Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 29.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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281 um (Bribc, die mnsterbafte Ordnung i« Hanse de« streng religiösen Mann^k, vor Allem aber sein Wohithätigkeitsfin» »nd senir fast übertriebene.Sanfiwutb, die ihn nicht eine , Fiitge tüdtrn kiest, hatte« ihm di« Achtung seiner Ritbrüder '»nd säckkcktUchr^Änwohükr vetichafii. Allgemein war er unter de« Namen, »der gute, edle Mann" bekannt, weil kein Rotbleibender, ohne Unterschied der stons-ssion, die Schwelle seines Hauses betrat, ohne, mit reiche, Hilfsmitteln versehen, 'sie getrvftet p verlassen. " Ungeachtet deff-n drückte diesen braven, sanften und «enschenfrenndlichrn Man», eine so liefe Lchwermulh, dast er jede Gesellschaft vermied und keinen öffmlichen Ort, mit Ausnahme der Synagoge, beiuchle; ja. et gab Tage, wo selbst di« unbegrenzte Liebe seiner Gattin snr ihn kein Trost war. An solche« düster« Tagen sah er wobt mehrere Stunden in einem einsamen Zimmer, rang die Hände, weinte bittere Thränen und betet» mit Inbrunst in -lange bi« Rächt und Müdigkeit i hn auf da» ruhcloir Lager w irren. Sein Benehmen, sei« Ausdruck im Gestchte oeriielb p,»ilich, dast er unter der schreckllchen Last nnd dem fürchterlichen Drncke irgend eine» höchst irnnrige« Geheimnisse» feurz«, welche» er ielbst seinem geliebten Weib« nicht miltheil,n durfte All.« Bewohnern de« Städtchen» blieb er rin Räthiel Biele »richöpfieu sich in Bermuth- «ngen über die Ursache seine» tiesen llnmmer», und, sonderbar! nicht eine dieser B.rmulhu»g>n bnühite die Wahrheit auch nur in der gern«. Dies« spannend« Ungewistheit daurle fast drei Jahre, bi».... Der jung« Mann halte wieder rlnlge schreckliche Tage in Trauer und Einsamkeit unter Beten und Wernen zugedracht. .iSesti-eänlge» Zeit ging s«tN«-Lanv>»mulh so weit, dast er ein Zimmer abgesondert von dem lelner Gaiii» bewohnte; vielleicht aus Furcht, dast «in g.schwätzlger Traum sein Geheimnist verratyen könne. Umsonst verichwendit« da» liebend« Werd all ihre Zänlichkeit, um ihn zu zerstreue», gerade diese Bemeisr v«n"Lbkv»,'der fichrdare Gram, weicher der kamst zwei- »ndzwanzigsährigen Frau ein kränk, lade« Aussehen gab, belastete« da» Gewrffen de» Unglücklich, » noch meyr, weil er sich als die Ursache dtesrr traurigen B-iänv-rnng antlagrn mußte; und denoch konnte und durfte er die wahre und einzig» aufrichtige Kreundin, dl« Gejährrrn sein.» Leben», nicht zur BertchtUtt« seine» unheilbaren Lummer» ,nacheu. So wühlte sich der nagend« Wurm de» dös.n Gewiss,»» immer tiefer unp tiefer in die Wurzel seiner morautch.a Frerhetl! — Die Skastdin 'des Tages schlichen dleieln und zeninerfchwer für den Unglistklichen dahin; er wünichi sehnlläist den Einbruch der Rocht; doch kaum sank die Sonn», >o jchi,b auch mit ihr jede Hoffnung der Ruhe, «nd seile» gelang e» dem an Geist und Körper Geschwächte», einige Stunde» zu ichtafeu. Ader nie verliest er sein Lager gestärkt und eiguickl; d.ntt bei dem leisesten Geräusch fuhr er entsetzt aus c-em kurze,r Schlaf empor und blickte scheu und furchtsam herum Ae»gsiigende Träume peinigten ihn; er erwachte, und iah sich in Wirklichkeü neue»-Qualen preregegeden. In einer ftürmriqen Ociodernachl hatte er, erichöpfr durch Mehrer« fchiastos« Rächte einige Stunden lrauu» o» geichlafen, als er plötzlich erwachte. Der ungrwohnle lang« Sch>af macht« ihn glaube», es sei schon Tagesanbruch. Er kleidete sich schnell an um die Seiichoth (e» war Erew Roschhajchana) nicht zu versäumen. Die Straßen waren noch menschenleer, und er . dckchtr, als er sich rm Freien befand, rin.n Augenblick daran, es könne wohl sehr früh am Tag« sein, dennoch schrillt er vorwärls. Ais er zur Synagoge kam, fand er das Hauptchor offen und trat in da« Gotteshaus er«. Die» war der ein- «ge Ort, an weichem er sein schreckliche» Loos während der' Andachtsftund« «nträglich fand. Die'Synagoge war leer und finster, selbst die ewige Lampe vor der heiligen Lade war erloschen.. Plv tangesRaun« »urd, nnrnhig; den» an jede« dnnkien Ort« fand