleudem Haar und Bartschmuck feierlich in ven von Feuerbränden fast tageShell erleuchteten Kreis. Erschrocken fuhren die Ritter auseinander. Er achtete ihrer nicht, sondern beugte sich über den verwundeten Heldenjüngling, mit ruhiger Kennermiene die von Nut triefende Schädelhaut de- Unglücklichen untersuchend. Mt Gewandtheü löste er Leinwandstreifen vom linken Handgelenke, die er zu chirurgischen Zwecken stet« dar: zu tragen schien, und legte dem Ohnmächttgen einen kunstreichen Verband an. Endlich brach er dapeinlich düstere Schweigen. „Sohiü-mörder!" Hub er zum Grafen Dietrich gewandt an, „danke de« Schöpfer, daß Du diesmal diesen Namen noch »ich: verdient. Du verletztest, Gott sei Dank, nur die obere Sttrnhaut, ohne den Knochen zu spalten. Noch eine Linie tiefer und eS war vorbei mit ihm. Wenn die Erschütterung nicht eine böse Krankhett de- Gehirn« nach sich zieht, wird er stch hoffentlich bald erholen." Graf Dieter athmete tief auf. Er fühlte seine Brust wie von Eentnergewichken befreit. Der Gedanke, seinen einzigen, im Grunde de« Herzentrotz aller äußeren Rauheit vielgeliebten Sohn hingeschlachtet zu haben, hatte ihn mtt Geierkrallen an die Seele gepackt und auf Augenblicke all' seiner bestialischen Wildhett beraubt. Jetzt fand er sich wieder. Er ward wieder der alte. Dabezeugte der gotteslästerliche Fluch, der feinen Lippen selbst in de« Momente entfuhr, wo er Gott für die Abwendung der Gefahr danken wollte. „Gott fei Lob und Dank", rief er, „er wird sich bald erholen! Zum Henker, verwünschter Spa» da«; hätte dem Jungen da- Leben fa>;ien können und mir meinen einzigen Erben!" „Und Euren Seelenfrieden in Ewigkett!" setzte Samuel hinzu. „Wa« munkelst Du da, Alter? Hagel und Blitz I Sag' mir lieber, wie kommt mein Junge in Eure schlimme Gesellschaft? Konnte ich vermuthen, den Edelfalken unter spitzbübischen Raben, Dohlen und Elstern zu finden?" „Wohl seh' ich Dohlen und Raben, aber wir find'- nicht!" entgegneie Samuel Mt feste» Tone. „Der Edelfalk — wir haben ihn nicht gerufen — schloß sich freiwillig dem Zuge harmloser Schwalben an, um sie großmüthig vor den Angriffen der Raubvogel zu schützen." „Zum Henker, willst Du unhöhnen, Jude? Du hast «einen Sohn verhext und durch höllische Zauberkünste an Dich gefefielt. Du hast meine Augen Mt faustdicker Finsterniß geschlagen, daß sie den Edelhirsch eigenen Fleische- und Blute« vom kriechenden Gewürme nicht zu unterscheiden vermochten! Du hast mtt teuflischen Mitteln Later und Sohn aufeinandergehetzt! Du Haft —" „Dieser hochherzige Jüngling, Graf Dietrich, Mrd, wenn er die Augen aufschlägt, bezeugen, daß Ihr Unwahrheiten gesprochen! versetzte Samuel. Er legte im Sprechen die Hand auf da« Herz Beppo'«, al« wolle er am Klopfen deflelben die Minutenzahl bemessen, binnen welcher der Betäubte dem Leben wieder zurückgegeben werden würde. „Zurück, Verwegener! Laß Deine unsaubere Hand von ihm, den Du mit dämonischen Banden umstrickt hast! Ader warte, Jude, wir werden un« rächen I Wir «erden Eure vollgepfropften Kisten und Kasten nach den giftigen Zaubertränken darchstöberu und alle« in Beschlag nehmen, wa« un« verdächtig scheint! Zu« Henker! Haha! da« »ollen wir!" Nachdem er eine« Knappen besohlen, den verwundeten Grasen nicht zu verlaffen, sprengte er um der wilden Meute in die verworrene Masse der Wagenkolonne hinein. Die zitternden Besitzer wurden