Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 26.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Muwesendeu Jktzk wird dir Braut verschleiert oon tiuem flBawwronf ein Mckülchier gesetzt, Und begiebt sich nun der Festzug »User Freudengefchtei zum Me«gtd. Lor demselben ßvttd da« Bnitttpsiar'dütch dch, Priester eingeiegnet *), und 't nun der Zug gleicher Weise zu dem Hause de« Bräuti- «», «so die Hochreit unter Jubel, Gesang und Tan, ge feiert u»ird. Di« Feierlichkeiten dauern drei bi» sieben Tage. Neuvermählte» bleiben zehn Tage ün Hause, ohne auSzu- Stnd die beiden Eheleute Erstgeborne, so haben sie sich bet der Trtmüng'kurch eine von dem Priester zu bestimmende Summe nochmal« auSzulüsen. Dt« Fa>ascha pflegen übrigen« nicht allzufrüh zu heirathen. Bei schweren Krankheiten läßt der Falascha seinen Beichtvater, deren jeder einen unter den Nasirim hat, holen und bekennt chm seine Sünden. Wird er wieder hergeftelll, so bringt er «in Sündopfer. Stirbt er, so wird sofort nach dem Tod« die Leich« geivaschen, in neue« vaumwollzrug ringehüllt und außerhalb da« Hause« getragen oder t« Hause auf ein Lager von Stein>-n hingelegt. Verwandte und Freund« kom- »en sodann in da« Sterbehau«, um mit den Angehörigen zu klagen. Bei« Weggehen sagt man: „Gott tröste Euch*, «orauf di« Antwort erfolgt: „S« treffe Such nicht den dritte TheÜ unsere« Leide«.* Da« vegräbniß folgt bald nach dem Tode. Auf dem Wege zum Friedhöfe, der stet« ziemlich entfernt von den Dörfern liegt, wird sieben Mal angehalten und bet jedem Halt gebetet. Die Leiche wird nicht in einem Sarge, bagegen in einem Grab« von unbehauenen Steinen, die eine Art Gewölbt bilden, bestatte». Während der sieben Trauerlage findet im Sterbehause jeden Morgen eine Klage (Lekso) Statt. Während dieser Zeit darf im Sterbehaus« keine Speise bereitet «verden, Freunde und Berwanvte bringen den Trauernden Speisen und effen mit ihnen. Am dritten und siebenten Tage nach dem Tod«, sowie a« ersten Jahrestage, desselben wird eine Gedächtnißseier (TaSkar) adgehalten und Opfer gebracht, deren Fleisch von den Anwesenden verzehrt wird. Die Nacht vor dem Taekar bringen die Priester mit den nächsten Verwandten de« Verstorbenen mit Gebet und Fürbitte für die abgeschiedene Seele im MeSgtd zu. Da« Gesammtbild, welche» hiernach die Falascha gewähre», ist ein durchaus günstige«. Mitten unter einer der verkommensten Natiönen der Welt, deren bovenlose Unsillltchkeit die europäischen Reisenden und Missionäre nicht grell genug schildern können, wohnt rin einfache«, fleißige«, genügsame« ibth vor allen sittliche« Völkchen. Mag auch unter ihnen MtSkglauden und MyfticiSmu« noch so verbreitet sein, niögen iift* Nasirim beflecket sei» durch ihre Selbstverstümmelung, «tb ihre Priester, wie die Missionäre ihnm vorwerfen, durch DtNtkel und Habsucht, so ist zu bedenken, daß sie Jahrhund«N« hindurch, ja vielleicht seit mehr al« zwei Jahrtausenden abgeschnitttn und getrennt gelebt haben von den Kulturvölkern der Erde, ohne Verbindung mit ihren Brüdern, von detta Beschicht«, deren namrnlosen Leiden und deren geistigen und religiösen Entwickelung sie keine Kenntniß erlangten. An ihren christlichen Landr«genoffen hatten sie schlechte Vorbilder. Die koptische Kirche Abessinien« ist in Götzendienst versunken, »ad deren Priefterfchaft roh, habgierig und ausschweifend. Die beiden furchtbaren Geißel» diese« Lande«,, hie Syphilis stud der Bandwurm, welche in Folg« der Unfittlichkeit und schmutzigen Böllerei de« Volke« nirgend« in der Welt so verbreitet sind, al» hier, find bei den sittenstrengen, reinlichen U»d müßigen Falascha nicht zu finden. Ihr treue« Festhalte» an den Gebote» der Thora, die st« von der-Berührung »ud der Verzehrung alle» Unreinen und vor den Gräueln der Unzucht bewahrt, hat st« ale ein aesunde« und einfache«, körperlich und sittlich reiue« Volk erhalten. An ihnen bewährt •' Ut Qcm* (ft fette« wm