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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 36. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 36.
Article
Beilage zu Nᵒ 36.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ftc. 86. Magdeburg, den 2. September 187». 6. Jechrga»- Holland. Amsterdam, 12. Lug. (Or^Eorr.) E« war ein schöllt», herrliche» Fest, historisch bedeutungsvoll nicht allein für die Betreffenden, sondern für da« ganz« Judenthum, da» Fest, da» heute dt« portugiefisch-i»raelitisch« Gemeinde gefeiert. Da» 200jährige Bestehen der prächtigen, weltberühmten porlugiestfchea Synagoge wurde feierlichst begangen; die Jubelfeier war zugleich «in Dentvuü der Toleranz, der ältesten in der jüd. Geschichte. Die Spanien» und Portugal» unfreundlich« Gestade verlassenden Juden, di« der unmenschlichen Inquisition Entronnenen fanden hier in Amsterdam, mii Recht da» neue Jerusalem genannt, wohlwollend« Aufnahme und menschenwürdige Existenz. Dt« Festred«, von Herrn Mr. I. L de Leao de Laguna gehalten, tnüp,le daher auch an di« Aujänge der Grüntmng der portugiesischen Gemeinde an, und in klarer Form durchlief er di« 2 Jahrhunderte, immer dort sich aufhaltend, wo Erwähnen»werthe», historisch Wichtige« zum Stillestehea einlud. E« entsprach daher auch die Art und Weise der Feier der Brdeulung derselben. Di« Synagoge und der Raum vor derselben waren auf» prachtvollste mit Blumen, Fahne« und Dekorationen geschmückt; über dem Hechal in der Synagoge befanden sich drei Wappen: da» der Riederlande, de« fürstliche« Hause« Oranien und der portugiesischest Gemeinde, letztere» eine« Pelikan, der seine Jungen sintert, darstellend. A« den vier tzauptpseiler» der Synagoge befanven sich Trophäen mit Aufschriften der Namen der früheren Gemeind«, deren Stifter und Jahreszahl, nämllch: apr 7V3, Stifter Jakob Tirado »858—1898; Olbv mi, Stifter Jsaac Franco Madeiro» »888-1608; 71'2, Sttster David Baruch Osorio 8378—1618 und .11171 110^71, Stifter David Pardo 8898-1688. Al» Mittag» 1 Uhr die Sinaeladenen au« dem Sitzungssäle in die Sckckgoae. ettuogr,n, stimmt« ein Chor au« v. nt «p Sängern. ckenHmrZfüiden Gesang unter Musikbegleitung an und darauf Pf. lo0. Herr Radbinalsaffessor I. A. Mende« Ehumaceiro sprach al»dan» «in lief empfundene» Gebet, in welchem er Gott für die während der 200 Jahr« erwiesenen Wohlthaten dankte u»«d di» Sentemd« fernerhin dem Schutz« de» Allmächtiarn empfahl. Lot de« Hechal wurden nach dem Gebet die der Gemeinde au» Anlaß der Feier dargebrachlen Geschenke entgegengenommen, u. A. von der Londoner ponug. Gemeind« eine massiv goldene mit Edelsteine» besetzte Jad. Run wurden von den im Hechal befindlichen 67 (sage sirbenundfechlig) Thorarollen 14 herau»- genommen nstd zur 'Thebcr ttittt Adfinguftg' be» Liede»' **flx OHO lirf gebracht, wo da» Gebet für König und Baterland in spanischer Sprache vortrefflich vorgetragm wurde, worauf dt» Thorarollen wiederum unter Sefang»d«gl«itung zurückgestellt wurden. Herr Leao de Laguna hielt daraus die bereit» «den erwähnt« Festrüe. Al» Hallet gesungen worden war, war »an an dem wichtig,.«, Punkt de» Festprogramm» anaelanat. "M 'wurde näMch, duoh Privatbeittäge ein Fond Lavkttkt M^Mchlöff^ MMder- Gemeind« zwei Gedenktafün zur ewigen Erinnerung an 'die Gründung der Synagoge «ch ihr« GÄrächtnißfeier anzubteten. Dies« zwei Gedenktafeln au» weiße« Marmor, ick Werth« von nahqu 200) Gld., sollten nun «thüllt werden. Der Borfitzeiid« dieser Eommijfion, Herr Jonkheer ». L. Suaff» jrv übergab in feierlicher Ansprach« diese Gedenksteine de» Präsidenten der Gemeinde, Herr» Jojepbu« Tareira de Motto«, worauf dieselben von dem Bürgermeister von Amsterdam, Jonkheer den Tex enthüllt wurde, der dabei den'Wu^ch »»sprach: v<», mögen diese Stein« rin« bleibend« Erinnerung an die Berbrüderung der verschiedenen Ecmjessione« der Stadt sein.