er sich rnatzr beängstigt. Lau» halte er einig« Schritt« vorwärts gech«,ssverVst»«»«dt«Synagogenuhr di« «rft« Stund« nach Mitternacht. Furcht, Bangen nnd ein« unbegreiflich« Ahnung von irgend eine« Gefahr, bemeisteyt«, HL tesues ganzen Wesens; dicke Schweißtropfen tttAfAteN^iBm AvNader Stirne hvrab, sei« Hvrtz-ppchte heftig, er wollte laut ansschreien; allein die Worte sanken zu undeutlichen, dumpfen Tönen herab. Entsetzen ergriff den Unglücklichen, er floh aus dem heilige» One fort »ach seiner Wohnung, und sank erschöpft, betiiüdt mit dem herzzereistende» Ausruf: „Leine Ruhe, keine bi» an'» End« meiner T>ge I" an seine« Lager nieder, während er sei» Gesicht mit beiden Händen bedeckte. In einem Zustande von Lethargie blieb er in dieser S tellung einige Stund«.,. Plötzlich hörte er-hastige Schritte auf der Treppe, er glaubte deutlich das WoN „Verbrecher" zu vernehmen. Gefahr und Tod drangen auf ihn ein, das Gehirn schwindelte ihm. al« er die Hand vom Gesicht liest, war all« Farbe au» deinselden verschwunden. Tode»bläffe, als ivär« er dem Grabe entniegen. bedeckte ihn, mit regungslosen Augen starrt« er nrch dbr-Thür hin? welch« jetz^äsch geölfnit wurde. Wa« war geschehen? In der vierten Stnnde, als der „Schuldiener" die Synagoge öffnen wollt-', fand er zu feinem nicht geringen Schrecken da« Haup-rt-or offen, und' al» er dt« Synagoge berrgt, die ewige Law?, erlölch,,' Zitternd öffnet? °irr feiste Laterne, um die heilige Lide zu erleuchten/ doch die silberne Le mp« war verschwunden Instinkt ästig richteten sich sein« Blicke nach dem p"m VT)pn> dasselbe war erbrochen, die Thora-Rollen und mehrere heilige silb»rne Gefäße entwendet. Letn -Zweifel blieb dem alten Diener mehr übrig, diese Rächt war «in Tempelraub begangen worden. Eilrgst schloß er dt« Synagoge, und beeilt« sich, seine» Borgejetzten die Anzeige von, de» UnMck zu Machen. In der kurzen Zeit von kaum einer halben Stunde waren der Rabbiner, der Euliusvorftand und auch der Orltrichter in dem beraubte» Tempel versammelt. Eh« «och der Mich« ter die Synagoge betrat, endeckte er in dem feuchten Sand« die Spuren von Fustirilten, welch« von der Terrpettdüre ihren Anfang nehmend, weithin den ganzen großen Platz vor dem T>i»p,l verfolgt werden konnten, bis.sie in einer Eetteng.iffe v.rschwinden, sich den forschenden Augen entzogen. Die übrigen Herrrn. durch die Bemerkung des Sichler» ausmerti.»» gemacht«. hcfAloffclt eiligst diese Spuren zu verfolgen in der uiöglichen Voraussicht, sie könnten, ein günstige» R.snitat zurEndeckung der Einbrecher herbeifüiren. Dir Fußtritte leiteten di» zur Wohnung de» Handwerkers, des sogenannten „guten Mannes," und dort hatten sie ihr Ende erreicht. Der unbescholtene Ruf des Mannes, der dieses Häuschen allein bewohnt«, machte die Herren einen Augenblick verlegen! gleichwohl konnte sich rin Berbrecher hierher geflüchtet haben, ohne o»st der Herr de« Hause» davon in Lenntnist wäre; sie wurden in dreier Meinung noch mehr bestärkt, als sie dast Hausihor offen fanden. Rach einer augenblicklichen Zögerung traten sie ein. Die Spuren vom Sande zeigtrn, daß der nächtliche Wanderer in das ohere Stockwerk gegai^e». I tzt standen si, an dem Schlasgemach des guten, edl«n Manne». Rasch öffneten sie di«-Thür«, Unglück,tche tag noch immer bei fernem Lager, .rnv sein starrer Blick rlch»«t« sich bet dem Geräusch an d«r Tvür« nach den Eintretenden. Heftige« Zittern befiel ihn, al» er die Versammlung und »oi-zügltch den Diener der Gerechtigkeit vor sich stehen sah, unv vergeben» war sein Bemühe«, sich au« seiner Lage, zu «rh>-b«n. „Ist'« möglich," ries entsetzt »er Rabbiner, „ist'» möglich, daß ein Mann von so unbescholten,«, fast glänzend«» Ruf?;■ so veradsch,uung»würoig^ verbrechen begangen Hades" — Der Unglückliche umklammert« dr« Lute des Sprechers; von seinem Gewifle» erschüttert, g.aubt« er sein verdammungsurttzeil inißchzosth-etk^ßller z« lesen und rief Mtftft -die Sott«: „Ja, ich dt»*», »er seinen Schwager ermordet«! seien ste.bnrmherzig. Ich will - Alles «Gen beten«», «y »min« arm«, arme Rebekkas , (Fortsetzung fotgt> .