Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 25.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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je 30 tüchtig« Hiebe mit de« Ochsenziemer, so daß die Wunden erst, in mehreren Monat en^zu heilen pflegen. Lies» Strafe wird nur bei schweren Vergehen, .,). B. ©lul* schände, die jedoch sehr selten »orkommt, zur Anwendung Dchracht. ' Ein, Mädchen, welche« sich vergangen bat, wird zwar wie nach'der Thora dir Priesterlöchter (S. Mos. 31, S) mit Feuer, jedoch nicht mit dem Tode bestraft. Bor den Priester geführt, halbste ihr Vergehen zu bekennen, sodann in der Rühe de» Me-gid selbst da« Holz zu einen» Scheiterhaufen «ch^chäufen und in Gegenwart der ganzen Geineinde, nur »it einer, kümmerlichen Bekleidung an Brust und Hüften versehe«, in die Flammen desselben hinein zu springen. Sie »Kd . jedoch sofort au« den Flammen herausgezogen und hat, "fgbalb dir Brandwunden geheilt sind, eine Ziege als Sühn- «pferuzn dringen und da- ReinigungSbad zu nehmen Sie t^d hierauf von dem Priester mit dem EntsündigungSwaffer RMtngt'und erst hiernach wieder in die Gemeinde aufge- , -Die Vielweiberei ist zwar den Falascha nicht verboten, «brr nicht gebräuchlich. Ehebruch wird auch bei dem Mann destraft, sowie die Unkeuschheit der unverheiratheten Männer. «Hie Strafe ist Geißelung, allerdings gelinder als bei dem Malkut, und da» Dardringen eine«'Sühnopfer« (zwei Ziegen). Sodann gleichsall« da« Bad und die Bespreugung mit dem EntsündigungSwaffer. Bi« dahin bleiben sie von dem Zutritt pik dem Äe-gid und von andern gottesdienstlichen Handlungen auSgefchloffen. Ein Falascha, der sich durch den Genuß von Speisen hei Richljudea verunreinigt hat, darf 7 Tage lang nur Waffer «Ab rohe Schimbera genießen. Sodann hat er einen Becher Noeanonv» fein Abführmittel) zu trinken, ein Sühnopfer zu beingen, Buße an den Priester zu zahlen und sich mit sieben Hieben getßelp zu laffen. Erst hiernach wird er wieder zur flslemeiudr "zugrlaffen. , Tabakrauchen und Schnupfen ist streng verboten, die Znwtdrrhandelnden haben keinen Zutritt zum MeSgio. Da» Verbot de» BlutgenuffeS wird streng beachtet, da» Fleisch, da« übrigen» bei den Falascha nicht häufig gegeffen »Eh, ustrd deshalb' in kleine Stücke geschnitten, und diese so lange in Waffer gelegt, bi« alle« Blub 'heraus ist. Rohe» Fleisch^ die LieblingSspeise der christlichen Abessinier, zu genie» UW» W durchaus verpönt und kommt nicht vor. Die Trenn- Mf' von Fleisch« und Milchspeisen jedoch kennen sie nicht. "Ihre Hauptnahrung bilden 'k'vS-Brobe in Form dünner Kbchefl oder Fladen gebacken, auch wohl Kuchen von Durrha und Schintbera, sowie saure Milch und irgend «ine Pfeffersuppe. >->> , . •» •* Bei ihren häuslichen Mahlzeiten, welche sie übrigen» bei «erhängten Thüren und nur sehr ungern in Gegenwart von Fremden vornehmen, waschen sie sich vor dem Effen die Hände, »on»»f"brt Hausvater folgende« Gebet spricht, in welche« die Eischgenoffen bei jedem Absatz« mit Amen einfallen: ' Gelobt sei der Ewige, der'Gott Israel«, der Gott Abraham«, Isaak« »nd Jakobi, der aller Menschen Gott ist. 2hm sei Ehre, de» Herrn aller Herrn sei Lob! Die da waren und di« da kommen werden, sollen loben ihn, der allen Hungrigen Speise gibt. O Gott, uusrr Herr,, gib un« Deinen Segen. Mit dem Segen, womit Du Abraham gesegnet hast, feg»« un«. Me Du der Abitara") Fruchtbehälter gesegnet hast, segtze nn«. •n» AkArt« unsern AuSgang und unser« Eingang. . . We Du/Israel bewahrt Haft, bewahr« un«. Du chast'gefagr: da» Leb der Menschen ist meine Speis«, bringen wir Dir unser Lob «nd preise« Dich in Ewigkeit. ASHet'-den Herrn «it einem neuen Lob, gebet sei«« •JMli. ,1 , ... - " »4t ■ i'i f i)ki* WM ^AewSsüretziige setze WOtztttzSÜge Ww reich Hesezuete ^TUU. Namen Ehre. Die Erde und uw« darin««» ist, lobet de» Herrn. Hallelusah. tl «e. Rach Beenidgtzug diese« Gebete« bricht ein Diener oder sonstiger HauSgrnoffe ein große« Stück T'effbrod ab, holt damit al« Löf^l eine Händ völl au« dem oft noch heißen Tops heran«' und legt zuerst dem Hausherrn, dann den etwaigen Gästen und hierauf den übrigen Tischgenoffen vor. Wollen sie besonder« freundschaftlich gegen einander thun, so auch Mann und Frau, so nehm-n sie einen Lappen T'effbrod, wickeln etwa« Speise hinein und stecken eS einander in den Mund. Au Getränken haben sie außer Waffer >»:uptsächlich Bier, au« verschiedinett Hirsearten oder Gerste bereitet, und endlich Honigwein. Nach beendeter Mahlzeit betet der Hautvater da» folgende, gleichfalls von dem' Amen der Tischgenoffen begleitete Gebet vor: ' . ‘ Gott sei gepriesen. Ehr« sei ihin, denn er hat un» mit Speise und Trank erfreut. Bewahre unS vor HungerSnoth. Bewahre un» vor Durst. Erbarme Dich unser und vergib un». Kleide die Nackten und'speise die Hungrigen, o Gott!' Du gibst allem Fleisch« Speise zur rechten Zeit. Du thust Deine Hand aus und sättigst Alle», was da lebt, mit Wohlgefallen. O, Herr, gib Allen, die ihre Hänoe zu Dir aufhebeu, wenn sie eS bedürfen, Speise, Trank und Kleidung. Unser Gott, der in seinem Watte wahr und in seinem Thun heilig und barmherzig ist, segne un«. Erlöse Dein Bolk und segne Dein Erbtheil. Friede über JSrael l > Die Kleidung der Falascha ist von Baumwolle, die Na» sirim und Priester zeichnen sich durch eine besondere Kleidung aus. Dieselben tragen auch auf dem Kopfe eine Art Turban, während die übrigen Falascha strt-> anch. in,dem MeSgib, den Kopf unbedeckt laffen. Die Frauen tragen sich einfach, legen aber an Festtagen gern Schmuck und allerlei Putz an Amulette zu tragen ist ihnen verboten, wo e« dennoch heimlich geschieht, find die Amulette von Christen geschrieben. Die Frauen tragen keinen Schleier und pflegen, wie auch die Männer, da» Haupthaar' rasiren zu laffen. Den Bart laffen sich die Männer nicht rasiren, sondern, wenn er zu lang ist, wird er mit der Scheere geschulten. Männer wie Frauen, insbesondere aber die letzter», zeichnen sich von den übrigen Abessiniern durch größere Reinlichkeit au« Bei der Geburt eine» Kindes bleibt die Wöchnerin, die sich in die abgesonderte Hütte begeben uiuß, 40, beziehentlich: bei einem Mädchen 80 Tage unrein, worauf dieselbe sich mit ihrem Kinde im fließenden Waffer badet, dem Priester ei» in zwei Tauben bestehende» Opfer bringt, mit dem Reinigung»- waffer besprengt wird und daun wieder da» Wohnhaus bezieht. Da» Kind wird au. achten, oder, wenn dieser Tag auf einen Sabbath fällt, am neunten Tage von drei alte« Weibern ohne Eeremonien beschnitten. *• "'u ‘ ' Da» erstgeborene Kind — gleichviel ob Knabe oder Mädchen — wird bei dem Priester mst Geld oder. Lieh, je »ach den BrrmögenSumstäuden, auSgelüft/ der erstgeborene Sohn auch häufig zum Rafir bestimmt und i» 8 oder 10 Jahren den Rafirim übergeben. Die männliche Erstgeburt bei» Lieh-, wird erst, wenn sie ei» Jahr alt ist, dem Priest« gebracht,, und dürfen nur Priester von seinem Fleische effen, die weibliche Erstgeburt behält der Eigenthümer, die Butter aber, dt» von ihrer Milch bereitet wird, erhält der Priester. Die Erstgeburt eine« Siel« wird mit einem Schaf« gelöst. Di« Kinder werden sehr streng erzogen und schon früh zur vesolguug der religiösen Vorschriften angehaltrn. Dee- Vater unterrichtet die Knaben in Ha»«- «nd Feldarbeiten, die Mutter die Mädchen t» den weiblichen Arbeite», wog» namentlich Spinnen, dfp' Frnchttrimguna und dt« Handha»- buug der Haudmühle» gehör». (Schlich-folgt)