- Bon diesen Gedenktafeln ist je «i« zur Rechten und Linken de« Hechal aufgestellt; auf der An« mit der Ueberschrisr 8438 geschieht in portugiesischer Sprache der Einweihung der Synagoge vor 200 Jahr» Er- »ghmuigts! rsMerdtn die Bor steher, vaucommisfion, der da-1 malige Rabbiner O»r. Haham Jshac Aboab Im Fonieca genannt; die andere Tafel mit der Urderichrtst 8688 erzählt von der am 11. Menachem ftattgefundene» Gedächtnißfeier. Darauf sang der Ehor wieder und mit Adon olam schloß di« schön«, erhebend«, seltene Feier, bei der, wie d>w Eorresp. de» „J»r. World" benierkt, die sonst so phlegmatischen and de» lauten Enthufia»mu« nicht verdächtigen Hollärber, «ehr geleistet haben — aber mit unaussprechlich große« Recht! — al» man für niögllch gehalten. — Da» „Riemr Israel. Weekblad" hat zu diesem Jubiläum ein recht schön auSgestatlete» Festblatt herausgegeben, welch«« ein« kurze Geschichte der portug.» spauischen Gemeinde von feinen Uranfänge« an «nthilt und sich besonder» ausführlich über die Einweihung » Jahre 1678 verbreitet. Wenn wir da» am 12. Aug. begangene JubilöumSfest noch einmal in Großen und Gauzen überblicke,, so r»gt au» der solenuen Feier ein Mome« hervor, der wahrhaft rührend war und zu einer tiefen Betrachtung veranlaßt. Al» man nämlich, wie oben bereit» mitgetheilt wurde, 1.4 Thoimrollen au« dem Hechal zur Teba bracht«, waren die Sephori» all« mit silbernen Kronen und Rimonim, mit kostbaren, gotd- und filberdurchwirkten Mänteln geschmückt, nur dai> erst« 'Sepher, da« Allen vorangetragen wurde, war ohne jede, Schmuck» in ein alte», einfache» Mäntelchen gehüllt. Wa» war dr» für ein Sepher, da» so prunllo» und nicht im Fe lkletd enchtea? Diese» schmucklose Sepher hatten vor ungefähr 800 Jahren di« vor Fanatismus und Verfolgung fliehend», unglitcklichen Anuooiw mir nach Amsterdam gebracht und lstnte wird« es al« ei« au» dem heiße« Kampf« erbeutete Trophäe hochgohalten und c>l» Siegesfahne alle» vorangetragen. Liegt in dieser schlicht«. Thatsach« nicht di« Lösung de» Goschtchtseäthfei*, nxuum. J^rchll tr^tz allen Drucke» und Haffe» noch heut« jugeMtch blühend fortbesteht 7 .ITW^mfcr 01,30 bs anaff n:'2V „Da» Göttlich«, da» Sotte»«ort wandt rte Pt allen Zeiten mit Israel au» und war ihm auf der lange» harten Wanderung ein treuer Begleiter." Jh» Indifferente» in Israel! Ihr Feind« de» Judenthums I Gehet hu» nach Amsterdam, laßt dort den Hechal Euch öffnen, letrachttt jene» uralte Sepher, da« im Flammenschetn der von der Inquisition errichteten Schetterhaufen von zitternder Judenhaad geiciriede» wurde und — denkt nach Rem-Aork. Sin Prozeß und eine gerichtlich« Entschstdung, jüdisch« Eultu«reform-Angelegenheiten betreffend, gehör«« s«t längerer Zeit schon in Deuftchland "zu den Seltenheiten; ei» folchtsk Fall in den Bereinigten Staaten, dem Land« dec Freiwilligkeit, der Richtintervennon seiten» der Gesitzgebuug sind der Behörden in aller religiösen Angelegenhett, sollte kcku« denkbar sein, ist aber doch vorgekommen uitd zioar in Rew- Bork selbst und macht daher einige», Aufsehen. Die Gemeind« Bnai Jeschuruu, fett 1818 bestehend, also ein« der illteste» .n Rew-ziork, hielt ihre». Gottesdienst lange Zeft ganz nach altem Herkommen ab. Rach uich nach wurden einzrlice unwesentlich« Aendrrungen beliebt und zugestandev, im Mat d. I. trat jedoch eine Gemeindeversammlung zusanlmen, « der diu Stojjjctot, WMuna Pe»w (Fainiiienfitzt, Rmmr Utw^Frana^züftNnmest, bi« ägmillche llhdrakteristicum amertk. Reformtempel) «inzuführen beichloß. S« waren jedoch nyr, 8.7 Persopenühechauptecschbmen, die nicht -inmal alle stimmberechtigt gewesen sein sollen. Jndeffei» die Akajorttät hasie beschlösse»; ei» Hr. tzalomon, ei» alte» Mitglied und ehemal« Borsteher der Genwtnde, legt« jedoch Protest ein und wttchete.fich an die Gertchmbehördm indem er.behauptete, die beschloffrn« Beräuberung in der Sitzordnung ein»- zulässig und daher der Beschluß ungültig. — Dec Richter wie» ihn mit seiner Klage ab.. Di« Grüsida der Smcheidnng sind

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