Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 42. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 42.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/5369809-5935045-5938005--2848-5372292
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Äaum hatte der Kellermeister das Gebiet, auf dem er alleiniger Herrscher war, erreicht und den Spund «ineungeheuren MalvafierfaffeS untersucht, welches seines Herrn Lieblings'orte enthielt, als sich auf der Allee, die zum Burgtbore führte, Pferdegetrappel vernehmen ließ. Man wechselte laute LoolungSworte, die Zugbrücke fiel kreischend nieder, und ein schmrcker RütcrSmann sprengte auf feurigem Rappen in den Burghof. Hinter ihm drein folgten mehrere Knappen, die mit töewandtheit sich aus den Sattel schwangen und die schweiß!redenden Rosse in die Stallungen führten. Offenbar wußten ffe hier Bescheid. Daß sie Alle willkommen waren, bewies schon der freundliche Empfang, der dem Ritter oben von den Herr« a und dcnKnappen unten vomBurggesinde zuLheil ward. Gra Dietrich, der, in der Meinung, einer seiner Kundschafter sii heimgekehrt, um ihn vom Durchzuge reichbeiade- «er KaufmannSkaravanen zu benachrichtigen, den bärtigen Kopf zum Fenster hinausgesteckt hatte, war keineswegs unangenehm enttäuscht, als er unten im Hofe die Gestalt Ritter Gebhards von Klötze, eines allen KumpanS und geschickten Parteigänger-, «rkauute. Der Ankömmling war bei allen Edlm wohlangesehen, nicht nur wegen feiner zahlreichen Fehden, die er gegen die brdeutendfrn Städte des ErzstifteS auSfocht, sondern vorzüglich wegen der ungemeiuen Schlauheit, mtt welcher er oi« weiiverznxigleu Verbindungen zu unterhalten wußte. Obwohl Raubrüte, von echtem Schrot und Korn, verstand er sich doch dergestalt zu drehen und zu wenden, daß selbst der Rath von Magixburg chn nicht geradezu für seinen Feind hielt. Wenn aljo Ritter Gebhard den Schloßhof betrat, so hieß das fo oi,1, als: „Jetzt erfahren wir, wie'S in der Welt auSfieht. ES gicdt etwas Neues für uns!" „Willkommen in unseren Mauer«! Habt Euch verteuselr lange nicht sehen laffeu, Ritter Gebhard! Waffenbrüder, wie wir Beide, muffen mehr zusammeuhalten Wo, zum Henker, Hab ^chr Euch umgetrieben?" stürmte Dietrich auf chn ein. „Hatte schier unmenschlich zu thun, Graf Dietrichs — entschuldigt sich der fo Empfaitgene. — „Landfriede, Landstraßen, E eleü und Zölle, Fehde, Verträge, Unterhandlungen, Kundschaften und tausend andere Plagen laffen einem ehrlichen Ritte:Smann, wie ich und Ihr, keiuen Tag Ruhe. Bin froh, daß ich heute meine müden Knochen bei Euch ein we- «ig rasten laffen kann. Drum verschont mich mit Fragen, bevor ich meinen Hunger und Durst an Eurem Tische gestillt. Heinach stehe ich Jedem gerne Red' und Antwort." In tm geschnörkelten Eichenstuhl zurückgelehnt, die markigen Gliel er behaglich vor sich hingestreckt, während die Rechte mir dem rergoldete» Schwertknauf und die Linke mit den Bartspitzer tändette, begann endlich Ritter Gebhard, nachdem er stch an Speise und Trank gütlich gethan, zu erzählen: „Geleiten just mehrere Roßkammen die große Straße hinab, di« au dem linken Saalufer entlang von Bernburg «ach Wett« führt. Im jWettiner Schloß machten die Roßtäuscher Hmlt, um beim Grafen Dedo ein Paar prächtige Kampfhengste abzusetzen und in der Umgegend einige Rappen aufzukaufeir. Mit meinen Knappen zog ich nun weiter über Halle uach Merseburg. In der Stadt stieg ich bei einem alten Waf-engenoffen ab und erfuhr di« seltsame Mähre, daß die Jude» im benachbarten Weißeufel» «in« große