Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 30.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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in de' That wird Ich«. der mit den Berhältniffeu der Stadt und t«r jüdischen Gemeinde Rakel irgendwie vertraut ist, den Ramen Baerwald al» den achtbarsten in derselben nennen gehört jaden. Da» Jubelpaar erfreut fich ob seiner wahren Frömmigkeit, seiner wahren Gerechtigkeit und Wohlthätigkeit einer allgenleinen Achtung. Eine zahlreiche Kinder- und Enkelschaar erhöhte die Freud« deö noch rüstigen Paares am heutigm FesteStage. Gott erhalte eS noch lange! IZchrim», 23 Juni. Als der Rabbiner vr. Tietz Len Term m einer anberaumten Stadtverordneten - Ersatzwahl am letzten Sonnabend im Aufträge des Magistlats in der Synagoge »on der Kanzel heradverkündete und dabei die Gemeindegliedei auf dar Dringendste ersuchte, Angesichts der Bedeutung d«S Amte» eines Stadtverordneten den rechten Mann zu »edlen, verließ eia Gemeindemitglied, dem die Verkündigung nicht behagen mochte, polternd und lärmend das Gotteshaus mit den Worten: „Dafür bezahlt man 800 Thlr." Dieser Borsall ist von, Borstande wegen Störung deöffentlichen Gottesdienstes der Staatsanwaltschaft angezeigt worden. (P°i. Z-) (Inzwischen hat der bisherige Prediger des Kultusverein» zu Srrrimm. tzr. Dr. Stiebel, einen Ruf nach Filehne erhalten. Wir wollen nicht e n t f e r n l andeuten, daß dieser Herr einen Anlaß zu den ärgerlichen Streitigkeiten gegeben habe, indeffea ist doch vielleicht ein Schimmer von Hoffnung vorhanden, daß hintan nicht mehr fast von Woche zu Woche „etwa» Reue« au- Schrimm" in den Zeitungen stehen wird.) Oesterreich. Sttnklf. Am 22. Juni langte Herr Rabbiner Orast eiu au« RzeSzow hier an, und erfolgte zwei Tage darauf in der G:«eiadekanzlei dessen Jnstallirung alS hiesiger Rabbiner durch die Srmeiaderepräsentanz. In feierlicher Sitzung, zu der arch die Rabbinalt.iff-fforeu (Dajanim) eingeladen waren, wurde der Beitrag mit der Gemeinde gefenigt, worauf der Obmann de» Borftande» in einer kurzen Ansprache di« Rechtskraft t«r Rabdiaerwahl aussprach und die Hoffnung auSdrücktr, daß d «se Wahl zum Glücke der Gemeinde und allseitiger Zufrieder heil auSschlagen werde und die Sitzung unter Gratu latiomu geschloffen wurd«. »kimstag hielt der neue Rabbiner in der vorstädtischen große, Synagoge unter ungeheurem Zudrang de» Publikum» ein« zioeiftüudrge Deraschah. die jedoch von den Meisten wegen d«» leisen und tiefen Organ» de» Redner» nicht gut vrrnoMM'H «uro«. Da» wichtigste Moment der Derascha dürste wohl »aSjenige gewesen sein, wa» der Herr Rabbiner über Totere nz äußerte, und welches darauf hinauSlirf, daß man den G-setzbrüchige«, in so lang er sich daraus beschränke, selbst da» llesetz nicht zu befolgen, seiner Wege geben laffen möge, daß jedoch derjenige, der Andere zum Abfall verführen wolle, nicht ^duldet werden dürfe, sonder« bekämpft werden müffe. (Lemb. 3fr) (i» handelte sich bei dieser Daraschah offenbar um keinen boßeu Pilpul um keine Schulftage. Im Hintergrund« ftehl t ie schrecklich« ReminiScenz au« dem Jahre 1848, die Vergiftung de» Rabbiner« und Prediger« 0r. Kohn und seiner ganze« Familie. Auf diese Erinnerung stützt« sich die Opposition gegen die Wahl Ornsteiu'S. So war denn da» The«, gut gewählt, r» galt eine indirefte und dennoch deutliche Antwort auf Verdächtigung, oder wie man'» sonst nennen »ag. — Ob die Antwort freilich odjrftiv deutlich gewesen, d. h. ob di« nun sich darbietenden Fragen: wa» heißt Abfall, und wodurch soll der zum Abfall Verführend« bekätnpfr »erden — klar beantwortet worden find, da» können wir nicht angeben. Jutereffant wäre r« auf jeden Fall (wenn auch nur als Schulsrage) di« nähere Motivirung kennen zu lernen, die Ornßetn von seine« Standpunkt an», für de, . Satz angegeben Hai, daß «an den GesrtzeSübeMeter gewichen lassen