Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 46.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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ata Reliquie aufbewahrte, obwohl er von We»ze«la« «och nicht bestätigt worden. Schon am folgend«« Tage hatte die Deputation aufbrechen wolle» Da kam da« Unglück mit dem Sohn«. Wie konnte dieser nun, wie ursprünglich bestimmt worden, Bianca und di« Magdeburger Gefährten heimführe»? Zudem kamen bts« Gerüchte au» den benachbarten Ortschaften. Man munkelte vou Hinterhalten und adeliche« Raubgesindel. Die Rachricht vom „Judeutag" schien manchen Stohoogel, manchen Geier vom hohen Felsenhorste herabgelockt zu haben, der zahllosen Ldler, Falken «ad Habichte nicht ,u g: denken. Der Sohn lag verwundet «ad mutzte, um übcrhaupt di« Reise nach Mageburg machen zu können, noch zwei Tage im Lager bleibe». Erst dann hoffte Samuel, ihn ohne Gefährde transpottirea zu können. Hier bleiben im schutzlosen «Ritzenfel« durfte er nicht. Denn Bianca wäre nicht von de« tranken Bruder« Seite gewichen. Und die zarte Blume allem Ungefähr Prei« zu geben, kounte der besorgte Vater nicht über'« Herz bringen. Sei» Entschluß war gesatzt. Gr überredete alle diejenige«. welche die grotze Straße am Saalufer entlang ziehen wollte«, sich noch einen Tag zu geduld.-n und erst am drittr» Abend auszubreche«. Dann wolle er st« führen. Alle Uebrigen von wett und breit konnten schon in der Rächt oder mit Tage«grauen abziehen. S* ward ein bestimmter Tag verabredet, an welchem die Deputirttn sich im Judrnviertel zu Prag treffen wollten, um sich an de« König« Hof zu begeben. Rach kurzem Sträuben willigten die Rabbinen und Aeltesteu in sein« Vorschläge. Sie sahen da« vortreffliche derselben ei». Wie mit einem Zauberschlag« war die Parole durch'« ganz« Lager verbreitet. Bo« der einen Seite wurden die Rüstungen plötzlich eingestellt, von der anderen nur um so eifriger fortgesetzt, je nachdem Zeder zur ersten oder zur zweiten Gruppe gehörte. Die auögestellten Wachen aber verdoppelten ihre Wachsamkeit; denn der Alte ging von Posten zu Posteu und warnte sie, auf ihrer Hut zu sein. Dan» lenkte er sein« Schritte zum Hauptzelte und verschwand hinter den zugezogenen Vorhängen. „(Ei, Jona»," flüsterte einer der gewappneten Wächter, die sich um ein grotze« Feuer im Mittelpunkte der Arena gelagert. „Ei, sag' ich, ich wäre froh, wen?, ich daheim bei meinem Rebeckche am schöne» Feuerheerd sähe, anstatt hier am Lagerfeuer im Hemd« von Eisen. Hu, wie da« drückt und zwickt, al« wenn ich wäre im Schraubstock!" „Pfui, Beitel, schäme Dich!" entgegnet« der Angeredete. „Wenn da« Vater Schmoll gehört hätte!" „Jona«, Du hast nicht Weib, nicht Kind, wie ich in der Heimath. Du lebst, al« wie der Vogel lebt. Die Luft ist Dein Weg, der Himmel Dein Dach und die Erde Dein Baterhau«. Wo Du gehst, bist Du ganz. Wo Du stehst, stehst Du ganz Ich aber bin nur ein halber Mensch, die andere Hälfte ist daheim in meiner Hütte mit dem Strohdach und windschiefe« Schornstein." „Du bist ein Rarr, Beitel." „Will ich ei» Rarr sein! Wenn ich bin mein eigener Rarr und nicht der Rarr von andere Leut'. Warum lätzt der kluge Samuel mache» solchen Hokutpoku« mit Ritterspiel und Jungfernprei«? Hält' e« doch seinem Sohn beinah den Hal« gekostet!" „Still, Beitel! Da« verstehst Du nicht." „Ei, Jona«, wa» ist da zu versteh'»? Du hast mich geheitzen einen Rarren. — Kinder und Rarren sprechen die Wahrheit." „Schau, Beitel," erwiderte der Aridere, „weil Du