Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 32.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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95t BqwMtt erwählt worden ' — Diese Nachricht ist, vermuthltch durch amerikanische Mische Blätter, welche an Juden-Marsen und Juden-Ftnden sehr stark find, dadurch zu einer Ente -eworden, daß man den Mose« zu einen Juden gestempelt hat. In dieser Faqon zieht di« Ente schweren Fluge« in Wochenpauken durch di« jüdischen Blätter, begleitet von verschiedenen Triumph- und sonstigen Bemerkungen, wir haben ihr die Ptzvrtt verschloffen, den» Venezuela und ein jüdischer Präsident lf Kn&JrK- Da besagter Vogel jetzt noch einmal in der *3- Bolksz." austaucht, so wollen wir bemerken, daß ein au«- iäüdische« Blatt, wir wiffen nicht mehr welche«, schon längst btrlchtigt hat, daß der Mann zwar Mo,e« heißt, aber dennoch kein Jude und Präsident der Republik Venezuela geworden, aber darum erst recht kein Jude ist. Feuilleton. Da« Gelbstgeständniß. (Schluß.) »Tiefe Stille war um mich herum, und ich entsetzte viich vor meiner eigenen Stimme, al« ich versöhnende Worte zu Joseph tue u^r zu meinem Ohre drangen. Bon Angst und Schnkkln' gefoltert/steh ich zurück auf eben dem Wege, den ich vor kaum einer halben Stunde, da« letzte fröhlich« Lied singend, von Hoffnung und Freude erfüllt, zurückgelegt halte O köunte ich da« Maß meiner Strafbarkeit nach da» geistigen Zustand nehmen, in welchem ich mich in jenem Augenblicke befand, wo ich da« verbrechen begangen, ich würde di« jetzt nicht halb so viel Gewiffentbiffe geduldet haben. Ich war nie do«haft, niemal« hatte ich den Gedanke» an ei« verbreche«; Gott, der allwiffende, himmlische Vater, dessen Wege gerecht sind, nur Gott allein, der, wa« er Jede« verliehen, kennt, nur er vermag meine Schuld, vermag de« Grad meine« verbrechen« gerecht zu ermessen »Fort floh ich ln rastloser Eile, und ruhte nicht eher, bi« ich mich fünfzig Meilen weit von dem Orte meiner Misstthat besand. Mehrere Mongte verstrichen, di« ich e« endlich wagt«, an Rebekka zu schreiben. Bald erhielt ich eine > raurige. -doch lttbevollr Antwort; sie benachrichtigte mich von l ra Tode ihre« Vater«, schrieb ferner, daß ihr Bruder in eilem böhmischen Dalde ermordet, fast aller Aleibungtstucke t-raubt gefunden worden; und die dortige» Behörden hätte» I *1 Familie nur durch die neben dem Ermordeten gefundenen i «ziere und der in seinem Wanderbuche befindlichen Person«- qrfchriibung, deren Identität sich sofort herautstellie, Ausschluß über da» unglückliche Sreigntß geben können. Der ter nnch Hause kommen möchte: „Du hast un« lang keine Nachricht von dir gegeben, mein lieber Bruder," schrieb Rebekka, „und wir besorgten durch den ersten Unglück«fall, der unsere Kein« Familie so erschütternd traf, einen zweiten, vielleicht mir noch schlimmeren al» den ersten zu erfahren; denn jetzt bist du unsere einzig« Stütze und Hoffnung!" »Ich Überließ mich einer grenzenlosen Freude; ich wollt« über di« Vergangenheit nicht Nachdenken. Rebekka liebt« mich »och, da» «dl» MädchenkNnnt« mein verbreche» nicht. »Ich «erd« Ruh« finden," rief ich au« — »ich kan» die« glühende Gehirn an «inen Busen legen, der mich liebt. Der Stnrm «einer Seele wird sich hoffentlich beschwichtigen. »Diese betäubenden vetrachtungkn betzagten meiner geängstigten Seel« und fort ellte ich, ein Mörder, in die Arm« »einer theurrn Geliebten. — Ll» ich da« Intlttz meiner-Rebekkd, dessen still« und rührende Schönheit wieder sah, lebte dt« Juaönd, die Frisch« meiner Serie »inen Augenblick wieder ans, und «tue entzückend« Bewegung ergriff mein ganzes Wese». Doch st näher der Tag d«r KaunM Ulk hd motza ich. «#»« lUWtfl lieht«, desto