unter den Deichseln und Scheerbaumeu hervorgezogen nnd gezwungen, die Gespanne wieder in Ordnung zu bringen. Man »olle sogleich anfbrechen — hieß et — sie sollten sicher geleitet werden. Wohl verstanden die Armen den bttteren Spott. Sie sollten ihre eigenen Gefährten mit dem sauer erworbenen Hab und Gut selber in die Naubnefter führen, um dann nackt und bloß in die Welt hinau«gestoßen zu werden. Inzwischen war man bi« an da« Ende der Wageusäule geBrungen. Da bot fich den Beutegierige» ettt neuer Anblick har. Mit Anstrengung aller Kräfte suchte der getreue Knappe Beppo'S den Wagen, iu welchem Bianca zitternd und in fich zufammengek»erl saß, zu wenden, um den vorher empfangenen geheimen Instruktionen seine« jungen Gebieter« gemäß, im äußersten Nothfalle die Jungfrau in Sicherheit zu dringen. Allein umqeworsene Karren hinderten ihn an der schnellen Ausführung diese« Plane«. Noch ehe die Halde Umdrehung vollbracht war, fielen stahlgewappnete Fäuste den Pferden in die Zügel. „Hollah! Znm Henker, wo geht denn die Reife hin? Ist da« Höflichkeit, so ohne «eitere« mit Polnischen Abschiede feine Freunde zu verlaffen?" „Alle «etter! Donner und Hagel! Da« ist ja Beppo'« Knappe. Und da« verteufelte hübsche Ding da drinn-u! Znm Henker, Knappe wo wolltest Du mtt dem Kinde hin?" Der brave Diener wußte nicht, wa« er dem Late, seine« jungen Herrn erwidern sollte. Lerlegeu sah er sich um, voll Erwartung, Beppo werde ihn au« dem peinlichen Lerhöre de« grimmen Wernigerode befreien. Er hatte von de« tragischen Zweikampf zwischen Later u. Sohn noch nicht« erfahren. Da riß ihn Gideon au« der Verlegenheit. Der heldenmütbige Portugiese, deffen Sänftenträger während de« Tummulte« Reißau« genommen, hatte fich vom Lager erhoben und wankte unter Schmerzen an die Gruppe heran. Seine schlanke, edelgewachsene Figur mit dem bleichen Antlitz von echt männlicher Schönheit, sein flammende« Auge mit den energisch zusammengepreßten Lippen, dazu die durch Binde» und Bandagen erkennbare HalSwunde machten selbst auf Graf Dieter nicht geringen Eindruck. „Laßt die Jungfrau de« Wege« ziehen," begann Gideon, „ein wahrer Rilter«mann schützt da« schwächere Geschlecht, aber er beleidigt e« nicht." „Wa«, zum Henker, fällt Euch ein?" polterte Dieter/ „Ich schirme da« Päppche» mtt meinem Arme und führe e«, al» wahrer RttterSmann, wie Ihr sagt, unter stchere« Geleite auf mein Schloß." „Da« «erdet Ihr nicht thun, Herr! Ihr habt kein Recht dazu. Und gebraucht Ihr Gewalt gegen Weiber und Wehrlose, so seid Ihr «n Schurke, aber ein Edelmann nicht!" Da« war für Gras Dieter zu viel. „Elender!" brüllte er in rasender Wuth — und schon flog sein lange« Schwert au« der Schelde, um den kühnen Sprecher niederzuschmettern. Doch ehe er noch loSschlugen konnte, fiel ihm einer der umstehenden Raubritter in die Arme. _ (Fortsetzung folgt.) •' Orteffnfe» ». Me» «orre«». Pro, ln nächster »r. Wochen- Daebr 1876 KiMlew. 6636. Agkender. Dmmersmz . . 16 18 gttitai .... 17 19 *)C«nakat . 18 30 Sonnt»« . . - 19 11 «Mt», . . - - 30 13 Xfeafta« ... 31 33 IHttawt ... 33 34 MeaM: «haauko-Basaa, *) Vaddathmi«^«, (nach Berlin): I II N H. OP Hierzu die „Jnseraten-Betlage' 3*6. SiterntKtfcUrtt Hk. 44." -M>. üerl« »er ItpebitiM der ^«ra-twsche» Koch-»schrtst" m »*«»e»ue» Lrück mm"{. vch.rike t» Bari» und da« .wJ 4

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