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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 47. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 47.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Damm wollte» aber weder Schwester uoch Bater höre». Selbst Beppo, de» ein inniger Freundschaft-baud an den chevalereöken Juden feffelte. der obenein der Sohn de» geheim- «ißvollen Samuel und, waS die Hauptsache, der Bruoer Bianca's war, selbst Beppo widersetzte sich dem Borhaben <&ibeon». „Rein." sprach er, „zu gehen wäre in Eurem Falle gefährlich. Wir werde» Euch abwechselnd tragen lasten. Ich h<oe Euch die Wund« leider Gotte» geschlagen, ich werde auch für Euer Fortkommen und Eure Genesung wachen." Ein dauwarer Blick auS Bianca» schwarzen Lugen lohnte dem Sprecher die ver,tändigen Worte. „Gras Beppo hat Recht, mein Bruder. Luch der Bater ist derselben Ansicht. Rur Geduld, Gideon, in wenigen Tagen wirst Du auch wieder gehen können." Also tröstend, drückte die Schwester den Berwnndeien wieder in die Kiffen zurück. „Geduld, Geduld!" «rwiederte dieser mit komischem Unwille«. „Ihr übertrcidt alle Drei. Wegen solcher Schrammen sich noch tragen lasten! Berzeiht! Habe schon andere Wunden empsaugen in Lndalufie» und Traz os Monte». Don Llm.ro Runez Peoeira machte weniger Federlesen mit mir, al» Ihr." „Der Unmensch!" rief Bianca voller Entrüstung. „Er ließ Dich uiarschiren, trotz Deiner Verwundung?" „Marschiren? nein, er hieß mich sogar einen Angriff machen gegen die stolzen Eastilier. Ich nahm dar Schwert in die linke Faust und jagte mit den Meinen die Spanier in di« Flucht. Don Llv ro ist ein edler Feldherr, mein zwei trr Bater, Wohltäter und Frennd. Durch ihn empfing ich den Rüterschlag aus dem Leichenfelde." „Erzähle, Gideon, erzähle," unterbrach ihn die lebhafte Jungfrau. Wie erging eS Dir in fremden Landen?' Der junge Graf von Wernigerode vereinte feine Villen mit den ihrigen. Hurtig rückte Bianca ihren Feldstuhl dicht an da» Lager de» Verwundeten- Sie nahm seine Rechte in ihre Hände und schaute ihm mit Blicken gespannter Erwartung in dar durch di« Erinnerung an üderftandene Abenteuer schön belebte Antlitz. Der gute Beppo stellte sich, wie am ersten Ldend ihr gegenüber au die andere Seite de» Krankenbette». Die Dämmerung war schon weit vorgeschritten. Durch di« zurückgeschlagene Oeffnung der Zeltwand fiel nur so viel Licht, um die wenigen Gegenstände im Innern nohtdürslig erkennen zu lasten. Da» war die ächte „Dämmerstunde," wo die Puppill-n sich gersterhaft vergrößern, wo da» Herz bänglich an den Rippen pocht und das Äemüth so recht in der Stimmung ist, dem Feenreigen und wundersamen Gristerjpuk kindlicher Ammenmärchen oder den selsan»en Erlebniffen einer Rltter- und Räubergejchichte zu lauschen. Grveon räusperte sich und begann folgendermaßen: „Will Euch kein« lange Litanei berichten, sondern nur Elnlges von den Hauptrreigniffen nrcine» Leben» in Portugal. E» sind schon zwölf Jahre her, ich war ein Bursch von achtzehn Jahren, als ich mit bescheidenem Ränzlein auf dem SUrcken und einigen Goldmünzen im Beutel da« Balerhau» verließ. Unter allerlei Gefährden schlug rch mich durch Deutschland hindurch und gelangte im Tröffe Kaiser Karl» nach Italien. Ich war für mein Alter ein stattlicher Bursch, dem Niemand seine Abstammung angesehen hätte. Da mein Sinn aber nach jenem fabelhaften Land« stand, wo der Duero und Tajo chre gelben Juche« in'« Meer wälzen, und