Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 44.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 44. 1875. J[ftailHißf* «. Jahrgang. Wochen-Schrift für die religiösen und focialen Interessen des Indenthums. ■MottlUk <(«• Nt. vr-t» M »len ».fllirtnn «. v»ch»«,kl»»«n> 1 fUrt »» «. Blr>c»t Arimkkn«: I« 10Mart, i M» Oitonl» « », n. »r«ittrri4 1« »ec«., «. •«Unk, eiMURk 1IM, n. »-NT«- 11 «t tttzel. »Tl»»««r»»k» Pe>a»iiv«>»ickxr ftcMfuur »,;d '>>>au«,>>b,r Siabbiner I)r. Ä. Lreueufeis in Stettüu z»I«r«t« »nken «u B0 v>. t»T kt« mMMlMM SttttittU ,-kn ktttn Ra»« berechne». Dt« kt» Denn«»» Ml M kn »«tnk-tchneke» BnI.|tk<nk[UM tlntrrffniwn, fnkn iw» In kn nlchd-n Nurain In'nnkM«. »tn,el»nmmnn » U »(. Dt, »|«MttM, kn ,9*t. »«»aNcheN«- Magdeburg, L. -tovember. $. «lut,«, 8nU|l»n4».inkUn| tu ■»•«(•*. Inhalt: Arttkal« »ngland und sein« MlsstonLr« im Orient«. — ««richte Ml storMspO»d«»z«»» Deuts chland: Stettin. TJnlin. Magdeburg. flSflnburg. 6»lbau. — Oesterreich: Lemberg. Fakschan Galt,len. — N um Ln len: Jaff^ — Frankreich: Pari» — Spanien; Lissabon. — Holland: Amsterdam. — Sermtscht« »»» M««t« M»chrkchk«»r «erltn. S«lt«. Magdeburg. Eottbu» Rordhausen. »lbin«. N»nt,«b«rg «ßnsterberg. Lemberg. London, «ukarest. Sagdad-tzamMaiu Nr» »Park. C*m»». Etnctnnati. — WentNat»»» Der Schuhjude. (S»rtsrtzun»i — Jmsepateu -0»tl»^. E»gla«d und feine Miffiouäre i« Oriente. Line der Liedlingsmarotten de« sonst so praktischen England ist der Unterhalt einer qvantitalio nicht unbedeutenden eccle»i» militans im Orient«, deren Aufgabe lediglich darin besteht, den verblendeten (?) Juden da« Loangriiuin zu predige«, beziehungsweise dem protestantischen Himmel jüdische Seelen znzuführen. vom Standpunkte einer freien Meinungsäußerung ans betrachtet, muß es wohl einem Jeden unbenommen bleiben, seiner Ansicht, insofern dies keine Störung der öffentlichen Ruh« veranlaßt, noch gegen die allenfallsige» Landesgesetze verstößt, auch über transcendentale Dinge freien Ausdruck zu »erleihen, und meinetwegen Anhänger zu gewinnen; aber dieselbe liberal« Anschauung erfordert eine ehrliche, auf eigenem Durchdrungensein von der Wahrheit dessen, wofür Propaganda gemacht werden soll, basirte Verbreitungsweise seiner Ideen, nicht aber einen vorher auf materiellen Gewinn sich stützenden Köder, der noch allenthalben bei der ungebildeten Maffe zieht und leider noch lange ziehen wird. Allen Respekt vor de« edlen Missionär, der in den entlegensten, von Menschenfressern bewohnten Winkeln der Lrde sein Leben tausendmal tu die Schanze schlägt, um nur den noch auf dem Niveau des Thiere« stehenden Wilden, Menschheit und Menschlichkeit zu lehren, Hut ab vor Männern, die gleich Lioingston, als Missionäre der Wiffenschaft, ihr edle« Leben im Dienste der Wahrheit aushauchlrn. Wenn aber eine so eminente und um di« Verbreitung der Liviiisation gewiß hochverdiente Nation, wie dir der Engländer, eine Rotte habsüchtiger getaufter jüdischer Apostaten unterhält, damit diese auf erlaubte und nicht erlaubte Weise Proselyten mache; wen» diese Roll« heuchlerischer lugenverdreher alljährlich Excursiouen unternimmt, um tu von armen Jude« bewohnten Orten unter der Maske glaudeustremr Juden die Kinder dieser Armen für die Misstvusschulen anzulocken, etwaige vedenklichkeite« durch klingend« Münze behebend, und dann, nach Jahren, wen» di« armen Etter» ihre Kinder abhole« «ollen, die schmutzigen Inden" I halt zu Tod« geprügelt wt dt» Thür« setzt, giebt es da Sorte > der Verachtung genug, um solche Handlungsweise zn brandmarken? I Und offizielle Vertreter jener Nation, welch« sich so gern« den Eivilisationsträger pur excellenoe nennen hört, decken solches Treiben mit ihrer Autorität, ja entblöben sich nicht, der Eivilisation geradezu ins Gesicht zu schlagen, indem sie sich unter die Fittig« eine» türkischen mittelalterlichen Gesetzes flüchtend, 14- und 12jährige Mädchen mündig sein lassen und diesen in Elternliebe missionärisch gedrillten Kindern Selbstbeftimmungsrecht ertheilen, wie die« neulich hier in einem Falle geschah, der kurz erzählt werden soll: Ein arme« jüdische« Weib au« Lairo kommt nach Jerusaleni, uni ihre drei Mädchen von der Missionsschule heraus» zunehmen Da« jüngste der Kinder folgt willig der Mutter, doch die beiden älteren, 12- und 14jährige, erwidern ihr trocken, sie hätten nicht die geringste Lust, sich an „schmutzige Juden" verheirathen zu lasse», da sie doch, wenn sie bei den Missionären blieben, reiche, schöne Herren bekommen können. Da« arme Weib will ihre Mutterrechte geltend machen, wird aber halb zu Tode geprügelt vor die Thüre gesetzt. Vergeben« wendet sie sich an den Gouverneur, an den sie gewiesen ward. Dieser erklärt, unter türkischem Gesetze stehend, hätten die Mädchen Selbstbeftimmungsrecht, und er könne dir Missionäre nicht zwingen, die Kinder gegen ihren ^'Willen zu entlassen. Unter demselben Vorwände welst der englische Konsul jedes Ansuchen zurück. Offenbar scheint Herr Eonsul Moore die Affaire von Lattakia vergessen zu haben, in welcher einer seiner College», als er zwei znm Protestantismus Übergetretene Muselmänner, die durch Religionswechsel sich dem Militärdienst zu entziehen wähnten, nichts destoweniger aber in die Armee eingereiht wurden, zu befreien suchte, absolut nichts von den „barbarischen, mittelalterlichen" türkischen Gesetzen wissen wollte. *) Ja unserem *1 Dt« türkisch« Negierung wie« damalt tekaimilich dir PrLtenfionen de« englischen Eonsul« von Damalku» entschieden zurück, worauf dt« »nglischeu und viel« «ndere Journale von Ehristenoersaigunge» zu erzähle» wühlen, welch» höchst«»» nur in der Phantast, der englischen Misst«»«« stattgefunde» M«.