höher stieg HuHtzt Mt der Aabuift, tztzh M uwchr vor de« Gedanken welch ein Nksöhick ich aüf ein Herz lud, da» sq innige Liebe für mich fühlte, al« vor «einem eigenen Loose, welch«« zuchnkr harrt«, wenn die Tobten au« ihre« Gräbern etwächen, untt mich Df« Gesetze« Rache von ihr für immer trennen fplltt E« gab Augenblicke, in welchem ich einsah, daß ich ein schuldlose«, engelreine« Wesen neben dem Siftbaum meinen Dasein« verwelken lasse, wenn ich mich mit ihr verbände, und i» solchen Augenblicken beschloß ich, zu entfliehen. Allein mein Bemühen, mich von einem unwieberstehlichen Gefühl« lo«zu« ringen, war vergeblich. Ich konnte meiner Lied« eben so ivenig entrinnen, al« dem Gespenst«, dq« au« dem Grab« »er Vergangenheit mich verfolgte. — Ich führt» dir Schwester de« von mir Gemordeten zum Traualtäre. — Ach, ich hatte einem Traumbild« nachgejagt, al« ich an Rebekka'« Silte Ruhe zu fistpen. Hhfft«; dzr Hraum entfloh, und ich ko» ate dessen Spur nicht mehr auffinbenk Mein kaum verstumm:«« Gewiffen gewann feine drobeud« Sprache wieder, und bi« ängstlichen veforgniffe steigerten sich, sobald ich im Besitz« der Schwester de« von mir Gemordeten war. Der schreckliche Gedanke, daß ich zu jeder Stunde am Heerde bei: Liebe al» Verbrecher ergriffen und fortgeschleppt werden könnte, quälte mich jetzt mehr, al« je zuvor; und bald wäre ich zum eigenen Blutrichter meiner Schuld an mir gewqrden. und hätte ein werthlosr« Leben weggeworftn; der Anblick meir:e« geliebten Weibe« aber entwaffaete mich jedeömal. Ich war gleich unfähig zu leben wie zn sterben; fortwährend umgaben mich die gewissen Qualen de« Leben« und di« ungewissen Schrecken der Ewigkeit. „Wenige Monate nach wxiner Vermählung, meine . Schwiegermutter, -der ich. durch« nieturn Ltrühfitl»!. m«j bitter« Sorge machte, und an ihrem Sterbebette, al« die gute, ftoratsc Frau mich segnete» und «ich Kat, ihr einzige« Kind auch für» ner mit Liebe und schonend zu behandeln, war ich nahe darc»,^ da» Verbrechen, welche« mich drückst,, »»tot«» A«>b« M gestehen. Jedoch sch vermochte e« nicht;'ich say, daß meine Qualen ihr rief in« Herz drangen, und dennoch mußte «ichschweigen, wollte ich nicht noch eine größere Last auf tcky Arme werfen, und dir zur Mitwisserin machen, deren und«», grenzte Liebe e« nicht vermocht hätte, mich zu verrathen." Der Unglückliche hatte sei« verbrechen treu und aufrichtig gestand«». Der Upstand, daß der Gemordete im Walhg beraubt gefunden worden, Halle den einsachen Todschlag ijw gegenseitigen Streite zum Raubmorde gewacht. DstRichter sah,,» in da« Buch de« Sesitze» aber nicht in da« zerfleischte Herz de» Angeklagten. Nach der damaligen St-eng« de« Seestze« oee»- fiel er dem Henker. Wenige Tage noch Vollziehung de« Urthetl« trug mcgg die Leiche einer jungen Frau zu Grabe. Rein Leidtragender folgte ihrem Garge — «» war Rebekka, di« unglücklich» Gattin de« unglücklichsten jüdische» Handwerker«. Bo« Meyerbeer's Mmtter erzählt der berühmte Tenorist Roger in seinem eben ver» üsfentlichten Tagebuch folgende« nett« Geschichtche«: In da» Jahren 181S—13 hatte st» vstl für die Pflege der verwuiv beten grthan, und sie sollt« dafür da» Louisenkreuz erhalte». Allein mit Rücksicht auf ihr Religionöbekeuntniß ließ der König für st« «in« Medaille prägen mit derselben Inschrift wie aus de« Kreuze. Diese trug st« an der Schulter; «an vermied es tu ihrer Gegenwart sorgfältig vom Kreuz zu spre- * che». Eins« Tage» kam eine« ihrer Enkrlchen weinend zu ihr; theilurhmsooll fragte fir, wa« tdjn fehl«. Da» gilt war auf sein Kreuz gefallen, wollte aber ha« ominöse Start nicht »»«sprechen; endlich sagt« es weinend: »Ich di» gefallen und hqb« mir «eh grthan" . .. „Do denn?" — »A» Whff -