möge. Arankreich. Pari». Herr Leuillot (vom katbolischen „Unioer»") bedarf zwar keiner desonderen Anregung, Anreizung oder auch nur Beranlaffung, um über die Juden seine Galle auSzuschütlen, man kann aber denken, daß er um io heftiger wird, wenn er desondern Anlaß findet. Einen solchen können sehr verschiedene Umstände oder Personen bieten „Arch J»r." wenden mit Recht auf da» gleich zu Erwähnende den alten Satz an: „Gott schütze mich vor meinen Freunden."' Mr> Sarcey hatte im „XIXv Siecle" einen Artikel geschrieben, der die Juden, ihre Fähigkeiten, Leistungen, Erfmge übermäßig herauSstreicht. Darauf ließ Beuillot eine wahrhaft wulhschnaubende Diatride lo», die, wie Pierre Bäron sagt, „von einem rasenden Mönche de» Mittelalter» geschriebn, senr könnte, i«nd zwar mit Blut." Er genügt, zwei Sätzch,» an» dem Beuillot'sche« Artikel anzuführen Er spr cht davon, daß „Gott" allerdings der Juden bedürfe, damit sie Zeugen für den aus Golgatha über ste ausgesprochenen Fluh seren; „aber für die» Zeugniß genügt e«, daß die Juden irgendwo in geringer Zahl vorhanden find, auSgestoße», geirrten und g geißelt. In diesem Zustand« legen fie um so deffer ein Zeug-_ nie ab." Der zweite und Schlußsatz de» Ganzen lautet: „Mögen die Juden fich hüten! Sie find reich, äder fie haben nicht all da» Geld, welch'S man von ihnen fordern wird; sie werden mit ihrem Leide zahlen müssen." Wir erfahren nun au« der neuestrn Rumuier de» „Uni». J»r.", daß da» Central-Eonfiftoriuu» in Erwägung gezogen hat, ob «S auf gerichtlichem Wege gegen Beuillot «injchreüen v solle; „da» Eentral-Sonfistorium (berichtet „Umo. JSr ") hat in seiner Mitte hervorragend« juristische Autoritäten: di« Herren Anspach, Ehrenralh an« EaffalionShof; Bedarride», erster Generaladvocat an demselben G«richt»hofe; Eremieux, der de» rühmte Jurist, ehemaliger Justizminister; Lehman«, Masse und Säe, Adoocatea am Appellationsgerichte. Man hat erkannt, daß der fragliche Artikel in manchen Stellen wohl da» Borgehen der Aufreizung zum Haffe und zur Berachrung der Bürger gegen einander involvin und strafbar ist Dennoch zweifelt man daran, ob «an vor den Aifisen eine Berurihet» lung erzielen werde, denn obgleich Beuillot die Inden i« Allgemeinen wülhend angreif«, ist er perfid und geschickt geuug gewesen, namentlich nur die Juden Italien«, Deutschland» und Oesterreich» zu begeifern. Eme Freisprechung würde aber für Beuillot eia Triumph gewesen sein, den ihm zu bereiten nicht klug gewesen wäre." Da» Eentral-Eoufiftorium ist früher mitunter getadett worden, daß r» keine Schritt« gegen Preßtxlict« in Betreff der Juden gethan Hub«, während chm doch die Bertretuug de«; Juden Fraickreich« legal zuftehr. Ob der Tadel gerecht gewesen, köaoei» wir durchaus nicht beurtheilen, glauben »wtmehr, daß die eben genannten juristischen Mitglieder der fraglichen Behörde sehr gut wiffen «erden, wa» fie »hun können und laffen müssen; immerhin ist e» erfreulich, daß «an einmal in ernste Verathuug einer solchen Frage getreten ist. Ein treffliche» Gegeugewicht gegen all« Jnveetioen gegen die Juden auch in Frankreich liegt in der Thatsach«, daß da» Staatsbudget de» jüdischen Eultu» pro 1876 wieder u» 9000 Frc». erhöht und uunmehr für di« Personalbezüge auf 188,900 Frc«. veranschlagt ist. Dt« Erhöhung ist durch die Ereirung neuer Raddinate (wie bereit» berichtet worden) moliotrt. Pari». Au» den Verathungen der Rational-Bersammlung über da» LuterrtchtSgesetz theileu „Arch J«r." eine kleine intereffante Episode mit: Der ulttamontane Deputirte EheSnelong r*rlangte nab erlangte bekanntlich für die katholische DIScrfrn n»:d in Folge eine» Amendement« auch für die protestanttfcheu nud i»raeütifchen Eonfeffionen da« Recht, höhere Lehranstalten zu gründen Er stützte fich bet diesem verlangen, »te da« mwöhnltch m Setten seiner Partei geschieht, ans bi» .«ewiffen». frähett", welch« die Lchv- und UnterrtchGfretheit^