Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 36.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/5369809-5935045-5937977--2784-5372229- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
387 — $*»iUeto& Jüdische Sklavinnen. *) Der Bedanke an die Ausrottung der Sklaverei und de« in jeder Beziehung nichtSwürdigrn Menschenhandel«, der in Afrüa, trotz de« Reichthum« de» Lande« an Raturrrzeugnlssen, noch immer da« Hauptgeschäft bildet, ist neuerdtng« der gebildeten Welt durch die Arbeiten von Livingstone und Varn «ahegeiegt worden, und er würde e« wohl gar sehr .erdienen, daß die europäischen Mächte chm ihre Aufmerksamkeit znwenden. Während man in dem kleinen Welttheile Europa jeden Fuß' breit Erde eifersüchtig bewacht und die Staaten riesige Heere auf den Beinen halten, um einander gelegentlich ein Paar DttkMbtjMlMt abzaringen, feftata* sich andrr«wo di« ungeheuersten Länderstrecken in den Händen der Barbarei und Unkultur, und ihre Lutnützung ist kaum der hundertste Theil von dem, wa« sie sein könnte, wenn dort europäisch« Macht und Bildung eingreifrn würden. Unsere in Bezug aus' Schnelligkeit so sehr verbesserten Verkehrsmittel verpsiichten un« aber, auch unseren Gesicht«- wei« zu erweitern, w des scheint in der That. al« ob die Z-it sehr nah« wäre, in welcher BSiker, deren Schiffe nicht alle Weltmeere ausjuchen, politisch ohne große Bedeutung sein müffen. Und Ebenso ist die Zeit schon da, in der Europa in den aderen Welttheilen mit Recht Forderungen im Interesse der idung und der Menschlichkeit stellen darf. In der Sklavtufrage ist mau bereit« ein gute« Stück vorwärt« gekommen. Die Sklaverei ist in Amerika abgeschasst, und e» geling» kaum mehr einem mit schwarzen Menschensleische belaftnea Schiffe, von der Westküste Afrika'« über den atlantischen Ocean zu kommen. Dafür aber besteht in der nächsten Nähe Europa'« noch tckmer de« weiß« Sklaverei, der niederträchtigste Menschenraub, durch den die Harem« de« Orient« aagefüllt werben. An der Osttüst« Afrika'«» sowie an den Ufern de« perfllchen Meerbusen« finden sich viele Familien, welche Ueder- Ueibsel der alten jüdischen Stämme sind. Eie sind dem Glaufai Mose'« strenge treu geblieben, sie bewahren zum größten Theil« die Sitten ihrer Borfahren in Kleidung, Wohnung und Rührung, und manch ein« solche jüdisch-afrikanische Niederlassung an der Küste sieht au», a!« wäre sie eine frische und fUrbenvolle Darstellung de« Leben« im getobten Laude unter Sdlmnon, dem weifen Könige. Die afrikanischen Judenfamilien haben e« stet« so viel al« möglich vermieden, sich mit de« anderen Lande«bewohnern zu vermischen; sie lebten im Lande wie Fremd«, wie in der Verbannung Dabei sind sie aber von guter Gesundheit, von herrlichem kräftigen Wüchse, und unterscheiden sich besonder« durch ihre schöne weiße Hautfarbe und ihr. brau»««, oft sogar slachSfardige« Haar von den Mitbewohnerik de« Lande« — und ihre Frauen besitzen häufig geradezu die blonde Schönheit, welche den Völkern de« europäischen Norden« eigenthümlich ist Gar manche schöne jungfräulich« Blume erblüht an der Ostküste Afrika'«, die in Europa t» Kreisen, die einen Brennpunkt von Frauenschönheit bilde«, Aufsehen und Bewunderung erregen würde. Und wa» ist da« Loo« dieser Schönheiten? Kaum find sie zur Jungfrau hrrangeblüht, so umgeben sie tausend Gefahren. Bei jedem Schritte außer dem Hause sind sie in Gefahr, arabischen Rädchenräubern in die die Hände zu fallen, bleiben sie auch tu de« Behausungen ihrer Eltern, wie in Gefängnissen, so dringt doch der Ruf ihrer Schönheit durch Berräth nach Außen, und die Band« voll Mordgier und Raubsucht dringt ein und schleppt da« unglücklich« Opfer fort, damit e« in einem arabische« oder türkischen Harem sein Leben zudringe, entthrt und in schmachvoller Abhängigkeit, so daß schon viele solcher Opfer e» vorzogen, sich selbst den Tod zu geben. Und da» Alle» geschieht in nächster Näh« der Herrschaft ft» Btcekönig«, «* geschieht an den Küsten de« arabische« Mr finde» diese» Lettkel in eine» Prsvmilalblett« »on dieser »och» In «ntztstche» gytay» las«« »ir k««f<Uai ftezer