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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 48. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 48.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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403 Sie hatte bic Mörder gedungen, daran war kein Zweifel, »der des Printen Freund« und da» aufgebrachte Ball rottete» sich vor de« königlichen Palast zusammen, um an den Meuchleru Rach« zu nehmen. Da, im rutscheideaden Augenblicke, trat der allgeliebl«, tobt geglaubt« Prinz au? die Veranda hinaut uno «ahnt-: die Tobenden zu Ruh«. Welchen Eindruck diese» unerwartete Erscheinen Johann» aus di« Herzeu der abergläubischen Meng« machte, kannst Du Dir nicht vorstelleu, mein Freund. Dean Du kennst uuier Volk nicht. O, e» ist ein herrliche» Volk, stolz, edel, bieder, leidenschaftlich und tapfer, unversöhnlich gegen seine Feind« «ad hingebend lre» gegen seine Freund« und Hülflose, gastfreundlich und freigebig. O, ich liebe diese» Volk, diese Portugiesen! Mein Vater und Prinz Johann find ihr» echte» Söhne. Meine arm«, selige Mutter, obwohl eine Deutsche, hat sich in diesem Land« glücklich gefühlt, bi» e» dem liebe» Gott gefiel, fie von na» zu nehmen in eia unbekannte», noch schönere« Lmd, von wannen sie nie wiederkommea wird." Der unoermulhet« Uebergang von harmloser Erzählung in schmerzliche Eriuuerung rührte mich tief und lieg uiich einen Blick in deu Seelenzustand diese» wunderbaren Wesen» lhuu, da» mit der südliche« Bluth leicht erregbarea Blute» die innige Gesühlsties« unsere« deulscheu Norden» verband. Sie schwieg einig« Augenblick«, wie von kummervollen Bebaute» überwältig!. Ich wagte fie nicht zu stören und beschränkte mich darauf, ihr unvergleichlich liebliche» Antlitz zu betrachte». Ich hätte auch nicht gewußt, «a» ich ihr zuin Trost« hätte sagen sollen. Meine Sinne waren wie umnebelt; theil» Blutverlust, theil» da» Unglaubliche, wa» ich gesehen und gehört, da» Alle» versetzte mich in einen Zustand vou Taumel und Entzücken. Rach einer kurzen Paus« erhob sie di« zur Erd« gesenkten Augen und setzte mü ihrer früheren Unbefangenheit di« begonnenen Erklärungen fort. „Mein theurer Later," flüsterte fie, „ist au» altem, edlem Gejchleqte. Mau nennt chn Don Lloaro Runez Peveira. Er ist der Freund und treueste Anhänger de» Prinzen." Ein« Frage schwebte mir auf den Lippen Sie aber legt« wieder den Finger aus den Mund, um mir Schweigen zu gebieten und beantwortete meine Frage, oha« daß ich fie ausgejprocheu hatte, mit den Watten: Ja, mein Freund. Der stattliche Rann, den Du eben gesehen, ist mein Later Er muß sich sehr zu Dir hiagezogen fühlen, obwohl er Dich noch nicht kennt. Er ist soeben zum Prurzen geeitt, um chn von Dir zu benachrichtigen." Wahrend Donna Dolore» so sprach, wurden abermal» die schweren goiddurchwirkteu Teppich« zurückgeschlagen. Don Lloaro trat ein. Er sühne einen jungen Edlen an der Hand, der, insoweit ich mein eigene» Lrußrr« kannte, ein« fast unglaublich« Aehnlichkett mü mir haben mußte. Unzweifelhaft war e» Prinz Johann, von welchem mir Dolore» schon so viel Schöne» erzählt halte, daß ich ihn liebte, bevor ich ihn »och gesehen. Bei näherer Betrachtung erkannte ich in chm deu Flüchtling wieder, der am oergangeaea Sonnabend an mir vorübergentt und in der Seitengasse verschwunden war. Luch der Prinz schien mich aufmerksam zu betrachten; sein feuriger Blick tastete gleichsam an mir herum «no prüfte die kleinsten Einzetaheitea mü einem Interesse, al« wäre er eia Künstler, der mich zum Gegenstand« keiner Studien gemacht. Da» Resultat seiner Forschungen schien eia befriedigende» zu sein. Er wechsette «ü Don