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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 44. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 44.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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ten Sproffe» der Thüringisch-Harzischen Ritterschaft erkannt, der e« nicht ertragen tonnt«, daß ein Jude den Preis davontrag«. „Ihr leid keiner der Unsere», junger Mann" — Hub er nach eine? kleinen Pause an, während welcher er mit ihm einige Schrille bei Seit« getteten. „Ihr könnt unmo stich an unseren Spi>:l und Preisen Theilnehmeu." „Dann nennt mir den Namen de» Portugiesen!" „Ihr lullt ihn morgen erfahren/ sprach Samuel. „Uumöjlich heute noch! Er ist wahrscheinlich Keiner der Euren." „Morgin werdet Ihr davon hören, junger Hitzkopf." „Nein und abermal nein!" rief dieser leidenschaftlich. „Soll Bepp«' von Wernigerode ruhig zusehen, wenn Schwerter raffeln und Lanze« krachen? Ich muß mit ihm kämpfen! Ich muß!" Samue. erbleichte. Er wollte um Allein der Welt eine» Zujanmeuftoß de» jnngeu Wernigerode mit dem räthselhaften Unxkaameu vermeiden. Roch einmal versucht« er vernünftige Vorstellungen. „Ihr seid thörichl, den Zweikampf zu verlangen. Er ist Jude, wie u). Ihr aber seid Graf uud Christ. Wie mögt Ihr Euch cuch mir Einem schlagen, der Euch nicht gefordert hat?" „Himmel und Hülle? Er hat mich gefordett!" — brauste der heißblütige Knabe auf. „Er forderte mich und die ganze Ritterschaft heraus, denn er trägt rttterliche Kleidung, rurerluhe Waffen und Wappen. Er verhöhnt uns durch rätterllch« Spüle, er, «in Jude!" Der Wortwechsel war von Sekunde zu Sekunde lauter geworben u>rd hatte die Aufmerksamkeit aller Anwesenden erregt. Der Portugiese, der bisher zu Füßen de» hoben AltaneS gehalten, auf welchem die schöne Bianca, von Freundinnen umgeben, den Festspielen zuschaute, hatte inzwischeu seinen prachtvolle» Berberheugst in die Rahe der Streuenden gelenkt Sern scharfes Ohr erfaßte die letzten Worte Beppo's. Ob ihm beim Anhören derselben die glühende Lohe deS Zorne» in'S Antlitz trat, konnte umu «egen des herabgelassenen Bistro nicht gewahren. Aber zwischen den Eisenftäben schaffen sein« dunklen Augen Blitze, als wollten sie den Schmähenden vernähten. Stolz hob er sich im Sattel empor, während drr A chte den Schwertknauf krampfhaft gepackt hielt. E» wa: ein schöner Anblich den die beide» Gegner dem bewundernde» Auge darbolen, hier der stolz« Portugiese auf y»hem Rappen, ruhig seiner Stärke fich bewußt und daS Feuer seiner edlen ThiereS zügelnd, dort der blonde hochgewachjeae Jüngling, mit aufgeschlagenem Bifir und einem ÄefichlSauSdrwk, der lebhaft an die grimmigsten Thaten seine» allgemein gtfürchleten Vaters erinnerte. „Uubä öliger Knabe" — rief der Portugiese — „ich habe Dich »acht gerufen! Wenn Du aber willst, so komm! Ob mu stuiapseu oder scharfen Waffen, Du hast die Wahl!" I« Ru war Beppo im Sattel. Sein grauer Apfelschimmel stampfte ungeduldig den Boden. „Hür dm ich!" — schrü er — „heraus mit Deinem Eiseu!" Uld im nächsten Augenblicke blitzten die entblößten Schwerter in der Luft. Da warf sich Samuel zwischen bk Wuthenibranntea. Umsonst, rille seine BUlcn und Vorstellungen vermochten nur so vül, daß die Kämpen sich mit sogenannten stumpfen Waffen d. h. mit Lanzenbrechea begnügten. Blaffei» Attblttze» mir verstörten GesichtSzügen zog sich Samuel mi: den Kampfrichtern zurück. Mit Blicken unauS fprechluher Todesangst beobachtete er jede Bewegung de» Portugiese«, j«>»e Miene seines rülerbürtigen Widersachers. Ju