Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 28.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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223 «chttotventliche Profrssottn: Oppenheim und Roo»; al» Privatdocent: Dr. Weil. An der juristische» Farultät jedoch, di« den ersten Rang einnimmt, wirk z« Zeit' kein Mischer GlaubenLgenoffe. Zur Unterstützung unbemittelter jüdischer Studenten besteht ein Verein, dessen Mitgliederzahl sich in diesem Semester auf ungefähr 69 beläuft. An der Spitz« der Verwaltung steht der genannte Professor Oppenheim, der auch Präsident der hiesigen EynagogenrathS ist. (Jüd. Pr.) Feuilleton. Gi» feltener Heiliger. In einem ungarischen Städtchen lebte vor 96 Jahren ein Jude, der sich ehrlich und redlich durch Fuhrweseu ernährte. Derselbe soll eine so ehrlichetzaut gewesen sein, daß esprichwörtlich wurde: man könne seinen Wagen mit ungezählten Hucaten befrachten, und doch werde kein einziger fehten. So führ er mit seinem Einspänner, stetwohl befrachtet, bald hierbald dorthin durch« Leben und ernährte sich, Weib und , Äfnb in der Worte« wahrstem Sinne „im Schweiße seine« ' »«gesichte« " Dabei war er so groß und stark, daß er allein au« dem dichtesten Moraste, der dort noch heute zur Regen«- zeit, trotz aller Communikalion«minister, zu sein pflegt, dem armen Vierfüßler gar oft' wenn er stecken blieb, au« der Lkemme half. Eine« Tage« kam ihm ein leere« Zwiegespann eütgegen, während er, respective sein Roß, schwerbefrachtrt eben durchdenschiüarzeH dichten Morast keuchte. „Weich oAU" schrie ihm der Lutscher de« leeren Gespanne« zu! „Du hastau«zuwtichen" rief chm der geplagte Jude zu, denn Du fährst leer und mit zwei Pferden" — „Du bist ein Judenhund", schrie der Lutscher und hieb auf ihn mit der Peitsche ei» —! Unser Loloß ergriff einen Klotz, der ihm eben zur Hand kam, und versetzte dem Lutscher einen Schlag, der so unglücklich traf, daß derselbe sofort tobt vom Wagen fiel. Der Jude legte sofort den Todteu auf den Wagen und fuhr gerade aü« heim und direct in« Eomilathau«, wo er von deu, Lorgksallknen Anzeige machte und sich al« Mörder gnklagte' Ju« Gefüngniß gesetzt, erwartet der Mann ruhig sein Urtheil, während in der Gemeinde allgemein« Bestürzung herrschte. Die jüdische Gemeind« legte sich in« Mittel, schonte wedek Mühe noch Geld, um den Armen den Händen de« Henker« zu entwinden, wa« ihr auch um so eher gelang, al« doch so viele Milderungtgründe für den Juden sprachen, der ja vorjetzltch beileibe keine» Mord begehen wollte! Der Lag de« Gerichte« kam heran. Die Inquisition begann/ dem' schlichten Juden wurden die Fragest'vor- und gleichzeitig die Antworten, die ihn retten sollten, quasi in den Mund'gelegt — aber unser Jude ging auf dieselben nicht eiu und autwortete ganz ander». Die Richter sahen einander a«t und waren ganz verblüfft Der Jude fthlte wohl, um »a« e« sich handle, und.er machte der peimichen Sitmttion rin End«, indem er sprach: ,M. H.I E« matz ' wdhl sein, daß ich vor dem weltlichen Gericht« mich keine« Morde« schuldig gemacht hübe und also auch dir Loderstrof« nicht verdiene, aber ich kann und mag nicht mehr mit einem so schwer belasteten Gewiffen leb»n, und ich erbüte mir daher die Lode«- ftrase al« Sühne meiner Schuld, nur möge man mir die Gnade gestalten,' mich auf unserem Friedhofe zeitlich Morgen« und oho«, alle« Geräusch und Aufsehen, nachdem di« „heilige Brüderschaft" sich nach unserem Rilu« mir mir besaßt haben »irö/mtisMringen V Die Herren vom Gericht« saßen wie versteinert, und Manchem trat sogar etwa» wie eine Thrän« in dt« Auge».,. Di« Bitte ward gewährt... und eine» frühen Morgen« de« «egten' sich'so geräuschlos wie'' möglich einig« dreißig Fußgeher, Juden nnv Herrschaste» histauö 'nach de« jüd' Fried- Hai« — di« „Chewra Kadiach»* * waltete ihre« traurigen Amt« — und nachher der Scharfricherei Ein einfacher Leichenstet» at»r a«f dem jüd. Friedhafr daselbst besagt Folgende» (t n-chede.