wo schon Huudene meiner Glauben»brüd«r zu Macht und Reichthum gelangt sein sollen, so verließ ich dt« Schaare« de« Kaiser«, de» Papste» und de» ttsurpator« varnabr Bi»coni. In Genua ging ich an Bord eine« Spanier«, der mich »ach stürmischer Fahrt in Li»boa an'» Laad setzte. Unbekannt, im sremdeu Laude, der Sprache nicht mächtig, durchstreifte ich die Straßen der reichen Seestadt. Ich «nl» der tum Mt ^»raetitisch» «ochmschH? hatte nicht» al» mein Leben, al» ich au» Abend über Steuerbord auf die Landuug«brücke kletterte. Ränzlein und Zehr» Pfennig halten mich bereit» in Italien im Stich gelassen ES ivar finster, wenn der Mond sich hinter Wolken barg, die der Seewind herüberwehte. Ungewiß, wo ich mein Haupt niederlegeu sollte, schlendert« ich die Scala de la Puerla d'Alsonso hinab. Da hörte ich hastige Schritte hinter ulir. Ein junger Mann keuchte an mir vorüber und bog unmittelbar vor mir iu eine dunkle Seitengaffe ein. Ich achtete nicht darauf. Kaum war ich aber eiuige Schritte weiter gegangen, al» ich wiederum Geräusch hinter mir vernahm. Ich drehte mich um und erhielt im nächsten Augenblicke mehrere Stiche in Rücken und Schulter. Ich sank zu Boden und verlor die Besinnung. Al» ich erwachte, fand ich mich in einen» reichgeschmücklen Gemache auf weichem, köstlichen» Ruhebett. Ich glaubte zu träumen und wollte mir die Äugen reiben. Lin stechende» Schnierz zwischen den Schulterblättern hinderte mich daran Stöhnend ließ ich die Hand sinken. Da trat ein vornehm gekleideter Portugiese, den ich bi» her nicht beinerkt, auf mich zu und redete mich in freinde, Sprache a». Ich verstand ihn nicht. Da» einzige Wort, da» ich auffaßte, war ckoloreo. Ja, voloroa! viel Schmerzen! wiederholte ich seufzend. Theilnehmend näherte er sich und fühlte inir den Pul». Dann aber lächelte er und fragte mit eigenthümlichea» Accent Biel Schmerzen? mio caro? Al» ich bejaht«, denn ich fühlte wirtlich große Pein schlug er die schweren Teppiche, mit denen die Thür verhangen war, zurück und rief: Vulorvs! Wenn ich bisher ungewiß war, jetzt glaubte ich sicher zu träumen. Eine Jungfrau, schwarz wie die Rächt und licht wie der Tag. blendend wie die Sonne und lieblich wie der Mond, schwebte herein und blickte mit holden» Errüthea bald aus mich, bald auf den Portugiesen, den sie mio padre nannte. Dieser schien ihr eine kurze Erklärung zu geben, bei deren Anhörung sich ihre Wangen um einig« Grade tiefer verfärbten. Dann aber schritt sie unbefangen aus inich zu und fragte mit »unbeschreiblich melodischer Stimme: „Du bist ein Deutscher?" Wa» soll ich Euch länger foltern? Ich erfuhr in Bälde den ganzen Zusammenhang meine» Abenteuer». Denn mein Krankenpflegerin, die Tochter de» Portugiesen, di« sonderbarer Weise Dolores hieß, stammle von einer deutschen Mutter, war mithin de» Deutschen vollkommen mächtig. Sie berichtete mir, ich sei beinahe d>i» Opfer eine» abscheulichen Mordplan» gewesen, der nich» mir, sondern einem Andern gegolten. Diesem, einein hochgestellten Prinzen, dem Stolze und der Hoffnung de» Portugiesischen Volte», hätte ich durch meine Dazwischenkunst da» Leben gerettet. (Fortsetzung folgt.) Mich«»- Norbr 1876. CbMehwaa. 6636. Aaleuder. Dmmersta» . . 26 27 Freit», .... 28 28 *)6MM»t»l . 27 29 Cnate, . . . 28 30 1 Rösch ehodMeh «wa»,.... 29 1 / Kitslew. t Xtatft«, ... 30 2 «tm-ch .. . Der. 1 3 *) Sabbathau«g,ng (nach Berlin): t rt.Ua«. 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