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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 33. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 33.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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KM km 9rcaf4*ri|tf4ea. 84 ist in Ihr,« Blatt* schon mehrmals über die beiden unsere« Ländcheu angehörenden j wischen Erziehungs-Jnstftute in Seesen und Wolsenbütlei berichtet morde», über die aitdewährle Jacobson'sch« und die ir den letzten Jahren zu großer Blüthe gelangt« Samsonlcke Schule. Aber die Multergemeiiide Braunschweig ist bisher unberücksichtigt geblieben Die heutige Torrespondeiiz soll dies« Lücke zum Theil autfüllen. — Zunächst muß die großartig« Opferwilligkeil, ein jnichl unwesentliches Merkmal eines rege» religiösen Lebens, heroorgehodrn werde«, di« sich in de: allerdings immer mehr wachsenden Gemeind« in angenschsinlichstrr Weise zeigt 8» g>hi ein Tempel seiner Voll» euduug entgegen, der an Großartigkeit und Pracht denen der größt«» Gemeinden Deutschlands nicht nachstehen wird. Nicht minder aber fällt das zugleich mft und an dem Tempel in gleich«" Stile erbaute, großartige Schulgebäude in di« Lugen, in »elchem auch Wohnungen für die Eultusbeamten hergerichiet werden. Und wohl ist die Religionsschule, di« in Iryttr Zeit einen überraschenden Aufschwung genommen, dieses Opfer» wertd. Die Gemeinde hat durch di, Berufung des Herrn Rabbiner Dr. KuSzmtzki, eine» Jünger» de« Breslauer Seminars, der noch vom ieligeu Frankel die rabdinisch« Autorisation erhalten, «ine äußerst tüchtige Kraft gewonnen, deren Wirkungen jede» unbefangene Auge und Ohr in der Religion« schule und im Tempel wahrnehmen muß. An letzterem One sind besonders die üblichen, von genannten Herren ausgesührten allsabbathlicheu Haftorah-Borlräge höchst anziehend und lehrreich und ersetzen vollkommen die nur seltener gehalten' Predigt. — ES ist zu wünschen, daß die alte Gemeinde Braun schweig aus der jetzigen Höhe ihres religiösen Schaffens und Wirken« sich recht lange erhalte möge! — Oesterreich. IlM Galizien. (Vordem. d. Red.) I« vorigen Blatte ist um« »Äralau" ganz kurz üb« das Auftreten eine« Staatsamvalis in einem Juden betreffenden Prozeff« berichtet. Wir schicken dem da» Gebühren galizisch« Gerichtsbehörden ütahanpt besprechenden und beklagenden Artikel unsere» Hrn. Eorrrsponliemrn den wörtlichen Abdruck der »Berichtigung" de« Hrn. LtaatSamvali« nach d« »R. Fr. Pr." vom 29. voraus, denn trir find weit davon entferm, etwaige schurkische, Wucher- und FilschungSlreibende galizijche Juden (und es gilt ja solche!) gegen die schärfst« Worte uud Berurtheilungen dn Staaisannxtllschast uud d« Gerichte in Schutz nehmen zu wollen. Ab« t»ie Sache scheint weitere Dimensionen anzunehmen, und di« gcftzische Justiz scheint gegen jüdische Parteien überhaupt etwa» »autonom", d. h. in einem die Gerechtigkeit, Reich« von Eonfesfion uud Religion nichts wiffm darf, »«letzenden, von RationalitLlSrückfichlen beeinflußte« Sinne vorgä^m zu wollen. Man lese dah« Beides, die Erklärung des Saal lauwall» zu Tornow und die Klage unseres Corrrsp. (»nt« »Lemtag") und suche sich danach ein UrtheüzubiW«. Berichtigung. Die Nummer vom 23. 3ult bn »Reuai Freien Preffe" brachte unt« Lutschrift: »Zum Eapitel d« Judenhetzen in Galizien" einen Lorrespoudeuz-Artikel, dalirt Krakau, 20. Juli, worin behanpta wird, daß sett eiuig« Zeit unt« de» Borwand« des Wucher» gegen die Juden in Gaizieu eine Bewegung von socialistisch-communistisch« Färbmig hervorgerusrn wurde, und daß gelegeMlich ein« unlängst in ein« westgalizischeu Kreisstadt durchgeführten Schwurgerichti oerhandlung in einem Betrugspro effe gegen einen Juden auch die dortige Staatsanwaltschaft Anlaß nah«, iu ihrem Plaidoz« gegen die Juden i« Allgemeinen loszuziehen uud sie als Ursache des Ruin» de« Landes zu bezeichnen. Diese salsche Angabe muß nachstehend berichtigt «erden: I» mehreren Gericht »bezirken d« ehemaligen Kreise Bochnia uni Tarn»« find viel« Fälle vorgekommen, wo gegen Ban«, die «ine lastenfreie Srundwirthschaft besitzen, bei Lebzeiten ita nach ihrem Tode auf Grund »gefälscht«" Wechsel oder «dichtet« Angaben mit Hilfe »falsch«" Zeugeneid« Urtheil« rud gerichtliche ExekMionen erwirkt und daütrch ganze schuldlos« Familien an den «and de» Abgrundes gebracht wurden. 