-Spr»ch«) p> Dmttfchr - „Hier ruht ein Heiliger,') der' sich opfett« zur Heiligung de« göttlichen Namen« und da« ist Dawid der Sohn Raftall'« im Jahre d. W 5539 Sein« Seel« sei aushewahrt im Bund« de« ewigen Leben«." lieber die Juden in Tüb Arabien. Seitdem da« Sultanat El-Jemen unter die Oberherrschaft de« Sultan« zu Lonstantinopel gekommen, haben di« Religion«- verfolgungen und Metzeleien, die da noch in den dreißiger Jahren, selbst in der Hauptstadt Sana, an der Tagesordnung waren, gänzlich ausgchöri, vielmehr leben jetzt Mohamedane», Juden und Banianen (indische Geschäftsleute) friedlich neberr einander und obliegen fleißig ihrem Gewerbe und ihren Geschäften. Die Zahl der Juden im Königreiche Ei-Jemen beträgt etwa eine halbe Million Biele Kultur - Eroberung«»! de« „Magrib" (2">pv Abendland) sind ihnen zu verdanken. Bei diesen Bestrebungen geht die erste i«r. Cult - Gemeind,! de« Lande«, die zu Sana nänilich, die nicht weniger al« ein Viertelhundert Synagogen d» sitzt, stet« voran und gewöhnt ihre Jugend — die srüher ihre Zeit mit dem Stud.um der „Laballa" vergeudete, 's — schon frühzeitig an Gewerbthätigkeit. Da r« aber in Sana an Mitteln fehlt, sich sowohl im Handel alt im Handwerke autzudilden, so gehen viele jüd Jünglinge nach Aden, wo dir Juden unter engl Herrschaft alle dürger-, lichen Freiheiten gennßen und vervollkommnen sich daselbst in dem, wa« ihnen in ihrer Vaterstadt Brod und Stillung verschaffen soll. Und da der Araber da« Handwerk wie den ' Handel al« erniedrigend für den freien Mann betrachtet, sc. überläßt er beide de» Juden oder den Banianen, welche Ltz letztere nur dem Handel obliegen. Ci kömmt e«. daß die g« suchtesten arabischen Goldarbeiter. Juweliere, W iffenschmiede, Schuster, Schneider u s w alle ..dem auSerwählten Voll! Göltet" angehören Diese Handwerker und auch die jüd Geschäftsleute Sana'« leb, n aber auch streng nach den Varschriften ihre« Glauben«; e« haben ihre „Merid" ('Nll Rabbiner) sogar da« Recht jede Auflehnung gegen den Glauben mit Gifäng iß ober Geldstrafe zu ahnden. Voil der türkischen Regierung werden sie mit großer Müde behandelt, und ihre Gemeind«-Autonomie ist garantirt. Westlich von El - Jemen findet nian auch viele nomadlfireud« Juden, die auch die Jagd °belreiben und dabei dem Löwen und dem Panther muidig aus den Leid gehen. Eie bringen Felle der erlegten Raubthüre nach Sana oder Marrba aus den Markt, um hier für selbe verschiedene Maaren, oder Gebetbücher und Bibeln, die von Livorno, Jerusalem, Kairvan und Kairo dorthin gebracht werd.n, einzurauschen. An» besten aber geht'»« den Jute» rn Aden; denn sie erfreue» sich einer vollständigen Gemeine e Autonomie, und in Händen ihrer Vorsteher ruht sogar ein Theil der Juri«dic:ion über ihr« Glaubentangedürigen. Sänimrltche Juden' Arabien« unrerscheiden sich heute nur tulch ihre Gesickttzüge noch von dev '• Arabern, mit denen sie Sprache, Kleidung und' Lebensweise vollständig gemein haben Auch in ihr,» Synagogen bedienen sie sich der arabischen Sprach»') ') d. h. Märtyrer. *) Sen« »uch die Ju».« t« 3me» «t ftobMo» sehr erdete« B, so ha»« fi« »och sicherlich «i» de« In,««» stq mit dersetbe« d«. fttgca Uff««. (Rrt 6 3 S.) •) Sic drinar« diele« Artikel »ut der Wiener „Presse" zu« A»> druck, -laude« jchochi daß dt« jetziae« »erhätmiffe »er J.»e« i» Sito» «radle« etwa« sehr rofi- -«schildert sin». Au« »r« Berich»«« »er »8am« J«r. Uni». dem Ade« Sapptr ««» Aa. ist z.B. det-yae. da» die Jzpe« in S««« «ich» „noch t« de« »rchüi-er Jahren," sonder« i« »er allrrneu. ste« Zeit aus« surchidarste lm-hindetr »är»«« ttn». u«d seihst in Sm« ' tzade« fU, trotz «PÜscher O»«rtz^Mt «och «ütvndiU zu rrNMM. lAe». d. I. W.) uz,