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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 27. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 27.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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315 fiegtgnrt?" „fragt Henrich Laube und cittrt al» Antwort au» Mommsen'«* .Römisch« Beschichte* folgende Stelle über die Juden zu Cäsar» Zeit: .In gewissem Sinne könnte man allerdings neben Römern und Griechen noch eine dritte Nationalität nennen, die Mit denselben in der damaligen Welt an Ubiquität (Ueberallsein) wetteiferte und auch in dem neuen Staat« Cäsar'» eine nicht unwesentliche Rolle zu spielen bestimmt war E» sind die» die Indem Da« merkwürdige, nachgiebige zähe Volk war in der alten wie in der heutigen Welt überall und stützend» mächtig. Die Diadochen David'» und Salmo'» bedeuteten für die Juden jener Zeit kaum mehr, al« heutzutage Jerusalem für ste bedeutet; di« Ration fand wol für ihre religiöse und geistige Einheit einen sichtbaren Anhalt i« Kvniareiche Jerusalem, aber sie selbst bestand keineswegs in der Nnterihanenschaft der HaSmonäer. sondern in der unermeßlichen, durch da» ganz« partischr und römische Reich zerstreuten Indenwelt. In Alexandria namentlich und in Kyren« bildeten die Juden innerhalb dieser Städte eigene administrativ und s-lbst local abgegrenzte Gemeinwesen, den Judenvierteln unserer Städte nicht ungleich, aber freier gestellt und von einem .BolkSherrn" als oberstem Richter und Verwalter geleitet Die zoblreich selbst in Rom die jüdische Bevölkerung bereit» vor Cäsar war, und zugleich wir landSmannfchaktlich die Juden anch damals znsammenbiellen, beweist die Bemerkung ein » Schriftsteller» dieser Zeit, daß ,» für Statthalter bevenk'ich sei, den Inden seiner Provinz zu nah« zu treten, weil er dann sicher daraus zählen dürfte, nach seiner Rückkehr von dem jüdischen Pöbel (in Rom) auSgcpfiffen zN werden. Auch zu jener Zeit war da» vorwiegende Geschäft der Inden der Handel; mit deck erobernden römischen Rausmann zog damals der jüdische Händler ebenso überallhin wie später mit dem genuesischen und venetianischen, und neben röniikchen strömte da» Kapital allerort» bei der jüdischen Rnnsmannichnkt zusammen. Auch z» jener Zeit endlich begegnen mir der eiaentdümlichen Antipathie der Occidentalen gegen diese so gründliche orientalische Race und ihre fremdartigen M innng n n»t> Sitten. Die» Iudenthum, obwohl nicht der rsrenlickste Z»a in dem nirgend« erfreulichen Bilde der damiliae» Völk'rmeiigung, war nichtsdestoweniger ein im natürlichen Verlaut der Dinge sich entwicklnde»' geschichtliche» Dtome-'t, v'S v-r Staatsmann weder sich obleugnen noch bekämpfen nn-il n»o dem Cäsar vielmehr, eben wie sein Vorgänger A>>ra»o r, in richtiaer Erkenniaiß der Verhältnisse, möglichst Vo-k^nb «bat. Denn Alexander, der Stifter de« alex-mdriniichen IndenibnmS, damit nicht viel weniger that wie ibr ,igen-r D"vid durch die Gründung von Jerusalem, so förderte - nck> Cäsar die Inden in Alexandria wie in Rom durch b. sondere Begünstigungen und Vorrechte, und schühie namentlich ihren eigenidümlicheu Cult gegen die griechischen Localps >sft„. Die beiden großen Männer dachten natürlich nicht daran, vr hellenischen oder italisch-hellenischen Rationalität die jüdisch' ebenbürtig zur Seite zu stellen. Aber der Jude, der nicht wie der Occidentale die Pandora- Gabe politischer Organisation empfangen bat und gegen den Staat sich wesentlich gleichgiltig verhält; der ferner ebenso schwer den Rer« seiner nationalen Cigentbümlichkeit aufgibt, al» bereitwillig denselben mit jeder beliebigen Nationalität ««hüll« und bis zn ein-m gewissen Grad« die fremde Ratiouajität sich aueigne» — der Jude war eben darum wie geschaffen süeine» Staat, welcher aus den Trümmern von bundert Politien erbau» und mit eiuer gewissermaßen aststtaete« und von vornderein verschlissenen Nationalität auSgrstattet werden sollte. Auch in der alten Delt war da» Judenthum rin wirksame» Ferment he» RoSmopolitiSmu» und der nationalen Deconiposition und insofern eine vorzugsweise berechtigtes Mitglied in dem