Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 28. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 28.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/5369809-5935045-5937967--2706-5372159
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

M rs. 1875, I«r»rlrtischr Wochev-Schrifl für die religiösen «nd socialen Interessen deS Indenthnms. Kich-aNt» ««,, »>. InH M tlta f rtluttra a. BaMaaklaaam *Ka»f M«4. B4t«ct< Aa4«akBaa: hiCaitMUrtlOltaf, ■4 MbtiH «4L, a. Dmlni4 1( fhrc*.,a. htlot, Mul U KL, a. BantUa U KL WtL »tlaaatttaak«. M ^,»4,»« tltir• tactlatt* «4r» «ratil venmn»»c«Iicher Redakteur und Heraudgeder Rabbiner De. Lrenenfeis in Stettin. Magdeburg, 8. Juli. A»fir«te »erde« «tt %0 Pf. fftr Mi dret,ef»alti«e I Pitttzetti «der bereu Kg«« derechuet. Die dt»Sck«»ta§ frttz bet B« »OxPitzttt»«»! tu M«ßbed«r§- eiutreffeubeu,ßubeuusch tn der »Lchitea Nu»«er >ufW»d»e. Gt»>eluu««eru » »» Pf. OsspeMttuu der Ib »echeufchrift tu " ' : Friefe. K Kliert 1 . S«t»,t, g»h«tt; LetUmd« Bttihli Zwei sonderbare Schwärmer. — »«Licht« «4»» C*mf|4«KHi4)«t Deutschland: vre,»lau. Frankfurt a. 3t. Hamburg. Samt er. Westfale». Au« vberschlefien. Heilbronn. Heilbronn. — Oesterreich: Wien. Prag. — Sroß» »ritannien: London. London. — »ermischi« »»»«er»«N«U«chrichte»r verlin. Dortmund, vohrau. Lulmsee. »u« chlsaß.Lothrirge«. Uns Kurtzefsrn. Milnchen. Ummheim. Heidelberg. — gemillet»»» Lin seltener HeUiger. Heber di« Juden in Süd-Arabien. — Zwei sonderbare Schwärmer. Das Sprüchwort: „Jeder Jude hat seinen besondrrn Schulchan Aruch-, kann natürlich in dieser Fassung nicht Lltrr sei», als das tn ihm genannte Buch; aber dem Sinne nach ist der darin ausgespr»»che«t Bedank« sehr alt. Wir finden t» Mischnah und Talmud Belege in grober Menge, aus denen hervorgeht, daß man in verschiedenen Orten und Gegenden, auch wohl in einer u.d derselben Stadt, nicht nur verschtedene Minhagim im Gottesdienst gehabt hat, sondern daß auch einzelne Lehrer, Schüler, Schulen und Privatleute, wissende «nd univiffend«, tn der Beobachtung von Geboten, Berdoteu, Gebräuchen und Anordnungen eine mildere oder strengere Praxis befolgt haben. Daraus entstanden wohl Streitigkeiten, die zwischen den Gelehrten mit mehr oder minder Heftigkrü, zumeist jedoch in wissenschaftlicher Ruhe geführt wurden; aber das Prinzip der Duldsamkeit gegen jede solche Ansicht oder Praxis, so lange sie sich eben vertheidigen ließ, so lauge st« mit den Grundsätzen des Judenthums und der Logik vereinbar war, herrschte unbeschränkt. Mao kennt de» rabbinische» Satz, in dem sich diese Duldsamkeit in glänzender, unübertrefflicher, wahrhaft erhabener Weise ausspricht: „Die Worte Beider find Worte des lebendigen Gotte«.- Warum »rrmtffen wir in den Kämpfen im Judenthum der Gegenwart vielfach dies« Mild« und Duldsamkeit? Es geht doch nicht an, unsere heutigen Glaubensgenossen für intoleranter oder eifriger zu erkläre« als die Vorfahren, es frommt auch nicht, Recriminationen zu erheben, di« Orthodoxen oder Hyperorthodoxen des Fanatismus zu zeihen, und von diesen die Reformer oder Radikalen der Gewaltthätigkeit »nd Unduldsamkeit bezichtigen zu lassen. Roch nieniger wolle» wir fteilich die Erbitterung und Rücksichtslosigkeit rechtfertigen; wir wollen nur erklär««, und vas ist nicht schwer. .< i Kommen wir auf das erwähnt« alt« Sprüchwort zurück. Jeder Jude hat seinen Schulcha« Aruch aber doch einen Schstlchon Aruch; d. h. der. Grundsatz, d»ss es ein Religio ns^I gesetz gebe, welches Thun »ad Lassen de» Israeliten zu re-! geln bestimmt sei, und daß dieses Gesetz in Bibel und miindlicher Ueberlieferung seinen festen Bode» habe, stand bei Allen in voller Geltung. Die Differenzen in den Anstchten und in der Praxis gingen daraus hervor, daß die Auslegung, immer innerhalb gewisser logischer und überlieferter Grenzen, «ine verschiedene und nach übereinstimmender Anficht Aller eine freie war. Die Gelehrten also bildeten sich die Regeln für Theorie uitd Praxi» selbst, nach eigener oder fren.d«r Forschung, auch wohl nach der inviduellen Neigung zu grösserer Strenge oder Milde, zu Askese oder Behaglichkeit; die Leute aus dem Volk« folgten dem Beispiel« der Eltern oder Ariderer, wieder je nachdem fie zum Erleichtern oder Erschlverea sich hinneigten. Ganz ander» ist e» jetzt. Für viele giebt e» gar I!ein Gottes-, kein Torahgesetz, Andere glaube» in Anwendung eder Nichtanwendung desselben lediglich ihrer privaten Meinung, ihrem ganz subjektiven Gutfindea folgen zu dürfen. Es leuchtet ein, dass das etams ganz Anderes ist, als die früher geübte und gern gestaltete Selbstständigkeit »es Forschen« und Handeln«. Früher war z. B. tn Hinsicht »uf Spezialitäten de« Speise- oder des Sabbathgesetzes der Eine strenge, der Andere laxer, jeder suchte sein Thun quelltnmässig zu begründen, zurechtzulegen, oder er berief sich auf Autorität und Beispiel; heut sagt man entiveder: um» gut schmeckt ist erlaubt, und ein Tag ist wie der andere — oixt man lässt Sabbath und Epeisegesetz an sich in etwa» gelten, im Einzelnen aber richtet man sich lediglich «ach dem persönlichen Gutdünken, dem bon pluioir, man glaubt, dass dies au»reiche. Wir wollen hier nicht gegen diese Anfichien eingehend streiten, wir begnügen uns, fie als den Baden des Judenthums preisgebend zubezeichnen. E« giebt al„r auch Leute, welche ihr persönliche» Gut-und Schönfinden Andern empfehlen, und danach sozusagen ein Spezial-Judenthum «nstruiren. Wohin da» führt, wollen wir an dem veispi-le zweier Männer zeigen, «elche wir laut lleberschrist als sonderbare Schwärmer bezeichnen. Wir nennen keine Namen, den» wir bekämpfen dt« Personen nicht; wir «ollen in >>ie gewählt« vqeichnung auch durchaus nichts Beleidigendes ge»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.