nxnigen Minuten war dü Arena gesäubert und jede» Hrnderulß aus den Schranke» entfernt. Ein Trompetenstoß, und dw Herolde verließe« dk Rundung. Auf ein zweite» Signal ritten bk Gegner «ach verschiedenen Setten ab »ab euipsinzra von den Knappen jeder eine zehn Fnß lange ««nag uv Ähxsuu» «er „Z»r»«ltUsch«» Wochenschrift" Lanze. Die Schafte waren ohne Fehl und von gleichet Stärke, an der Spitz« abgestumpft und um die Kauft her»« mit mächtigem Stahlkorbe versehen. Da ertönt ein dritte« Signal. Rappen und Schi«»«! jagen auscinauder lo«. Doch eh« ihr« mit eisernem Stachel bewehrte» Stirnen fich noch berühren können, krachen gleichzeitig die Sperre gegen die oorgehaltenen Schilde, daß fie jämmerlich zersplittern, vom Altane her vernimmt man einen weiblichen Angstschrei. Fest fitzen die Kämpfenden im Sattel. Bianca aber, da fie Beide wohlbehalten sieht, weiat Thränen der Freude. Der Portugiese grüßt mit der Erbrochene» Lanze hinauf, während sein blondlockiger Gegner tie schön« Jüdin mit wrtt geöffneten Aigen und purpurglühender Wange starr betrachtet. Schnell wirft er da» Roß herum und kehrt zu seine« ftüheren Standpunkt zurück. Der Andere thut dergleichen. Man verabreicht ihnen andere Sperre. Wieder raffeln fie ans einander loS, wieder zerbrechen die Lanzen. Bom Altane weht ein weißes Tuch, da« ihrem Treiben Einhalt gebiete» soll. Sie beachten e« nicht. DaS Gefühl, einander gewachsen zu sein, macht sie nur um so trotziger. Sie wenden die Roff« zum dritten Male und sprengen zun, dritten Male in wttdrm Lauf einander entgegen. Ein Schei de» Entzetzen« erfüllt die Arena. Der Portugiese sinkt vom Pferde. Beppo's Waffe ist am runden Schild« abgeglitten und zwischen die stählernen HatSring« feine« Widerpart» gedrungen. Bewußtlos lügt der lleberwundene am Boden. Zwischen den Schuppenketten, welche die Schulterstücke de» Panzer« zusammenhalten, sickern dicke Blutstropfen in den Saud. Ein neroenerfchüllernder Schrei gellt durch die Luft. „Mein Bruder!" ruft Bianca und finkt ohnmächtig ihre« Gespielinnen in die Arme. „Mein Sohn! Mein Sohn!" kreischt der alte Samuel zu gleicher Zeit Wahnsinnig, mit fliegenden Haare» eilt er herbei und wirft sich über den besinnungslos Daliegend»'». Mit zitternden Händen löst er ihm Helm- und Panzerriemen, entkleidet die Schultern und untersucht die Wund«. Der stumpfe Schaft war nicht tief in den tzal» gedrungen, hatte aber mehrere zersprungene Ringe in da» Fleisch gepreßt, so daß eine der Sehnen zerschnitten zu sein schien. Die Verletzung, obwohl stark blutend, war keinesfalls tübtlich, sie konnte nur im Vereine mit dem Blutverluste und der übermenschlichen Anstrengung eines mehrtägigen Kampfe» gefährlich werden. Der A'te besaß chirurgische Kenntniffe, wie die alte» Patriarchen. Bon den geschickten Händen einiger Rabbiner unterstützt, hatte er dem Verwundeten bald einen l ädernden Verband angelegt. Ein dichter Knäuel von Theilnehmenden umdrängte die Gruppe, in den verschiedenste» Zungen ihr innige« Mitgefühl ausdrückend. (Fonsetzung folgt.) Berichtigung. In vor. «r. ist unter „Magdeburg" bei «uffith-„ rung der Schriften de« Literaturverein« -ab 4 ,u berichtigen: „Der frei« Witte." Woche»- Norbr 1875 ChMchwaa. 5636. Aukender. DomurStog . . 4 6 Freitag .... 5 7 »"sSoanabeab. 6 8 . . . 7 9 Knill .... 8 10 SteiMaa . . . 9 11 Mittwoch - . . 10 13 *) Sabbathau»g<mg (nach Berlins: 5 1 1 H. OC* Hierzu die „Inserate „-Beilage" und da» „JLD. Lttgratmrdlatt ftEr. ai.* ' Jl in «agdrvurg. Druck von (i. Scharnk« inDachg. ‘.L '

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