Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 31.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/5369809-5935045-5937972--2739-5372189- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— *47 — i <• genilltUiL er .ff**' •f ' Man schreibt an» LMsburg: ll^r Tod Ferdinand de» ' Gütige« wurde hier vMl^ieUu nicht geglaubt; datzTiagte! ««in, Zeitungsenteu! Kaiser Ferdinand muß wohl Liter als :S4'Jahr« «erden; hat'« ja der aiklt Rsi'bbisirr ihm yor- ' «ns gesagt, MP mal der Raddiner gesagt hat, daran glauben ' Juden und Lhriften. Di« Sage gründet sich auf solgende« Fntlüm Es war Im Jahre 18 IS. alt "der damalig« Kroayril Ferdinaud mit seinem Hofmeister, dem Fürsten Dln- Gchüet», Rikotsburg and etnigr Lage besuchte. Mittag» — j» wqr am jüdischen Reujahrsfagr läßt der Fürst Diel» Wichste« de« damaligen Judenrichter sagen, er werd« Nach' 'ujUog« S Uhr de« Kronprinzen in die Synagoge bellet»«». L« S Uhr über beginnt am jüdischen Reujahrsder Abend-Gottesdienst; dieser wurde nun verschoben .hi« ganze Gemeiqd«, ihre Leitesten an der Spitze, stand I Uhr, der Lakunft de« Prinzen harrend, vor der Sy- Sage am Kühe de» fürstlich Dietrichstein'ichen Schlosse«; es wird 8'/* Uhr, e» wird 4 Uhr. und der Priaz ist nicht da. ' «Gemeinde-Mitglieder", spricht der Ober- »ndeßrabbiner Benedikt, damals schdn rin Greis, hochge- »achsen und mit imposantem Leußrrn, „es ist heute Reuahrsfest, das Sedrt kann nicht verichodeu werden." M«§ Lmt nun in di« Synagoge, und der Landesrabdiner selbst gtnyüOyrjqhetW .Doch als er gerade in der Mitte hält, da hört HUW« Mppd «u Rund dir leisen Wort«: «Der Prinz ist ", und wirtlich steht der Prinz mit seinem Hofmeister, dem ^ÜzstffN Dietrlchstei», au der Tempelthür«. Per damalig« en-Richtrr geht ihm ehrfurchtsvoll entgegen, bietet iym n Ehrenplatz.»üu« in Dur Synagoge an und laßt so- 'gleich de« Oderrabdiner sagen, Seine Hoheit sei dg; doch 8er"Rabvin«r unterbricht nicht da« Gebet und betet laut säst «in« Ptänelstunde fort Dem Fürsten Dietrichftrin wird es «fons zst laug, doch' der Kronprinz giedt ihm ein Zeichen zu ohsiheu.' Pi» ist endlich der Rabbiner mit seinem Gebete zu G»d«, er nähe« sich de« Kronprinzen und spricht »och hebräijch die vorgeschrteben« Gedetforuirl. dann bittet er um Gerzrchung. «Käiserliche Hoheit," sagte er, «heule traben wir Neujahrslag, wir beten zu Gott nicht für uns, sondern für aste Völker, e« möge der Götzendienst schwinden, die Ehttchstgkeif zur Herrschaft gelangen"'., «und" sprach der Kronprinz «der Messias dato komuten." «Hoyeü", antwortete der Rabbiner, »uujer Messias ist ein weiser, gerechter und sttttiger Monarch, auch Lyrus der Perserkönig, ist von den Propheten der Messias genannt worden". «So." sprach der Kronprinz, «aber »nein lieber Rabbiner, da ist es sehr schwer, «ih» Messias zit welcoen, «in 'lbiiser. gerechter und güiiger Monarch; die Lüfgab« ist gar so schwer!" — «Hoheit", sprach der 'Rabbiner, «Kaiser Joseph war ein weiser, Kaiser Franz ist ein gerechter: so wrrden Sie ein gütiger Monarch". — «Bravo, mein lieber Rabbiner", sagte de« Kronprinz, «ich werde mich bestreden, den dritten Theil der Tugepde» de« Messias zu erlangen." — «V»»»", sagte der Rabbiner, «werden Sie auch der älteste Monarch des Hauses Hadsburg werden". — Als im Jahre 1848 Kaiser Fstzhi»apd «der Gütige" geuanul wurde, sagten Rikolsdurgs Bewohner: der alte Rabbiner hat'« vorausgesagr, — und als vorige Woche die Zeitungen die Trauerbotschaft vom Lbleben de« Kaiser« brachte«, wollte man es erst nicht glauben; «der gütige Kaiser muh länger leben, der alte Räbbiner hat'« gesagt". (Uag. Jsr.) Dm« EelbftgeMchNtß. (Fortsetzung.) «Die zwei Jahre wäre« veM^ben, uad ich befand »ich auf der Reisi nach Prag, wo icymu Joseph zusammentref- JsnJgfftt. Weniae Meile, hatte ich »och Ftrütdulegeu, als Mt mein i«g ',durch einen blickt« nach