Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 20.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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M 20. 1875. Isrsrlrtisihr Wochen-Zchrifl ffit die religiösen »nd socialen Inlereffen deS Jndeuthums. d4nt((4 (Ist Kt. trttt M (Im PsAä«ter» ». Vschtz(»vl»SD(S t 9Url tl |f Dtreett AUseuvssO: i» DeurschlM»d 10 Start, WOch Otfttmi* st., R. strt»kreich 14 Hte4.. M. fcifirt, -tUamv 1» «, A. IwrtU U «t . jihtl. PrstsUMtrssd» -ieratttwoctlicher Redakteur und Heransgedtr Rabbiner vr. 2i. Lrenenfeis in Stettin. Asstestt »per»«« mH SO ff fit Mt tzttt,ef»Kltt«! 9*tUieiW oder Km fUum dtttchstt. : Die VitG»«n»tiritz hei »er „Or»thi1t>s - im MtGtzedstG^ ei,trestt«dt» ststztsssch i» der »Lchkte» N«««er »KfiMtaK. f (s|t(asmMrs A ll |j. M •SlXtit litiittitllatt* «M •rttil kimrltiL Magdeburg, 13. Mai OxP-bttts» Kr iir te Mußbebur^ »tdett fttttft» Msif. Inhalt: £«it*aK tlrtifcl: Zustände in Jerusalem. Berichte über wohlthätiakeitSanftalten und Verein«. — vartcht« tial» C*mf»»»»«Kt«»t Deutschland: Stettin, Breslau. vretlau. Au« Baiern. — Belgien: Rotterdam Brüssel. — Rußland: Vt. Petersburg. — vermischt« n«d neuest« Nach richte»: Magdeburg. SLttingen. Kattowi». Erlangen. Wien. Wien. Men. Lin». Pari«. — UerUNet««» Di« Juden in Abessinien. — Inserat«. AuftSude iu Jerusalem. Line der nolhweodigsten Folgeerscheinungen de« Müßiggänge« ist bekanntlich jene psychische Abspannung, welche so HLufig zum Au«gang«punkle eingebildeter und wirtlich enlstandeuer physischer Leiden wird, von diesem Standpunkte cm« betrachtet, hat allerdings kaun» noch eine zweite Stadt relativ so viel« Leidend«, wie da« 3000 Fuß über dem Meeresspiegel gelegene, im Ganzen recht gesunde, Jerusalem, dessen Klima leider nur durch künstlich erzeugte Faktoren, wie, dicht gedrängte« veisammenwohnen in elenden, dumpffeuchten Quartieren bei schlechter, ungenügender, oft geradezu ichädltcher, Nahrung, orientalischen hier n:it iiaportirtrm polnischen gepaarten Schmutz, frühe« Anhalten der zunieist anämischen uyd scrophuläsen Knabeu zu angestrengten Talmudstudien, zu frühe« Heirathen u. dgl. mehr, nicht unwesentlich alterirt wird. Diese zum Theil den ungünstigen Verhältnissen entsprungenen Uebelstände erklären wohl eine imposante Anzahl von Erkrankungtfällen, aber nicht die sich au» den, der statistischen Tabellen ergebende enorme Summe von 70,000*) von den 13000**) jüdischen Einwohnern. Und in der Thal kann man dreist drei vienheile dieser ärztliche Hilfe Suchenden, von ») Hier di« Zusammenstellung der mir von den Herren »erzten freundlichst «itgrtheilten Daten in runden Zahlen: »ngl. «isfio»«spital 20000, RorhschUd-HoSpicai 17000, Bikur.Eholim 16000, vom Arzte de« griechische» Hospital« 8000 behandelt. „ „ » deutsche» * 3000 „ „ „ „ lateinischen „ 4000 . von Munizipal., Militair. und noch einige» hier praktizirenden Aerzten zusammen 3000 I» Summ also — ohne di«, von den viele» arabischen und jüdischen Quacksalbern Behandelten «itgezthlt zu haben — 70000 **/ Entgegen allen andern — wahrscheinlich illteren Berichten j»A»»m«N«— Angabe», muß ich obig« Zahl «ll« die heut« «inzi»» »ichder Liste der Kranken streichen; denn da« größte Tonlingent zu obiger Ziffer stellen jene, in Folge de« süßen NichtSthun« gelangweilten und abgespannten, oft mit Hysterie und Hypochondrie behafteten Individuen, welche den Ambulanzrag al« angenehme Zerstreuung betrachten und darum zur Verzweiflung der Aerzir die HoSpitalSräume füllen. Andere wieder, welche in dem Krantenhau« nur die BerpflegSanstalt erblicken, stehen nicht an. Krankbeiten zu fimnliren, uni in demselben Aufnahme und damit eine warm« Suppe, ein gute» Belt zu finden. Dasjenige Hospital, welche« di« größten Rationen liefert, hat demiiach die größt« Frequenz aufzuweisen; und wenn in dieser Beziehung Km MissionSipital, dessen zeitweilige Geldvertheilung die grüßt« Zugkraft auf die Mafien übt, die Palme gebührt, so mög« man bedenke», daß sich gegen die Beldjäcke englischer Hochlorrie» eben nicht leicht concurriren läßt. Eine dritte Klaff,; von fleißigen SpilalSbeiuchern bilden die arnien, altersschwachen, allein dastehenden Greise. Je nun — senectus ipso morbus — wer wird e« gerade diesen verargen; ein Asyl für solche zu gründen, daran hat noch Niemand gebaut. Unter solchen Verhältniffen wird man wohl leicht die exorbilan»: Maffe Kr angeblich Kranken aus ihr natürliche« Maaß zurück führen können, zunial wenn .: an weiß, daß die ständigen SpitalSbummler regelmäßig an «in und demselben Tage sämmtliche HoSpitäler nach einander besuchen und natürlich in jedem derselben vermerkt werden. Mil etwa« Seife und Waffer, mit einer kräftigen Brühe, einen» guten Bett, und einiger Beschäftigung ließ« sich sehr woh^ da« Gro« unserer Kranken heilen; indeß sammeln die düpirten europäisch»» GlaubenSbrüKr noch immer für „Spitäler" und Zubehör. Gebt Brod, ihr edlen Männer, nicht Medikamente! Bauet Werkstätten, uicht HoSpitäler! Lehrt arbeiten und schaffet Arbett I Denn Müßiggang ist Kkannlich auch aller Laster Anfang. Wer will sich dann verwundern, wenn eine rohe ungeschlachte Rotte von vielen tausenden, au« alle, Herren LäuKr bunt zusammengewürfelter Müßiggänger, uw. doch irgend welche Zerstreuung zu haben, intriguirt und chi»