8» gehört dazu wenig Scharfsinn, um einzusehen, in welch«« Grad« diese Gattung des v«brechertsch«n Barnge» verderbltch sei. Run «gab die im Juni l. I. bei» Ternow» Gerichtshöfe gegen «ehrere (nicht einen) Juden durchgeführte Schwurgericht-Verhandlung, daß berCei Betrugsfacta ein Werk einer Bande, bestehend aus Individuen mosaischen Bekennt» niffes seien, welche eine allgemeine Abneigung gegen eine ehrlich« Beschäftigung haben, und Feinde ta öffentlichen Ordnung find, mtd als Pöbel (motloch) benannt wurden. Segen diese gefährlichen Verbrech«, von denen nicht wenige Banden in der letzten Zrtt entdeckt wurden, und nicht gegen diese Juden im Allgemeinen wurde plaidirt, und hiebei um« Aufzählung allgemein« Ursachen, unt« deren Einflüße sich dieses Verbrechen dreü «achte, da» Bedauern ausgesprochen, wienach di« gegenwärtig bestehenden Gesetze (Aushebung des ß. 217 lit d w. g. S. O.) auf schändliche Weise von solchen Leuten uiibbraucht werden. E» ist falsch, daß die StaMsanwaltschast di« Inden i« Allgemeine» als Ursache de» Ruin» des Landes bezeichnet«. Nicht die gefährlich« Natur des ftaatsanwaltschastltchen Vortrages — wir di« »Neue Freie Preffe" behauptet — gab Anlaß zur Beschlagnahme, auch nicht jene» polnischen Blattes, welch«- diesen Bortrag wiewohl auch in entstellt« Form wiederholt«. Tarnow, am 26. Jull 1875. Der k. L Staat-anwall. Szpszczan. R. Lemtag, 28. Juli. Die hiesigen polMschen Blätt« haben. Dank der Freiheit, d« sich die Polen hier zu erfreuen haben, Mcht genug an Verunglimpfung d« Juden, sondern sie gießen ihre Galle und ihren Geis« üb« tat Mdrister Dr. Glaser au«, ta es gewagt hat, die unverschämte Bedrückung, die sich di« Richter gegen jüdisch« Jnquifiteu zu Schulden kommen lassen, zu tadeln uud ein« Rechtfertigung darüber zu o««- langen. Denn seit d« Zeit, als die Juden in Rcih und Glied sich gestellt, um di« Bersaffung vor der polnischen Hegemonentust zu retten, begann der Kampf gegen sie in allen Kreisen d« G-sellschast. Bon dem allerletzten Gaffenbuben dis hinaus in die hüchftadeligen Sphären, von dem mikroskopisch winzigen Beamten bi» hinauf iu die Kreis« mft goldbesetzien Kragen gibt es abgesagte Judenfeind« — und «che dem Juden, ta im Gerichte irgend welche Rede und Antwort zn stehen hat. Die Gleichheit vor Gericht, die uns vor d« Bersaffung gewährleistet wurde, hm bei uns seit dem Regimen polnisch« BüreaukrMie ansgehört. Der Jude ist bei dem Poleurichter » priori gleichtaeuiend mft »Schuldig«." 8» gibt Gemeinden, in welchen z. B. derlei verbissene Polen ihre drückende Rechtsprech«« auSüben, deren Drittel der Mitglied« wegen ta allergeringsten Sachen adgeftrast worden, im besten Falle «egen unanständigen l enehmrn» i» Amt«. Mft einem Wort«, wir haben hi« ein« auf gesetzlichem Wege inscrnirte still« ata empfindliche. Judenverfolgung. Die best« . ulentionen ta österreichischen resp. Wien« Regierung «erden hier zu Schanden, denn hi« haust Plast und sein« Piastiften. Wie tief nun das Ansehen ta Regierung gesunken, möge ihnen aus tan Umstande hervorgeh«. daß die polnischen Blätt« ftta den Justizminift« in ta frechsten Weise herfallen, ihren Landsleuten predigen, daß die edlen Nicht« au» ta Polakei nur ihre Genoffen als den obersten Nicht« kennen, nicht ab« einen Juftizminist«, ta es wagt, Rechenschaft von eine« jen« säubern Sippe, ta Affiliirtru des modernen üaman, zu verlangen. Denk» Sie.sich einmal «inen polnischen Nicht« — ta auf Erden nur sich selbst als unumschränkten Nicht« kennt, — welch' ein Hohn aus die moderne Rechtsanschauung. welch «ine Schmach aus öst«. Justiz! Kann man noch von einem Gewiss« sprech», wo Intoleranz und Jesuitismus je« schwarz« Seel« ansfüllen, di« tat erbittertst« Kampf geg« Mensch» führe», weil sie keine Sklav» sein wollen. Genügt es doch, Ihne, pt bericht», daß ein t t Staatsanwalt im Krakau« Betzikksspren-,

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