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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 32. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 32.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 32. 1875. z,r„lrttsch. 6. Jahrgang Wochen-Lchrifi für die religiösen und soeialm Interessen des Indenthumö. i «tat Nr. PmU M alca «aMattra a. SatMaaMaataa » Kart *1 «f. >lnilij|i|n«ai|: ta®«art4*aa»i#Kart, aal Oitamt# li.a. Hraakrrtch 1« «Kl.. a. , Maat U Kt, a. totrUa 1> KL Wrt. adaaattaaka. i'traimooali*« iKtbofieut und Hcrauagedcr Rabbiner Dr. A. Lrenenfels in Stettin. »«rde» »it »0 Mf. fär die vr«iD»<P«lte»e Vrtttnetl« ovev bm» lUttM ösrnchMt. Lte kiiSMHtaf früh M Nt is M»Gve»»rßE «tAtreft«»ve» Aston m# ta ktt nächstem Ru«»« Lnfnntz«». Win,ei«»»««, i *• ff. M ^Ktzifch« Slt«r«ftsr»Utt* «txt grntts totf*i«toii. Magdeburg, S. August •tarttti« kcr «It. KaataWrtlt ia Kipfi««. Naher« Fttese, Bttat«*. Inhalt: Nette»»« Nettketr Di« Mischen TrauergebrLuch«. l. — Ir-urige Wahrnehmungen. — Bericht« MM» «arrefpaK- V»K»»»I Deutschland: Magdeburg. Berlin. Lolberg. Slb-rfeld. Hamburg. Stenoal. Ion der Sr,ec. «rcmcn. — Bernttscht« »N» tmtfft UachtlchtlN l Berlin. Breslau. Benthe«. Aus Leipzig. Linz. Krakau. Jassy. Bukarest. Aus Spanien. Cincinnati. Lolumtia. Bantnela — UemUlet»»» Da« SelbstgrstLndniß. von Mnzerbeer'« Mutter. — JafeMt». Die jüdische» LrauergebrSuch«. l. Die ZeU der -„drei Wochen", die Trauerzeit des jüdischen Kalender«, läßt eine Betrachtung der Mische« Trauergebräuche (du eigentlichen Sinne, also bei Familientrauer) wohl zeitgemäß erscheinen. Lber diese Gebräuche selbst erscheinen jetzt Bielen al» »»zettgemäß, man hört st« als veraltet, da« Gefühl verletzend, hart und »«ästhetisch bezeichnen. Da« da« letztere anbetrifft, so »ollen wir allerding« nicht bestreiten, daß ein geschmackvoll arrangirte« Trauerkostum einem sauberen Sestchl ganz hübsch steht, daß Erepp, Flor und wa« sonst daist Modenjournal für Ganz-, Halb» «ad Viertel-Trauer verschreibt, netter au«sehen, al« et« nach altjüdischem Brauch behandelte« Gewand, und daß eine Trauersrtsur mit dito Kopfputz stch gefälliger au«- »tnunt,' al« ungeordnete« Haar. Wir bestreiten aber, daß die Mod« in diese» Dingen al« einzige und alleinige Instanz zu «»scheiden habe, »nd daß fie vernünftig sei. Wir wollen t» alle« anderen Dingen — soweit ei» Rabbiner, der ja gletchsam nach A»t«pflicht, in Fragen der Mod« Laie sei« »»ß, ein Urtheil sich erlauben darf — der Beherrscherin der Klttderordaung ihr Reich belaffen, aber unsere Vernunft können wir ihr nicht zu« Opfer bringen. Wir find weit davon entfernt, der Lesthetik und de« guten Geschmack i» Sachen der Religio«, de« Gottesdienste« ein bedeutende« Votum zuzngestihe» und behaupten, Fanatikern in Betreff de» Ehucka« haggoj gegenüber, daß e« keine besondere jüdische Lefihetik Siebt; aber endgültige Entscheidung erkennen wir dem Relißtonögesrtz« und der unverdorbenen Einsicht zu. Laffea wir also hier die Lesthetik au« dem Spiel. Wir verzichte» ferner auf gelehrte Erörterungen über de» Ursprung der israelitischen Lrauergebräuche, Vergleichung derselben «U den bei andere« Völkern de« Llterthum« oder de« Mittelalter« üblich gewesenen; wir begnügen «»» mit der Erklärung, daß fie in der Bibel wohl Stütz«, Lnlehaung »nd ftm Lhetl Begründung finden, abergrüßtentheil« nicht btbvsch geboten» in der Torah ,o,geschrieben findest» find au« de« Mischen voMebeü erwachsen; «» I fragt sich also hauptsächlich, ob sie dem Geist« de« Judenthnm« entsprechen, und ob sie vernünftig find. Vorab ist zu erörtern: wozu denn überhaupt Vorschriften über die Trauer? ES versteht sich von selbst, daß wir zwischen innerer und äußerer, zwischen Herzen»trau-r und der äußerlichen Betljätigung derselben zu unterscheiden haben. Dem Herze« bißt sich kein Gesetz vorschreiben; di« israelitische Religion will aber — und da« ist ein G r u n d z u g sehr vieler Gesetze «nd Institutionen der Schrift, der Ueberlieferung und de« i«raelitischen Leben« — die Gefühle, die natürlichen Regungen t« Zucht nehmen, Uebermaß nach beiden Seiten hin, >»a« Zuviel und da« Zuwenig vermeiden lehren, „da« Herz beschneiden," die wilden Trieb«, Schößlinge, Au«wüchse unterdrücken. In Hinsicht auf da« Zuviel ist im fünften B. Aos. 14, 1—2 mit der bedeutungsvollen Einleitung „ihr seid Kinder de» Ewigen, eure« Solle»," jede Belhätigung eine« nülden Lu«vruch» der Trauer um verstorbene, wie er bei Heiden üblich war, untersagt. Wenn ferner ein Jeder einsieht, daß Religion und Vernunft bei Trauerfällen stille, ruhige Ergebung, verlrauen»volle Hingebung in den Willen GoNe» und in da« Unvermeidliche al» fromm und weise anempsahlea, so widerstrebt e« doch wiederum dem menschlichen Gefühle, wenn wir an Stelle dieser fromme« und weise« k-efignation dumpf«, stüpid« oder frivole, ja frech« Gleichgültigkest treten sehen. Da« Alle« sind aber nur Regel«, Theorie», unbestrittene, aber gar oft bei Seite gesetzte; die Sprüche und Lehren kennt jede« Kind, e« weiß sie'eia Jeder mit michr oder weniger Geschick und eigner Empfindung dem Ladern vorkommeaden Falle« vorzutragen, aber „kommt e» an dich, so ermattest du. berührt e« dich selber, so bist du verwirrt," heißt e« bei Hiob. Da« Judenthum begnügt sich nirgend« — wir wiederholen, daß die« für unsere Religion durchaa« charakteristisch ist — mit allgemeinen Lehren, schöne» Gemeinplätzen, e« giebt Gesetze oder doch Vorschriften zur Ixstimmte» Lnweadung. . Demnach giebt c« zunächst genaue Vorschrift darüber, »« welche Personen getrauert »erde» soll. Sa« heißt

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