sonst ein ehrlicher Jude bist, will ich Geduld haben und Dir rin Loch in de« Schädel mache», um Dir die Weisheit etnzutrichtern." „Jona«, latz nur sein da« Loch im Kopf. Da« verdammte Raubzeug wird e« un« schon übermorgen hacke« mit seinem krummen Schnabel D'rum spar' Deine Geduld." So disputirie» die beiden am flackernden Wachtfeuer. Jona« hatte Mühe, seinem Kameraden begreiflich zu machen, datz Buer Samuel durch den kriegerischen Aufwand da« Selbstgefühl seiner StammeSgenoffen habe io<cken wollen, damit sie einsähen, sie seien nicht zu Knechten geboren, sondern noch ihrer kampfbereite« Vorfahren nicht so ganz unwerth. De« kriechenden, scheuen, unterwürfigen Geist, (durch tausend Mißhandlungen auerzogen, wolle er in ihnen bannen, um ihr Selbftbewutztsein zu stärke«. Heut« habe er de» üdermüthigen Ehristea gezeigt, wa» auch «ine jüdische Faust iiq Rothsalle vermöge. Solch« Gedanken waren jedoch dem guten Bettel zu hoch. Obgleich stark und starkknochig, von fast herkulischem Körperbau, zitterte er doch wie Espenlaub bei dem blotzen Gedanken an einen Zusammenstob mit dem verdammten Raubzeug«, wie er e« nannte. Da« Trage» der Waffe gab ihm nicht einmal einen momentanen Anflug von Sicherheitögefühl. So oerflotz di« Rächt. Beim Schrine brennender Fackeln zog die erste Earavan« die Saal« hinauf nach Raumdurg und Camburg. E« war ein feierlicher, wunderbar schöner Anblick — dieser lange Zug, von Feuerfunken umsprüht. Dick« Ranchsäulrn, gespenfterhaft beleuchtet, wirbelten in di« Luft empor und wurden vom Nachtwinde nach Osten gegen den Felsen grtragen. Schemenhaft verhüllte» ste von Zeit zu Zeit die Hellen Burgmauern de« Weitzenfeiser Schlöffe«, da« im Sternenglanze dalag wie eia Feenfchlotz mit demanten glitzernden Fenstern. Der Fackelzug verschwand allmählich im Südwrsten. Dt« Zurückgebliebenen suchten Ruh« im Arme de« Traumgotte«. Allgemach erloschen auch die Irrlichter drautzen in den Zelt- Hütten. Rur die Pechfeuer brannten in düsterer Gluth, während die Hellebardiere im gleichmäßigen Takt daran auf- und niederschritten. Rur in einer Zelle blieb e« dämmerd hell. Soeben tritt ein hochgewachsener Jüngling in Rittertracht darau« hervor. Ein Grei« geleitet ihn bi« vor die Schwelle. Sie schütteln sich die Hände. Der Alte kehrt in'« Zelt zurück, indessen der andere mit gemessenen Schritten da« Lager umkreist. Sei» adlerscharfe» Auge späht durch die dunkle Rächt, al» könne e« die dichteste Finsternitz durchdringen. Dreimal armkreift er die Zeltmaffen. Dan» wird sein Gang ruhiger. Er kehrt zum Zelte de« Alten zurück lauscht am Boden, wo da« Tuch an Flöcke gespannt ist, ob sich kein Laut drinnen vernehmen lätzt. Dann streckt er stch quer vor dem Eingänge an« »ad verfällt in einen tiefen, erquickenden Schlaf. (Forts, folgt.) «ertchttgnng. I» Nr. 46. S. 368 am Schluff« de» KttUttt „Stettin" bi«: In bi«|«m Segen wollt« ich zugleich «inen »rsotz für Matbnath-Jad .... finden (statt: für den.) — Das. am Schluff« der Lorresp. Frankfurt He*: wenn wir von dem Wichtig«» Umstand« ab- ^eheu (statt; nöthigm.) S. 36» legte Zeile st. »v» fc Mf. Wochen- Norde 1876. ClwebvtB. 6636. Ankender. SmoKtltai . . 18 30 Freite, .... 19 31 I Sonuedee» . 30 33 mfe "n fmftf .. 21 33 . «ORteg.... 33 34 Dienste, . . . 33 36 HittMl .. 34 36 . ..i . *) Sabbathaugganf (nach Berlin): T ll. ü> R. DC* Hierzu die „Inserate «-Beilage" 'und da« »AK». tttnatacUatt IU. M." -i>>. «eirag Xt IgO-mon »er .Jtittoreischeu ttzo^euschriff kn «agdelin^. Demrwn «. ^icharnk« jn