cäsarifchen Staate, dessen PoltkV hoch eigentlich nicht» al» Deltvürgerthu«, dessen BolkSchümlschkeit eigentlich nicht« als HstRauität war* — Ist da» nicht neu kl «so lang» de—,, - ungefähr hundert Jahre, benor Kaiser Ttlu» Jerusalem zerstört«, wander» terten di« Inden schon. Sie hätte» dahehn noch einen Staat und die heilige Hauptstadt, und denoch rbandeNen st« wie heute I CS liegt als» wol in ihre« Blut«? Da» kann man doch kaum sagen, denn sie find ja srpartistischnational orte kaum ein anderer Volttstamm, sie bestehe« auf ihrem natiionalen Judenthume jetzt noch nach fast zweitausend Jahre« der Verfolgung und Pein. Aber vielleicht nicht auf ihrem nationalen, sondern auf ibre« religiösen Judenthume. Da» mag e» sein, wa« sie erhält und doch ewig thetlt. Sie haben keinen HeimathSsinn, Und «» ist doch «in kosmopolitische» 8%> ment in ihnen, in ihrem Geiste. Dieser Geist ist von unermeßlicher Regsamkeit, er tredt sie in« Weite, er treibt sie zu Spekulationen aller Art. Die Philosophie, in welcher sie sich immer heroorgethan bi» zu dem Höhepunkte Spinoza'», ist ja auch eine Spekulation, wie der Handel mit alten Kleidern und den Wechselbriefen auf Millic> en. ES würde gar nicht» ändern, wenn man ihnen Jerusali m und Palästina wiedergäb« zu eigener Staatlichkeit — ihr spekulativer Geist würde die neue Schal« sofort wieder sprengen, denn sie würde ihnen zu eng werden. st»i« würden nicht blo» al» Juden unter Juden leben wollen und leben können. Eie sind eben ein Sauerteig in der neueren Weltgeschichte. Da» heißt seit die heidnischen Götter in» AuSsterben geialhen sind und seit da» Christenthum au» ihrer Mitte hervorgegangrn ist. Die» Christenthum, vielleicht eben weil e» von ihnen stammt, hat die schwerste Zeit über sie gebracht. Ihr« eigentliche Verfolgung beginnt mit der Herrschaft de» Christenthum» und erreicht ihre Höhe mit der Höh« de» Christenthum». Diese wurde im Mittelalter erreicht. .Liebet eure Feind«!,* predigt man und peinigt die Feiad« bi» auf» Blut. Schopenhauer, glaub' ich, sagte einmal, daß von alle» Religion«« daS Christenthum am meisten Blut vergossen habe. Erst feit da» Christenthum durch moderne Denier tu Zweifel gestellt, will sagen, diScutirt worden ist, erst seil dieser Epoche ist die Zeit Cäsar'» für sie wiedergekehrt und sind sie wieder geduldet worden. Die französische Revolution bedeutet den völligen Untargang de» Mittelalter» und bedeutete für sie Erlösung. E» haben sie sich in Frankreich einbürgern könne». Dergestalt, daß man unter den Franzosen selten oder gar nicht frage« hört, ob Der oder Jener ein Jude sei? Sie find bürgerlich verschmolzen. Allerdings nur bi» zu einem gewisse« Graoe. Di« vornehmeren Stände fragen auch dort heute «och müder Herkunft und Abstammung, und man ftagt auch sonstwo danach, wenn e» sich um eine Heirath handelt. Aber im ,;«- selligen Alltagsleben sind sie verschmolzen. In Folge det RevolutioüseGrnstRLste ist tat» auch bei un» — langsam genug! —die Emancipatron der Juden eiU standen, und der Sauerteig, al» »elcher sie wirken, ist immer wirksamer geworden weil er viel mehr Platz zur Wirbsamkett gewonnen hat, und so ist'» ganz begreiflich, daß man an autgezrichneter Stelle immer fragt: Der ist also a»ch ein Jude? Starke geistig« Potenz macht sich überall gelte ad, und kein ruhiger Beobachter kann den Jude» abspreche«, taß sie eine starte geistige Po enz, die wir Sauerteig «ennen, tu sich tragen. Mir war r» immer ziemlich gleichgiltig, ob ein hervorragender Mensch Christ oder Jude, oder Mo«lem oder Heid» wäre. Ich meinte nur immer, gewiffe Aufgaben der Kunst erforderte gewiffe nationale Eigenschaften, um unserem Kunstsinne zu genügen. Deshalb werde uns der Jude ei» Schtller'sche« Drama nicht schaßen, und er «erd« t« althebrätfchen Widerwillen gegen GotteSbilder nicht leicht et» besonderer Bildhauer werden. Lyrik und Musik stehe ihnen vorzug«weis« nah«. Aber anch diese» Borurtheil erlebt jetzt manche llel«rraschung, und «er mag wissen, in welchen Fällen alle« der .historisch« Sauerteig* »och Rene» »ad Brauchbare» henwr- Ma*! -*-

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