Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 41.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 41. 1875. JtltlKfift* 6. Jahrgang. Wocheu-Zchrtfl für die religiSfeu uud sociale« Jutereffen deS JnLeuthums. WGcheatU» »t»« <r. V»«H Ut On JMÜüBttta «. l>MnMw«n * «Uri ,» W. »intuftrinrt—«: tatwiut4Ua»lO«<ut M« Ot«tct*!4 *T7x. «r»»rrnch I« ftrt«., ». Mhwk U SH., a. SarrtU 1» SH. Wl yrlaaacraat». M< «tsMIUa Ut »3*r. »»chnqchE ta K.fktlsrtj'ciaiituioiilidirr .Kcoatirur und .<,'irauo<(rbr. Rabbiner De. X. trmnftls in Stettür. Magdeburg, 7. Oktober. Äuferatf . fAr M« %r(itfftaUmc AftHiitU oder Wrcn SUm tntÄMt Dt« Mi eMurtMf frAtz Mi Mr «tterze tchuetza» Verl«Ditzck»M»»G «i»treft«»M». A«M» »ich t« Mr »AchAs» R»«i»e» >»f»«hW,. Gt»»«l»»WW«r» i « Pf H. 6f»tf4, VerI»§üA»chh«»M«»A *» Afdun ,. u. . ,'1. Ja hat 1: »«Hart« *rttf«l« Nundschaa. — Veetckte «»» f*mf««a»tmia r Dku»,qt«»»: Akautturt a. ». UM. Iwtf. Simmi «»(<«. — Oesterreich: Pra^ — Fraatrrich: Pari«. — Rumsaten: «ukoreft. — Persien. «frtka: Ora». — ■«■if«« m» ***** IU<m»n» St-lp *u« Batxn. «roßher,o«thum Heffea. - fftuigeUmt Der Schahjt»«. - 3*feMfe. > -kmrdfcha«. ii. y.Z y-V_ Wenn in »ergangenen Tagen Va« Volk za blutiger Ge» »»ltthat gegen die Inden aufgestachelt «erden sollte, so mußte gewöhnlich die Religion den Borwand hergeben. Man predsgle gegm sie al« die Feinde Christi, Golteömärder, Hofttenfchänder, Kinoerschlächter n, s. «. und Judenschlachten, Scheiterhaufen, Austreibungen waren die Folgen. Ob hier »nd da auch jetzt und in den gebildeten Ländern noch mit solchen Mitteln — vielleicht privatim, im Beichtstühle, im kleinen geschloffenen «reise —gehetzt wird, «ollen und können «tr nicht untersuchen. Unmöglich oder nur sehr unwahr» scheiniich ist es nicht. Aber an da« Licht der Oeffenl lichkeit »»gen sich solche Anklage, nicht, «nd in, ganzen vorwiegend prvtestanttschen Norden Europa'« habe« wir von ihnen nicht» p* sürchten. Die streife, welch« da di« Juden darum Haffen, «eil st« noch immer Nicht Christen geworden fi»d,Z sind klein »Nd ohnmächtig; sie laffen t» auch beim Beten für di« Be- ' kehrnng der Juden und bei Miffion«thätigkeit bewenden. Darüber brauchen «tr nn« weder zn ärgern noch zn ängstigen. Weit bedenklicher ist da« Geschrei über den wachsenden Einfluß, »die Macht und Herrschaft" der Juden, über ihre Reich» thürner, ihre Beherrschung de» Handel« «nd Verkehr«, der Jndnstrie «nd de« Geldmarkt«, über ihren Einfluß auf die Presse, über Ausbentuag uud Wucher. Man wälzt auf sie die Schuld an alle«, wa« in unser« sqialen Berhältniffe« überhaupt traut, wa« in der augenblicklichen Geschäftslage trüb« ist, wa« in der neuen Gesetzgebung dem einen oder dem »»deru Kreise nicht gefällt, «eil r« seine Jutereffen schädigt. RA diesen Anschuldigungen kann man auf große und gewaltige Massen wirken.' Der jeder Religion feiudliche Sozialdemokrat, der frridenkende Protestant, wie der Pietist und drr wtrammvntane, der stroikende «nd übermüthige Arbeiter, wie der dnrch die jetzige- Flaue und Sitte an weiterem Emporschranben seine Ansprüche gehinderte, der kleine «ewerb»mann, der dnrch die Entwebchnng schwindelhafter »ctlen um seine Ersparnist G«br0chte.>HM'0»f-den jüdische« «oklegen mit Mid I und Mißgunst blickend« Seschäft«mann, Literat, Gelehrte — I sie hären allzumal ans jene Stimmen und ste schenken ihnen Glauben, wenn sie nicht im Stande find, vorurtheU«lo« selbst zu prüfe«, Lüge nnd üedertretbung zu erkennen und auf da« recht« Maaß zurückzuführen. Der Eigennutz kommt da in« Spiel. Darum find diese Anklagen Ber» länmdungrn und Hetzereien gar nicht ungefährlich. Sie vergiften jedenfalls vielfach die sozialen Beziehungen, fachen halb erloschenen, unter der Asche glimmenden Haß an und stad nur darum nicht in eigentlichem Sinne gefahrbringend, weil unsre Regierungrn ihre Feind« sehr gut kennen nnd sie nach jeder Richtung hin im Zaume halten müssen. Jedenfalls habe« wir alle Ursache heut, wie nur je, ms'?» bv, für da« Wohl der Obrigkeit, für friedliche« Ge» drihen eine« testen Regiment», inbrünstig zu beten. , Wa« können wir nun selbst den Anfeindungen gegenüber thun? Wir müffen sie immer wieder bekämpfen, d. h wider» legen. Das ist leicht gesagt und wirtlich auch leicht gethan. Aber da« gerade ist da« Bedenkliche bei drr Sache, daß dir Widerlegung so leicht und so tansendsach gegeben ist, und daß dennoch die Feindseligkeit inimer wieder ihr« Stimme erhebt. Wir wollen nur einige Andeutungen geben, wozu ein paar Worte genügen. Man spricht von dem Reichthum der Juden, Rothschild und einige andere Großmoguln find dabei tu Je» dermanu« Munde, als ob nicht überall arm« und mühevoll sich ernährend« Juden in Menge zu sehen wären, al« ob nicht von den reichen Juden nur daruui so viel geredet würde, «eil sie Juden, und weil st« erst emporgekommen find, und al« ob nicht am Ende doch der eigentliche Reichthüm aller Länder,-der Grund und Boden selbst, nur zn einem winzigsten, den Procentsatz sübst lange nicht erreichenden Theiie, im Besitze von Juden wäre. — Man wälzt auf Juden di« Schuld drr Bärsen» und Werth-Krisen; al« ob die Inden ihr Geld nicht edenfall« verloren, al« ob sie Ander« da« Ihrige abgenomm«» nick e« für sich behalten hätten! von den unverschuldet««, den Juden ausgezwungenen, verhäliutffen, weich« Pd fett tausend Jahren einzig «nd allein aüf Handel nntzenAesen haben, gar'nicht zn reden. — Ran