Fted. te» tch'diese N»zc»»n sich s« recht der Spruch de» Psalm isteu. »haß unsere heilge Thora ein wahrer „Baum de« Leien« ffi fllr Alle, die an ch» fefthalten." Und gegen diese« wackere Volk haben in neueren Zeiten evangelische Missiouäre einen vollständigen Feldzug geplant, um sie dem uralte» Glauben ihrer Väter zu entr.ißen. Da da» Machtwort de« König« Theodöru» die Bekehrung zu dem Protestantismus verbot, so haben dies« Männer, worunter leider hauptsächlich Deutsche, sich nicht gescheut, di« Falascha zu der von den Missionären selbst alt, götzendienerisch und durch eine lasterhafte Priesterschaft befleckte Kirche der abessiuischen Kopten bekehre» zu laffen. DifI« Bestrebungen haben über die friedliche Falascha Leid und Trübsal mancher .Art gebracht. Doch glücklicherweise nur für kurz« Zeit, da da« bald erwachte und, wie e« scheint, durch katholische Missionäre genährte, Mißtrauen de« König« Theodoru« gegen die Jundenbekehrer, dem Treiben derselbe« ein End« folgte. Schon werden aber wieder von Neuem dte Fäden gesponnen zu diesem unseligen Werte und wer wetß, ob nicht bald wiederum für die Falascha di« Stunde der neuen Anfechtung schlägt. *) Und wir. die europäischen Juden, sollen wir dt« Hände in den Schooß legen und ruhig zufehen, wie man unsere« Brüdern im fernen Mohrenlande neu« Fallstricke legt? De» Sendboten der Alliance haben sie freundlich ausgenommen, deren Bestrebungen freudig zügesiimmt und ihr« Sehnsucht nach Belehrung in rührenden Worten ausgesprochen. Sie he ben ihm vertrauensvoll einen der Ihrigen mitgegeben, damit er in Europa Belehrung findet und später selbst ein Lehrer seine« Volke« werde» möge. Wir dürfen e« aber bei diesem einen Versuche nicht b,» wenden laffen. Mag der Zugang zu dem Innern de«, zur Zeit durch Anarchie zerriffenen und durch Räuberbanden unsicher gemachten, Lande« noch so schwierig sein, so werdeit sich hoffentlich doch Männer von Energie und Aü»daner, vo r Pflichtgefühl und edler Begeisterung finden, welche sich durch keine Hindernisse abschrecken laffen, wo e« gUt, eine echt jüdische, eine heilige Mission zu erfüllen. Wir haben aber eine solche heilige Pflicht zu erfülle!» gegen diese unsere, so lange »»gekannt und geradezu verborgen gebliebenen Brüder. Wir werden ihnen, dte seit uralten Zeiten sich mit der Thora begnügt haben, schwerlich dte Satzungen und Borschristen de« Talmud« aufdrängen wolle«.. Wohl haben wir aber ihnen die Kenntniß der heiligen Sprach«, da« Gemeingut Israel«, zu bringen und ihnen zu erzähle» von den wunderbaren Schicksalen, die ihre Glaubest«- un» Stammesbrüder auf dem weite» Umkrei« der Erd« erlitten haben. Wir werde» ihnen sagen müssen, daß Aberglaube und MysticiSnlu« nur Früchte de« Verderben«, daß die Selbpverstünimelung und die bi« zum Selbstmorde übertriebene Askese ihrer Nasirim nicht jüdische, sondern heidnische Dinge sind, und daß schon di« oberflächlich« Verehrung eine« ander!» Wesen» al« de« einig einzigen Gotte«, zu allen Zeiten iir Judenlhum al» Götzendienst und al« die schwerste Sünde" gegen die Gebote de» Herrn gegolten haben. Und so will ich schließen mtt dem innige» Wunsche, da>z e« un« gelingen niöge, «in feste« Baud zu knüpfen zwischen un» und dem so merkwürdigen jüdischen Bolk«stamm de« fernen Sethiopi-nS, und daß dies« unser« Brüder sich erweisen mögen al« da« Volk der Verheißung, wie e» einst unser«» Vorfahren im Gewände der Sage erschienen war. Möge «,( ihnen und un« gelingen, dte Mission de« Judenthum« auf Erden zur Erfüllung zu bringen und die Erkenntniß de« ei> nig-einzigen Gotte« und dessen Verehrung in alle Lände: und unter allen Völkern der ffikUjtt verleiten, damit „di: Grd« ihrer voll sei, wie dte Wasser da« Meer bedecken." Metz, Rechtsanwalt. *i tiefer bat Xrtife* der Mission«»« i» Atesssnfe» und «fee bei Uu-lltck, welche« sie de« Qclescha «»recht. Hefe», teichsichtig« ich «fault *#?#»««» «ujjetz tu «eröstesptq«»