meiner vhr, sie Zeigt« die erstt TmnverrNh'Mttisff. E« war ^etv hertinher, festerer Lag. beiter und sonnig wie «um ^Stimmung; denn jebA SMtiFrachte mich «einer tyeuern vielgeliebten Rebekka näsier' Ich stimmte ein fr-bltchei tüSische« Liedchen a«, und Ichritt munter votwärts.' Ich besaud mich gerade in einer langen, schmalen Daldalle«, als ich nicht Jdu fern vor mir einen einsamen, schlechtgtklrldeten W«wdes«r rMickte, der, obschon khn dle Last seiner tzabsellgkeiten wcht sehr drücken konnte, sehr langsam einberaing: als'ich i)zn näher kam, wandte er"stch 'icasch, sind ich erkannte in ihm reu Bruder Rebekka'«. Meine "FreUdt war uisgeheucheU; er aber maß mich mit wildem Blick, usid dhn« meinen sieunblichen Gruß zu erwiedert», ohne in meine dargelceicht« tznnd rinzuschlagen, rief er ln einem st ssiüttkschest Töne, daß er mir tief in die Seele griff: -Haft wohl wacker Wasser getrunken und an Sabbathunv^^tlertäg«n fleißig 'geardeilet; dein Felleisen ist, wie ich sehe, ziemlich voll; ich aber' geh« federleicht, weil ich das lustige Leben dem Hungertods yorzaa: und doch wer von uns beiden ist bester daran, ich ddtr du s" «Er schwieg einen Lugenbltck; doch »Ährend dieser Pause lacht« er so wlld, daß da« Echo'im.Wclld« s^n Hdhngelt chtrr wiedergab. Ich war mir mn» Worts mächtig, t.ud meine Befangenheit schien khsi se r pl ergötzt». ' «Dsi trägst dein« ganz« Habe auf detnem Rücken," begann er Non Neuem; «ich aber geh« heim, um mir eine ixeichÜErvschaft zu holen." — Das Blut stockte in meinen Adern. «Gerechter Himnu t," rief ich, «Du sprichst vo» Erbschaft. Joseph! ist unser vcter —" er ließ mich nicht vollenden, donnernd schrie er: «Pias unser Later! — mein Later ist todt, und ich bin sein Erbe. Dank sei'es dem Zufall, daß er ohne Testament gestorben, er hätte sonst in seiner dummen albernen Liebe zu dir, »u einem solchen hergelaufenen Bettler, einen schmählit!«« Raub' an mir, an seinem rechtmäßigen Kinde, begangen." «Bet dieser rohen, lieblosen Bemerkung des entarteten Sohnes gegen seinen ehrwürdigen edlen Later wurde mei» Gesicht vom Zorn flammend roth, ich wollte sprechen, er aber ließ mich nicht zu Worte.kommen. «Du reicher Handweiksbursche," fuhr er fort, Jtoußtt den Peg in. mpiwe Heimith jetzt ersparen. Da« wollt' ich dir sage», deswegen käisi Tty hierher, denn bei Holt! eher laß' ich dir den Hals brechen, als daß du j< mal« .wieder mein Hau» betrittst, .ipp du wohl gar dein« frechen Lugen nach meiner Schwester erheben könntest." — Hatte mich anfangs der Schmerz über den Verlust de« guten Vater« ganz stumm gemacht, so mwhtp mich unnennbarer Zorn jetzt wortreich. Ei» heftiger Streit entspann sich zwischen uns, welche« der fortwährend« Hohn dt« Gegner« noch steigerte; er nannte mich «inen Lumpen, einen g'eiitrkiien^Kerl, einen von der Straße aufgegriffenen B:ttler, und als ich im Zorne ein Scheltwort wiedergah, schlug er mich mit der geballter Faust in da» Gesicht, daß ich f>eftig blutete." «Bei dieser unmenschlichen Rohhett meines Feiu>»es schäumte» die Gefühl« meiner .empörte« Seele über ihre Ufer hinaus, mein ganze« Bewußtsein hüllte sich m düstere Srabesnacht, und nur die höhnisch« Gestalt' des Gegner« stund sichtbar vor mir. Rur ein Moment völliger Bewußtlofigkett konnte mich dahin dringen, di« Hand gegen Redekka's Bruder zu erheben. Mein schwerer Handwerkerftock fuhr durch li< Luft, und mit entsrtzlicher Sicherheit auf da« Haupt meine« Gegners. Aber, ach! — er taumelte »och einige Schritte, und stürzte darauf lautlos nieder. — Meine Wuth imc plötzlich verschwunden, eine unbeschreiblich« Lugst ergriff mich. Ich beugte mich über chn, nannte huudertmal seinen Namen, sprach liebevoll« Worte zu ihm um Berzechuug; alle» ihr umsonst der Lruoer meiner -theuern Redella war todt — littj SUb Hchltigra vo» mir. Wehe, wehe!" '' " •_ (Schluß folgt.) i'i>