i» «im» »meri- «mtsche» Statt«, «lautlich« vue»e ««möge» »ir »icht «murtn» Stccft», welche« seither Eröffnung» fcf S»«ßmal« zu einer Wellstraß« geworden, auf der alle gebildeten Völker verkehi en Wir lang« soll diese« Gräuel noch andauern? In den Gebirgen an der ostafrikanischen Küste find dieRw» chenräuder mit Pferden und Kameelen verborgen, um, wenn ihr« Kundschafter Beute au«spionirt, auf sie lo»zubr«chen; auf dem arabischen Meerbusen treiben ihre kleinen Schiff« umher» <iuf Raub lauernd Biele der jüdischen Familien treiben Ackerbau und Viehzucht, wie zu Judäa in alter Zeit, und weh« dem Mädchen, da« schutzlo« einmal auf dem Fel!« «and-lti Mt dem Krummsäbel in der Faust, stürzen die arabistzen Räuber au« einem Hinterhalt« auf di« Arglose, und eh« sie die Gefahr recht gewahr geworden, ist sie schon eine Beute dieser Strolche, die sie mit Stricken binden und sortschlepoe» an die Küste, um sie einem Sklavenmarft« zuzustthren. Nie sieht sie ihre Hrimath, nie ihr« Angehörigen niieder. 'vir kann kein Glück nach freiem Wille« wählen, fi« wirb zur Waare, ja zum Thier, erniedrigt. Mit Stricken gebunden wird fit fortgesch'.eppt, ihre Räuber sind raub für ihr Geschrei »ud ihr Flehen, sie denken nur daran, wa« sie ihnen einrcagr«' wird. Am Ziele ihrer Reise wird sie gebadet und kostbar gekleidet, in Gold und Juwelen strahlend erscheint sie, Seidengewänder umfließen ihre Formen, den« nun gilt e«, st« in den Augen de« Käufer« möglich kostbar z» mache». Die Sklavin von schöner Gefichtöfarbe wirk nicht ruf dem offenen Sklavermarkte unter den Reger« und Negerin«« ausgestellt. Da sie vom größerem Werth ist, wird ste ftrasältig vor den Blicken der Ringe dtwbhlk und dich? pttsckM> «rt, wenn sie von einem Ort« zum andern geführt wird, und stellt man sie zum Verkaufe au», so geschieht da« uür vor solchen Käufern, von denen man hohe Preise für die schöne Gefangene erwartet. Der Eigenlhümer führt sie in sein «Prtoatmarkihau«*, wohin er jene rinladet, von denen er ansehnliche Angebote erwartet. Hier wird da« meimr.de jüdisch« Mädchen zum BerkaNfr ausgestellt. Di« KLn,er fitzen ringsum auf Divan«, meist Kaffee schlürfend und rauchen!», und iieten auf die Sklavin; wie man in Europa auf Kunstgegenstände bietet. Ist der Handelt zu Staude gekommen, so zahl.: des braun» Araber den Preis und nimmt die Erkaufte al« sein «igenthum mit sich fort. Wieder wird sie dicht verlchleiert. in die Obhut von Dienern gegeben und nach dem Hapse ihre« neuen Besitzer« geführt, wo sie in den Harem gebracht und so scharf bewacht wird, daß jede Fluöf» unmöglich ist. Hier wird fi« nun von jeder Bequemlichkeit umgeben, »oetche ß-rnck Mittel ihrem Gebieter erlauben. Lin Dutzend schwarzer Sklavinnen umgieht si>;, die ruf alle ihre Wünsche lauschen, aber auch ebenso viele Spion« sind, die Flucht zu verhindern. So lange sie die Gedarkr» ihre« Besitzer« beschäftigt -ihn durch die Neuheit izrer Nei^e fesselt und er ihrer nicht müde wird, so lange hat sie ein Leben voll Glanz und Genuß. Aber kern frei gelrorue« jüdische« Mädchen kann glücklich sein al« die Sklavin eine« c rabischen Gebieter«. Sie rüttelt an ihren Ketten, rüch wen» ste von Gold sind, und wendet sich mit Abscheu »on den frat« baren ab, denen sie in die Hände gefallen. Fern von ihrer Heimatl^ von ihre» Freunden »ab verwandten, sehnt sich die schöne Tochter Israel« zurück »ach den Feldern ihre» Beter« und nach der Gefells tz'ifr tlirel eigenen Volke«. Ader ihr sorgenvolle« Herz bricht, ohne daß> sie diese« Ziel erreicht. Auf ditsen scheußlichen Menschenraub ist in neuster Zeit eben durch Livingstone und andere Afrika-Reisende die Aufmerksamkeit England« gelenkt worden, und e« wurde drmBlcekünig vorgestellt, wie «achtheüig die ünsitte süi den stuf Egypten« sein muß. Wie verlaMI, gedentl dtr viceküaig oön Egypten eigen« zu de« Zwick«, diesem Mensche »raub« et» Ende zu machen, einig« Kriegtdanwser im arabischen, Meere kreuzen zu lassen. E« to&rf tndetz erwünscht, «chm' außer EbglnNd ezuch ander» einflußreiche««,egüisch« Ginnt«,de«, weiß,, Sklaverei an der Oftküste Afrika'« entgegen zu wirke» snchten.