Zusammenkunft odhitlten." „Die Juden? Gottes Donner, so hatten meine Kundschafter doch richtig vermuthet, daß etwa» in der Lust liegen müffe," riff Graf Dietrich. „Sie stießen auf allen Wegen «ud Stegen auf diese« Ungeziefer. Wa« soll'S in Weißens«IS?" „Weidet'« gleich erfahren. Sie effen, trinken, reden und berathen sich, halten ein ergötzliche- Turnei mit ritterlichen Spielen-" „Ritter, seid Ihr närrisch? Zum Henker, Ihr treibt Euren gor Blasen Scherz mü un«," donnerte der Raubgraf dazwischen. Der Erzähler jedoch wiederholte mü unverwüstlichrr Geduld seine Worte : String der rxpebetton Mt „Z»ra«t irischen Wochenschrift „Also ein ergötzliche« Turnei mir ritterlichen Spiele», bei welchen eine feenhaft schöne Jungstau anwesend, die de« Siegern die Preise auStheilt." „Eine Jungstau, Gebhard? Alle Teufel, seid Ihr von Sinnen? Plagt Euch der Gottseibeiuns? Spuk'« in Eurem Hirne?" So schrieen die Stimmen durch einander. Der solchergestalt Bestürmte lächelte ironisch vor stch hin und sprach mit Bestimmtheit: „Liebwerthe Herren und Ritter, glaubt Ihr nicht, wa« ich mit eigenen Augen gesehen? Ich war beim Turuci zugegen und habe die Jüdin geschaut. Sie heißt Bianca, die Tochter des Schutzjuden." „Turnier und Preis? Juden und Lanzenbruch? ein« schöne Jüdin? Zum Henker! Da müffen wir hin, da müffen wir dabei sein!" — Also declamirte Graf Dieter und focht mit den Händen wie befeffen in der Lnft umher. „Beim Eiligen Blute von WilSnack! DaS giebt einen Spaß, wie ihn noch kein Rittersmann gehabt. Auf nach Weißenfel«!" Wilder Tumult erhob stch in der Halle, wie ein elektrischer Funke wirst« der Vorschlag Wernigerode'«. Anstatt der für den nächsten Morgen angesehen Eberjagd gab e« ein« Menichenjagd, eine Judenhetze in bester Form. Schnell waren di« Vorbereitungen getroffen, die Pserd« au« dem Stalle gezogen, geschirrt und gezäumt. Trotz aller Einreden Ritter Gebhard'S, von dem tollen Vorhaben abzustehen, da e« zur Ausführung deffelben zu spät sei und im Falle de« Gelingens doch immer üble Folgen für die Bethestigten haben könne; trotz aller seiner Hinweise auf die Geleit- und Schutzbriefc der Kinder Israels, auf das freundliche Berhältniß de« Schutzjuoeu Schmoll zu Erzbischof Albert IV, bestanden der wilde Wernigerode und seine Gesellen auf ihren Vorsatz. Man warf sich auf die Pferde. Hörnerklang und Peitschenknall, Roffewiehern und Menschenftimmen schallten die grünen Alleen entlang, den Berg hinab, bis Alle» hinter wirbelnden Staubwolken um fernen Horizonte oerjchwaud. Gebhard von Klötze hatte sich, um Unglück möglichst zu verhüten, dem Zuge angeschloffen. Sein vortrefflicher Araberhengft hielt di« Spitz« der dahinjagenden Meute, die, al« gälte e« eine lustige Hetze, hinter ihnl herjprengten, mit jeder Minute an Leidenschaft und Mordbegier zunehmend. (Fortsetzung folgt) Aschen- October. 1876 TUchri 6636. Aakender. Dotieret«« .. 14 15 Suckoth 1. Tag. Kreit,, .... 16 16 . 2- ') euMfcit. 16 17 3. „ Eintti . . . 17 18 . ä- M Rutil.... 18 19 „ ° w XUnltag . .. 19 20 „ «. „ Mittwoch . . - 20 21 Hoschaaa rabba 7. „ Donnerst«, . . 21 22 Schmini Axere«. Kreit«, .... 22 23 Simcha, Thora. **)€outoat. 23 24 . . . JTWna keimt«, . .. 24 26 Monta, .... 25 76 Dienst«, . . . 26 27 Mittwoch . 27 28 *) Sabdathausgang (nach Berlin): t 11 10 t *) ie SME* Hierzu die „Jnseraten-Beilage" und daS „Jüd. Literaturblatt Nr. Sv." IC Die nächste Rr. der Wochenschrift erscheint der Festwoche wegen erst a«S8. dieses Monat». ■.-»■

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.