Lloaro einige pottngiefische Worte, trat dann mit wohlwollender, herzlicher Miene aus «ich zu und ergriff »eine Hand. Sein «armer Händedruck sagte mir, wa» er, der deutschen Sprach« nicht mächtig, nicht offenbare» konnte; er wollte mir danken für die Rettung seine» bedrohte« Leben». Donna Dolore« ward zwischen un» die Dolmetscherin. WU aufopfernder Beharrlichkeit vermittelte fie unser» mündlichen Verkehr. Wa« soll ich Euch noch länger in Spanunnerhaltea? Meine Wunde« heilten langsam. Sie waren gefährlicher, al» man Anfang» geglaubt hatte. Unser Arzt, ein äußerlich zum Shristeulhum übecgegaugener Jude, gab mir später die Versicherung, nur die liebevolle Pflege i« Hause der Peveira, nur die zarte Sorgfalt der jungen Donna habe mein« Genesung ermöglicht Wenn der bescheiden« orientalische Gelehrte mit diese« Hinweise meine Dantbarkrü gegen mrine Wohlthäter herausfordern wollt«, so war da» nicht nüthig. Ich wußte ohnedie», wa» ich den beiden Alvaro'» und dein tapferen Prinzen schuldig war. Mit Leib und Seel« ihnen ergeben, hätte ich mich jeder Aufgabe unterzogen, di« man mir gestellt hätte. Mit Freuden hätte ich «ein Leben für fie in di« Schanze geschlagen. Und da« Hab« ich nachher bewiesen. Roch ehe ich da» Schmerz«a»lager verließ, war ich de» Pottugieüschen vollkommen mächtig. Ich hatte eine gut« Lehrmeisters» gehabt. Freilich besaß Donna Dolore» an mir einen gelehrigen, aufmerksamen Schüler, der mit kindlicher Andacht jede» Wort von ihren Purpurlippen la» und ver» schlang, ehe denn fie e« au»gesprochen. Don Alvaro behandelt« mich wie ein väterlicher Freund, und der Prinz schloß sich an mich an mit einem so aufrichtigen, herzlichen vertrauen, wie man e» nur unter wahren Freunden findet. Sein hochherziger Sinn machte mich da» Befühl der völligen Ungleichheft unserer Stellung oft gänzlich vergessen. Bon nun ab trug ich dieselbe Kleidung, diejesbe Waffen» rüstung, dieselben Farben, da« selb« Wappenschild wie er. Da» halte seinen guten Grund. Ich spielte den Doppelgänger. Ich sage nicht zu viel, wenn ich behaupte, daß die Port»» giesen vielleicht nur diesem Umstande di« Vereitelung der hin» terlistigen Eaftilischen Pläne und die endliche Thronbesteigung Johann» zu verdanken haben: Mein Leben ward eine fast ununtrrdrochrne Kette von hal»brech«ttschen Abenteuern, die ich zum Wähle de» Prinzen und der Portugiefischen Sache bestand. (Fortsetzung folgt.) '■■.'S Berichtig»»«««. Im Leitartikel der Nr. 48 Sp l. Z. 3 litt Zwan-»lag« statt Zwangsaalage. — S. 381 » unter London l. Hoden p. Hab«. Im Leitartikel der Nr. 47 » Z. 18 lies di« etwa drei Quartale st. aber. — S. 387, d. mtter „Colmar" l. Schüler st. Schule». — S. 389, b. unter ^Fokfchan", Q. 18 l. reitenden st rettende». — S. 391, » unter «Sie»- ist eia« geil« ausgefallen. 9t muß heiß-n: 9 Nabbiner tc. tc. mit 460 st., 40 Wittwen m.i Rabbinern tk.te.mtt 7616 fl._ Briefliche» der Re »nett»«. Hrn. F. in B. Da« fragt. Schreibe» ist s. A in diesem Statt«' abgeoruckt worden. Ihr« Inigegnung ist ganz gut, aber ei» Wiederachdruck in einem jüd. Blatt« doch unaSthig. Für Juden bedarf e« deffen ohnehin nicht, dekehrt wird dadurch andrerseit« Niemand, und derartiger - Spott ist nicht so ganz am Platz«. Hrn. B. in B. Ihr« ausführl. Corresp. zu sehr verspätet. — . Corresp Odessa in nächster Nr. i 1 „1 i zv«ße». Decbr 1876. Kiwlcw. 6636. Aalender. Donnerstag . . a 4 S«Ü»« .... 3 6 'sSammbenb. 4 6 IQP (Tal omotor.) .’£ Sonntag . .. 6 7 ii ff Willi . . . S 8 Dienst», . . . 7 9 Mttvoach ... 8 10 ‘,T *) Gi-bat-ausgaag (nach Berlin): TU. 9t 9. DC Hreyu die „Jnseraten-veila-e' »JAd. B&UtmtnxbUitt Ke. 9S.* und

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